Gesinnungstests unter Freunden mit dem Stern

Das Magazin Der Stern gibt auf seiner Homepage eine Anleitung, wie man seine Freundesliste auf Facebook von Pegida-Anhängern säubert.

Pegida geht Ihnen auf die Nerven? Und sie wollen keine Freunde, denen Pegida gefällt? Mithilfe eines Links können Sie nun sehen, ob einer Ihrer Freunde bei Facebook mit der Bewegung sympathisiert.

 

"Ingsoc" Die Partei aus "1984" von George Orwell.
„Ingsoc“ Die Partei aus „1984“ von George Orwell.

 

Ein Freund und politischer Feind

Zu meiner Schulzeit am Ende des letzten Jahrtausend hatte ich einen guten Freund. Wir haben uns oft gesehen und jahrelang zusammen Computer gespielt. Fast jedes Wochenende wurden die PCs in Autos gepackt und in seinen Keller gebracht, wo wir beide und zwei weitere Freunde Platz hatten, um unzählige Partien Counterstrike zu spielen. Was sich nach einer stinknormalen Jugend eines heute etwa 30jährigen anhörte, hatte eine besondere Komponente.

Mein Freund war Kommunist. Nicht nur irgend etwas halbgares, sondern 110 % Kommunist. Ich war 110% Antikommunist, schon damals. Doch während wir beiden Teenager gelegentlich mal eine kleinere Diskussion um Politik hatten, die vermutlich auch vehement geführt worden sein dürfte (ich erinnere mich nicht mehr), stand unsere Freundschaft nie zur Debatte. Wir beide wussten, dass es schlicht irrelevant war, was der andere politisch dachte. Wir waren Freunde, wollten zusammen Bier trinken und Computer spielen und vielleicht auch mal an unseren Mopeds herumschrauben. Warum also hätten wir uns unsere Freundschaft wegen gegenteiliger politischer Ansichten stören lassen?

 

Mit Gesinnungstests für eine eindimensionale Welt

Der Stern verweist auf einen Blogartikel, der erklärt wie man mittels Graph Search bei Facebook nach Freunden sucht, die bestimmte Seiten mögen. Neben einem fertigen Link für Freunde die die Pegida-Seite geliked haben, werden gleich auch noch Links für die NPD und die AfD angeboten. Dies soll einem helfen, Freunde mit der falschen Gesinnung einfacher zu finden und sie so aus der eigenen Freundesliste zu entfernen.

Schon in meinem letzten Blogartikel habe ich Norbert Bolz zitiert, der eine in Deutschland unbekannte Selbstverständlich genannt hat. Zur Meinungsfreiheit gehört es nicht nur, dass Andere ihre Meinung sagen dürfen ohne hinter Gittern zu landen. Es gehört auch dazu, dass man Respekt vor ihrer Meinung zeigt.

Ein Freundeskreis entwickelt sich normalerweise selbständig. Man wird mit den meisten Freunden Gemeinsamkeiten teilen und ein politischer Mensch wie ich dürfte vor allem auf Facebook „Freunde“ haben, die wie er selbst ticken. Dennoch habe ich nie einen Gesinnungstest gemacht um herauszufinden, wie jemand tickt, da es schlicht die Privatsache der Personen ist. Wenn ich mit jemandem Rennradfahren gebe, dann wird doch das Rennradfahren nicht schlecht, nur weil er die „falsche“ Partei wählt.

Selbstverständlich habe ich auch Leute entfreundet, auch wegen politischer Sachen. Dies aber normalerweise nur, weil sie entweder schlicht dumm waren, kein Benehmen hatten oder aber langweilig waren. Viele andere hingegen habe ich stumm gestellt, weil ich zwar nichts von ihnen hören will (aus politischen oder anderen Gründen), aber eben die Freundschaft nicht beenden möchte.

Damit mir jedoch etwas davon auffällt, mussten sie sich offen zu politischen Themen äußern. Welche Seiten sie geliked haben, ist schlicht irrelevant für mich.  Würde ich nach dem Vorbild des Stern vorgehen, würde ich in einer schrecklich eindimensionalen Welt leben.

 

Nur Konfrontation bringt Fortschritt

Wenn ich an meine eigene Vergangenheit zurückdenke, so habe ich einige Dinge geglaubt und auch vertreten, die schlicht Unsinn waren. Während ich einen Teil durch mein Studium und damit durch Bildung ablegen konnte, wurden die anderen Überzeugungen zum Wanken gebracht, indem man mich konfrontiert hat.

Tage- und nächtelang habe ich beispielsweise Diskussionen um Israel geführt, weil von mir respektierte Freunde sich die Zeit genommen haben, den anders denkenden, mich, damit zu konfrontieren und mit ihm zu diskutieren, statt schlicht den Kontakt abzubrechen. Mich persönlich hat das enorm bereichert und mir dabei geholfen, viele Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und vieles Gewohnte und kritiklos Gelernte einer Überprüfung zu unterziehen.

Dass im „Land der Dichter und Denker“ inzwischen ein Geist herrscht, der die intellektuelle Isolation für einen angestrebten Zustand erachtet, ist erschütternd. Wie, wenn nicht durch Reibung, kann man seine Ansichten spitz feilen und damit präzisieren?

Wie soll man kritisches Denken je lernen, wenn man sich nicht mehr mit fremden Ansichten auseinandersetzt? Wie soll man sich geistig weiterentwickeln?

 

Beim Stern hält man all das offensichtlich für falsch. Dort hält man eine konfrontationslose Welt für einen erstrebenswerten Zustand. Wie bedauerlich.

Sexismus und anderer Unsinn

Mit meiner Schwester sprach ich vor einiger Zeit über „Nein“ von Frauen. Ihrer Meinung nach habe der Mann bei einem „Nein“ aufzuhören und jedwede Avancen umgehend einzustellen. Ich begegnete darauf, dass, sollte sich jeder daran halten, die Menschheit zu existieren aufhören würde. Egal ob es um eine „kurzfristige Begegnung“, eine Romanze oder eine lebenslange Beziehung geht, gerade in der Anfangsphase ist es die Aufgabe des Mannes, sich voranzutasten. Nur wenn der Mann ausdauernd bleibt, kann er zum Erfolg führen. Würden alle Männer bei dem ersten Nein aufhören, so gäbe es entweder keine Menschen mehr, oder aber Frauen müssten die Initiative ergreifen.

 

Ein kleines Überschreiten der Grenzen ist unvermeidbar

Es ist schlicht unvermeidbar, Grenzen zu überschreiten, will man(n) zum Ziel kommen. Ob es der erste Kuss ist, der für die Frau überraschend früh kommt. Ob es die Einladung zur Übernachtung ist, oder der Versuch der Frau aus ihrem Pullover zu helfen. Oftmals geht der Mann zu schnell vor. Jeder Leser, ob Mann oder Frau, wird das kennen. Was wäre denn, wenn die Irren es schaffen würden, ein Klima der Angst unter Männern zu erzeugen? Was wäre, wenn jeder Mann nach einem Nein – und am besten schon vorher – öffentliche Kreuzigung oder gar strafrechtliche Konsequenzen zu erwarten hätte? Wie sollte das Kennenlernen und Näherkommen dann stattfinden? Sollten Männer etwa vor jeder Handlung fragen? „Darf ich Dich küssen?“, „Darf ich Deinen Po anfassen?“
Im Ernst? Ich hätte eine bezaubernde Frau in meinem Leben niemals kennen gelernt, wenn ich mich von einer anfänglichen Ablehnung ihrerseits hätte entmutigen lassen…

 

Frauen sind keine kleinen Kinder!

Was soll diese unselige Bevormundung von mündigen Frauen? Wieso muss jede Frau über einen Kamm geschoren werden? Gibt es nicht etwa Frauen, die stürmische Avancen attraktiv und schmeichelhaft finden? Ziehen Frauen enge Hosen wirklich nur an, weil sie ihnen selbst gefallen, nicht etwa weil sie es genießen, von Männern begehrt zu werden? Ist es nicht viel eher das Problem an der Brüderle-Geschichte, dass es sich um den alten Brüderle gehandelt hat? Hätte die empörte Journaillistin ebenso reagiert, wenn Brad Pitt oder George Clooney, oder wen auch immer jemand ihres Schlages gerade anhimmelt, den Kommentar über ihre Fähigkeit zum Füllen von Dirndln gemacht hätte?
Wo ist das Problem, wenn eine Frau ein Kompliment bekommt, das ihr nicht gefällt? Ich bin eben gerade nicht sexistisch, weil ich davon überzeugt bin, Frauen können sich selbst helfen. Wenn eine Frau meine Avancen nicht mag, wird sie ja wohl in der Lage sein, mir dies deutlich mitzuteilen. Sie wird, sollte ich mich nicht beirren lassen, die Heftigkeit ihrer Ablehnung schon äußern können. Denn auch Männer bekommen Avancen die ihnen nicht gefallen. Nur ist die Gesellschaft hier tatsächlich wieder sexistisch, weil sie von einem Mann schlicht erwartet, er müsse mit unerwünschten Avancen leben können, ohne deshalb gleich eine Mitleidstour zu fahren. Es sei denn natürlich, der Mann reagiert heftig ablehnend auf die Avancen eines anderen Mannes. Dann ist er natürlich homophob und gehört auf dem Scheiterhaufen der öffentlichen Meinung verbrannt.
Ist es wirklich zuviel verlangt, dass eine Journalistin nach einer unpassenden Avance eines Politikers einfach: „So nicht, mein Lieber“ sagt, oder ihm von mir aus auch ihr Getränk ins Gesicht schüttet?

 

Reißt Euer Maul auf, verdammt!

Wenn sich eine Frau belästigt fühlt, soll sie es verdammt noch einmal sagen. Mit der einen Frau kann man den ganzen lieben langen Tag schmutzige Andeutungen und Witze machen, sie beantwortet diese möglicherweise mit gleicher Münze. Es soll nämlich tatsächlich Frauen geben, die mit ihrer Sexualität im Reinen sind und diese auch selbstbewusst genießen.
Wenn eine Frau den Umgangston eines Mannes hingegen nicht erträgt, ist es dann wirklich zuviel verlangt, dies so zu äußern? Ab dann ist es ja schlicht eine Frage der Höflichkeit, damit aufzuhören. Dafür brauche ich dann keine Journaillisten und Politiker, die mich belehren wollen. Dafür reicht mein Elternhaus völlig aus.