Atlantic Resolve: Amerikanische Panzer sichern den Frieden.

Als Anfang 2017 das 3rd Armored Brigade Combat Team der US-Army über deutsche Häfen nach Osteuropa verlegt wurde, schimpfte eine Allianz aus aufrichtig Friedensbewegten, Antiamerikanern und Fans der russischen Despotie über die Provokation gegen Russland und die Kriegstreiberei der USA. Tatsächlich ist die Verlegung jedoch das genaue Gegenteil: Sie sichert den Frieden.

Kriege werden begonnen und eskalieren, weil eine Seite die Konsequenzen für kontrollierbar und im Rahmen ihrer Fähigkeiten eingrenzbar hält. Als Saddams Armee 1990 in Kuwait einmarschierte, ging er eben nicht davon aus, dass eine breite Allianz unter der Führung der USA mit hunderttausenden Soldaten seine Armee, die noch nicht einmal die durch Revolution und Embargo geschwächten iranischen Streitkräfte schlagen konnte, in Stücke schießen würde. Er war davon überzeugt, dass er die Konsequenzen seiner Invasion des südlichen Nachbarlandes würde kontrollieren und eingrenzen können.

Sichert den Frieden: Ein amerikanische M1A2 Abrams Kampfpanzer.
US-Army Photo

Der Koreakrieg begann, weil Nordkorea, die Volksrepublik China und die Sowjetunion glaubten, die USA würden sich nicht einmischen oder sich ihr Engagement kontrollierbar in Grenzen halten. Die USA wiederum überschritten den 38. Breitengrad nur, weil sie glaubten die Reaktion der Rotchinesen wäre kalkulier- und kontrollierbar. Ein Russland, das glaubt es könne Grüne Männchen ohne gravierende Konsequenzen nach Estland schicken, könnte damit den Bündnisfall in der NATO auslösen.

Wenn die USA jedoch eine Truppe von kaum 4.000 Mann in die östlichen Länder der NATO verlegt, wird Russland davon nicht bedroht. Diese 4.000 Mann sind noch nicht einmal in der Lage, sich selbst auch nur im Ansatz lange genug zu verteidigen, bis Verstärkung eintrifft, wenn Russland eine ernst gemeinte Offensivoperation durchführt.

Ihr tatsächlicher militärischer Nutzen ist vielmehr der, dass sie Russland deutlich machen, die Konsequenzen militärischer Abenteuer in Richtung der baltischen NATO-Staaten werden sich nicht beliebig eingrenzen und lokal beschränken lassen. Sie zeigen Russland, dass es im Falle eines Angriffs die USA garantiert mit in einen Krieg hineinziehen wird. Weil es dann eben nicht mehr nur um ein Land geht, das der durchschnittliche Amerikaner nicht auf der Landkarte finden kann, sondern weil dann US-Soldaten getötet wurden, was eine Antwort verlangt. Diese Soldaten dienen also offen sichtbarer Stolperdraht.

Dass Russland von diesen wenigen Soldaten nicht bedroht werden kann, weiß man sowohl im russischen Verteidigungsministerium, wie auch im Kreml. Russland ist lokal drückend überlegen und kann wegen der kurzen Kommunikationswege seine Land- und Lufteinheiten fast nach Belieben zum Einsatz gegen die in den Grenznationen stehenden NATO-Einheiten werfen. Allerdings weiß man dort auch, dass man die baltischen Staaten nun definitiv nicht mehr nach Belieben bedrohen und herumschubsen kann.

Kritische Stimmen aus Russland zur Truppenverlegung, die in Richtung Säbelrasseln, Eskalation oder Ähnliches gehen, zeugen daher nicht von aufrichtigen Sorgen bezüglich einer militärischen Bedrohung. Sie zielen vielmehr auf die europäische und amerikanische Öffentlichkeit. Diese soll mit solchen Aussagen beeinflusst werden und den Verteidigungswillen der NATO schwächen. Wie man sieht, nicht gänzlich ohne Erfolg. Denn tatsächlich sorgen die US-Soldaten mit ihrer blanken Präsenz dafür, dass Russland eben keine militärischen Abenteuer wagen wird, die außer Kontrolle geraten und einen großen Krieg beginnen können. Sie sichern daher den Frieden, auch für Russland.

Entsprechend sind solche Beiträge entweder durch völlige Unkenntnis der Materie gekennzeichnet, was peinlich wäre, oder als klares Bekenntnis dazu, dass das despotische Russland gefälligst seine demokratischen Nachbarländer nach Belieben erpressen können soll:

Wenn von den gleichen Leuten nicht ein Wort des Protestes zu hören ist, wenn Russland unangekündigte „Snap Exercises“, also überraschend durchgeführte Großübungen, mit mehr als 100.000 Mann durchführt, bei denen die Invasion von Nachbarländern geübt wird, so spricht das für sich.

 

 

Mein aktuelles Buch befasst sich mit der „Flüchtlingskrise“ und ist hier käuflich zu erwerben: Nein, wir schaffen das nicht!: Warum die aktuelle Flüchtlingskrise zu einer Staatskrise wird

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MANPADS im Kontext

Der frühere russische Vize-Premier Alfred Koch glaubt, der jüngste russische Abzug aus Syrien hänge damit zusammen, dass die Rebellen nun über „Stinger“ (gemeint waren wohl MANPADS im Allgemeinen) verfügten. Die Diskussion auf dem Profil des Journalisten Boris Reitschuster zeigte, dass die Allgemeinheit beschränkte Kenntnisse über dieses Waffensystem verfügt.

 

Was sind MANPADS?

Durch einzelne Personen tragbare Waffensysteme zum Abschuss von Flugobjekten werden MANPADS, also „Man Portable Air Defense System“ genannt. Mit einem einfachen Visier auf dem tragbaren Startgerät werden die Waffen auf das Luftziel ausgerichtet, bis der in der Rakete befindliche Sensor das Ziel erfasst hat. Dann feuert der Schütze die Rakete ab, die aus dem Abschuss- und Transportbehälter ausgestoßen wird. Nach wenigen Metern zündet ein Raketentreibsatz, der die Luftabwehrrakete beschleunigt, aber wegen der geringen Größe der Rakete schon nach wenigen Sekunden wieder ausgebrannt ist. Dabei kann die Luftabwehrrakete eine Geschwindigkeit von Mach 2 bis Mach 2,5 erreichen. Mit ihrem Infrarotsensor (es gibt auch andere Systeme, die jedoch für untrainiertes Personal völlig ungeeignet sind) erfasst die Rakete dabei das Ziel und ist in der Lage Kurskorrekturen selbständig vorzunehmen, um das Ziel zu verfolgen. Erreicht sie das Ziel, zündet der Aufschlagzünder und eine kleine Sprengladung beschädigt das Flugzeug im Idealfall schwer genug, dass es abstürzt. Was leicht klingt, ist in der Realität jedoch merklich anders.

SA-7 MANPADS
SA-7 MANPADS

 

Wie effektiv sind MANPADS?

Was sich in obiger Beschreibung wie ein perfektes System anhört, ist in der Realität deutlich weniger furchteinflößend. Das hat mehrere Gründe:

  1. Reichweite: Der Laie liest beispielsweise bei Wikipedia, dass die FIM-92A Stinger eine Reichweite von 6 Kilometer und eine Bekämpfungshöhe von 3,5 Kilometer habe. Dabei ignoriert er gerne, dass das „maximal“ nicht grundlos davor steht. Während er sich die Reichweite einer solchen Rakete wie eine Walze vorstellt, entspricht sie vielmehr einem Kegel. Einem sehr flachen Kegel.
    Die abgefeuerte Rakete hat nur einen kleinen Treibsatz, der ihr nur eine beschränkte Energie für die Fortbewegung verleiht. Ist der Treibsatz ausgebrannt fliegt sie noch ein paar Sekunden weiter, Kraft ihrer Massenträgheit. Gleichzeitig fällt jedoch auch die Geschwindigkeit rapide ab, nicht zuletzt wegen des enormen Luftwiderstands bei Überschallgeschwindigkeit. Je höher die Rakete aufsteigen muss, desto weniger weit reicht sie aber auch. Ein weiterer Faktor ist, dass jede Kurskorrektur der Rakete ebenfalls gewaltige Energiemengen frisst.
    Das heißt, ihre „maximale Bekämpfungshöhe“ erreicht die Rakete überhaupt nur, wenn sie fast senkrecht nach oben geschossen wird und einfach nur aufsteigen kann. Ihre maximale Reichweite erreicht sie nur, wenn sie einer sehr flachen Flugbahn direkt auf das Ziel zufliegt. Schon einen Kilometer vom Abschussort entfernt ist die maximale Bekämpfungshöhe um hunderte Meter niedriger.
  2. Das Ziel ist keine einfache Beute: Besonders effektiv sind solche Waffen nur, solange sich der Gegner noch nicht darauf eingestellt hat. Dann gelingt der Hisbollah schon auch einmal ein Treffer mit einer ASM auf einem israelischen Kriegsschiff, weil dieses seine Abwehr gegen Flugkörper überhaupt nicht eingeschaltet hatte. Dies geschieht beispielsweise, weil man nicht das Risiko eingehen will, versehentlich eigene Flugzeuge abzuschießen. Täuschkörperwerfer sind mitunter abgestellt, weil man keine Bedrohung am Boden erwartet, die Täuschkörper auch Geld kosten und zudem am Boden Gebäude und Felder in Brand stecken können.
    Hat sich der Gegner jedoch auf die neue Bedrohung eingestellt, kann er ihre Gefährlichkeit merklich reduzieren. Mit Störkörpern und aktiven Abwehrsystemen IRCM (Infrared Countermeasure) und DIRCM (Directional Infrared Counter Measures) können Flugzeuge und Hubschrauber die Erfassung verhindern oder bereits abgeschossene Raketen täuschen. Abwehrmanöver können im Verbund mit bordeigenen Gegenmaßnahmen die Rakete zum Abreißen der Zielerfassung bewegen, eine mit den Abwehrmanövern verbundene Beschleunigung des Flugzeugs kann dieses auch schlicht aus der Reichweite der Rakete bringen.
    Mit anderen Flugprofilen kann eine Erfassung durch den Schützen verhindert werden, weil dieser für die Zielerfassung qualvolle Sekunden braucht. Bricht dabei der Sichtkontakt ab, muss er von vorne anfangen, wenn das Ziel wieder ins Blickfeld kommt. Wird die Hitzesignatur beim Anflug aus der Sonne heraus oder durch die Tragflächen ausreichend verdeckt, kann der Schütze das Flugzeug erst beim Abflug erfassen, während es Sekunde um Sekunde die Distanz erhöht und damit die Effektivität der Rakete verringert.
    Andere Flugtaktiken können auch die Zeit im gefährdeten Luftraum verhindern, beispielsweise durch hohen Anflug, Verringern der Flughöhe direkt über dem Ziel und anschließendem sofortigen Wiederaufstieg.
    Hubschrauber und langsam fliegende Flugzeuge haben oft auch Schützen mit schwerem Maschinengewehr in der geöffneten Heckklappe sitzen, der einen potentiellen MANPADS-Schützen visuell ausmachen und umgehend mit Unterdrückungsfeuer/Deckungsfeuer belegen kann, damit er nicht zielen kann.
  3. Der Schütze: Selbst ein geübter Schütze braucht etwa eine halbe Minute, bis er die Rakete abgefeuert hat. Diese Zeit über muss er sich ein Stück weit exponieren und zudem das Ziel visuell in direkter Linie erfassen können. Die Exponierung kann aus der Luft (oder über Schützen auf dem Boden) zur Bekämpfung des MANPADS-Schützen genutzt werden, während die visuelle Erfassung durch Flugprofile und gewählte Tageszeiten und Wetterumstände ebenfalls beeinflusst werden kann. Ein Jet im Tiefstflug mit hoher Geschwindigkeit ist so nur sehr schwer zu bekämpfen, weshalb auch die Sowjets in Afghanistan so zu fliegen begannen.
  4. Die Waffenwirkung: Da die Rakete nur einen kleinen Sprengsatz in sich trägt, können durch MANPADS beschädigte Flugzeuge oft genug noch kontrolliert landen und sind dabei mitunter sogar noch reparabel.

Entsprechend ist die tatsächliche Effektivität dramatisch geringer, als es sich Manche vorstellen oder als ich es auch selbst beispielsweise noch in meinen Schulbüchern über den Afghanistankrieg lesen konnte. Die Kampfjet-Verluste der Sowjetunion in Afghanistan waren auch nach dem Auftauchen der Stinger nämlich keineswegs verheerend. Tatsächlich verlor die deutsche Bundesluftwaffe im gleichen Zeitraum mehr Flugzeuge beim Training, als die Sowjets durch Feindeinwirkung in Afghanistan!

MANPADS sind so etwas wie Panzerfäuste gegen Flugzeuge, weshalb sie in Deutschland auch Fliegerfaust genannt werden. Die Effektivität ist dabei vergleichbar. In der Theorie nicht schlecht und eine gute Waffe, in der Praxis aber nur ein Notbehelf mit beschränkter Nützlichkeit, wenn der Gegner sich darauf einstellt und seine Taktiken entsprechend anpasst. Einen Luftraum „sperren“ können MANPADS daher mitnichten. Gerade weil Jets zu schnell aus dem Wirkungsbereich von MANPADS fliegen können, sind sie daher nur ordentlich effektiv gegen tief und nah am Schützen fliegende Helikopter, langsame und tief fliegende Flugzeuge sowie startende und landende Flugzeuge, unter deren Flugschneise der Schütze sehr nah am Flugplatz ist. IRCM und DIRCM verringern jedoch auch hier die Effektivität. Es hat schon seinen guten Grund, warum Streitkräfte zur Luftabwehr auch noch über andere Waffen als MANPADS verfügen.

Kurzum: Es gibt kein perfektes Waffensystem. Es gibt nur Waffensysteme, die die „Kosten“ erhöhen. Also den Aufwand, den Materialeinsatz und die Verluste. Kann man diese „Kosten“ schultern, weil das zu erreichende Ziel als wichtig genug eingesetzt wird, dann wird man mit ausreichendem Materialeinsatz auch dann noch sein Ziel erreichen.

 

Zieht sich Russland wegen MANPADS zurück?

Kurz: Nein, garantiert nicht! 

Wenn die Rebellen signifikante Mengen an MANPADS erhalten, wird der Tiefflug für die Russische Luftwaffe gefährlicher, aber keineswegs unmöglich. Für CAS (Close Air Support), den Russland in Syrien typischerweise mit Mi-24 Hubschraubern und Su-25 Flugzeugen geflogen ist, wird es gefährlicher. Allerdings sind beide Systeme auch schon heute erheblich durch die überall in Syrien und dem Irak verfügbaren ZU-23-2 (Flugabwehr-Maschinenkanonen) verwundbar, mit denen der IS die irakischen Kampfhubschrauber bereits 2014 dramatisch dezimiert hatte. Auch überschwere Maschinengewehre sind für beide Fluggeräte nicht ungefährlich.

Während also CAS gefährlicher wird, aber auch dort Technik und Taktik die Gefährdung beschränken können, sind höher fliegende Flugzeuge überhaupt nicht betroffen. Wie bislang auch könnten die russischen Su-30, Su-35, Su-34, Su-24, Tu-160 und Tu-22M3 aus mittlerer bis großer Höhe ihre Bomben abwerfen. Smartbombs kann die russische Luftwaffe ebenfalls problemlos oberhalb der Reichweite von MANPADS ausklinken und selbst seine Eisenbomben kann die russische Luftwaffe dank des SVP-24-Systems (das an Bord des Flugzeugs anhand einer Vielzahl von Daten den perfekten Abwurfzeitpunkt errechnet und die Bombe dann automatisch ausklinkt um sie mit größtmöglicher Genauigkeit abzuwerfen) mit akzeptabler Genauigkeit einsetzen. „Close“ Air Support, also der Beschuss von Stellungen die beispielsweise nur 50 Meter vor den eigenen Truppen liegen, wird damit ohne Smartbombs schwieriger, aber auch nicht unmöglich. Erst recht nicht, wenn Russland im Fall einer zu kurz geflogenen Bombe keine eigenen Soldaten tötet, sondern „nur syrische“ und daher weniger sorgsam agiert. Smartbombs können ohnehin weiter eingesetzt werden.

Ebenfalls verhindern MANPADS nicht, dass Artillerie weiter in die Kämpfe eingreift, auch um kämpfende Truppen direkt zu unterstützen. Artilleriebeobachter oberhalb der Reichweite der MANPADS, sei es in Flugzeugen, Hubschraubern oder Drohnen können diese Raketen genauso wenig verhindern, wie eine Feuerleitung vom Boden oder die Artilleriegranaten selbst.

Wollte also Russland der syrischen Regierung weiter helfen, so könnte es dies problemlos. Auch militärisch. Zumal MANPADS keineswegs perfekte Systeme sind und es unwahrscheinlich ist, dass Russland keinerlei Verluste zu akzeptieren bereit ist. Im Gegenteil. Sein militärisches Engagement in Georgien, der Ukraine und Syrien zeigt ja gerade, dass es sehr wohl bereit ist, mit Blut für seine Ziele zu bezahlen.

Übrigens: Die ersten FIM-92 Stinger sind in Syrien bereits 2012 in Rebellenhand aufgetaucht. Der Islamische Staat hatte spätestens im Sommer 2014 auch moderne MANPADS aus syrischen Beständen erbeutet. Das Auftauchen von MANPADS ist also keineswegs etwas Neues. Dazu kommt, dass eine allzu großzügige Lieferung sehr unwahrscheinlich ist. Sie würde praktisch garantieren, dass ein Teil der Systeme im Untergrund verschwinden und schon in nächster Zukunft außerhalb Syriens und des Iraks auf Passagierflugzeuge abgefeuert werden würden. Das will jedoch keiner der Waffenlieferanten für die syrische Opposition leichtfertig riskieren.

 

Der wahrscheinliche Grund

Höchstwahrscheinlich hat Russland einfach seine Ziele erreicht. Assads Herrschaft ist bis auf Weiteres gesichert, Russland hat nicht nur seinen Marinestützpunkt in Tartus gesichert, sondern verfügt nun sogar auch noch über eine Luftwaffenbasis in Syrien. Obama hat unterdessen aufgegeben, Assads Abdankung als Bedingung für einen Frieden in Syrien zu stellen. Warum also sollte sich Russland unnötig weiter engagieren? Zumal die russischen Regierungsmedien melden, dass die russischen Luftstreitkräfte sehr wohl weiter Luftangriffe fliegen.

 

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Die Flüchtlinge dienen als Waffe

 

Auch wenn der Hinweis auf die „Flüchtlingswaffe” vor allem von rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Seiten kommt, so wäre es falsch, eine Nutzung der Einwanderungswelle nach Europa als Waffe a priori auszuschließen.

Nicht nur, dass Griechenlands Verteidigungsminister im März 2015, also noch Monate vor Beginn des Massenansturms, offen damit gedroht hatte, „Flüchtlinge” mit Reisepapieren auszustatten, damit sie nach Deutschland könnten, um so Druck im Streit um die griechischen Schulden auszuüben. Im März 2016 tat es ihm Frankreich nach, als der französische Wirtschaftsminister damit drohte, den im „Dschungel von Calais” befindlichen „Flüchtlingen” die Weiterreise nach Großbritannien zu ermöglichen, sollte sich das Land für einen Austritt aus der EU entscheiden.

Doch während eine Nutzung der „Flüchtlinge” als politisches Druckmittel damit belegt ist, ist es keineswegs so, wie es die üblichen Verdächtigen der Verschwörungstheoretiker wieder einmal sehen, nämlich dass die USA dahinter stehen. Spätestens seit dem Spätsommer 2015 steckt nämlich Russland dahinter.

 

Russland führt mit Flüchtlingen Krieg gegen Europa.

Dass die aktuelle Regierung in Griechenland, gebildet aus Rechts- und Linksradikalen, ein gutes Verhältnis zu Russland hat, ist bekannt. Schon im Januar 2015 schrieb Benjamin Prüfer, dass Putin Griechenland zur Spaltung der EU nutzen würde.

Nach der russischen Aggression gegen die Ukraine hatte auch die EU Sanktionen gegen Russland verhängt, die der russischen Wirtschaft inzwischen massiv schaden. Dabei wirken bislang auch Staaten mit russlandfreundlichen Regierungen wie Ungarn oder Griechenland im Rahmen einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik der EU mit. Spätestens seitdem die wirtschaftliche Macht der EU in Russland so sichtbar geworden ist, ist auch die Spaltung der EU zu einem strategischen Ziel des russischen Machthabers geworden, der sich zuvor wegen der militärischen Impotenz der EU mehr auf das Militärbündnis NATO konzentriert hatte.
Seither nutzt Russland seine aus Medien, Politikern und Parteien bestehende „Fünfte Kolonne” innerhalb der EU, um ihren Zusammenhalt zu schwächen. Dabei werden gerne auch mal Millionenkredite an Europakritische Parteien wie die Front National in Frankreich vergeben, die als Nationalisten überraschenderweise kein Problem damit haben, sich aus dem Ausland finanzieren zu lassen.

Mit der seit dem Sommer 2015 anlaufenden Flüchtlingskrise ist auch der Zusammenhalt innerhalb der EU massiv gefährdet worden, wie in meinem in Kürze erscheinenden Buch zur Flüchtlingskrise gezeigt werden wird. Dazu war auch Merkels Amt als Bundeskanzler zwischenzeitlich massiv gefährdet, auch wenn sie im Moment wieder etwas Luft zu bekommen scheint. Angela Merkel sei der einzige Regierungschef, den Putin respektiere.

Im September 2015 hat Russland mit einer militärischen Intervention in Syrien begonnen. Dabei führte seine Luftwaffe nicht nur Luftnahunterstützung für die syrischen Regierungstruppen durch, vor denen die meisten Syrer fliehen, sondern auch Flächenbombardements, deren militärische Nutzen sehr beschränkt ist und bestenfalls im Verbreiten von Terror gegenüber der Zivilbevölkerung liegt. Dabei wird Russland aber auch vorgeworfen gezielte Bomben einzusetzen, beispielsweise gegen Krankenhäuser.

Die Offensiven der syrischen Regierungstruppen und ihrer Verbündeten, aber auch die gewaltigen Bombardements durch russische Luftstreitkräfte führen inzwischen zu Massen an neuen Flüchtlingen. Im Besonderen die Regierungsoffensive in Richtung Aleppo hat dabei Zehntausende Menschen in die Flucht geschlagen.

All diese Menschen erzeugen einen weiteren Migrationsdruck in Richtung EU, der die EU-kritischen bis EU-feindlichen Parteien innerhalb der EU weiter stärkt, den „Brexit”, also den Austritt Großbritanniens aus der EU, wahrscheinlicher Macht und letztendlich auch an Merkels Stuhl wackelt. Sollte Merkel unter der Flüchtlingskrise stürzen, würde Putin den einzigen Gegenspieler verlieren, den er respektiert. Bei einem Nachfolger könnte er dann wohl alsbald auf ein Ende der Sanktionen hoffen.

Während mit Hilfe von russischen Waffen so neue Flüchtlinge geschaffen und auf den Weg geschickt werden, steuert die staatsnahe und in Staatshand befindliche russische Presse zugleich die Stimmung der Russlanddeutschen in der Bundesrepublik. Als die russische Presse eine erfundene Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens durch Migranten verbreitete, die angeblich nicht durch die Polizei verfolgt würde, fanden sich Russlanddeutsche bundesweit zu Demonstrationen zusammen, um ihre Kinder zu schützen. Indem die von Russland gesteuerte Presse so mit Lügen die Russlanddeutschen gegen die Regierung aufbrachte, steigerte sie zugleich die Gefahr von Vigilantismus durch ebendiese.

Dass Russland die Flüchtlinge als politische Waffe gegen die EU einsetzen würde, davor hatte bereits im Oktober 2015 der ukrainische Ministerpräsident gewarnt. Inzwischen sagt auch der NATO-Oberbefehlshaber für Europa, General Philip Breedlove das Gleiche.

 

In der Tat hat Russland wesentliche Zügel für die „Flüchtlingskrise” in der Hand. Seine Waffenlieferungen haben das Regime in Damaskus, vor dem die meisten außer Landes geflohenen Syrer flüchten, über Jahre an der Macht gehalten. Russlandfreundliche Politiker sitzen in Griechenland in der Regierung und führen dort kein Grenzregime, das die Flüchtlinge am Betreten oder Verlassen Griechenlands in Richtung EU hindern würde. EU-kritische und Zuwanderung ablehnende Parteien innerhalb der EU erhalten Unterstützung durch Russland und russische Bomben bringen weitere Flüchtlingsstrome auf den Weg. Es ist hier schlicht offensichtlich, dass es wenigstens ein angenehmer Nebeneffekt der russischen Politik in Syrien ist, dass die EU und Merkels Kanzlerschaft durch sie gefährdet wird. Die Art der Bombardements und die zivilen Ziele machen den Vorwurf einer dahingehenden russischen Absicht praktisch belegbar. Dass inzwischen auch Menschen aus Russland selbst über die Grenze nach Europa geschickt werden, ist nur noch ein weiterer Mosaikstein im ganzen Bild.

Dabei muss es keineswegs endgültig erfolgreich sein. Auch ohne einen fertig abgeschlossenen Erfolg erlangt Russland eine starke Verhandlungsposition, wenn es um ein Ende der Sanktionen gegen seine Wirtschaft geht. „Entweder ihr hebt die Sanktionen auf oder ich schicke noch einmal 500.000 Syrer zu Euch.”

 

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In Syrien droht der Ausbruch eines wirklich großen Kriegs

Es wird heiß in Syrien. Nach noch unbestätigten Berichten hat jetzt die türkische Artillerie eingegriffen und syrische Kurden nahe Aleppo beschossen. Diese wurden zuletzt von der russischen Luftwaffe unterstützt. Damit rückt die massive Ausweitung des Konflikts näher.

 

Eine sunnitische Militärintervention wird denkbar

Nachdem die russische Luftwaffe mit massiven Bombardements zugunsten der syrischen Regierungstruppen und ihren verbündeten schiitischen Milizen eingegriffen hat, steht Aleppo vor einer Einkreisung. Sollte die Stadt fallen, wäre dies ein dramatischer Schlag gegen die Moral der nicht-IS Rebellen und würde für Syrien das von mir 2014 und 2015 skizzierte Szenario eintreten lassen, wonach sich der Bürgerkrieg, wie durch Assad geplant, nach der Niederlage der (moderaten und islamistischen) Rebellen zu einem Krieg zwischen der Assad-Diktatur und dem IS verwandeln würde. Da Syrien hierbei auf die Sympathie oder gar die Unterstützung anderer Staaten zählen könnte, würde am Ende das inzwischen völlig von Teheran abhängige Regime den Sieg davontragen. Dies würde den Schiitischen Halbmond vollständig und sicher unter iranische Kontrolle bringen.

Die schiitisch-persische Regionalmacht, die sich inzwischen damit brüstet vier arabische Hauptstädte (Bagdad, Damaskus, Beirut und Sanaa) in ihren Händen zu haben, hätte damit ihren Einfluss in dem von amerikanischen Einfluss zunehmend verwaisten Nahen Osten massiv ausgeweitet. Damit wäre nicht nur die Türkei von den sunnitischen Kernländern, auf die sie Einfluss auszuüben versucht, abgetrennt, Saudi-Arabien wäre zugleich eingekreist. Dazu kommt, dass der inzwischen zum Erzfeind der meisten sunnitischen Staaten gewordene alawitische Assad an der Macht bleiben würde, obwohl beide Staaten seine Entmachtung mit ihrer Hilfe für die syrischen Rebellen vorangetrieben haben.

Dass dazu eine Konsolidierung der kurdischen Herrschaft der „syrischen PKK“ der PYD auch in Syrien für die Türkei völlig inakzeptabel ist, erklärt sich dazu von selbst. Die Türkei bezeichnet sie als Terroristen. Aktuell haben die kurdischen Truppen der YPG/YPJ  in Syrien jedoch weitestgehend einen Waffenstillstand mit der Assad-Regierung, dazu kommt eine Kooperation mit Russland. Dass die syrischen Kurden sich daher längst eine Anerkennung ihrer Autonomie von der Regierung Assad ausbedingt haben, darf man wohl als sicher annehmen. Damit wären aber die türkischen Kurdengebiete von der iranischen Grenze bis zum Mittelmeer an Gebiete angrenzend, die in kurdischer Hand sind, was dem Separatismus in der Türkei enormen Aufwind verschaffen wird. Während man sich in der Türkei an die kurdischen Autonomiegebiete im Irak inzwischen gewöhnen konnte, sähe die Türkei eine von der PKK/PYD gehaltene Region an ihrer Grenze als nicht akzeptable Bedrohung.

Kommt dazu eine Einkreisung Aleppos, wird die Situation für die sunnitischen Regionalmächte noch unerträglicher. Dies nicht zuletzt auch, da eine Einkreisung aller Wahrscheinlichkeit eine Wiederholung des bereits mehrfach in Syrien praktizierten Aushungerns der Bevölkerung bedeuten würde. Diese ist nicht nur klar ein Kriegsverbrechen, es wäre gerade für die Türkei auch nicht akzeptabel zuzusehen, wie hunderttausende Menschen nur rund 30 Kilometer Luftlinie von der türkischen Grenze entfernt vom Hungertod bedroht sind. Verschärft würde die Lage dazu dadurch, dass eine Belagerung von Aleppo aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine anhaltende Bombardierung mit Artillerie und der russischen Luftwaffe begleitet wäre. Die Russen sehen diese als ein Erfolgsrezept, das sie unter der Verursachung von zehntausenden zivilen Opfern in nur wenigen Wochen Grozny hat erobern lassen, während die syrischen Streitkräfte nicht genug Mannstärke haben, um einen anhaltenden Häuserkampf riskieren zu wollen. Während ihnen die Soldaten fehlen, sind jedoch mehr als ausreichend schwere Waffen zur Verfügung.

Wenn es also dazu kommt, dass die syrische Opposition in wenigen Tagen vor einer strategisch entscheidenden Schlacht steht, wird eine Militärintervention sunnitischer Staaten zunehmend wahrscheinlicher. Offiziell vermutlich gegen den IS gerichtet, um allen Beteiligten eine Wahrung des Gesichts zu ermöglichen, würden die Interventionstruppen ihre Hauptaufgabe jedoch in der Erhaltung der mehrheitlich sunnitischen Opposition gegen Assad sehen. Wie auch für alle anderen Beteiligten in Syrien, wäre der IS nur völlig zweitrangig, weil man sich von jeder Seite sicher zu sein glaubt, dass man ihn relativ einfach überwinden wird, ist erst der international akzeptable Gegner, also die Rebellen oder die syrische Regierung, erledigt. Saudi-Arabien hat bereits seine Bereitschaft zur Intervention erklärt, die Türkei scheint aktuell noch auf eine amerikanische Führung einer Intervention zu warten. An einer solchen wird sich die Türkei jedoch beteiligen, so Erdogan.

 

Russland wird nicht tatenlos zusehen

Wenn tatsächlich eine Militärintervention zur Unterstützung der syrischen Opposition erfolgt, werden Russland und der Iran nicht tatenlos zusehen können. Wenn die Opposition durch sunnitische Truppen stabilisiert wird, stehen diese in direkter Konfrontation mit syrischen Regierungstruppen, iranischen Revolutionsgarden und russischen Truppen. Dazu kommen natürlich noch die hier irrelevanten mit der syrischen Regierung verbündeten Milizen und Terrororganisationen wie der Hisbollah.

Russische SU-34. Flugzeuge dieses Typs sind in Syrien im Einsatz. By Oleg V. Belyakov - AirTeamImages [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL 1.2 (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html)], via Wikimedia Commons
Russische SU-34. Flugzeuge dieses Typs sind in Syrien im Einsatz. By Oleg V. Belyakov – AirTeamImages [CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 or GFDL 1.2], via Wikimedia Commons
Kommt es nach einer Intervention nicht zu einem raschen Waffenstillstand, auf den eine Machtübergabe der Regierung Assad folgt, so sind direkte militärische Auseinandersetzungen zwischen den Truppen der beteiligten Nationen nur noch eine Frage der Zeit. Putin wird es sich schon alleine innenpolitisch nicht leisten können, als Verlierer dazustehen. Der Iran hat dagegen bereits zu viel investiert, um das so hart „erarbeitete“ einfach so aufzugeben. Ohne ihn gäbe es Assad ja schon seit Jahren nicht mehr und der Bürgerkrieg wäre längst vorbei. Damit droht eine direkte militärische Auseinandersetzung zwischen dem nuklear hochgerüsteten Russland und der Türkei, die Teil der NATO ist.

In diesem Zusammenhang sind auch die militärischen Großübungen Russlands zu sehen, die das Land im Südwesten, also durch die der Türkei am nächsten stehenden Truppen, durchgeführt hat. Auch dass russische Bomber inzwischen mit ASM (Anti-Schiff-Raketen), die gegen die syrische Opposition und den IS völlig nutzlos sind, gefilmt wurden, passt in dieses Bild. Putin scheint ernsthaft gewillt zu sein, zumindest einen großen militärischen Konflikt glaubhaft anzudrohen.

 

Russlands strategischen Vorteile

Russland hat dabei durchaus strategische Vorteile. Während seine Truppen in Syrien abgeschnitten wären, da kein Nachschub mehr durch den Bosporus käme und eine Luftversorgung durch die Türkei bedroht werden würde, hat er dennoch noch einige Asse im Ärmel. Sollten nämlich russische Truppen in Syrien gegen türkische Soldaten kämpfen, so wäre die Frage tatsächlich gerechtfertigt, ob dies überhaupt einen Bündnisfall bedeuten würde. Solange die Türkei auf ihrem Territorium selbst nicht angegriffen würde, sondern nur Truppen von ihr außerhalb von Nordamerika und Europa, wäre Artikel 5 wohl tatsächlich nicht anwendbar. Dazu könnte die Türkei nur wenige Truppen in Richtung Syrien schicken, weil sie die Grenze in Richtung Armenien, Iran und Georgien vor einem möglichen russischen Angriff schützen müsste. Ergänzend käme die Drohung mit dem enormen russischen nuklearen Arsenal, die wohl die meisten NATO-Staaten schon aus purer Angst von einem Anerkennen des Bündnisfalles abhalten würden. Wird die Türkei jedoch so alleine gelassen, wird der Bündniszusammenhalt der NATO als Ganzes geschwächt, was für Russland inzwischen ein strategisches Ziel ist.

In diesem Zusammenhang muss noch nicht einmal erwähnt werden, dass Russland in so einem Szenario enormen Druck ausüben kann, indem es die baltischen Staaten bedroht. Diese sind militärisch binnen weniger Tage zu überrennen, wonach die NATO kaum noch Optionen hätte, die neben einem monatelangen Krieg auch einen Einsatz russischer Nuklearwaffen nicht als wenigstens potentielle Option bedeuten. Dass Russland erhebliche Vorteile in einem selektiven Einsatz derselben sieht, habe ich bereits in der Vergangenheit erklärt.

Der Einsatz russischer Nuklearwaffen und auch ein Angriff konventioneller russischer Truppen auf das Baltikum wäre dabei jedoch einfach zu verhindern. Es müsste lediglich ein Präsident im Weißen Haus sein, der keinen Zweifel daran ließe, dass er den Knopf drücken würde. Denn so, und nur so, funktioniert die nukleare Abschreckung. Nur wenn die Gegenseite felsenfest davon überzeugt ist, dass sie bei einer eigenen Aggression im Feuer der nuklearen Sonnen verglüht, bleibt die Aggression aus. Dieses zynische System hat den ganzen Kalten Krieg über die Front zwischen NATO und Warschauer Pakt friedlich gehalten. Ob der bislang völlig unglaubwürdige Barack Obama in seinem letzten Amtsjahr dazu jedoch plötzlich im Stande wäre, darf mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

 

Was passieren wird, ist völlig unklar

Was in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird, ist völlig unklar. Der Einsatz türkischer Artillerie gegen syrische Kurden, die mit russischer Luftunterstützung vorgerückt waren und zusammen mit Assads Truppen kurz davor sind Aleppo einzuschließen, ist de facto bereits eine Intervention. Ob und wann die Truppen der Türkei, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahreins und vielleicht auch Ägyptens (das sich inzwischen weitgehend saudischen Initiativen anschließt) syrischen Boden betreten, ist ebenfalls unklar. Die syrische Regierung hat zumindest bereits angekündigt, die Soldaten würden nur in Särgen nach Hause kommen. Dass sich Russland bei einer solchen Intervention zurückzieht, scheint unwahrscheinlich. Ob sich dann auch iranische reguläre Truppen beteiligen macht wohl keinen großen Unterschied mehr.

Denn wenn nicht umgehend ein Friedensschluss erfolgen würde, der aktuell völlig unwahrscheinlich ist, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis es zu offenen Kriegshandlungen der Beteiligten kommen würde. Dass diese auf Syrien isoliert blieben, dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Die arabischen Golfanreiner haben alle noch Rechnungen mit dem Iran offen, darunter auch territoriale Dispute, die so zu regeln wären.

 

Ein Krieg wäre zu verhindern gewesen

Dabei wäre dieses Szenario leicht zu verhindern gewesen. Hätte Obama seine Truppen nicht vorschnell und gegen den Ratschlag seines eigenen Militärs aus dem Irak abgezogen, gäbe es den IS heute nicht. Hätten die USA der Regierung Assad mit einer Intervention gedroht, sollte sie nicht einen Übergang ermöglichen, wäre der Bürgerkrieg vermutlich nie eskaliert. Bei einem glaubwürdigen Präsidenten hätte Assad ein luxuriöses Exil immer dem Galgen vorgezogen. Denn wenn ein glaubwürdiger Präsident der USA droht, dann retten Diktatoren in der Regel lieber ihre eigene Haut.

So war es auch 2003, als die USA unter George W. Bush den Irak befreiten, nachdem sie Saddam Hussein vorwarfen an Massenvernichtungswaffen zu arbeiten. Von der Entschlossenheit der USA beeindruckt, gab Gaddafi noch im gleichen Jahr sein eigenes Waffenprogramm auf. Die Aussicht irgendwann einmal die Bombe zu haben war es schlicht nicht wert, eine Invasion durch die USA zu riskieren. Stattdessen gibt es heute einen US-Präsidenten, der Angst vor der eigenen Courage hat und glaubt, alles Übel komme von den USA selbst. Der rote Linien zeichnet, nur um sie dann selbst zu ignorieren, wurden sie überschritten.

Auch der inzwischen immer stärker aufflammende innerislamische Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten wurde in seiner jetzigen Größenordnung erst durch den Rückzug der USA aus dem Nahen Osten ermöglicht, der ein Machtvakuum geschaffen hat, das nun eine ganze Reihe regionaler Mächte auszufüllen versucht. Dabei hätte man es auch hier besser wissen können. Eine Region ohne Hegemon gibt es nie. Wenn sich der etablierte Hegemon daher zurückzieht, muss er für eine sichere Nachfolge sorgen, soll kein großer Kampf um die Krone ausbrechen.

 

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Putin komplettiert Assads Meisterwerk

Die russischen Luftstreitkräfte sind nun offiziell zu Luftangriffen übergegangen. Damit wird Russland Kriegspartei in Syrien. Was bei Angriffen auf den Islamischen Staat zu begrüßen sein könnte, ist tatsächlich jedoch eine Katastrophe für Syrien und komplettiert Assads Meisterwerk.

 

Assad wollte eine möglichst radikale Opposition

In „Assads Meisterwerk“ habe ich beschrieben, wie Assad die Opposition gezielt radikalisierte. Extremisten wurden per Amnestie lange nach Beginn des Aufstands gegen ihn aus Gefängnissen entlassen.  Sobald klar war, dass er es mit einen waschechten Aufstand zu tun hatte den er nicht binnen weniger Tage würde erstücken können, traf seine Regierung eine folgenschwere, aber nicht minder geniale Entscheidung.  „Putin komplettiert Assads Meisterwerk“ weiterlesen

Kriegstreiber Russland

Im Ukraine-Krieg ist den meisten Vertretern beider Seiten hier im Westen wohl eines gemein: Es geht eigentlich gar nicht um die Ukraine. Die erbittert geführten „Kommentarspalten-Kriege“ zeichnen sich dadurch aus, dass der Kampf der Ukraine gegen die Invasoren nur ein Stellvertreterkrieg ist.

 

Hauptsache gegen den „Westen“!

Wer nicht ukrainischer Patriot ist oder das Land aus anderen Gründen liebt, der dürfte, wie ich auch, darin vor allem einen Kampf zwischen Freiheit und Despotie sehen. Wie ich in der Vergangenheit bereits geschrieben habe: „Russlands Annexion der Krim im März 2014 war ein Dammbruch. In der Geopolitik des 21. Jahrhunderts wird man möglicherweise entsprechend eine Zeit vor und nach der Krimannexioin sehen. Dabei geht es weniger um eine Halbinsel mit rund 2 Mio Einwohnern und 25.000 km², als vielmehr um den damit gesetzten Präzendenzfall.

Der Gegenseite geht es hingegen vor allem um eines: Putin steht gegen den verhassten „Westen“ und die verhassten USA.

Aus diesem Grund, wird man kaum je eine Argumentation in den Kommentarspalten finden, ob auf dieser Seite hier, auf Facebook oder bei Zeitungen, wo die „Kremlins“ (eine wie ich finde wunderbare Wortschöpfung als Mischung aus Kreml und Gremlins) nicht auf die USA verweisen. Völlig egal, was in Russland passiert. „aber die USA“. Die gute alte Taktik des „Whataboutism“ funktioniert nicht nur zur Verteidigung Russlands, es gilt auch weiterhin die Prämisse: „Ein Krieg beginnt immer erst dann, wenn ein US-Soldat den ersten Schuss abgibt.“

Deshalb sind Russlands Manöver an seinen Aussengrenzen auch dann keine Rede wert, wenn die russischen Truppen eine Invasion ihres Nachbarlandes oder gar einen Einsatz von Nuklearwaffen gegen Nachbarstaaten üben, während eine Übung zur Durchführung von UN-Missionen als „Provokation“ oder „Säbelrasseln“ gewertet wird, auch wenn es vorrangig eine Mission auf Stabsebene ist, mit weitaus weniger Soldaten stattfindet und regelmäßig, auch in der Zeit der Regierung Janukowytsch stattfindet. Es geht an sich um die Ukraine, „aber die USA„.

Neuestes Ergebnis der Propagandisten des Kremls ist, den USA vorzuwerfen, das Land sei den Großteil seiner Existenz im Krieg gewesen.

Kremlin Propaganda
222 von 230 Jahren ihrer Existenz soll sich die USA im Krieg befunden haben, so diese Grafik, deren Aussage mir zuletzt von einem der Zentralorgane der deutschen Verschwörungstheoretiker (auch „Aluhüte“ genannt) gewahr wurde. Um diese Zahl zu erreichen, wurde jede Gelegenheit genommen, bei der ein Schuss gefallen und eine Coladose in der Umgebung gefunden wurde. Ob nun irgendwo ein paar Dutzend Indianer einen „Krieg“ gegen die US-Regierung geführt haben wird genauso als Kronzeuge berufen, wie die Barbareskenkriege oder Angriffe anderer Nationen auf die USA. Selbst der US-Bürgerkrieg darf nicht fehlen, wenn es darum geht die Gefährlichkeit der USA zu belegen und um zu zeigen, wie Boshaft das „US-Regime“ doch ist. Ob die von diesen Propagandisten genannten Zahlen stimmen, weiß ich noch nicht einmal. Ich halte es schlicht nicht den Aufwand wert, es im Detail zu überprüfen, da ich von dieser ganzen Aufrechnung nichts halte.

Dass sich unter diesen Kriegen auch solche finden in denen die USA als tatsächlicher Aggressor beteiligt waren oder eine kaum zu rechtfertigende Intervention durchgeführt haben, soll hier der Vollständigkeit halber nicht verschwiegen werden. Auch wenn ich klar weiß auf welcher Seite ich stehe, bin ich doch nicht blind den Fehlern dieser Seite gegenüber.

 

Russland und die Sowjetunion: Kriegstreiber allererster Güte

Die Aufzählung solcher Konflikte ist meines Erachtens unsinnig. Frankreich hat beispielsweise seit dem Zweiten Weltkrieg wohl nur wenige Jahre ohne militärische Intervention in Afrika ausgelassen. Da es jedoch nicht dem pathologischen USA-Hass unterliegt, interessiert sich kein Kremlin oder Aluhut dafür. Dass man für Kriege auch überhaupt erst fähig sein muss sie zu führen, habe ich bereits in der Vergangenheit erwähnt. Liechtensteins Friedlichkeit seit 1866 mit den Kriegen Russlands und seiner Rechtsvorgänger aufzurechnen wäre daher genauso ungerecht, wie wenn man es der Volksrepublik China anrechnen würde, dass sie in Zeiten völliger militärischer Unterlegenheit Taiwan nicht erobert habe. Kurzum: Diese Aufrechnungen sind völliger Unsinn – auf beiden Seiten. Es wäre so, als würde man Ihnen, lieber Leser, anerkennend aussprechen, dass Sie gestern Ihren Nachbarn nicht erschossen haben – wenn Sie überhaupt keine Schusswaffe besitzen. Würde man solch eine Anerkennung tatsächlich aussprechen wollen, so müsste man zunächst fragen: „Haben Sie überhaupt eine Schusswaffe?“ und dann noch „Hatten Sie ein Motiv?“ Nur wer mit Schusswaffe und starkem Motiv keine Gewalt ausgeübt hat, sollte Anerkennung für seine Zurückhaltung erhalten, nicht wer überhaupt nicht zur Ausübung von Gewalt fähig war.

Daher: Solch eine Aufrechnung kann, wenn sie ernst genommen wird, allerhöchstens als Vehikel zur Präsentation des eigenen Hasses auf ein Land dienen.

Doch lange Rede kurzer Sinn. Diese Propaganda existiert und wird gerade von Kremlins und Aluhüten verbreitet.  Wer im Propagandakrieg nicht unterliegen will, kann Propaganda nur eigene Propaganda entgegensetzen. Daher hier meine Antwort auf die „Die USA sind so böse, weil sie so oft Krieg führen (wobei mich die Umstände genauso wenig interessieren wie ob die USA angegriffen wurden)“:

Russlands Kriege

Die russische Föderation besteht seit 24 Jahren und war nur eines davon (1998) nicht im Krieg. Das sind 4%. Die Sowjetion, der Rechtsvorgänger Russlands, bestand, zusammen mit Sowjetrussland, 74 Jahre. Davon nur 7 ohne Krieg, was nur 9% seiner Existenz ohne Krieg bedeutet. Dies ist das Ergebnis eines kurzen Durchgehens der Listen über die Kriege, an denen die Sowjetunion und sein Rechtsnachfolger Russland beteiligt waren.

Und weil ich eben keiner dieser an Fakten nicht mehr interessierte Propagandisten bin, einen ehrlichen Kommentar dazu: Das alles ist wohlgemerkt vermutlich nach gleichen Maßstäben berechnet, wie der gerade verbreitete Unsinn über die USA. Entsprechend werden Angriffe von Islamisten auf russische Teilrepubliken, bei denen Russland im Prinzip nur seine Bürger verteidigt hat, mit aggressiven Überfällen auf Nachbarländer zusammengerechnet. Auch die beiden Tschetschenienkriege sind dabei, bei denen Russland um seine territoriale Integrität gekämpft hat, wie es die Ukraine heute tut. Dass Russland dabei in einem Rahmen eigene Bürger getötet hat, der an Völkermord grenzt, ändert nichts daran, dass ein Land prinzipiell natürlich seine territoriale Integrität schützen darf. Wie die Ukraine übrigens auch.

Auch wenn die Tschetschenienkriege verbrecherisch geführt wurden, ändert dies erst einmal nichts an diesem Prinzip (ich bin aber auch kein Staatsrechtler). Deshalb: Diese Aufrechnungen Russland und der Sowjetunion gegenüber sind unfair, keine Frage. Einen sowjetischen Überfall auf Finnland 1939 mit dem Kampf gegen Nazi-Deutschland ab 1941 gleichzusetzen ist im Prinzip völlig falsch. Dennoch wird es von der Gegenseite im Bezug auf die USA genauso gemacht. Im Gegensatz zur Gegenseite produziere ich aber nur ein schönes Propaganda-Bild, während ich es gleichzeitig in Relation setze. Ich bin nämlich nicht vom Hass auf Russland zerfressen. Stattdessen wünsche ich diesem Land und seinem Volk eine demokratische und pluralistische Gesellschaft, statt dieser aktuellen autoritären und aggressiven Mafia-Kleptokratie.

Volker Pispers ist ein ekelhafter antiwestlicher Propagandist.

Update, 06.03.2015; 15:44 Uhr:

Dieser Text ist als Wutschrift entstanden, weil bei mir plötzlich überall der ausgemachte Unsinn von Volker Pispers auftauchte und auch nicht als „Satire“, sondern als „Wahrheit“ verkauft wurde. Unter diesem Einfluss wurde die Wortwahl getroffen, zumal mich dieser „Kabarettist“ schon seit längerem wegen seiner Inhalte ärgert, auch wenn er durchaus mal lustig sei kann.

Würde ich es heute erneut schreiben, würde ich andere Worte wählen. Den Inhalt würde ich jedoch praktisch unverändert, teilweise vielleicht noch ein wenig präzisierter, lassen.

Update ende. 

 

Im Deutschen Staatsfernsehen, Abteilung 3sat, hat Volker Pispers eine Märchenstunde auf Kosten der GEZ-Zahler halten dürfen. Dabei präsentierte er sich als der ekelhafte antiwestliche Kretin, der er ist und brachte es mit zahlreichen Falschaussagen und Klitterungen zu billigen Lachern.

 

Minute 1:08: „Ein paar Betten sollten wir vielleicht auch bereithalten, für die Flüchtlinge die demnächst aus der Ukraine zu uns herkommen werden. Sie wissen, auch da entsteht die Zivilgesellschaft gerade durch einen sehr schönen Bürgerkrieg.“

Fakt ist: es ist kein Bürgerkrieg. Der Krieg war von Russland geplant, wurde durch russische Truppen ausgelöst und wird durch 90% russische Truppen und Söldner geführt. Es ist kein Bürgerkrieg und kein Aufstand, sondern eine Invasion durch Russland.

 

Minute 1:28: „Keiner kann verstehen, warum Moskau im Osten der Ukraine Separatisten unterstützt anstatt beim Aufbau eines schönen NATO-Stützpunktes mitzuhelfen.

Fakt ist: Der Aufnahmeantrag in die NATO wurde 2008 in Bukarest abgelehnt. Ein Beitritt des Landes in die NATO stand somit außer Frage. Zudem waren Militärstützpunkte auf der Krim von Russland gepachtet, womit eine fünfstellige Zahl russischer Soldaten dort stationiert werden durften. Ein Beitritt des Landes stand somit, solange nicht-NATO-Truppen dort stationiert sind, außer Frage.

 

Wann hat es das jemals gegeben? Ahistorische Apologetik eines Aggressors

Ab Minute 1:41 sagt fängt er mit einer antiamerikanischen Litanei an, in der Interventionen der USA aufgezählt werden.

Minute 1:48: „Ich erinnere mich dunkel daran, dass die USA in Afghanistan die Taliban und die Mudschaheddin unterstützt haben.“

Fakt ist: Das ständige Wiederholen einer Lüge macht sie nicht wahr. Die USA haben Mudschaheddin in Afghanistan unterstützt, das ist richtig. Die Taliban existieren jedoch erst seit 1994, lange nachdem die USA aufgehört hatten, Kämpfer in Afghanistan zu unterstützen!

Die Unterstützung der Mudschaheddin fand im Rahmen des Kalten Krieges statt, wo der Rechtsvorgänger Russlands, die Sowjetunion, ihrerseits nicht nur Rebellengruppen, sondern auch Terroristen aller Couleur gegen den Westen unterstützt hat. Jedwede Terrorgruppe mit „rot“ im Namen, sei es die RAF, die Japanische Rote Armee oder auch der Berufsterrorist Ramirez Sanchez – alle wurden durch „Russland“ in Form seines Rechtsvorgängers unterstützt. Dies war im Rahmen des Kalten Krieges und sollte und kann daher heute kein Maßstab mehr sein.

Minute: 1:57: „Ok, in Nicaragua, haben die USA die Contras finanziert im Kampf gegen die Sandinisten, die waren auch demokratisch gewählt. Äh. Wenn wir jetzt schon dabei sind. Iran 1953. Der demokratisch gewählte Ministerpräsident wurde vom CIA geputscht. Weggeputscht um den alten Shah wieder zu installieren und Salvador Allende, der demokratisch gewählte linke Präsident Chiles wurde mit einem faschistischen Putsch hinweggefegt, organisiert von den USA. Sie haben in Libyen die Rebellen unterstützt um Gaddafi loszuwerden. Man könnte auch zusammenfassend sagen: Die vereinigten Staaten von Amerika haben in den letzten 40 Jahren nochmal [wohl: „noch mit] jedem Schwein und Verbrecher auf der Welt zusammengearbeitet, solange die wirtschaftlichen Interessen der amerikanischen Großkonzerne gewahr geblieben sind.

Fakt ist: Lassen wir kleine Fehler weg und ignorieren sie. Ob Pinochets Putsch beispielsweise „faschistisch“ zu charakterisieren ist, möchte ich bezweifeln, doch das ist irrelevant.

Ja, er hat Recht. Die USA hat eine lange Liste der Interventionen in ihrer Vergangenheit. Und ja, die USA hat im Kalten Krieg mit Diktaturen zusammengearbeitet, solange sie antikommunistisch waren. Noch auf FDR, vor dem Kalten Krieg, geht das Bonmot zurück: „Somoza may be a son of a bitch, but he’s our son of a bitch.“. Diese Politik prägte durchaus einige der Präsidenten des Kalten Krieges, wenngleich beispielsweise Carter mitten im Kalten Krieg Shah Reza Pahlevi fallen ließ, gerade weil er eine Diktatur führte.

Russlands Militärinterventionen und Kriege
Russlands Militärinterventionen und Kriege

Die Aufzählung Pispers ist jedoch an Geschichtsvergessenheit und Einseitigkeit nicht zu überbieten, wenn sie zur Verteidigung Russlands aufgeführt wird, während gleichzeitig die unzähligen Verbrechen „Russlands“ zur gleichen Zeit, also der Sowjetunion, nicht aufgezählt werden. Russland hat mit Waffengewalt mehrere demokratische Bewegungen blutig niedergeschlagen. 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei,  Die Sowjetunion war es, die in Afghanistan einmarschiert ist, weshalb die USA überhaupt erst auf die Idee kamen die Mudschaheddin zu finanzieren. Schon 1948, fünf Jahre vor dem Iran, hat die Sowjetunion die Regierung der Tschechoslowakei wegputschen lassen um dort ein Kommunistisches Regime zu installieren. Die Sowjetunion feuerte unzählige Bürgerkriege und Aufstände im Kalten Krieg an. Sie führte Putsche und Mordanschläge am Fließband durch, während ihre Statthalter und Verbündeten, zumannen mit der Sowjetunion selbst, wohl 150 Millionen der eigenen Staatsbürger ermordeten.

Die von der Sowjetion unterstützte Revolution Maos kostete mit Großem Sprung nach vorne und Kulturrevolution rund 80 bis 90 Millionen Menschenleben (nach Rudolph Rummel), dazu kommen die 63 Millionen unter Stalin (Rummel) und die Millionen unter Pol Pot. Auch jedes andere der kommunistischen Klientelregimes hat im Inland fleißig gemordet, der durch die Sowjetunion erschaffene und unterstützte und bis heute von Russland unterstützte Staat Nordkorea mordet noch heute.

All dies ignoriert Pispers, was die Einseitigkeit seiner Aufzählung offensichtlich werden lässt und seinen Auftritt zu einem infamen Propagandastück macht.

Kleinere Fehler ignorierend und einige tatsächlich lustige Spitzen später sagt er dann bei Minute 4:03: „Man darf vielleicht auch mal daran erinnern, dass Russland den Westen nie überfallen hat.“

Fakt ist: Auch hier ist schlicht falsch was er schreibt. Wo Pispers den „Westen“ sieht, weiß ich nicht. Ich würde aber durchaus Schweden, Finnland und Polen dazu zählen, die alle in den letzten Jahrhunderten ihre dicke Portion russischer Angriffe erleiden durfte. Finnland und Polen wurden  zuletzt 1939 von Russland überfallen!

Doch auch sonst ist die Aussage in etwa so aussagekräftig wie, „Angola hat den Westen nie angegriffen.“ Ja, es konnte aber auch gar nicht! Russland war Zeit seiner Geschichte vor allem eine Landmacht, was die Projizierung seiner militärischen Macht auf die unmittelbaren Außengrenzen beschränkte. Die Nachbarn, die mit Russland eine Grenze teilen oder teilten, haben folglich in den letzten Jahrhunderten Krieg auf Krieg mit Russland geführt. Nicht immer durch Russland begonnen, wohl aber sehr oft. Dass Russland beispielsweise Amerika nie angegriffen hat mag stimmen, aber es konnte es auch schlicht nicht. Die Seeherrschaft war stets bei den westlichen Mächten, erst Großbritannien, dann den USA. Russland konnte damit nie konkurrieren und KONNTE den Westen somit gar nicht angreifen. Soll die Ermangelung von Fähigkeiten inzwischen tatsächlich der Entlastung dienen? „Herr Richter. Ja, mein Mandant hat die Frau vergewaltigt. Er hat sie aber nicht erschossen, weil er keine Schusswaffe hatte.

 

Bei Minute 4:17: „Es gibt noch ein Land, das noch nie seine Nachbarn überfallen hat. Eines der aggresivsten Länder das wir überhaupt kennen, der Iran. Der Iran hat noch nie ein Nachbarland überfallen. Die sind immer von ihren Nachbarländern überfallen worden.

Fakt ist: Auch hier heißt es: Ständiges Lügen macht keine Wahrheit. Dies ist natürlich blanker Unsinn, und zwar in epochalem Ausmaß. Nur weil es das Mantra der Amerikahasser ist, wird es noch lange nicht richtig. Nicht nur, dass der Iran inzwischen massiv militärisch in Syrien und dem Irak interveniert, also Truppen in andere Länder schickt, was für Pispers bei den USA ein nennenswertes Verbrechen wäre. In den 70ern intervenierte das Land beispielsweise auch im Oman. Doch lassen wir die Interventionen beiseite.

Am 28 Juli 1826 überquerte eine 35.000 Mann starke persische (damals hieß das Land noch Persien, nicht Iran = Land der Arier) Armee unter der Führung von Abbas Mirza die Landesgrenzen und führte eine Invasion der Kahate Talysh und Karabakh durch. 1837 griff Persien/ der Iran Afghanistan an und belagerte Herat. 1821 griff Persien das Osmanische Reich an.

„Noch nie ein Nachbarland überfallen“ stimmt wohl nicht ganz. Man könnte zahlreiche weitere Kriege aufzählen. Der Iran selbst sieht sich in der Tradition der persischen Reiche der Vergangenheit. Das gäbe mehrere Jahrtausende Militärgeschichte und Kriege, die man nun aufzählen könnte. Dabei ist es keine Ausrede, von „Iran“ und nicht von Persien zu sprechen. Das Land besteht in voller Kontinuität weiter und hat seine Umbenennung 1934 einem Facelifting zu verdanken, das es dem westlichen Kulturkreis näherbringen sollte und eine Anlehnung an das Dritte Reich erleichtern sollte, in dem gerade „Arier“ die Rasse der Stunde waren. Das „Land der Arier“, so die Bedeutung von „Iran“, IST Persien. Die Kontinuität vom Iran zu Persien ist dabei weitaus größer, als es die der Bundesrepublik Deutschland zum Dritten Reich ist. Dennoch würde niemand auf die Idee kommen, von „Deutschland hat in seiner Geschichte nie ein Land überfallen“ zu sprechen und dann zu behaupten, Deutschland existiere ja erst seit 1949 oder 1990. So wie Thailand Siam ist und Siam Thailand, so ist auch der Iran Persien oder Persien der Iran.
Dass es seither eng mit Angriffen geworden ist, kann erneut nur unter Berücksichtigung der Umstände fair beurteilt werden. Der Iran war spätestens ab Mitte des 19. Jahrhunderts schlicht zu schwach für weitere militärische Abenteuer. Unter diesen Umständen niemanden anzugreifen ist kein Verdienst, sondern schlichte Logik. Dass Liechtenstein schon eine Weile niemanden mehr überfallen hat, wird dem Land ja wohl auch nicht wirklich ernsthaft als positiv angerechnet.

 

Ekelhafte Faktenverzerrung:

Weiter oben wurde ein Teil seines Auftritts bereits erwähnt, der jedoch eine genauere Kommentierung verdient. Es ist der Teil, in dem Pispers sagt:

Man könnte auch zusammenfassend sagen: Die vereinigten Staaten von Amerika haben in den letzten 40 Jahren nochmal [wohl: „noch mit] jedem Schwein und Verbrecher auf der Welt zusammengearbeitet, solange die wirtschaftlichen Interessen der amerikanischen Großkonzerne gewahr geblieben sind.

Dies ist so dermaßen abscheulich, dass es seinen Geist wahrhaft enttarnt. Ja, die USA haben Diktaturen unterstützt oder zumindest geduldet. Auch wenn sie immer wieder zeigten, dass sie prinzipiell an freiheitlichen Werten und Menschenrechten interessiert waren, waren zumindest einige US-Präsidenten bereit, über diese Dinge hinwegzusehen, wenn die Alternative eine kommunistische Übernahme zu sein schien.

Entscheidend ist hier jedoch, dass diese Politik weitestgehend mit dem Kalten Krieg geendet hat. Auch heute werden noch Länder wie Saudi-Arabien als Partner und Verbündete gesehen, in denen die Menschenrechtslage alarmierend ist. Dies jedoch den USA vorzuhalten ohne zu erwähnen, dass Russland in der Sowjetunion Völkermörder gestützt hat und sich noch heute jedes noch so ekelhafte Regime der russischen Unterstützung sicher sein kann, solange es nur antiwestlich und antiamerikanisch ist, wird beflissentlich ignoriert. Syrien und der Iran sind Käufer russischer Waffen und werden durch Russland mit Vetos im Weltsicherheitsrat geschützt.

Überhaupt: Den USA Interventionen und Kriege vorzuhalten, den USA die Unterstützung von Diktaturen vorzuhalten um damit Russland zu entschuldigen, ist absurd. Ja, die USA machten und machen viel falsch und haben und hatten falsche Freunde. Sie haben sich jedoch nie einen derart abscheulichen Schlächter wie Ramsan Kadyrov als Satrapen im eigenen Land gehalten! Russland fängt mit der Unterstützung von blutrünstigen Diktaturen bereits im Inland an. All das ist Pispers jedoch keine Silbe wert!

Waffenlieferungen an die Ukraine sind allerhöchste Zeit!

Biden, Steinmeier und andere Politiker des Westens erklären, für den Krieg in der Ukraine gäbe es keine militärische Lösung. Daher werden Waffenlieferungen an das Land abgelehnt.

Was diese Leute aber verstehen müssen ist, dass für eine diplomatische Lösung zwei Parteien notwendig sind, die nicht an eine militärische Lösung glauben. Russland und seine Stellvertreter im Donbas sind aber ganz offensichtlich der Meinung, es gäbe sehr wohl eine militärische Lösung.

 

Eine diplomatische Lösung erfordert zwei Partner, eine militärische nur einen.

Solange dies sich nicht ändert, kann es keine diplomatische Lösung geben. Daher muss Russland zu der Erkenntnis gezwungen werden, dass die Kriegskosten (finanziell, aber auch anderer Art) zu hoch sind, für das was es erreichen kann und möchte.

Ein Weg dahin wären noch härtere Sanktionen, die jedoch völlig unglaubwürdig sind. Russland weiß, dass nach seinem Krieg gegen Georgien 2008 schon nach wenigen Monaten alles wieder in bester Ordnung für es war, obwohl es sich nicht an den vereinbarten Friedensplan gehalten hat. Schon jetzt fordern Politiker ein Ende der Sanktionen, während die russischen Truppen und ihrer Statthalter eine Offensive gegen die Ukraine vorantreiben. Obwohl also weiter Aggression ausgeübt wird, sollten die Sanktionen enden – auch obwohl die Krim von Russland annektiert wurde und an eine Rückgabe aktuell überhaupt nicht zu denken ist.

Wenn man Russland aber wirtschaftlich nicht an den Verhandlungstisch zwingen kann, dann muss dies anders geschehen. Ein Weg dahin wäre, dass die russischen Truppen im Donbas wissen, dass ein weiterer militärischer Vormarsch in Richtung der Ukraine entweder unmöglich ist oder aber nur unter schwersten eigenen Verlusten zu erkaufen wäre. Tritt diese Erkenntnis ein, dann kommt es auch zur Bereitschaft für eine Verhandlungslösung.

Wieso aber sollten die russischen Truppen sich auf eine diplomatische Lösung einigen, wenn sie keine Notwendigkeit dafür sehen? Solange die Ukraine nicht diplomatisch kapituliert hat oder aber ein militärisches Vorgehen gegen sie weitere Erfolg erwarten lässt, solange werden die Waffen auch weiter sprechen.

Daher ist die Stärkung der ukrainischen Streitkräfte eine zwingende Vorbedingung für jeden Verhandlungsfrieden, der nicht auf eine völlige Kapitulation gegenüber einem Aggressor hinauslaufen soll. Wohin aber Appeasement führt, und das wäre es, sollte Europa im 20. Jahrhundert gelernt haben!

“Speak softly and carry a big stick; you will go far.”
Theodore Roosevelt

Darum drückt Saudi-Arabien den Ölpreis

Von Seiten des saudischen Ölministers kommen eindeutige Aussagen. Man kümmere sich nicht darum, wie weit der Ölpreis fallen werde. Selbst wenn er auf 20 Dollar je Fass stürzen sollte, Saudi-Arabien wird seine Förderung nicht vermindern. Dies alles, obwohl auch Saudi-Arabiens Produktionskosten vermutlich bei etwa 25 Dollar liegen, das Land aber einen Preis von 94 Dollar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt benötigt. Das bedeutet, auch wenn das Öl selbst noch mit Gewinn verkauft wird, reißt der niedrige Preis dennoch ein Loch in das saudische Budget – und die Saudis weiteten ihre Förderung sogar noch aus. Doch wieso machen sie das? Um wichtig für die USA zu bleiben und um den Iran in die Knie zu zwingen.

 

Dumpingpreise helfen nicht gegen Fracking

Es gibt Theorien, Saudi-Arabien würden mit dem niedrigen Ölpreis die amerikanische Förderung aus Schieferschichten, das sogenannte Fracking, austrocknen wollen. Dies ist zwar die tatsächliche Auswirkung, da die Förderkosten dort bei niedrigen Ölpreisen unterschritten werden, aber dennoch wohl eher eine Milchmädchenrechnung. Sofern nämlich nicht die Propagandakampagnen gegen Fracking durch die konventionellen Förderländer erfolgreich sind, wird die Förderung von Öl und Gas mittels Hydraulic Fracking zwar stoppen, nach einem Preisanstieg aber wieder beginnen. Durch niedrige Preise wird ja weder die dafür notwendige Technologie vergessen, noch die vorhandenen Energieträger „schlecht“ – sie sind ja keine verderbliche Ware. Natürlich würden solch einem Stopp der Förderung Firmen zum Opfer fallen, doch die Mehrzahl der Unternehmen würde überleben, während gleichzeitig die Möglichkeit für andere entstünde, in diesem Bereich tätig zu werden.

Erdöl ist der Treibstoff der Weltwirtschaft.
Erdöl ist der Treibstoff der Weltwirtschaft.

 

 

Es geht um Einfluss in den USA

In diesem Zusammenhang wird auch geschrieben, Saudi-Arabien würde seine Marktanteile in den USA erhalten wollen. Dies dürfte richtig sein. Allerdings nicht zwingend, weil dies ein gutes Geschäft für das Königreich ist, sondern aus politischen Erwägungen. Selbst wenn die Saudis bei ihren Verkäufen in den Vereinigten Staaten noch Geld machen, sind die politischen Renditen weit wichtiger.

Saudi-Arabien leidet massiv unter der Abwendung der USA aus dem Nahen Osten. Der alte Deal „Öl für Sicherheit“ scheint in Frage zu stehen. Im wahabitischen Königreich ist man schwer enttäuscht, weil die USA sich im Aufstand gegen Assad in Syrien derart herausgehalten haben, dass man sich selbst gezwungen sah, massiv einzugreifen. Obamas Akzeptanz von Mohammed Mursi, dem ägyptischen Prösidenten der Muslimbrüder, war für Saudi-Arabien genauso inakzeptabel wie die amerikanische Reaktion auf den Putsch durch das ägyptische Militär gegen den Islamisten, der sein Land gerade in eine radikalislamische Diktatur umzuwandeln versuchte.

Inaktivität verbunden mit Handlungen die das Königreich als falsch ansieht haben dazu geführt, dass sich das Königshaus gezwungen sah, selbst immer mehr zu einem Akteur zu werden, statt nur aus dem Hintergrund die Fäden zu spinnen. Nicht zuletzt deshalb musste sich das Land aus der Deckung wagen und die neue ägyptische Regierung finanzieren.

Die USA mögen heute, dank Fracking, in der Lage sein ihren eigenen Bedarf an Öl zu decken, importieren aber nach wie vor Öl aus Saudi-Arabien. Solange also die Saudis ihre Marktanteile behalten, bleiben sie ein wichtiger Versorger der Vereinigten Staaten, was ihnen Gewicht in Washington gibt und geben muss. Auch wenn eine Autarkie möglich ist, ist die Umsetzung doch ein zeitaufwendiger und teurer Prozess, so dass die Interessen und Belange der Saudis dank ihrer Marktanteile in den USA von Belang bleiben müssen.

 

Die iranische Bedrohung

Doch es geht nicht nur darum, einen Fuß in der Tür Washingtons zu behalten. Gerade das Zurückweichen der Amerikaner am Golf und die Perspektive auf einen Atom-Deal mit dem Iran, der ihm nach Ansicht vieler regionaler Player, wie Israel und Saudi-Arabien, die Kernwaffe ermöglichen würde, ist für die Saudis eine Horrorvorstellung. Die immer wieder aufkommenden Gerüchte einer zu erwartenden Toleranz israelischer Überflüge im Falle einer Angriffe auf die iranischen Atomanlagen zeigen die Besorgnis der sunnitischen Macht gegenüber den Schiiten aus Teheran genauso wie die immer wieder aufkommenden Spekulationen, die Saudis könnten selber nach Kernwaffen greifen und ihre ballistischen Raketen mit nuklearen Sprengköpfen aus Pakistan ausstatten.

Die Rivalität und der Gegensatz zwischen den beiden Staaten zeigt sich dabei über den ganzen arabischen Raum. In Syrien findet ein Stellvertreterkrieg zwischen der vom Iran gestützten Assad-Regierung und der durch die Sunniten gestützten FSA und radikalere Gruppen wie Jaysh al-Islam statt, die von Saudi-Arabien und andere sunnitische Golfmonarchien unterstützt werden.

Der Iran dagegen unterstützt nicht nur das alawitische Regime von Basher al-Assad, dessen Sekte dem schiitischen Islam zugerechnet wird. Sein Regime wäre ohne Ausbilder aus den iranischen Revolutionären Garden, die die NDF aufgebaut haben und das Regime mit Waffen, Kämpfern, Treibstoff und Geld stützen, möglicherweise längst gefallen. Ein weiterer Klientelstaat ist der Teil des Libanons, der durch die schiitische Hisbollah kontrolliert wird, die massiv von iranischer Unterstützung abhängig ist. Die Hisbollah erhält den Großteil ihrer Waffen aus dem Iran, in der Regel über die Syrische Grenze. Ohne Assad wäre diese mächtige Waffe des Irans von wesentlichen Teilen ihres Waffennachschubs abgeschnitten. Kisten mit Gewehren und Panzerfäusten mögen sich weiter in ihr Gebiet schmuggeln lassen, SCUD-Raketen eher nicht. Der Irak schließt den schiitischen Halbmond, und damit die Landbrücke zu Assad und zur Hisbollah, ab und ist seit Nuri al-Maliki ein Verbündeter des Iran. Spätestens seit den Erfolgen des Islamischen Staats ist er von dem Schiitischen Bruder so abhängig, dass er de facto zu einem Klientelstaat des Irans geworden ist.

Im Norden findet Saudi-Arabien also einen Ring aus regionalen Playern, die de facto Marionetten des Irans sind. Sein nur durch das rote Meer getrennte Nachbarland Ägypten hatte sich unter dem Muslimbruder Mursi ebenfalls dem Iran angenähert. Während eine Übernahme Bahreins durch Schiiten und damit den Iran nur mit Waffengewalt bislang verhindert werden konnte, greifen nun die schiitischen Houthi nun auch noch im südlichen Nachbarland Jemen nach der Macht. Saudi-Arabien sieht sich damit im Prinzip eingekreist und weiß hinter jeder schiitischen Bewegung den langen Arm Teherans.

 

Der Iran soll in die Knie gezwungen werden

Dieses Gefühl einer Einkreisung, die noch nicht einmal völlig von der Hand zu weisen ist, ist nicht nur der Grund für die Annäherung Saudi-Arabiens an den vermeintlichen Erzfeind Israel und Kooperation mit dem Land, die sogar bis hin zu gemeinsamen Kriegsplänen gehen soll. Sie ist auch Grund für die Waffenkäufe Saudi-Arabiens, die in Deutschland solche Panik ausgelöst haben. Tatsächlich könnten iranische Panzerkolonnen aber wohl binnen zwei bis drei Stunden den Südirak durchqueren und an der saudischen Grenze stehen.

Während Saudi-Arabien zwar den Vormarsch des Irans aufhalten möchte, hat das Königreich kein Interesse an einem militärischen Konflikt. Mit dem Ölpreis hat es nun ein Mittel gefunden, das sich als hoch effektiv erweisen könnte. Die iranische Wirtschaft ist noch mehr von den Rohstoffpreisen abhängig als die des saudischen Königreichs, zumal der Iran eben nicht gleichzeitig über vergleichbaren Reichtum zum Abfedern verfügt. Schon während der hohen Ölpreis wüteten in der „Islamischen Republik“ Inflation und Wirtschaftskrise. Ein Ölpreis um 60 Dollar oder noch niedriger, wird die Hilfe, die der Iran seinen schiitischen Glaubensbrüdern geben kann, schnell zusammenschmelzen lassen.

 

Der große Kollateralnutzen

Während es also Saudi-Arabien um den über 1.000 Jahre alten innerislamischen Bürgerkrieg geht, profitiert der Rest der Welt unheimlich davon. Der Einbruch der Ölpreise senkt nämlich nicht nur weltweit die Transportkosten und macht damit die Produktion effektiver und kostengünstiger. Er sorgt auch für eine erhöhte Kaufkraft der Konsumenten. Während so der Wohlstand und die Wirtschaftsleistung in den Industrienationen und den konsumierenden Ländern steigen, bricht den Erdölproduzenten das Einkommen weg. Da das Schicksal Erdöl jedoch vor allem unter das Territorium von Despotien und Diktaturen gelegt hat, können diese nun plötzlich ihre Rüstungsprogramme, ihre Sozialprogramme zum Erkaufen der Ruhe und ihre staatsterroristischen Programme nicht mehr finanzieren. Betrachtet man die nennenswerten Exportländer für Erdöl, bleiben ja nur Norwegen und Kanada, denen man mit gutem Gewissen den Rohstoff abkaufen kann. Beide Staaten sind aber diversifiziert genug, dass der Preisverfall beim Erdöl ihre Volkswirtschaften nicht erheblich schädigt. Da der geringe Preis auch nur die Produzenten schädigt und dem Rest nutzt, profitiert eine gewaltige Mehrheit der Welt von dem Preisverfall.

Nach den Sanktionen bekommt Russland nun auch mit einem verfallenden Ölpreis eine weitere Quittung für einen Überfall auf die Ukraine, was ganz im Sinne der USA sein dürfte und auch im ganzen Westen Zufriedenheit auslösen dürfte. Da ein Aggressor für seine Aggression nicht belohnt werden darf, ist diese Bestrafung von Putins Diktatur ein willkommenes Ergebnis, das von den Saudis vielleicht zwingend beabsichtigt war, aber wohl mindestens als erfreuliches Nebenprodukt ihrer Preispolitik gesehen wird, während sie so erneut den Amerikanern gegenüber ihre Wichtigkeit beweisen können. Immerhin ist es auch Russland, das Syrien und den Iran im Weltsicherheitsrat und mit Waffenlieferungen stützt und gestützt hat.

Doch es kommt noch besser. Saudi-Arabien hat in den letzten Jahrzehnten wesentliche Teile seines Wohlstands in die Förderung des sogenannten „Islamismus“ gesteckt. Streng orthodoxe Moscheen wuchsen in Regionen mit bis dahin überzeugt säkularen oder moderaten Muslimen aus dem Boden, was inzwischen seine Wirkung zeigt. Während es einmal galt, „Die Religion der Albaner ist das Albanertum“, kämpfen heute Kosovo-Albaner auf Seiten des Islamischen Staats für eine Variante des Islams aus den Zeiten Mohammeds. Indem nun aber Saudi-Arabien den Ölpreis nach unten treibt, muss es dadurch entstehende Loch in seinem Budget füllen. Das so verbrauchte Geld kann nicht mehr in eine Förderung des religiösen Extremismus fließen. An dieser Stelle macht Saudi-Arabien nun effektiv nichts anderes, als eine Subvention unserer verringerten Energiekosten. Statt also den ideologischen Weg für die nächsten Terroristen zu bereiten, führt bezahlt Saudi-Arabien einen Teil unserer Tankrechnung. Da sage mal einer, ein zwischenstaatlicher Gegensatz sei ausschließlich schlecht…

Wo bleibt Eure Entschuldigung, Ihr Putinisten?

Seit März haben die Putinisten in Deutschland, man möchte fast ihren großen Führer zitieren und von einer Fünften Kolonne sprechen, uns erklärt, dass Moskau nicht für die Gewalt und den Krieg in der Ostukraine verantwortlich ist. Das, obwohl jeder, der zur Quellenkritik fähig war und folglich nicht nur die Stimme Russlands als Quelle der eigenen Weisheit heranzieht, genügend Beweise für das Gegenteil hatte.
Nein, laut diesen freiwilligen Einflussagenten Russlands, ist es ein „Bürgerkrieg“, in dem die „Junta von Kiew“, die in demokratischen Wahlen gewählt wurde,. einen „Völkermord“ anstrebe und die eigenen Bürger ermorde.

Strelkov
Der Terroristenführer und russische Agent Igor „Strelkov“ Girkin.

Wie auch schon auf der Krim, wo mir Putins Rektaltaucher erklärten, dort werde die Bevölkerung unterdrückt und sie hätte sich daher aufgelehnt, strafen Russlands eigene Aussagen seine Verteidiger Lügen. Putin bestätigte auf der Krim, dass es eben seine Soldaten waren, nicht lokale Freiwillige.

Jetzt ist es der GRU-Oberst Igor „Strelkov“ Girkin, der ehemalige „Verteidigungsminister“ der Terroristen, der selbst zugibt, ohne ihn, einen Russen der aus Russland kommt und keinen Bezug zur Ukraine hatte, gäbe es den Krieg überhaupt nicht.

Es hätte ein paar Dutzend Tote, Verbrannte und Verhaftete gegeben, und damit wäre alles vorbei gewesen. Den Anstoss für den Krieg, der bis heute in Gang ist, hat unsere Einheit gegeben. Wir haben alle Karten gemischt, die auf dem Tisch lagen. Alle!

So Girkin.

Stattdessen gibt es inzwischen über 4.000 Tote in der Ukraine. Dank Russland. Und nur wegen Russland!

Wie in den letzten Monaten auch, wo sich meine Analysen und Kommentare von Anfang März diesen Jahres bewahrheitet haben, werden Russlands Einflussagenten mit Sicherheit erneut nicht bereit sein, sich zu entschuldigen.
Sie werden weiterhin alles leugnen und statt selber zu denken die Russische Propaganda ungekaut schlucken.