Quellenkritik am Beispiel eines Pro-Assad Artikels

Für einen Historiker sind diese Tage sehr frustrierend. Mit dem Internet ist eine Fülle von Webseiten entstanden, auf der man schlichtweg alles lesen kann. Dabei ist nicht nur die Informationsverfügbarkeit gestiegen, sondern vor allem auch die Verfügbarkeit von Desinformationen. Dies kann seine Wirkung entfalten, weil die allerwenigsten Menschen Quellenkritik beherrschen. Historiker wird man erst nach einem Studium von mehreren Jahren.

Dabei lernt man zwar auch, wann Konstantinopel an die Osmanen gefallen und wann Rom untergegangen ist, der Kerninhalt des Studiums ist jedoch die Quellenkritik. Das Geschichtsstudium ist praktisch Quellenkritik. Ines Laufer hat auf FischundFleisch einen Artikel geschrieben, nach dem Assad das Opfer und eigentlich der Gute im syrischen Bürgerkrieg ist.

Meine Kritik an diesem Artikel war scharf genug, dass ich von ihr inzwischen auf Facebook blockiert wurde. Da sie den Artikel jedoch frei verfügbar unter ihrem Namen im Internet veröffentlicht hat, nenne ich sie auch beim Namen. Schließlich haben Tausende, vielleicht auch Zehntausende den Artikel gelesen.

 

Marco Glowatzki

Ihr erster Kronzeuge ist Marco Glowatzki, der „Rubikon“ ein Interview gegeben hat. Wenn man jemanden als Kronzeugen verwendet, muss man seine Aussagen in dem Licht seiner Person betrachten. Über Herrn Glowatzki erfahren wir auf seiner Webseite, dass er Designer und Schneider ist. Bei Rubikon erzählt er, er sei in der DDR aufgewachsen und habe anschließend viele arabische Länder bereist.

In dem Interview verweist er auf falsche Berichterstattung in den Medien, wonach pro-Assad-Demonstrationen als Demonstrationen gegen Assad ausgegeben wurden. Sein Beleg sind die gezeigten Landesfarben. Hierbei sei nämlich bei den Demonstrationen die Fahne der baathistischen Republik gezeigt worden, nicht die der Syrischen Republik, die die Opposition heute benutzt. Dies kann auf eine fehlerhafte Berichterstattung hindeuten, muss es aber nicht.

In einer Diktatur sind Fahnen eines alten Landes nicht unbedingt frei im Supermarkt zu finden. Wir sehen heute bei Demonstrationen von Gegnern Merkels immer mehr die Wirmer-Flagge. Demonstrationen gegen Merkel und ihre Politik gab es jedoch schon früher. Dort wurde die schwarz-rot-goldene Trikolore gezeigt, die erst nach und nach durch die Wirmer-Flagge ergänzt wurde. Der Grund hierfür ist einfach. Das Zeigen einer anderen Fahne bedeutet einen totalen Bruch mit dem bisherigen System, das Zeigen der Aktuellen eine bleibende Identifikation. Indem man die Landesfahne bei einer Demonstration gegen das Regime zeigt, kann man damit aussagen, weiter loyal zum Land zu stehen, nur eben die aktuelle Regierung nicht mehr zu unterstützen. Dies kann die Hoffnung auf ein erschwertes hartes Vorgehen gegen die Demonstranten begründen, da sie ja keine Abtrünnigen, sondern nur Reformer sind, während es Sicherheitskräften gleichzeitig zeigen kann „Die Demonstranten sind ja im Prinzip welche von uns.“ Das einfache Gedankenspiel, die Oppositionellen hätten die israelische Fahne gezeigt, sollte das belegen. In diesem Fall hätten die syrischen Soldaten wohl auch ohne Befehl das Feuer eröffnet.

Wollte man also erklären, die Medien hätten gelogen, müsste man zunächst ermitteln, ab wann die Opposition die schwarz-weiß-grüne Fahne verwendet hat. Wenn sie bei den ersten Demonstrationen bereits großflächig in Verwendung war, dann wäre es ein Hinweis auf eine Fälschung. Dafür fehlen mir jedoch die Belege, auch wenn ich es nicht ausschließen will. Anschließend müsste geklärt werden, ob aktiv „gelogen“ wurde, also wissentlich eine Unwahrheit verbreitet wurde, oder ob nur Fehler gemacht wurden, indem man sich hat Bilder andrehen lassen. Im Übrigen gab es sehr wohl an vielen Orten Bilder von großen Pro-Assad Demonstrationen. Der Spiegel sprach im Oktober 2011 von „Zehntausenden“, die jedoch auch massenhaft Assad-Bilder trugen, was bei den von Glowatzki beanstandeten Bildern nicht einmal zu sehen war. Auch beispielsweise die BBC, AlJazeera, die NYT oder Reuters berichteten.

In dem von Glowatzki kritisierten Bild auf Wikipedia, das laut Wiki vom 8. April 2011 stammen soll, sind beispielsweise viele syrische Fahnen, aber nicht ein Bild Assads zu sehen. Dafür aber Texte mit den englischen Aufschriften: „No for Distroying [SIC!]“ und gleich mehrere mit „Peaceful“. Das könnten theoretisch Assad-Anhänger gewesen sein, die sich gegen eine „Zerstörung“ der Opposition einsetzten und eine friedliche Lösung wünschten. Allein, es passt zur Verortung zu einer friedlichen Demonstration gegen Assad. Nicht zuletzt, weil jedes Bild des Machthabers fehlt. Bei dem kritisierten Bild des Spiegels war nur eine syrische Fahne zu sehen, kein Meer von Fahnen wie auf den pro-Assad Demonstrationen, und – natürlich – kein Bild Assads. Bei dem kritisierten Bild der Taz sind zwei sehr lange syrische Fahnen zu sehen. Aber nur diese zwei, die offensichtlich extra organisiert wurden, und kein einziges Bild Assads. Sieht man sich die oben verlinkten Bilder der tatsächlichen pro-Assad Demonstrationen an, so sind die Unterschiede drastisch offensichtlich.

Glowatzki verweist in seinem Interview auf den Hearld Tribune, auf den sich auch später Laufer bezieht. Auf diesen Artikel wird daher später eingegangen.

Er berichtet, er wollte sich wegen der widersprüchlichen Aussagen ein eigenes Bild machen. Und hier wird es erneut interessant. So leben seine Freunde, so seine eigene Aussage, „im Westteil Syriens“. Er selbst sagt, sie seien in Latakia. Dort ist das Hauptsiedlungsgebiet der Alawiten, die dort die Bevölkerungsmehrheit stellen. Der schiitischen Sekte, die eine Minderheit in Syrien stellt, aber der Assad angehört.

Seine Freunde haben ihn auf der Reise begleitet und herumgefahren. Seine Freunde, die höchstwahrscheinlich Alawiten sind, waren also dabei, wenn er mit Menschen „gesprochen“ hat. Sofern diese Englisch oder Deutsch konnten, konnten seine Freunde, die wohlgemerkt (höchstwahrscheinlich) der Assad-Minderheit angehören und ja erklärte Unterstützer des Diktators sind, jedes Wort verstehen. Wenn die Gesprächspartner keine Fremdsprache beherrschten, dürften die Freunde für ihn übersetzt haben. Laut eigener Aussage beherrscht er kein Arabisch. Wie also sind solche Zeugenaussagen aus erster Hand zu bewerten, wenn sie immer unter den Augen von Assad-Getreuen erfolgten? Sie sind Anekdoten, aber als Beleg wertlos.

Er habe nur einen Oppositionellen getroffen, der jedoch nach Demonstrationen in Haft kam. Seine Motivation sei gewesen, orthodox islamisch zu leben. Wie sind die Aussagen eines solchen Oppositionellen zu bewerten, der von Assad während des Bürgerkrieges aus der Haft entlassen wurde und dessen Aussage unter den Augen von Assad-Getreuen erfolgte? Gerade angesichts des Umstands, dass ein gefährlicher Oppositioneller wohl kaum noch während des laufenden Krieges entlassen würde. Erst Recht, wenn das Assad Regime bekanntermaßen viele tausend Oppositionelle ermordet hat? Hier muss sich die Frage stellen, ob es überhaupt ein echter Oppositioneller war oder ob er nur unter der Bedingung frei kam, Propaganda gegen die Opposition zu betreiben.

Anschließend beruft er sich auf eine Aussage des belgischen Abgeordneten Philipp de Winter des rechten Vlaams Belang. Dieser wird von Damaskus als so freundlich angesehen, dass er erst vor drei Monaten Assad persönlich treffen durfte. Er zählt zu den Freunden Putins, womit er sich wunderbar in der Achse Moskau-Damaskus wiederfindet. Seine Aussagen müssen deshalb nicht automatisch falsch sein. Es muss jedoch entsprechend eingeordnet werden, dass hier jemand etwas sagt, das seinen ideologischen Überzeugungen entspricht.

Sein nächster Zeuge ist Großbritanniens früherer Botschafter in Syrien, Peter Ford, der Assad im Fernsehen verteidigte, nachdem er der (sicherlich fürstlich bezahlte) Direktor einer Lobbyorganisation wurde, die von Assads Schwiegervater betrieben wird!  Was sagt dies über seine Glaubwürdigkeit aus, wenn ein aus Damaskus bezahlter Mann Damaskus verteidigt?

Glowatzki erklärt, seine Freunde hätten beteuert, Amnesty International sei nie in Syrien gewesen. Woher wollen sie das wissen? AI ist renommiert und Kritik an der Organisation kommt vor allem von den Zielen ihrer Tätigkeit. Die Berichte über die Gräueltaten durch Assads Regimen von AI sind umfangreich, berufen sich auf zahlreiche Zeugen, von denen einige hohe Funktionsträger in Syriens Behörden waren und sind durch tausende Fotos belegt. Das kann natürlich alles erlogen sein. Und wenn man Assad-Apologet ist, glaubt man vermutlich auch, dass tausende Fotos mit Folteropfern in Fotostudios gestellt wurden. Glaubhaft ist solch eine Theorie jedoch nicht sonderlich.

Ansonsten verweist er auf die notorische Junge Welt und auf allerlei illustre Gestalten, die für ihre unkritische Assad-Berichterstattung bekannt sind, die als „anbiedern“ bezeichnet wurde.

Eines seiner Argumente ist auch, dass viele Binnenflüchtlinge zu Assad geflüchtet seien. Über deren Motivation als Ganzes kann ohne adäquate Befragungen schwerlich etwas geurteilt werden. Ein Teil wird sicherlich zu Assad fliehen, weil sie seine Herrschaft der der Rebellen vorziehen. Aus welchen Gründen auch immer. Das kann eine nicht funktionierende Versorgung in den Rebellengebieten sein. Das kann die „Rechtspraxis“ auf Grundlagen der jeweiligen Scharia-Interpretation oder die herrschende Anarchie sein. Ein Teil flieht aber garantiert auch vor der gezielten Terrorkampagne des Diktators, die, wenig überraschend, nur das nicht von ihm kontrollierte Gebiet betrifft. Schließlich bombardiert Assads Luftwaffe nur Märkte, zivile Viertel und Krankenhäuser, die nicht in seinem beherrschten Gebiet liegen.

Das Interview ist zu lang, um sich mit jedem Satz zu beschäftigen. Es sollte aber das Prinzip zeigen. Golwatzki spricht die Landessprache nicht, ist höchstwahrscheinlich bei den überwiegend Assad-treuen Alawiten untergekommen, die ihn daraufhin quer durch das Land begleitet haben und seine Unterhaltungen entweder übersetzt oder mitgehört haben. Gerade wenn man den gefürchteten Geheimdienst Assads bedenkt, und hier erzeugen selbst regimefreundliche Syrier keine Illusionen, haben diese Gespräche daher äußerst wenig Aussagekraft über die tatsächliche Stimmung im Land. Seine Kronzeugen sind bezahlte Lobbyisten Assads, Politiker die Freunde der Achse Russland-Damaskus sind und bekannte Publizisten, die Assad von Beginn an verteidigt haben.

Sein Facebook-Profil lässt keine Fragen offen, ob er dem Konflikt irgendwie als neutraler Beobachter gegenübersteht, während eine Ausbildung zum Schneider und Designer meines Wissens auch keine Quellenkritik oder sonderliche Qualifikation zur Analyse und Bewertung von internationaler Politik beinhaltet.

Zur Seriosität von Rubikon muss man in diesem Zusammenhang wenig Worte verlieren, sofern Glowatzki nicht behauptet, die Seite habe sein Interview gefälscht. Schließlich geht es um Glowatzki und seine Aussagen. Ein Blick auf die sonstigen Artikel bei Rubikon lassen jedoch kaum Fragen offen.

 

Eva Bartlett

Der zweite Link von Laufer führt zu einer weit herumgereichten „Rede vor der UN“ von Eva Bartlett. Tatsächlich war es eine von der Vertretung der syrischen Regierung bei der UN organisierte Veranstaltung, die nur deshalb das UN-Logo im Hintergrund hat. In ihrem Blog zeigt Bartlett, dass sie, obwohl sie in dem von Laufer verlinkten Video als „real Journalist“ bezeichnet wird, von Neutralität nichts hält. Hanns Joachim Friedrichs Bonmot „“Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache“ gilt für sie nicht im Ansatz.

Wo sie politisch steht, lässt nicht nur schon die URL ihres Blogs ingaza.wordpress.com erahnen, sie zeigt es auch überdeutlich mit einer eigenen Kategorie des Namens „Gaza Massacre 2008-9„, wo von „zionist masscre“ gesprochen wird. Ihre Wortwahl zeigt daher ihre politische Ausrichtung so deutlich, dass es keiner Rede mehr wert sein sollte.

Um die Aussagen der Frau als klar auf der Linie des „Widerstands“ (gegen den Westen und Israel“) einzuordnen, muss man dazu eigentlich nicht mehr auf die „Systempresse“ zurückgreifen, die in Form des Spiegels ihre Aussage zerlegt hat. Dass Eva Bartlett für das staatliche russische Propagandamedium RT tätig ist, kann nun kaum noch überraschen.

Wie weit der Artikel über sie im aeromagazine als seriös einzuschätzen ist, kann ich aus Zeitgründen nicht beurteilen, weshalb ich ihn nur als Netzfund verlinke. Hier – und das macht jemand, der um Seriosität bemüht ist – verweise ich ausdrücklich darauf hin, dass das im „aeromagazine“ genannte falsch sein kann. Doch auch der keineswegs unseriöse britische Channel4 hat sich Bartlett angenommen.

Glaubwürdigkeit hat sie also nicht im Ansatz. Sie kann jedoch tatsächlich als „Quelle“ dienen. Nämlich um die Tätigkeit von Propagandisten der Achse Moskau-Damaskus(-Iran) zu belegen.

 

American Herald Tribune

Kommen wir zum Kernpunkt der Anklage, sowohl von Glowatzki, als auch von Laufer, ist ein Artikel des Herald Tribune. Die Seite ist noch nicht einmal zwei Jahre alt und wurde im August 2015 gegründet. Sie ist trotz ihres Namens keine Zeitung, sondern nur eine Webseite. Noch dazu eine, die kein Impressum hat und deren Registrar eine „Tima Kingston“ ist, die in Salem, Oregon sitzt. Eine Postadresse ist dabei so wenig hinterlegt, wie es auch nur einen Treffer für die Person Tima Kingston im Internet gibt: Für ein inzwischen Gelöschtes Profil eines Stas Ivanov im russischen VK, der sich als „Tima Kingston“ registriert hatte. Die Identität der Betreiber und Hintermänner wird also verschleiert, es gibt jedoch mögliche Spuren nach Russland.

Der Artikel im Herald Tribune nennt keinerlei Quellen. Er bringt keinerlei Belege. Dafür wird eine Geschichte erzielt, als habe der Autor im CIA-Hauptquartier gesessen und alles aus erster Hand beobachtet. Die CIA tat dies, dann tat sie das. Anschließend machte sie jenes. Doch wo sind hierfür die Belege? Selbst wenn wir eklatante faktische Fehler, wie das behaupten 98% der Jordanier seien „Palästinenser“ ignorieren – 98% sind ethnische Araber, registrierte Palästinenser stellen nur 19% der Bevölkerung, so bleibt es eine fantastische Geschichte ohne jeden Beleg. Nicht ein Beweis wird für die gebrachten Behauptungen genannt.

Die Seite ist also so seriös, dass sie nicht nur auf Quellen verzichtet, sondern sich sogar aktiv darum bemüht, die Betreiber zu verschleiern.

Als ich darauf hinwies, verlinkte Laufer die Seite „Mediabiasfactcheck.com“, die die Glaubwürdigkeit des „America Herald Tribune“ mit „High“, also „Hoch“ einschätzt. Amüsanterweise ist die Seite nicht nur ebenfalls keine zwei Jahre alt, sondern ebenfalls ohne Impressum und mit whoisguard geschützt.

Die bei mir noch vor mediabiasfactcheck.com in den Suchergebnissen angezeigte Seite fakenewschecker.com wurde interessanterweise von Laufer nicht verlinkt. Vielleicht, weil dort die „American Herald Tribune“ als „Untrustworthy News“ also „nicht vertrauenswürdige Nachrichten“ eingestuft wird. Diese Seite hat allerdings ebenfalls kein Impressum, versteckt aber wenigstens ihr Whois nicht. Ob sie daher vertrauenswürdig ist, kann ich nicht beurteilen (Achtung: So arbeitet man seriös), ich halte ihre Beurteilung jedoch für redundant.

Eine Seite, die wilde Behauptungen ohne jede Quellenbelege aufstellt und die Identität der Hintermänner verschweigt, ist nicht glaubwürdig. Erst Recht nicht, wenn sie keine Oppositionsgruppe aus einem Staat ist, der Oppositionelle gerne auch im Ausland ermordet. In solch einem Fall könnte man ein Verstecken der Identität wenigstens noch verstehen und die genannten Informationen unter diesem Gesichtspunkt bewerten.

 

Fassen wir also zusammen

Ihr Text geht noch weiter. Der Teil jedoch, der Assad als den Guten des Bürgerkriegs darstellt und zum Opfer fremder Mächte erklärt, beruht auf den drei genannten Quellen.

  1. Einen Schneider und Designer aus Hamburg, der kein Arabisch spricht und im Land von Assadtreuen Alawiten (höchstwahrscheinlich Alawiten, da aus Latakia, an der Assadtreue besteht ja kein Zweifel) herumgeführt wurde, die für ihn übersetzt haben und ansonsten zugegen gewesen sein dürften. In einem Land, das schon vor dem Bürgerkrieg dafür bekannt war, dass Oppositionelle „verschwinden“. Eine Person, die sich auf bekannte Propagandisten Assads und Anhänger der Achse Moskau-Damaskus bezieht.
  2. Eine Aktivistin, die keinen Zweifel an ihrer festen Fundierung in der „antiimperialistischen“ anti-westlichen und anti-Israel Achse lässt und noch nicht einmal vorgibt, objektiv bewerten und berichten zu wollen.
  3. Ein Artikel einer Seite, für die der Begriff „Fake-News Seite“ geradezu erfunden zu sein scheint.

Um die Glaubwürdigkeit zu belegen, wird anschließend irgendeine Seite gesucht, die die Glaubwürdigkeit bestätigt. Ich habe dieses Prinzip schon 2012 den „Internet-Beweiskreis“ genannt. Offensichtlich ging es in dem Artikel von Frau Laufer zu keinem Zeitpunkt um eine objektive Beurteilung der Lage. Vielmehr bestand das Weltbild: „Assad ist die Hoffnung“ und entsprechend wurden Internet-Belege zusammengesucht, die dies zu belegen scheinen.

 

Zur Quellenkritik

Ich hoffe, ich konnte auch nur im Ansatz zeigen, wie Quellenkritik geht. Auch Propaganda kann eine „Quelle“ sein, und gerade in der Geschichtsforschung stellt oftmals die Propaganda den Großteil der „Tradition„. Denn in Zeiten, wo kaum jemand schreiben konnte und weltliche Bücher zur Reproduktion das Geld und die Unterstützung der Mächtigen erforderten, sind eben Quellen übrig geblieben, die beispielsweise wie die Gesta Francorum et aliorum hierosolimitanorum im direkten Umfeld eines Fürsten entstanden sind. Durch einen durch den Fürsten bezahlten Schreiberling, dessen Fürst sich im Konflikt mit anderen Beteiligten befand. Man kann durchaus alles verwenden und gebrauchen, schließlich ist auch die knallharteste Lügenpropaganda eine Quelle. Nur eben nicht unbedingt im Wortlaut ihres Inhaltes, sondern für die Stoßrichtung ihrer Propaganda. Eine Quelle wie die Gesta Francorum muss entsprechend so gelesen werden, dass man sich immer im Klaren ist, wessen Gefolgsmann der Autor war und mit welchen Interessen Boemund von Tarents die der anderen Kreuzfahrer kollidierten.

Leider kann solch ein Artikel nur die Oberfläche an der Quellenkritik kratzen, ansonsten würde man nicht fast ein halbes Jahrzehnt für einen Master oder einen Magister studieren müssen. Zu sagen bleibt auch, dass Quellenkritik leider keine exakte Wissenschaft ist, die mathematische Formeln befolgt. Ansonsten könnte die Geschichtswissenschaft nur neue Erkenntnisse liefern, wenn sie neue Quellen entdeckt. Tatsächlich kann man Quellen jedoch auch anders und neu interpretieren und gewichten. Eine seriöse wissenschaftliche Forschung erklärt die Gewichtung jedoch umfangreich und im Detail. Sie nutzt wohlgewählte Formulierungen, die die Sicherheit der Schlüsse zeigt. Ob ich schreibe etwas „war so“ oder etwas „scheint so gewesen zu sein“ ist dabei kein Vermeiden einer Festlegung und auch kein Zufall, sondern ein Hinweis auf die Beurteilung der Quellenlage durch mich.

Dies kann man in den meisten meiner Artikel lesen, so auch in diesem über Assads geplante „Islamisierung“ der Opposition gegen ihn. Auch mein Buch über die Flüchtlingskrise folgt diesen Prinzipien. Prinzipien, die übrigens auch Korrekturen und Richtigstellungen verlangen, wenn empirisch belegte fachliche und faktische Fehler gemacht wurden.

 

 

Mein aktuelles Buch befasst sich mit der „Flüchtlingskrise“ und ist hier käuflich zu erwerben: Nein, wir schaffen das nicht!: Warum die aktuelle Flüchtlingskrise zu einer Staatskrise wird

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Juhu, es waren keine Flüchtlinge in Köln

Ein Teil meiner Facebook-Timeline ist ekstatisch und teilt wie verrückt einen Artikel des österreichischen Portals „oe24“, wonach „Fast keine Flüchtlinge unter Kölner Sex-Tätern“ waren. Hämisch wird kommentiert, „Was jetzt wohl den blonden Professorenkindern“ gesagt werde, oder ähnlich seltsam anmutende Kommentare. Dumm nur, dass Meldung wie Kommentare nichts anderes sind als ein intellektuelles Armutszeugnis und eine Demonstration des willigen Schluckens von Propaganda.

 

Die Täter waren „Flüchtlinge“

Praktisch alle Täter waren Araber (aus Nordafrika oder der Levante), das sagt auch der Staatsanwalt:

Mittlerweile werde gegen 73 Beschuldigte ermittelt, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Montag. Dabei handele es sich „weit überwiegend“ um Asylbewerber, Asylsuchende oder Menschen, die sich illegal in Deutschland aufgehalten hätten.

Flüchtling ist offenbar nur, wer nach August 2015 illegal die deutsche Grenze überquert hat. Screenshot
Flüchtling ist offenbar nur, wer nach August 2015 illegal die deutsche Grenze überquert hat. Screenshot

Wie von mir schon in der Vergangenheit süffisant kommentiert, ist man heutzutage scheinbar nur noch Flüchtling, wenn man nach dem August 2015 gekommen ist. Ausschließlich wer danach einen Asylantrag gestellt hat, ist Flüchtling. Wer davor einen gestellt hat, sagen wir im Februar 2015 oder gar schon 2013, ist keiner mehr.

Sinn ergibt das natürlich nicht den Geringsten. Es ist nur ein weiterer Schritt um mittels Herrschaft über die Sprache auch das Denken zu beherrschen. Es folgt der Schiene, auf die ich schon im Oktober hingewiesen habe, als erstmals der Begriff „Vertriebe“ pauschal für alle illegal Einreisenden verwendet wurde.

Was bitte soll der Unterschied zwischen einem im Oktober 2015 illegal eingereisten Marokkaner und einem im Oktober 2014 illegal eingereisten Marokkaner sein? Entweder sind beide Flüchtlinge oder keiner ist es. Wer so eine Sprachregelung unkritisch übernimmt, sagt Bezeichnendes über sich selbst aus.

 

Wenn es keine frischen „Flüchtlinge“ waren, ist es noch schlimmer

Dabei sind die Ergebnisse, wenn frisch illegal Eingereiste dann am Ende tatsächlich gerade einmal etwa 5  Prozent der Täter waren, nur umso bestürzender. Sie belegen dann nämlich, dass auch jahrelanges Wohnen in Deutschland die Menschen nicht weit genug integrieren konnte. Auch nach vielen Jahren, möglicherweise sogar nach einem Aufwachsen hier, haben sich diese Männer nicht nur nicht integriert, sondern scheinbar eher noch weiter radikalisiert und enthemmt.

Statt sich also ekstatisch zu freuen, dass es keine „Flüchtlinge“ waren, und damit seinen schmalen Horizont mit aller Penetranz zu demonstrieren, sollte man sich lieber ernste Sorgen darum machen, wie denn die Integration der jetzt in nie dagewesener Zahl Kommenden plötzlich gelingen soll, wenn sie denn hierbleiben. Genau danach sieht es ja nämlich aus.

 

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Fundsachen-Propaganda: Oder wenn das Geld plötzlich auf der Straße liegt

Auf Facebook ist meine ganze Timeline ist voll mit Häme und Belustigung, über die täglich in den Medien erscheinenden Berichten über Geld, das von Asylbewerbern gefunden wurde.

In der Tat ist auffallend, wenn Flüchtlinge 500 Euro Scheine finden, die sie stolz in die Kamera halten. In mehreren Jahren Betreiben eines eigenen Ladens mit Waren zu Stückpreisen jenseits der 500 Euro, habe ich im Ganzen wohl keine drei 500 Euro Scheine in Händen gehalten. Ein süffisanter Kommentar eines Facebook-Kontakts angesichts der Schwemme an gefundenen Geldbörsen war entsprechend auch:

Kein Wunder, dass die alle herkommen. Hier liegt das Geld ja offensichtlich auf der Straße.

„Fundsachen-Propaganda: Oder wenn das Geld plötzlich auf der Straße liegt“ weiterlesen

Kriegstreiber Russland

Im Ukraine-Krieg ist den meisten Vertretern beider Seiten hier im Westen wohl eines gemein: Es geht eigentlich gar nicht um die Ukraine. Die erbittert geführten „Kommentarspalten-Kriege“ zeichnen sich dadurch aus, dass der Kampf der Ukraine gegen die Invasoren nur ein Stellvertreterkrieg ist.

 

Hauptsache gegen den „Westen“!

Wer nicht ukrainischer Patriot ist oder das Land aus anderen Gründen liebt, der dürfte, wie ich auch, darin vor allem einen Kampf zwischen Freiheit und Despotie sehen. Wie ich in der Vergangenheit bereits geschrieben habe: „Russlands Annexion der Krim im März 2014 war ein Dammbruch. In der Geopolitik des 21. Jahrhunderts wird man möglicherweise entsprechend eine Zeit vor und nach der Krimannexioin sehen. Dabei geht es weniger um eine Halbinsel mit rund 2 Mio Einwohnern und 25.000 km², als vielmehr um den damit gesetzten Präzendenzfall.

Der Gegenseite geht es hingegen vor allem um eines: Putin steht gegen den verhassten „Westen“ und die verhassten USA.

Aus diesem Grund, wird man kaum je eine Argumentation in den Kommentarspalten finden, ob auf dieser Seite hier, auf Facebook oder bei Zeitungen, wo die „Kremlins“ (eine wie ich finde wunderbare Wortschöpfung als Mischung aus Kreml und Gremlins) nicht auf die USA verweisen. Völlig egal, was in Russland passiert. „aber die USA“. Die gute alte Taktik des „Whataboutism“ funktioniert nicht nur zur Verteidigung Russlands, es gilt auch weiterhin die Prämisse: „Ein Krieg beginnt immer erst dann, wenn ein US-Soldat den ersten Schuss abgibt.“

Deshalb sind Russlands Manöver an seinen Aussengrenzen auch dann keine Rede wert, wenn die russischen Truppen eine Invasion ihres Nachbarlandes oder gar einen Einsatz von Nuklearwaffen gegen Nachbarstaaten üben, während eine Übung zur Durchführung von UN-Missionen als „Provokation“ oder „Säbelrasseln“ gewertet wird, auch wenn es vorrangig eine Mission auf Stabsebene ist, mit weitaus weniger Soldaten stattfindet und regelmäßig, auch in der Zeit der Regierung Janukowytsch stattfindet. Es geht an sich um die Ukraine, „aber die USA„.

Neuestes Ergebnis der Propagandisten des Kremls ist, den USA vorzuwerfen, das Land sei den Großteil seiner Existenz im Krieg gewesen.

Kremlin Propaganda
222 von 230 Jahren ihrer Existenz soll sich die USA im Krieg befunden haben, so diese Grafik, deren Aussage mir zuletzt von einem der Zentralorgane der deutschen Verschwörungstheoretiker (auch „Aluhüte“ genannt) gewahr wurde. Um diese Zahl zu erreichen, wurde jede Gelegenheit genommen, bei der ein Schuss gefallen und eine Coladose in der Umgebung gefunden wurde. Ob nun irgendwo ein paar Dutzend Indianer einen „Krieg“ gegen die US-Regierung geführt haben wird genauso als Kronzeuge berufen, wie die Barbareskenkriege oder Angriffe anderer Nationen auf die USA. Selbst der US-Bürgerkrieg darf nicht fehlen, wenn es darum geht die Gefährlichkeit der USA zu belegen und um zu zeigen, wie Boshaft das „US-Regime“ doch ist. Ob die von diesen Propagandisten genannten Zahlen stimmen, weiß ich noch nicht einmal. Ich halte es schlicht nicht den Aufwand wert, es im Detail zu überprüfen, da ich von dieser ganzen Aufrechnung nichts halte.

Dass sich unter diesen Kriegen auch solche finden in denen die USA als tatsächlicher Aggressor beteiligt waren oder eine kaum zu rechtfertigende Intervention durchgeführt haben, soll hier der Vollständigkeit halber nicht verschwiegen werden. Auch wenn ich klar weiß auf welcher Seite ich stehe, bin ich doch nicht blind den Fehlern dieser Seite gegenüber.

 

Russland und die Sowjetunion: Kriegstreiber allererster Güte

Die Aufzählung solcher Konflikte ist meines Erachtens unsinnig. Frankreich hat beispielsweise seit dem Zweiten Weltkrieg wohl nur wenige Jahre ohne militärische Intervention in Afrika ausgelassen. Da es jedoch nicht dem pathologischen USA-Hass unterliegt, interessiert sich kein Kremlin oder Aluhut dafür. Dass man für Kriege auch überhaupt erst fähig sein muss sie zu führen, habe ich bereits in der Vergangenheit erwähnt. Liechtensteins Friedlichkeit seit 1866 mit den Kriegen Russlands und seiner Rechtsvorgänger aufzurechnen wäre daher genauso ungerecht, wie wenn man es der Volksrepublik China anrechnen würde, dass sie in Zeiten völliger militärischer Unterlegenheit Taiwan nicht erobert habe. Kurzum: Diese Aufrechnungen sind völliger Unsinn – auf beiden Seiten. Es wäre so, als würde man Ihnen, lieber Leser, anerkennend aussprechen, dass Sie gestern Ihren Nachbarn nicht erschossen haben – wenn Sie überhaupt keine Schusswaffe besitzen. Würde man solch eine Anerkennung tatsächlich aussprechen wollen, so müsste man zunächst fragen: „Haben Sie überhaupt eine Schusswaffe?“ und dann noch „Hatten Sie ein Motiv?“ Nur wer mit Schusswaffe und starkem Motiv keine Gewalt ausgeübt hat, sollte Anerkennung für seine Zurückhaltung erhalten, nicht wer überhaupt nicht zur Ausübung von Gewalt fähig war.

Daher: Solch eine Aufrechnung kann, wenn sie ernst genommen wird, allerhöchstens als Vehikel zur Präsentation des eigenen Hasses auf ein Land dienen.

Doch lange Rede kurzer Sinn. Diese Propaganda existiert und wird gerade von Kremlins und Aluhüten verbreitet.  Wer im Propagandakrieg nicht unterliegen will, kann Propaganda nur eigene Propaganda entgegensetzen. Daher hier meine Antwort auf die „Die USA sind so böse, weil sie so oft Krieg führen (wobei mich die Umstände genauso wenig interessieren wie ob die USA angegriffen wurden)“:

Russlands Kriege

Die russische Föderation besteht seit 24 Jahren und war nur eines davon (1998) nicht im Krieg. Das sind 4%. Die Sowjetion, der Rechtsvorgänger Russlands, bestand, zusammen mit Sowjetrussland, 74 Jahre. Davon nur 7 ohne Krieg, was nur 9% seiner Existenz ohne Krieg bedeutet. Dies ist das Ergebnis eines kurzen Durchgehens der Listen über die Kriege, an denen die Sowjetunion und sein Rechtsnachfolger Russland beteiligt waren.

Und weil ich eben keiner dieser an Fakten nicht mehr interessierte Propagandisten bin, einen ehrlichen Kommentar dazu: Das alles ist wohlgemerkt vermutlich nach gleichen Maßstäben berechnet, wie der gerade verbreitete Unsinn über die USA. Entsprechend werden Angriffe von Islamisten auf russische Teilrepubliken, bei denen Russland im Prinzip nur seine Bürger verteidigt hat, mit aggressiven Überfällen auf Nachbarländer zusammengerechnet. Auch die beiden Tschetschenienkriege sind dabei, bei denen Russland um seine territoriale Integrität gekämpft hat, wie es die Ukraine heute tut. Dass Russland dabei in einem Rahmen eigene Bürger getötet hat, der an Völkermord grenzt, ändert nichts daran, dass ein Land prinzipiell natürlich seine territoriale Integrität schützen darf. Wie die Ukraine übrigens auch.

Auch wenn die Tschetschenienkriege verbrecherisch geführt wurden, ändert dies erst einmal nichts an diesem Prinzip (ich bin aber auch kein Staatsrechtler). Deshalb: Diese Aufrechnungen Russland und der Sowjetunion gegenüber sind unfair, keine Frage. Einen sowjetischen Überfall auf Finnland 1939 mit dem Kampf gegen Nazi-Deutschland ab 1941 gleichzusetzen ist im Prinzip völlig falsch. Dennoch wird es von der Gegenseite im Bezug auf die USA genauso gemacht. Im Gegensatz zur Gegenseite produziere ich aber nur ein schönes Propaganda-Bild, während ich es gleichzeitig in Relation setze. Ich bin nämlich nicht vom Hass auf Russland zerfressen. Stattdessen wünsche ich diesem Land und seinem Volk eine demokratische und pluralistische Gesellschaft, statt dieser aktuellen autoritären und aggressiven Mafia-Kleptokratie.

Öffentlich-Rechtliche Propagandaschau

Am 15.12.2014 berichtete Deutschlands wohl meistgesehene Nachrichtensendung, die „Tagesschau“, über die „Pegida“-Demonstration in Dresden. Während man von einem öffentlich-rechtlichen Medium vielleicht Neutralität erwarten könnte, zeigte sich eine Propagandaschau von erstklassiger Güte.

Screenshot tagesschau.de, abgerufen am 16.12.2014
Ob „Information“ hier die richtige Bezeichnung ist? Screenshot tagesschau.de, abgerufen am 16.12.2014

 

Der erste Satz: Verkleinerung der Teilnehmerzahl, Wertung des Anliegens.

Schon im ersten Satz beginnt Judith Rakers mit dem, was folgen wird.

In Dresden haben sich erneut mehrere Tausend Menschen versammelt, um gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes zu demonstrieren.

Schon die Zahlenangabe ist klar falsch. „Mehrere Tausend“ sind wie viele? Drei- bis Fünftausend? Tatsächlich waren es 15.000 Demonstranten. Warum wird hier dem Zuschauer gegenüber vermittelt, dass die Zahl deutlich kleiner war?  Wenn man keine genauen Zahlen nennen möchte, warum wurde dann nicht „Weit über Zehntausend“ gesagt?

Doch auch um einem den Blutdruck jedoch gleich in die Höhe zu treiben, dient der erste Satz. So lässt sich die Tagesschau-Sprecherin darüber aus, dass die Islamisierung des Abendlandes „angeblich“ sei. Nun ist bekannt, dass man wohl in Dresden Probleme haben dürfte, überhaupt Muslime zu finden. Als was genau man eine „Islamisierung“ bezeichnen will, darüber kann man sicherlich debattieren. Ist es das Stellen einer Mehrheit der Bevölkerung oder die Einführung von islamischem Unterricht?

Doch hierum geht es schlicht nicht. Eine Kommentierung ob das, wogegen demonstriert wird berechtigt ist oder nicht, hat in einer Nachricht schlicht nichts zu suchen. Erst Recht nicht ohne Belege.  Man stelle sich nur einmal vor, die Tagesschau würde berichten: „Hat Verdi zu Warnstreiks aufgerufen, weil Amazon-Angestellte angeblich zu wenig verdienen.“ Oder vielleicht: „“Gab es bundesweite Demonstrationen für ein Verbot von Waffenexporten, weil diese angeblich die Welt unsicherer machen.“ Oder wie wäre es mit: „Erklärten die Demonstrationsteilnehmer unter Beteiligung von fünf MdB, dass angeblich ein Mindestlohn in Deutschland nötig wäre.“

Verstehen Sie worauf ich hinaus will? Es ist eine unerträgliche und unpassende Wertung, die in angeblichen Nachrichten und angeblich neutraler Berichterstattung nichts zu suchen hat. Sie kann Teil eines Essays sein. Sie kann in einem Kommentar vorkommen. In Nachrichten hat es jedoch nichts zu suchen. Hätte man in Nachrichten werten wollen, wäre eine Nennung von Fakten möglich gewesen. Ein wunderbarer Seitenhieb wäre gewesen, wenn die Sprecherin einfach wahrheitsgemäß gesagt hätte: „In Dresden, in dem es einen Bevölkerungsanteil von 0,1% Muslimen gibt, haben heute 15.000 Menschen gegen die Islamisierung des Abendlandes demonstriert.“ Das hätte die Demonstration in einen vielsagenden Kontext gesetzt, ohne Propaganda zu fabrizieren.

 

Der zweite Satz: Schüren von Empörung

„Die sogenannte Pegida-Bewegung will sich dabei die Tradition der Montagsdemonstrationen aneignen.“

Montagsdemonstrationen finden zu allen möglichen Themen an. Ob gegen S-21, jeden (ersten?) Montag in Stuttgart, oder die „Montagsspaziergänge“ in Würzburg. Ob die „Wahnmachen“, bei denen Aluhüte von Weltverschwörungen, Chemtrails und NATO-Verschwörungen fabulieren. Auch die LINKE demonstriert gerne Montags für oder gegen alles Mögliche, obwohl die Montagsdemonstration gegen genau diese Partei gerichtet waren und ihre Diktatur letztendlich mit erledigen geholfen haben.

Dies bei „Pegida“ zu nennen, dient im Kontext des Tenors der restlichen Meinung dem Schaffen von Empörung, zumal eine Definition von „aneignen“ nicht zuletzt „etwas widerrechtlich an sich nehmen“ lautet.

Was hat dieser Vorwurf in den Nachrichten zu tun, wenn er nicht gegenüber jeder Demonstration am Montag erhoben wird?

 

Der dritte Satz: Verzerren der Teilnehmerzahlen

Gleichzeitig findet auch eine Gegendemonstration mit mehreren tausend Teilnehmern statt.

Tatsächlich war die Beschreibung „mehrere Tausend“ hier zutreffend. Es waren 6.500 Teilnehmer. Angesichts der fast dreimal so vielen Teilnehmer bei Pegida, hätte eine seriöse Berichterstattung unterschiedliche Worte benutzt, wie oben vorgeschlagen. So aber wird insinuiert, dass beide Demonstrationen gleich stark besucht waren. Dies war nicht einmal im Ansatz der Fall!

 

Der fünfte Satz: Eine blanke Lüge

Die Pegida-Bewegung bekommt Verstärkung. Zwar sind heute einige Tausend weniger gekommen, dafür […]

Tatsache ist, die Teilnehmerzahl war von 10.000 auf 15.000 gewachsen! Hier wird der Zuseher dreist und offen belogen!

 

Schon mal von Reaktanz gehört?

Ich habe hier und an anderen Orten immer wieder die „etablierten Medien“ verteidigt, wenn es um Russland ging. ich weiß nicht, ob die Tagesschau inzwischen eine Korrektur gesendet hat, schon alleine weil ich keinerlei öffentlich-rechtliche Medien konsumiere. Was man sich dort aber geleistet hat, ist untragbar!

Angesichts solcher Sendungen werden die Demonstranten abfällig gesehen, wenn sie „Lügenpresse“ skandieren? Was, wenn nicht astreine „Lügenpresse“, war denn dieses Machwerk am 15.12.2014 um 20:00 Uhr?

Wenn Menschen ein Anliegen haben, wird pauschal von Hetze gesprochen, obwohl ich bislang keinen Beleg für tatsächliche Hetze gefunden habe – noch nicht einmal in der Tagesschau. Warum hat sie keine Bilder gezeigt, auf denen rechtsradikale oder gar rechtsextreme Parolen zu sehen waren? Wo sind die Bilder von Glatzen? Bei dem ersten Parteitag der AfD in Berlin war ein Mann mit Deutschland-Schärpe, der daraufhin in allen Medien zu sehen war. Wo sind hier diese auffälligen Demonstranten? 15.000 Menschen werden vom Innenminister zu einer „Schande für Deutschland“ erklärt. Pauschal.

Haben die Medienmacher und die Politik schon einmal von Reaktanz gehört? Drückt Menschen lange genug in eine Richtung und ein Teil von ihnen wird beginnen sich aus Prinzip dagegen zu stemmen, weil sie keine Lust haben sich zwingen zu lassen!

Was ist das für ein Land, in dem die selbsternannten Eliten derart mit vielen Tausend ihrer Bürger umgehen? Was erwarten sie, was diese dann machen? Ich habe bis heute nicht an einer Pegida-Demo teilgenommen und habe es auch weiterhin nicht vor. Mir sind einige der Personen in diesem Umfeld suspekt. Ich will mich als Liberaler nicht mit Menschen gemein machen, die politisch mit Sicherheit woanders stehen. Mit solcher Berichterstattung stellt man jedoch sicher, dass – dank Reaktanz – eine Menge Verständnis erzeugt wird!

 

Öffentlich-Rechtliche Propaganda

Alles was oben geschildert wird, ist nicht illegal, vermute ich zumindest. Es dürfte jedem denkbaren Maßstab für einen seriösen Journalismus widersprechen, aber Nachrichten mit Beeinflussung zu vertauschen ist nicht strafbar.

Dramatisch wird das Ganze jedoch dadurch, dass es in den öffentlich-rechtlichen Medien passiert ist. Die Medien, die mit über 8 Milliarden jährlich gemästet werden, um für die Bevölkerung eine neutrale Berichterstattung zu garantieren. Neutrale Berichterstattung, die, wie aufgezeigt, nicht einmal im Ansatz vorhanden war.

Während man eine Propagandashow bei einem privaten Fernsehsender nicht ansehen möchtet, stellt man den Fernseher ab oder schaltet um. Diese Sendung würde entsprechend von den Werbekunden wegen geringer Reichweite gemieden werden, doch die Tagesschau jedoch durch erpresstes Geld finanziert. Das Beste dabei ist, auch durch das von den Teilnehmern von Pegida abgepresste Geld. Sie dürfen also ihre eigene Diffamierung mitfinanzieren. Das ist schlicht untragbar!

 

Politische Korrektheit und fehlende Meinungsfreiheit

Wir leben weit entfernt von Meinungsfreiheit und ich halte es für den größten Witz der letzten Diskussion, dass man immer wieder sagt:, wer hätte denn mehr Meinungsfreiheit als Sarrazin gehabt. Das ist lächerlich. Zur Meinungsfreiheit gehört fundamental der Respekt vor Andersdenkenden und ich sehe nirgendwo auch nur den Ansatzpunkt eines Respekts vor dem, was andere, die nicht politisch korrekt denken, sagen und veröffentlichen. Und das fehlt unserer Diskussion dringend. Die Leute draußen merken das und ich kann es Ihnen voraussagen. Es werden immer mehr. Ich bin fest davon überzeugt, dass es eine Art Geschichtszeichen ist, dieses Buch von Sarrazin [Deutschland schafft sich ab]. Nicht weil es eine hohe Qualität hat, sondern weil es eine Auslöserfunktion hat. Die Leute lassen sich nicht länger für dumm verkaufen und sie lassen sich nicht länger zum Schweigen bringen. […] Das entscheidende ist, dass die Leute nicht mehr bereit sind, sich von der politischen Klasse und von besonders arroganten Jakobinern auch in den Feuilletons  den Mund verbieten zu lassen

Prof. Dr. Norbert Bolz bei Anne Will vor einigen Jahren.

Das ist jedoch das entscheidende Konzept der Politischen Korrektheit. Sie erzeugt Redeverbote, die Sie unter Androhung der gesellschaftlichen Ächtung durchzusetzen versucht. Das sehen wir gerade live in den Medien und durch die Politiker im Bezug auf Pegida.

Dabei ist dieses Dogma nicht nur eine Schande für eine aufgeklärte Demokratie und eine tatsächliche und effektive Einschränkung der Meinungsfreiheit. Wer schon einmal in den USA mit Menschen diskutiert hat weiß, wie Meinungsfreiheit tatsächlich funktionieren kann.

Nein, diese Politische Korrektheit und die davon ausgehende Einschränkung der Meinungsfreiheit hat zwei gravierende Auswirkungen.

  1. Tatsächliche Probleme werden nicht benannt. Statt dass sie debattiert würden und im Rahmen einer Debatte nach einer Lösung gesucht würde, wird ein Mantel des Schweigens über Themen gelegt, der den Menschen am Herzen liegt. Nur vergessen viele der Menschen dieses Thema nicht, nur weil nicht offen abseits der „Stammtische“ darüber debattiert wird.
  2. Noch gravierender ist jedoch, dass vermeintliche Probleme nie erörtert werden und eben als solche enttarnt werden können – als nicht existent.

So aber züchtet man sich eine Schicht heran, die den eigenen Staat, die eigene Politik und die eigenen Medien als Feind ansieht, weil sie sich unmittelbar unterdrückt fühlen und die Meinungsfreiheit unmittelbar beschnitten sehen. So züchtet man sich Pegida heran. So züchtet man sich auch Menschen heran, die von diesem ganzen Staatssystem nichts mehr halten. Während bei Muslimen immer wieder richtigerweise betont wird, man dürfe nicht pauschal verurteilen und müsse auf sie zugehen, ist es bei Rebellen gegen die Politische Korrektheit scheinbar heilige Vorschrift, von jeder Differenzierung und von jedem Zuhören abzusehen.

Ist das der freiheitliche und pluralistische Staat, in dem wir leben wollen?

Warum ich keine Mord-Pornos ansehe

Gerade geht wieder ein neuer Mord- und Gewaltporno auf Facebook um. Er zeigt einen Vater, der zusammen mit anderen Männern die eigene Tochter steinigt. Aufgenommen wurde das Video wohl in dem Gebiet, das der Islamische Staat beherrscht. Wie auch die Enthauptung des Journalisten Fowley oder vieler ähnlicher Mordtaten habe ich das Video bewusst nicht angesehen. Das hat seine Grund.

IS steinigt Frau
Auf Facebook herumgereicht: ein Mord-Porno. Screenshot: Facebook

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Darum zahl‘ ich nicht! (5)

Auf den DWN ist ein längerer Artikel darüber, wie die Tagesschau die neu gegründete „Alternative für Deutschland“ braun einfärben will.

Dank #Demokratieabgabe wird hier mit Ihrem Geld die Leserschaft belogen und manipuliert. Ich bezahle nicht für ein Propagandainstrument, das in der Redaktion unbeliebte Parteien zu vernichten versucht.

Darum zahl‘ ich nicht (4)

Am 11.03.2013 berichtet die Tagesschau:

„Ein Erdbeben der Stärke 9 hatte damals den Nordosten des Landes erschüttert und eine bis zu 20 Meter hohe Tsunami-welle. In der Folge kam es zu einem Reaktorunglück im Kernkraftwerk Fukushima. Dabei kamen etwa 16.000 Menschen ums Leben. Tausende gelten immer noch als vermisst.

Wahr ist: Es kam lediglich eine Handvoll Menschen im Kernkraftwerk ums leben. Alle jedoch durch Herzinfarkte und Ertrinken. Bis heute gibt es keinen einzigen Strahlentoten durch den „Super-GAU“…

Bezahlt mit Ihrer Demokratieabgabe!