Claqueur-Journalismus

84 Prozent der Deutschen sind nicht stolz auf Angela Merkel

So hätte die Überschrift eines Artikels der Welt, der vor Erbärmlichkeit nur so glänzt, auch lauten können. Stattdessen titelte Deutschlands einstmals größte bundesweite konservative Tageszeitung so:

 

Wie jetzt? Die Deutschen sind stolz auf ihre Politiker? Auf die Leute, denen die überwältigende Mehrheit kein Vertrauen entgegen bringt? Dem Beruf in Deutschland, der auf dem letzten Platz in der Vertrauenswürdigkeit liegt?

Naja, es muss wohl stimmen. Immerhin war es ja das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage. Hmm. Komisch. Schauen wir uns doch mal die Details an:

Bei der Ende Juli 2018 durchgeführten Befragung mit 1047 Teilnehmern sollten die Befragten ohne Vorgabe irgendwelcher Namen in freier Entscheidung unter Nennung von maximal drei Personen angeben, bei welchen „Deutschen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Kultur“ es sich um Persönlichkeiten handele, „auf die man wegen ihrer Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart besonders stolz sein“ könne. Hierbei erzielte Angela Merkel den höchsten Wert: Auf die CDU-Vorsitzende entfielen 16 Prozent aller Einzelnennungen.

Auf den Plätzen zwei bis sechs folgen in der mit Festnetz- und Mobiltelefonanrufen durchgeführten Umfrage weitere amtierende oder frühere Spitzenpolitiker der Bundesrepublik Deutschland: Direkt hinter Merkel steht der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) mit elf Prozent aller spontanen Nennungen.

Ach?

Keine Namen vorgegeben? Die Menschen mussten selbst auswählen, auf wen sie stolz sind? So dass jeder, von Arminius bis Klaus-Dieter Müller vom Krämerladen um die Ecke in Frage kommt?

Wo Personen, die andauernd in den Medien sind den Befragten am wahrscheinlichsten einfallen?

Und dann kommt Merkel nach 13 Jahren in der Regierung, nachdem die Medien sie immer wieder zur mächtigsten Frau der Welt gekürt und jüngst sogar zur Führerin der freien Welt erklärt haben, nur auf 16 Prozent? Und das, obwohl die Befragten sogar drei Personen auf einmal nennen durften? Das heißt, von allen abgegebenen Stimmen fielen am Ende nur 5,3% auf Angela Merkel?

Doch statt zu melden, dass 84% der Deutschen die wohl am häufigsten in den Medien präsente Person, die amtierende Kanzlerin der letzten 13 Jahre nicht als eine Person sehen, auf die man stolz sein kann, werden 16 Prozent zu „Die Menschen sind stolz auf ihrer Politiker und Merkel liegt an der Spitze“.

 

Jetzt wissen wir wenigstens, warum Journalisten auf dem fünftletzten Platz in der Vertrauenswürdigkeit liegen.

 

Mein letztes Buch befasst sich mit der „Flüchtlingskrise“ und ist hier käuflich zu erwerben: Nein, wir schaffen das nicht!: Warum die aktuelle Flüchtlingskrise zu einer Staatskrise wird.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann speichern Sie sich diesen Link hier als Lesezeichen für Ihre Einkäufe auf Amazon ab, um mich künftig mit etwa 5% Ihrer Einkaufssumme zu unterstützen – ohne Mehrpreis für Sie! Folgen Sie mir hier auf Facebook, Gab.ai, Twitter und tragen Sie sich hier in meinen Newsletter ein, um mehr von mir zu hören.

Das Leben in Panama (II) – Politische Einstellungen der Einwanderer

Das Spannende an Panama ist, dass von ein paar Hippies abgesehen, jeder Einwanderer hier rechts ist.
An sich klar, denn in ein Land ohne Sozialsystem wandert keiner ein, der an Umverteilung glaubt und als Soyboy unter Testosteronmangel leidet. Selbstbewusste und Starke, die glauben sie können für sich selbst sorgen, sind rechts.

Gerade habe ich mit einem Italiener gesprochen und war vorsichtig, weil Politik ja immer ein heikles Thema ist. Er hat dann erklärt, Italien sehe heute aus wie Afrika, feiert Salvini und sagt, Muslime die auch nicht anpassen sollen in ihren „Müllländern“ bleiben. Er selbst erklärt er sei „extrem rechts“. Jeder Europäer hier ist rechts. Oder zumindest fast jeder.

Aber, lustigerweise, wer gerade aus den USA kommt, kommt wegen Trump. Das heißt, die die Amerikaner hier sind „links“, was natürlich kein Widerspruch ist. Denn der normale „linke Amerikaner“ ist in Europa immer noch eine Mischung aus klassischem Liberalen und Konservativen.

Beim Gespräch mit anderen Einwanderern komme ich mir manchmal vor, als sei ich der Linkeste hier. 🤣

 

 

Mein letztes Buch befasst sich mit der „Flüchtlingskrise“ und ist hier käuflich zu erwerben: Nein, wir schaffen das nicht!: Warum die aktuelle Flüchtlingskrise zu einer Staatskrise wird.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann speichern Sie sich diesen Link hier als Lesezeichen für Ihre Einkäufe auf Amazon ab, um mich künftig mit etwa 5% Ihrer Einkaufssumme zu unterstützen – ohne Mehrpreis für Sie! Folgen Sie mir hier auf Facebook, Gab.ai, Twitter und tragen Sie sich hier in meinen Newsletter ein, um mehr von mir zu hören.

Gesinnungstests unter Freunden mit dem Stern

Das Magazin Der Stern gibt auf seiner Homepage eine Anleitung, wie man seine Freundesliste auf Facebook von Pegida-Anhängern säubert.

Pegida geht Ihnen auf die Nerven? Und sie wollen keine Freunde, denen Pegida gefällt? Mithilfe eines Links können Sie nun sehen, ob einer Ihrer Freunde bei Facebook mit der Bewegung sympathisiert.

 

"Ingsoc" Die Partei aus "1984" von George Orwell.
„Ingsoc“ Die Partei aus „1984“ von George Orwell.

 

Ein Freund und politischer Feind

Zu meiner Schulzeit am Ende des letzten Jahrtausend hatte ich einen guten Freund. Wir haben uns oft gesehen und jahrelang zusammen Computer gespielt. Fast jedes Wochenende wurden die PCs in Autos gepackt und in seinen Keller gebracht, wo wir beide und zwei weitere Freunde Platz hatten, um unzählige Partien Counterstrike zu spielen. Was sich nach einer stinknormalen Jugend eines heute etwa 30jährigen anhörte, hatte eine besondere Komponente.

Mein Freund war Kommunist. Nicht nur irgend etwas halbgares, sondern 110 % Kommunist. Ich war 110% Antikommunist, schon damals. Doch während wir beiden Teenager gelegentlich mal eine kleinere Diskussion um Politik hatten, die vermutlich auch vehement geführt worden sein dürfte (ich erinnere mich nicht mehr), stand unsere Freundschaft nie zur Debatte. Wir beide wussten, dass es schlicht irrelevant war, was der andere politisch dachte. Wir waren Freunde, wollten zusammen Bier trinken und Computer spielen und vielleicht auch mal an unseren Mopeds herumschrauben. Warum also hätten wir uns unsere Freundschaft wegen gegenteiliger politischer Ansichten stören lassen?

 

Mit Gesinnungstests für eine eindimensionale Welt

Der Stern verweist auf einen Blogartikel, der erklärt wie man mittels Graph Search bei Facebook nach Freunden sucht, die bestimmte Seiten mögen. Neben einem fertigen Link für Freunde die die Pegida-Seite geliked haben, werden gleich auch noch Links für die NPD und die AfD angeboten. Dies soll einem helfen, Freunde mit der falschen Gesinnung einfacher zu finden und sie so aus der eigenen Freundesliste zu entfernen.

Schon in meinem letzten Blogartikel habe ich Norbert Bolz zitiert, der eine in Deutschland unbekannte Selbstverständlich genannt hat. Zur Meinungsfreiheit gehört es nicht nur, dass Andere ihre Meinung sagen dürfen ohne hinter Gittern zu landen. Es gehört auch dazu, dass man Respekt vor ihrer Meinung zeigt.

Ein Freundeskreis entwickelt sich normalerweise selbständig. Man wird mit den meisten Freunden Gemeinsamkeiten teilen und ein politischer Mensch wie ich dürfte vor allem auf Facebook „Freunde“ haben, die wie er selbst ticken. Dennoch habe ich nie einen Gesinnungstest gemacht um herauszufinden, wie jemand tickt, da es schlicht die Privatsache der Personen ist. Wenn ich mit jemandem Rennradfahren gebe, dann wird doch das Rennradfahren nicht schlecht, nur weil er die „falsche“ Partei wählt.

Selbstverständlich habe ich auch Leute entfreundet, auch wegen politischer Sachen. Dies aber normalerweise nur, weil sie entweder schlicht dumm waren, kein Benehmen hatten oder aber langweilig waren. Viele andere hingegen habe ich stumm gestellt, weil ich zwar nichts von ihnen hören will (aus politischen oder anderen Gründen), aber eben die Freundschaft nicht beenden möchte.

Damit mir jedoch etwas davon auffällt, mussten sie sich offen zu politischen Themen äußern. Welche Seiten sie geliked haben, ist schlicht irrelevant für mich.  Würde ich nach dem Vorbild des Stern vorgehen, würde ich in einer schrecklich eindimensionalen Welt leben.

 

Nur Konfrontation bringt Fortschritt

Wenn ich an meine eigene Vergangenheit zurückdenke, so habe ich einige Dinge geglaubt und auch vertreten, die schlicht Unsinn waren. Während ich einen Teil durch mein Studium und damit durch Bildung ablegen konnte, wurden die anderen Überzeugungen zum Wanken gebracht, indem man mich konfrontiert hat.

Tage- und nächtelang habe ich beispielsweise Diskussionen um Israel geführt, weil von mir respektierte Freunde sich die Zeit genommen haben, den anders denkenden, mich, damit zu konfrontieren und mit ihm zu diskutieren, statt schlicht den Kontakt abzubrechen. Mich persönlich hat das enorm bereichert und mir dabei geholfen, viele Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und vieles Gewohnte und kritiklos Gelernte einer Überprüfung zu unterziehen.

Dass im „Land der Dichter und Denker“ inzwischen ein Geist herrscht, der die intellektuelle Isolation für einen angestrebten Zustand erachtet, ist erschütternd. Wie, wenn nicht durch Reibung, kann man seine Ansichten spitz feilen und damit präzisieren?

Wie soll man kritisches Denken je lernen, wenn man sich nicht mehr mit fremden Ansichten auseinandersetzt? Wie soll man sich geistig weiterentwickeln?

 

Beim Stern hält man all das offensichtlich für falsch. Dort hält man eine konfrontationslose Welt für einen erstrebenswerten Zustand. Wie bedauerlich.

Der wahre Skandal am 10 Stunden in New York Video

In verschiedenen Medien geht gerade ein Video herum, in dem eine Frau „sexuell belästigt“ wird oder einen „Spießrutenlauf“ durchführt. Was zeigt er aber tatsächlich? Eine Frau, die zehn Stunden durch New York läuft und dabei 108 Mal angesprochen wird. Sie bekommt einen guten Tag gewünscht und man sagt ihr, wie gut sie aussieht. Mal ist es freundlich, mal 08/15, mal ein wenig anzüglich, mal plump.

Erstaunlich unspektakulär

Dass das Video überhaupt solch eine Aufmerksamkeit findet, sagt eine Menge über das Publikum aus. Anders als bei ähnlichen Videos aus Ägypten wird der Frau hier nicht praktisch die Kleidung vom Leib gerissen. Männer sprechen sie lediglich an. Gut, einer kommt als „Creep“ rüber, indem er (angeblich) vier Minuten lang schweigend neben der Frau hergeht. Dass aber hier nicht der Moment gezeigt wird in dem sein Gehen neben der Frau endet, spricht vermutlich für sich. Vermutlich blieb er einfach stehen oder drehte an einer Kreuzung ab. So oder so dürfte es wohl äußerst unspektakulär gewesen sein.
Man könnte auch sagen, das Ganze Video ist geradezu „spektakulär unspektakulär„!

Skandalvideo
„Wie geht es, Schönheit? Habe einen schönen Tag!“
Sexismus und Belästigung im 21. Jahrhundert!

„Der wahre Skandal am 10 Stunden in New York Video“ weiterlesen