Die TAZ und der Mindestlohn

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich den Mindestlohn ablehne. Er ist entweder so niedrig, dass er keine Auswirkungen hat oder er vernichtet Arbeitsplätze. Ich selbst habe während des Studiums für einen grandiosen Job jeden Sonntag sechs Euro die Stunde bekommen. Ich musste hinter einem Telefon sitzen, auf dem niemand anrief. Dabei konnte ich auch den Rausch des Vorabends auf einem Feldbett ausschlafen. Alles für sechs Euro die Stunde. Die Firma konnte dafür „24/7 Telefonservice“ bewerben. Mit einem Mindestlohn hätte ich diesen Job niemals bekommen, da der Werbeeffekt von „24/7 Hotline“ eben keine 8,50 Euro plus Lohnnebenkosten wert gewesen wäre. Tatsächlich war es auch die sechs Euro nicht wert, weshalb meinen Kollegen und mir nach einigen Jahren gekündigt wurde.

Mindestlohn
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Kapitalismus in Deutschland

Ich habe keine Ahnung, ob dieses Zitat wirklich von Roland Baader ist. Es ist aber auf jeden Fall viel zu gut, als dass man es vergessen dürfte

„Betrachten wir Deutschland doch einmal mit “kapitalistischen Augen”. Wir erkennen ein Land mit einem staatlichen (dh. sozialistischen) Rentensystem, einem staatlichen Gesundheitswesen, einem staatlichen Bildungswesen, mit staatlich und gewerkschaftlich gefesselten Arbeitsmärkten, einem konfiskatorischen Steuersystem, einer Staatsquote von über 50%, mit einem erheblich regulierten Wohnungsmarkt, einem massiv subventionierten und regulierten Agrarsektor und einer in einem kompliziertes Geflecht zwischen Markt und Staat eingebundenen Energiewirtschaft, mit mindestens Hunderttausend Betrieben in “kommunalem Eigentum” (d.h. Staatseigentum) und einem staatlichen Papiergeldmonopol, ja sogar mit einem Staatsfernsehen samt Zwangsgebühren. Wir erkennen ein Land, in dem fast 40% der Bevölkerung ganz oder überwiegend von Staatsleistungen lebt und in welchem das gesamte Leben der Bürger von staatlichen Regelungen überwuchert ist. Wer diesen 80%-Sozialismus als Kapitalismus bezeichnet, muss mit ideologischer Blindheit geschlagen sein. Und wer gar von Turbo- oder Raubtierkapitalismus redet, den muss der Verstand ganz verlassen haben (oder die panische Angst vor dem Machtverlust zu verbalen Veitstänzen getrieben haben).