Taiwan im Würgegriff – Nationalchinas Geschichte

Mit diesem Posting beginne ich eine Reihe von Artikeln über Taiwan. Die auf der Insel Formosa herrschende Nationalchinesische Regierung, auch unter  „Republik China“ firmierend, ist eines meiner Beschäftigungsfelder seit vielen Jahren. Die chinesische Demokratie hat es mir angetan, ich fürchte jedoch ihr baldiges Ende kommen.

Historischer Hintergrund
Formosa, so der alte Name für Taiwan, war 1895 nach dem Vertrag von Shimonoseki an Japan gefallen. Es blieb bis 1945 in japanischen Besitz, wonach es Nationalchina, die Republik China unter Chiang Kai-Shek, übergeben wurde.
Als der Chinesische Bürgerkrieg bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufflammte, konnten sich die Kommunisten (auch Rotchina genannt) militärisch durchsetzen. 1949 flüchtete Chiangs Armee mit über einer Million Mann auf die Insel Formosa. Da Nationalchina über die Marinestreitkräfte der chinesischen Republik verfügte, konnte sich die Regierung halten und die Insel bis heute dem rotchinesischen Einflussgebiet entziehen.
Ursprünglich mit dem Anspruch auf eine Rückeroberung des Festlandes, wurde diese Idee spätestens seit den 70er Jahren utopisch. Heute hat Taiwan, die Republik China, 2% der Bevölkerung des ehemaligen Bürgerkriegsgegners und rund 10% des Bruttoinlandsprodukts.

Das kommende Ende der freien Chinesen
Nationalchina war 60 Jahre lang vor Rotchina sicher. Zunächst noch aus eigener Kraft, sorgten die USA seither mit Waffenlieferungen und –Verkäufen für ein Nationalchina, das sich selbst verteidigen kann. Seit Rotchina jedoch dank der wirtschaftlichen Reformen Deng Xiaopings unaufhaltsam an Stärke gewinnt, ändert sich die Kraftverteilung scheinbar unaufhaltsam. Die Waage ist bereits deutlich zur Rotchinesischen Seite hin ausgeschlagen, und schon bald wird Nationalchina hoffnungslos unterlegen sein.
In absehbarer Zeit scheint eine Situation zu drohen, die dem Melierdialog gleicht. So wie Athen Melos im Peloponnesischen Krieg das Messer auf die Brust setzte und die neutrale Stadt nur vor die Wahl zwischen Anschluss an den Attischen Seebund, oder aber die vollständige Vernichtung stellte, so wird eine Großmacht China schon in absehbarer Zeit Taiwan ins „Mutterland“ eingliedern wollen.

In den kommenden Artikeln sollen die tatsächlichen Machtverhältnisse erklärt, Handungsloptionen erörtert und potentielle Folgen eines „Melierdialogs“ zwischen National- und Rotchina erörtert werden.