Gutmensch!

Gutmensch ist nun also das „Unwort des Jahres“. Eine selbsternannte Kommission sucht dabei jährlich ein Wort aus, das ihnen nicht passt. Für den Rest von uns soll das dann wohl aussagen, dass wir es nach Möglichkeit nicht mehr benutzen sollen.

Nun, ich werde es weiter benutzen, auch wenn „Bessermensch“ ein passenderer Begriff wäre. Ein Gutmensch ist nämlich nicht nur ein

[naiver] Mensch, der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o. ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält, sich für die Political Correctness einsetzt

wie der Duden schreibt.

Symbolbild
Symbolbild

Gutmenschen zueigen ist, dass sie sich und ihre Ansichten erhöhen. Seine eigenen Überzeugungen für besser zu halten zu halten als andere, liegt in der Natur der Sache. Ein Gutmensch vertritt sie jedoch aus der Position angemaßter moralischer Überlegenheit. Damit vertritt er nicht nur seine Positionen, was in einer pluralistischen Gesellschaft gut und richtig ist. Er vertritt sie, während er auf die anderen herabsieht. Nicht etwa nur, weil ihre Positionen als dümmer oder falscher empfunden werden, sondern weil ihre Vertreter moralisch verkommen sein müssen, um so etwas zu denken. Nicht etwa ihre Positionen sind schlecht, sondern die Menschen, die sie vertreten.

Wer sich also beispielsweise im Sommer gegen die massenhafte Aufnahme von „Flüchtlingen“ aussprach, vertrat für Gutmenschen keine legitime Position im Diskurs. Nein, gegen eine unbeschränkte Aufnahme der „Flüchtlinge“ konnte nur sein, wer ein richtig schlechter Mensch ist.

 

Gutmensch beschreibt diese Spezies wunderbar für mich, auch wenn tatsächlich „Bessermensch“ passender wäre, weil sie sich eben für besser halten. Daher werde ich das Wort auch weiter benutzen. Denn welches verbreitete andere Wort wäre auch besser geeignet, Menschen zu beschreiben, die die Emotio über die Ratio stellen und zwar stets das Gute wollen, aber allzu oft das Böse schaffen?