Quellenkritik am Beispiel eines Pro-Assad Artikels

Für einen Historiker sind diese Tage sehr frustrierend. Mit dem Internet ist eine Fülle von Webseiten entstanden, auf der man schlichtweg alles lesen kann. Dabei ist nicht nur die Informationsverfügbarkeit gestiegen, sondern vor allem auch die Verfügbarkeit von Desinformationen. Dies kann seine Wirkung entfalten, weil die allerwenigsten Menschen Quellenkritik beherrschen. Historiker wird man erst nach einem Studium von mehreren Jahren.

Dabei lernt man zwar auch, wann Konstantinopel an die Osmanen gefallen und wann Rom untergegangen ist, der Kerninhalt des Studiums ist jedoch die Quellenkritik. Das Geschichtsstudium ist praktisch Quellenkritik. Ines Laufer hat auf FischundFleisch einen Artikel geschrieben, nach dem Assad das Opfer und eigentlich der Gute im syrischen Bürgerkrieg ist.

Meine Kritik an diesem Artikel war scharf genug, dass ich von ihr inzwischen auf Facebook blockiert wurde. Da sie den Artikel jedoch frei verfügbar unter ihrem Namen im Internet veröffentlicht hat, nenne ich sie auch beim Namen. Schließlich haben Tausende, vielleicht auch Zehntausende den Artikel gelesen.

 

Marco Glowatzki

Ihr erster Kronzeuge ist Marco Glowatzki, der „Rubikon“ ein Interview gegeben hat. Wenn man jemanden als Kronzeugen verwendet, muss man seine Aussagen in dem Licht seiner Person betrachten. Über Herrn Glowatzki erfahren wir auf seiner Webseite, dass er Designer und Schneider ist. Bei Rubikon erzählt er, er sei in der DDR aufgewachsen und habe anschließend viele arabische Länder bereist.

In dem Interview verweist er auf falsche Berichterstattung in den Medien, wonach pro-Assad-Demonstrationen als Demonstrationen gegen Assad ausgegeben wurden. Sein Beleg sind die gezeigten Landesfarben. Hierbei sei nämlich bei den Demonstrationen die Fahne der baathistischen Republik gezeigt worden, nicht die der Syrischen Republik, die die Opposition heute benutzt. Dies kann auf eine fehlerhafte Berichterstattung hindeuten, muss es aber nicht.

In einer Diktatur sind Fahnen eines alten Landes nicht unbedingt frei im Supermarkt zu finden. Wir sehen heute bei Demonstrationen von Gegnern Merkels immer mehr die Wirmer-Flagge. Demonstrationen gegen Merkel und ihre Politik gab es jedoch schon früher. Dort wurde die schwarz-rot-goldene Trikolore gezeigt, die erst nach und nach durch die Wirmer-Flagge ergänzt wurde. Der Grund hierfür ist einfach. Das Zeigen einer anderen Fahne bedeutet einen totalen Bruch mit dem bisherigen System, das Zeigen der Aktuellen eine bleibende Identifikation. Indem man die Landesfahne bei einer Demonstration gegen das Regime zeigt, kann man damit aussagen, weiter loyal zum Land zu stehen, nur eben die aktuelle Regierung nicht mehr zu unterstützen. Dies kann die Hoffnung auf ein erschwertes hartes Vorgehen gegen die Demonstranten begründen, da sie ja keine Abtrünnigen, sondern nur Reformer sind, während es Sicherheitskräften gleichzeitig zeigen kann „Die Demonstranten sind ja im Prinzip welche von uns.“ Das einfache Gedankenspiel, die Oppositionellen hätten die israelische Fahne gezeigt, sollte das belegen. In diesem Fall hätten die syrischen Soldaten wohl auch ohne Befehl das Feuer eröffnet.

Wollte man also erklären, die Medien hätten gelogen, müsste man zunächst ermitteln, ab wann die Opposition die schwarz-weiß-grüne Fahne verwendet hat. Wenn sie bei den ersten Demonstrationen bereits großflächig in Verwendung war, dann wäre es ein Hinweis auf eine Fälschung. Dafür fehlen mir jedoch die Belege, auch wenn ich es nicht ausschließen will. Anschließend müsste geklärt werden, ob aktiv „gelogen“ wurde, also wissentlich eine Unwahrheit verbreitet wurde, oder ob nur Fehler gemacht wurden, indem man sich hat Bilder andrehen lassen. Im Übrigen gab es sehr wohl an vielen Orten Bilder von großen Pro-Assad Demonstrationen. Der Spiegel sprach im Oktober 2011 von „Zehntausenden“, die jedoch auch massenhaft Assad-Bilder trugen, was bei den von Glowatzki beanstandeten Bildern nicht einmal zu sehen war. Auch beispielsweise die BBC, AlJazeera, die NYT oder Reuters berichteten.

In dem von Glowatzki kritisierten Bild auf Wikipedia, das laut Wiki vom 8. April 2011 stammen soll, sind beispielsweise viele syrische Fahnen, aber nicht ein Bild Assads zu sehen. Dafür aber Texte mit den englischen Aufschriften: „No for Distroying [SIC!]“ und gleich mehrere mit „Peaceful“. Das könnten theoretisch Assad-Anhänger gewesen sein, die sich gegen eine „Zerstörung“ der Opposition einsetzten und eine friedliche Lösung wünschten. Allein, es passt zur Verortung zu einer friedlichen Demonstration gegen Assad. Nicht zuletzt, weil jedes Bild des Machthabers fehlt. Bei dem kritisierten Bild des Spiegels war nur eine syrische Fahne zu sehen, kein Meer von Fahnen wie auf den pro-Assad Demonstrationen, und – natürlich – kein Bild Assads. Bei dem kritisierten Bild der Taz sind zwei sehr lange syrische Fahnen zu sehen. Aber nur diese zwei, die offensichtlich extra organisiert wurden, und kein einziges Bild Assads. Sieht man sich die oben verlinkten Bilder der tatsächlichen pro-Assad Demonstrationen an, so sind die Unterschiede drastisch offensichtlich.

Glowatzki verweist in seinem Interview auf den Hearld Tribune, auf den sich auch später Laufer bezieht. Auf diesen Artikel wird daher später eingegangen.

Er berichtet, er wollte sich wegen der widersprüchlichen Aussagen ein eigenes Bild machen. Und hier wird es erneut interessant. So leben seine Freunde, so seine eigene Aussage, „im Westteil Syriens“. Er selbst sagt, sie seien in Latakia. Dort ist das Hauptsiedlungsgebiet der Alawiten, die dort die Bevölkerungsmehrheit stellen. Der schiitischen Sekte, die eine Minderheit in Syrien stellt, aber der Assad angehört.

Seine Freunde haben ihn auf der Reise begleitet und herumgefahren. Seine Freunde, die höchstwahrscheinlich Alawiten sind, waren also dabei, wenn er mit Menschen „gesprochen“ hat. Sofern diese Englisch oder Deutsch konnten, konnten seine Freunde, die wohlgemerkt (höchstwahrscheinlich) der Assad-Minderheit angehören und ja erklärte Unterstützer des Diktators sind, jedes Wort verstehen. Wenn die Gesprächspartner keine Fremdsprache beherrschten, dürften die Freunde für ihn übersetzt haben. Laut eigener Aussage beherrscht er kein Arabisch. Wie also sind solche Zeugenaussagen aus erster Hand zu bewerten, wenn sie immer unter den Augen von Assad-Getreuen erfolgten? Sie sind Anekdoten, aber als Beleg wertlos.

Er habe nur einen Oppositionellen getroffen, der jedoch nach Demonstrationen in Haft kam. Seine Motivation sei gewesen, orthodox islamisch zu leben. Wie sind die Aussagen eines solchen Oppositionellen zu bewerten, der von Assad während des Bürgerkrieges aus der Haft entlassen wurde und dessen Aussage unter den Augen von Assad-Getreuen erfolgte? Gerade angesichts des Umstands, dass ein gefährlicher Oppositioneller wohl kaum noch während des laufenden Krieges entlassen würde. Erst Recht, wenn das Assad Regime bekanntermaßen viele tausend Oppositionelle ermordet hat? Hier muss sich die Frage stellen, ob es überhaupt ein echter Oppositioneller war oder ob er nur unter der Bedingung frei kam, Propaganda gegen die Opposition zu betreiben.

Anschließend beruft er sich auf eine Aussage des belgischen Abgeordneten Philipp de Winter des rechten Vlaams Belang. Dieser wird von Damaskus als so freundlich angesehen, dass er erst vor drei Monaten Assad persönlich treffen durfte. Er zählt zu den Freunden Putins, womit er sich wunderbar in der Achse Moskau-Damaskus wiederfindet. Seine Aussagen müssen deshalb nicht automatisch falsch sein. Es muss jedoch entsprechend eingeordnet werden, dass hier jemand etwas sagt, das seinen ideologischen Überzeugungen entspricht.

Sein nächster Zeuge ist Großbritanniens früherer Botschafter in Syrien, Peter Ford, der Assad im Fernsehen verteidigte, nachdem er der (sicherlich fürstlich bezahlte) Direktor einer Lobbyorganisation wurde, die von Assads Schwiegervater betrieben wird!  Was sagt dies über seine Glaubwürdigkeit aus, wenn ein aus Damaskus bezahlter Mann Damaskus verteidigt?

Glowatzki erklärt, seine Freunde hätten beteuert, Amnesty International sei nie in Syrien gewesen. Woher wollen sie das wissen? AI ist renommiert und Kritik an der Organisation kommt vor allem von den Zielen ihrer Tätigkeit. Die Berichte über die Gräueltaten durch Assads Regimen von AI sind umfangreich, berufen sich auf zahlreiche Zeugen, von denen einige hohe Funktionsträger in Syriens Behörden waren und sind durch tausende Fotos belegt. Das kann natürlich alles erlogen sein. Und wenn man Assad-Apologet ist, glaubt man vermutlich auch, dass tausende Fotos mit Folteropfern in Fotostudios gestellt wurden. Glaubhaft ist solch eine Theorie jedoch nicht sonderlich.

Ansonsten verweist er auf die notorische Junge Welt und auf allerlei illustre Gestalten, die für ihre unkritische Assad-Berichterstattung bekannt sind, die als „anbiedern“ bezeichnet wurde.

Eines seiner Argumente ist auch, dass viele Binnenflüchtlinge zu Assad geflüchtet seien. Über deren Motivation als Ganzes kann ohne adäquate Befragungen schwerlich etwas geurteilt werden. Ein Teil wird sicherlich zu Assad fliehen, weil sie seine Herrschaft der der Rebellen vorziehen. Aus welchen Gründen auch immer. Das kann eine nicht funktionierende Versorgung in den Rebellengebieten sein. Das kann die „Rechtspraxis“ auf Grundlagen der jeweiligen Scharia-Interpretation oder die herrschende Anarchie sein. Ein Teil flieht aber garantiert auch vor der gezielten Terrorkampagne des Diktators, die, wenig überraschend, nur das nicht von ihm kontrollierte Gebiet betrifft. Schließlich bombardiert Assads Luftwaffe nur Märkte, zivile Viertel und Krankenhäuser, die nicht in seinem beherrschten Gebiet liegen.

Das Interview ist zu lang, um sich mit jedem Satz zu beschäftigen. Es sollte aber das Prinzip zeigen. Golwatzki spricht die Landessprache nicht, ist höchstwahrscheinlich bei den überwiegend Assad-treuen Alawiten untergekommen, die ihn daraufhin quer durch das Land begleitet haben und seine Unterhaltungen entweder übersetzt oder mitgehört haben. Gerade wenn man den gefürchteten Geheimdienst Assads bedenkt, und hier erzeugen selbst regimefreundliche Syrier keine Illusionen, haben diese Gespräche daher äußerst wenig Aussagekraft über die tatsächliche Stimmung im Land. Seine Kronzeugen sind bezahlte Lobbyisten Assads, Politiker die Freunde der Achse Russland-Damaskus sind und bekannte Publizisten, die Assad von Beginn an verteidigt haben.

Sein Facebook-Profil lässt keine Fragen offen, ob er dem Konflikt irgendwie als neutraler Beobachter gegenübersteht, während eine Ausbildung zum Schneider und Designer meines Wissens auch keine Quellenkritik oder sonderliche Qualifikation zur Analyse und Bewertung von internationaler Politik beinhaltet.

Zur Seriosität von Rubikon muss man in diesem Zusammenhang wenig Worte verlieren, sofern Glowatzki nicht behauptet, die Seite habe sein Interview gefälscht. Schließlich geht es um Glowatzki und seine Aussagen. Ein Blick auf die sonstigen Artikel bei Rubikon lassen jedoch kaum Fragen offen.

 

Eva Bartlett

Der zweite Link von Laufer führt zu einer weit herumgereichten „Rede vor der UN“ von Eva Bartlett. Tatsächlich war es eine von der Vertretung der syrischen Regierung bei der UN organisierte Veranstaltung, die nur deshalb das UN-Logo im Hintergrund hat. In ihrem Blog zeigt Bartlett, dass sie, obwohl sie in dem von Laufer verlinkten Video als „real Journalist“ bezeichnet wird, von Neutralität nichts hält. Hanns Joachim Friedrichs Bonmot „“Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache“ gilt für sie nicht im Ansatz.

Wo sie politisch steht, lässt nicht nur schon die URL ihres Blogs ingaza.wordpress.com erahnen, sie zeigt es auch überdeutlich mit einer eigenen Kategorie des Namens „Gaza Massacre 2008-9„, wo von „zionist masscre“ gesprochen wird. Ihre Wortwahl zeigt daher ihre politische Ausrichtung so deutlich, dass es keiner Rede mehr wert sein sollte.

Um die Aussagen der Frau als klar auf der Linie des „Widerstands“ (gegen den Westen und Israel“) einzuordnen, muss man dazu eigentlich nicht mehr auf die „Systempresse“ zurückgreifen, die in Form des Spiegels ihre Aussage zerlegt hat. Dass Eva Bartlett für das staatliche russische Propagandamedium RT tätig ist, kann nun kaum noch überraschen.

Wie weit der Artikel über sie im aeromagazine als seriös einzuschätzen ist, kann ich aus Zeitgründen nicht beurteilen, weshalb ich ihn nur als Netzfund verlinke. Hier – und das macht jemand, der um Seriosität bemüht ist – verweise ich ausdrücklich darauf hin, dass das im „aeromagazine“ genannte falsch sein kann. Doch auch der keineswegs unseriöse britische Channel4 hat sich Bartlett angenommen.

Glaubwürdigkeit hat sie also nicht im Ansatz. Sie kann jedoch tatsächlich als „Quelle“ dienen. Nämlich um die Tätigkeit von Propagandisten der Achse Moskau-Damaskus(-Iran) zu belegen.

 

American Herald Tribune

Kommen wir zum Kernpunkt der Anklage, sowohl von Glowatzki, als auch von Laufer, ist ein Artikel des Herald Tribune. Die Seite ist noch nicht einmal zwei Jahre alt und wurde im August 2015 gegründet. Sie ist trotz ihres Namens keine Zeitung, sondern nur eine Webseite. Noch dazu eine, die kein Impressum hat und deren Registrar eine „Tima Kingston“ ist, die in Salem, Oregon sitzt. Eine Postadresse ist dabei so wenig hinterlegt, wie es auch nur einen Treffer für die Person Tima Kingston im Internet gibt: Für ein inzwischen Gelöschtes Profil eines Stas Ivanov im russischen VK, der sich als „Tima Kingston“ registriert hatte. Die Identität der Betreiber und Hintermänner wird also verschleiert, es gibt jedoch mögliche Spuren nach Russland.

Der Artikel im Herald Tribune nennt keinerlei Quellen. Er bringt keinerlei Belege. Dafür wird eine Geschichte erzielt, als habe der Autor im CIA-Hauptquartier gesessen und alles aus erster Hand beobachtet. Die CIA tat dies, dann tat sie das. Anschließend machte sie jenes. Doch wo sind hierfür die Belege? Selbst wenn wir eklatante faktische Fehler, wie das behaupten 98% der Jordanier seien „Palästinenser“ ignorieren – 98% sind ethnische Araber, registrierte Palästinenser stellen nur 19% der Bevölkerung, so bleibt es eine fantastische Geschichte ohne jeden Beleg. Nicht ein Beweis wird für die gebrachten Behauptungen genannt.

Die Seite ist also so seriös, dass sie nicht nur auf Quellen verzichtet, sondern sich sogar aktiv darum bemüht, die Betreiber zu verschleiern.

Als ich darauf hinwies, verlinkte Laufer die Seite „Mediabiasfactcheck.com“, die die Glaubwürdigkeit des „America Herald Tribune“ mit „High“, also „Hoch“ einschätzt. Amüsanterweise ist die Seite nicht nur ebenfalls keine zwei Jahre alt, sondern ebenfalls ohne Impressum und mit whoisguard geschützt.

Die bei mir noch vor mediabiasfactcheck.com in den Suchergebnissen angezeigte Seite fakenewschecker.com wurde interessanterweise von Laufer nicht verlinkt. Vielleicht, weil dort die „American Herald Tribune“ als „Untrustworthy News“ also „nicht vertrauenswürdige Nachrichten“ eingestuft wird. Diese Seite hat allerdings ebenfalls kein Impressum, versteckt aber wenigstens ihr Whois nicht. Ob sie daher vertrauenswürdig ist, kann ich nicht beurteilen (Achtung: So arbeitet man seriös), ich halte ihre Beurteilung jedoch für redundant.

Eine Seite, die wilde Behauptungen ohne jede Quellenbelege aufstellt und die Identität der Hintermänner verschweigt, ist nicht glaubwürdig. Erst Recht nicht, wenn sie keine Oppositionsgruppe aus einem Staat ist, der Oppositionelle gerne auch im Ausland ermordet. In solch einem Fall könnte man ein Verstecken der Identität wenigstens noch verstehen und die genannten Informationen unter diesem Gesichtspunkt bewerten.

 

Fassen wir also zusammen

Ihr Text geht noch weiter. Der Teil jedoch, der Assad als den Guten des Bürgerkriegs darstellt und zum Opfer fremder Mächte erklärt, beruht auf den drei genannten Quellen.

  1. Einen Schneider und Designer aus Hamburg, der kein Arabisch spricht und im Land von Assadtreuen Alawiten (höchstwahrscheinlich Alawiten, da aus Latakia, an der Assadtreue besteht ja kein Zweifel) herumgeführt wurde, die für ihn übersetzt haben und ansonsten zugegen gewesen sein dürften. In einem Land, das schon vor dem Bürgerkrieg dafür bekannt war, dass Oppositionelle „verschwinden“. Eine Person, die sich auf bekannte Propagandisten Assads und Anhänger der Achse Moskau-Damaskus bezieht.
  2. Eine Aktivistin, die keinen Zweifel an ihrer festen Fundierung in der „antiimperialistischen“ anti-westlichen und anti-Israel Achse lässt und noch nicht einmal vorgibt, objektiv bewerten und berichten zu wollen.
  3. Ein Artikel einer Seite, für die der Begriff „Fake-News Seite“ geradezu erfunden zu sein scheint.

Um die Glaubwürdigkeit zu belegen, wird anschließend irgendeine Seite gesucht, die die Glaubwürdigkeit bestätigt. Ich habe dieses Prinzip schon 2012 den „Internet-Beweiskreis“ genannt. Offensichtlich ging es in dem Artikel von Frau Laufer zu keinem Zeitpunkt um eine objektive Beurteilung der Lage. Vielmehr bestand das Weltbild: „Assad ist die Hoffnung“ und entsprechend wurden Internet-Belege zusammengesucht, die dies zu belegen scheinen.

 

Zur Quellenkritik

Ich hoffe, ich konnte auch nur im Ansatz zeigen, wie Quellenkritik geht. Auch Propaganda kann eine „Quelle“ sein, und gerade in der Geschichtsforschung stellt oftmals die Propaganda den Großteil der „Tradition„. Denn in Zeiten, wo kaum jemand schreiben konnte und weltliche Bücher zur Reproduktion das Geld und die Unterstützung der Mächtigen erforderten, sind eben Quellen übrig geblieben, die beispielsweise wie die Gesta Francorum et aliorum hierosolimitanorum im direkten Umfeld eines Fürsten entstanden sind. Durch einen durch den Fürsten bezahlten Schreiberling, dessen Fürst sich im Konflikt mit anderen Beteiligten befand. Man kann durchaus alles verwenden und gebrauchen, schließlich ist auch die knallharteste Lügenpropaganda eine Quelle. Nur eben nicht unbedingt im Wortlaut ihres Inhaltes, sondern für die Stoßrichtung ihrer Propaganda. Eine Quelle wie die Gesta Francorum muss entsprechend so gelesen werden, dass man sich immer im Klaren ist, wessen Gefolgsmann der Autor war und mit welchen Interessen Boemund von Tarents die der anderen Kreuzfahrer kollidierten.

Leider kann solch ein Artikel nur die Oberfläche an der Quellenkritik kratzen, ansonsten würde man nicht fast ein halbes Jahrzehnt für einen Master oder einen Magister studieren müssen. Zu sagen bleibt auch, dass Quellenkritik leider keine exakte Wissenschaft ist, die mathematische Formeln befolgt. Ansonsten könnte die Geschichtswissenschaft nur neue Erkenntnisse liefern, wenn sie neue Quellen entdeckt. Tatsächlich kann man Quellen jedoch auch anders und neu interpretieren und gewichten. Eine seriöse wissenschaftliche Forschung erklärt die Gewichtung jedoch umfangreich und im Detail. Sie nutzt wohlgewählte Formulierungen, die die Sicherheit der Schlüsse zeigt. Ob ich schreibe etwas „war so“ oder etwas „scheint so gewesen zu sein“ ist dabei kein Vermeiden einer Festlegung und auch kein Zufall, sondern ein Hinweis auf die Beurteilung der Quellenlage durch mich.

Dies kann man in den meisten meiner Artikel lesen, so auch in diesem über Assads geplante „Islamisierung“ der Opposition gegen ihn. Auch mein Buch über die Flüchtlingskrise folgt diesen Prinzipien. Prinzipien, die übrigens auch Korrekturen und Richtigstellungen verlangen, wenn empirisch belegte fachliche und faktische Fehler gemacht wurden.

 

 

Mein aktuelles Buch befasst sich mit der „Flüchtlingskrise“ und ist hier käuflich zu erwerben: Nein, wir schaffen das nicht!: Warum die aktuelle Flüchtlingskrise zu einer Staatskrise wird

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Trumps Militärschlag auf Syrien: Mehr Show als Effekt

Mit steigender Informationslage wird immer deutlicher, dass es bei dem amerikanischen Angriff auf die Shayrat-Luftwaffenbasis weniger um einen militärischen Nutzen, als um Show ging. Dazu passt, dass Trump seinen rotchinesischen Amtskollegen Xi-Jinping beim Schokoladenkuchen zusammen mit der chinesischen Führungsriege über den Angriff informierte.

 

Die militärischen Zusammenhänge

In einer Diskussion auf Facebook noch vor dem amerikanischen Militärschlag hatte ich argumentiert, dass ein Ausschalten der syrischen Luftwaffe nur mit Flugzeugen der amerikanischen Streitkräfte, nicht aber mit Marschflugkörpern gehe. Mindestens 16 Luftwaffenbasen sind aktuell durch die SAAF in Gebrauch, mit mindestens 355 befestigten Sheltern für Flugzeuge, Dazu noch sieben weitere zivile Flughäfen, von denen mehrere ebenfalls militärisch genutzt werden und nicht von Luftwaffenbasen aus operierenden Hubschraubern.

Indem Trump einen Einsatz von BGM-109 Tomahawk wählte, nutzte er eine Waffe, die inhärente Vor- und Nachteile hat. Der offensichtliche Vorteil ist, dass abgeschossene Flugkörper nicht zu gefallenen US-Soldaten oder gar propagandistisch auszuschlachtenden Gefangenen führen können. Gleichzeitig sind Marschflugkörper durch ihre Bauweise jedoch nur mit einer beschränkten Schlagkraft ausgestattet. Die Tomahawk kann zwar weit und sehr tief fliegen, was einerseits das Risiko der abschießenden Plattform (also hier des die Tomahawk startenden Schiffes) verringert und andererseits ein Abfangen erschwert. Gleichzeitig opfert die Tomahawk damit aber kinetische Schlagkraft, weil sie in nur Unterschall fliegt und auch nur wenig kinetische Energie in einem Stürzen auf das Ziel aufnehmen kann, wie auch Sprengkraft durch ihre beschränkte Größe. Damit wird der Flugkörper vor allem gegen ungepanzerte oder leicht gepanzerte Ziele effektiv.

Eine BGM-109 Tomahawk. Waffen dieses Typs kamen zum Einsatz.

Dies erklärt, wieso weit weniger Ziele getroffen wurden, als Flugkörper abgeschossen, weil möglicherweise einzelne Ziele von gleich mehreren Flugkörpern angegriffen wurden. Es erklärt aber auch, wieso Bilder aufgetaucht sind, die scheinbar völlig unbeschädigte Flugzeuge in HAS (Hardened Aircraft Shelter; Flugzeugbunker) nach dem Angriff auf dem Gelände fotografiert wurden. Während ungeschützte Gebäude von den Flugkörpern pulverisiert werden konnten, wäre dies bei geschützten Zielen schon merklich schwerer.

 

Militärschlag auf Sparflamme

Indem die USA Russland vorwarnten, konnte Russland sein Personal und Material abziehen, was einen unmittelbaren militärischen Konflikt mit Russland vermeiden half. Um aber eine Evakuierung der russischen Soldaten zu ermöglichen, muss die Vorwarnung mindestens eine Stunde, eher mehrere Stunden vorher erfolgt sein. Dies musste zwangsläufig die Effektivität des Einsatzes massiv beschränken, da Russland die syrische Regierung natürlich umgehend informiert hat. Diese hatte damit nicht nur Zeit, ihr (wertvolles) Personal weitgehend in Sicherheit zu bringen, sondern auch alles mobile wertvolle Material. Jedes bedingt startbereite, nicht einmal einsatzbereite, syrische Flugzeug dürfte entsprechend vorher abgehoben haben, wenn sich ein Pilot dafür gefunden hat. Hochwertiges Gerät und Material dürfte, sofern mobil, entweder von der Basis entfernt oder zumindest verstreut oder in Bunker gebracht worden sein. Während also von 20 zerstörten Flugzeugen die Rede ist, dürften die meisten davon Wracks oder nicht flugfähig gewesen sein, zumal die Bilder vom Flughafen ja unbeschädigte Flugzeuge in den HAS zeigen. Somit wurden entweder nicht alle HAS angegriffen oder aber nur die im Freien stehenden Flugzeuge zerstört. Die Flugzeuge, die das Giftgas abgeworfen haben, sind somit ziemlich sicher nicht zerstört worden.

Doch damit nicht genug. Die amerikanischen Kriegsschiffe haben zwar 59 Flugkörper abgeschossen, jedoch keineswegs ihre Magazine damit geleert. Während also einige Gebäude zerstört wurden, deren Wert ich ohne geheimdienstliche Informationen unmöglich einschätzen kann (theoretisch könnten es auch nur leere Lagerhäuser gewesen sein), war der Angriff ganz bewusst auf Sparflamme gehalten. Die Gebäude können durchaus wichtige Werkstätten und Ersatzteillager enthalten haben, die schwer ersetzlich sind und künftige Einsätze massiv erschweren. Allerdings verzichtete das US-Militär nicht nur bewusst auf einen Beschuss von Gebäuden, die Chemiewaffen enthalten könnten, sondern auch auf eine Zerstörung der Luftabwehr auf dem Gelände. Noch nicht einmal die Startbahnen und Taxiways wurden zerstört. Gerade für die letzten beiden Dinge sind die Marschflugkörper aber hervorragend geeignet, um nicht zu sagen: dafür sind sie eigentlich da.

Tatsächlich wurde aber nicht ein Marschflugkörper eingesetzt, der die betonierten Startbahnen dank Submunition mit Kratern überzieht, weshalb binnen 24 Stunden schon wieder Einsätze der SAAF von dem Flughafen geflogen wurden. Auch die Luftabwehr wurde unangetastet gelassen, was völlig untypisch für so einen Angriff ist. Normalerweise wären Startbahn und Luftabwehr Ziele mit hoher Priorität, weil sie die Flugzeuge vor Ort halten, aus der Luft angreifbar und damit in einem zweiten Schlag sicher zerstörbar machen würden. Eine ausgeschaltete Luftabwehr würde einen solchen zweiten Angriff dann auch ermöglichen. Würde man es also ernst gemeint haben, so hätte man zumindest die Voraussetzungen schaffen müssen, um anschließend die Arbeit mit Flugzeugen zu vollenden. Diese sind im Gegensatz zu Marschflugkörpern nämlich in der Lage, schwere panzerbrechende Bomben einzusetzen, die HAS samt Inhalt zuverlässig pulverisieren.

Wäre es den USA tatsächlich um eine Zerstörung des Angriffspotentials mit Chemiewaffen von diesem Flughafen gegangen, hätten sie jedoch Flugzeuge einsetzen müssen, womit sie mit den B-2 Tarnkappenbombern das richtige Gerät haben. Ein Angriff durch sie hätte auf der Luftwaffenbasis keinen Stein auf dem anderen gelassen. Darauf wurde jedoch verzichtet.

 

Es ging um Show

Indem der Militärschlag also mit einer Hand auf dem Rücken geführt wurde und dazu auf eine wirkliche Ausschaltung des Flughafens, auch nur für kurze Zeit, verzichtet wurde, stellt sich die Frage: Wieso?

Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt hier fast nur eine Antwortmöglichkeit: Es ging um die Show, nicht um den tatsächlichen militärischen Effekt. Es ging darum, der Welt und dem eigenen Land zu zeigen, dass man bereit ist, das Militär einzusetzen. Gleichzeitig wollte man aber, so paradox das klingen mag, ganz offensichtlich so wenig wie möglich zerstören. Man hätte nämlich erheblich größeren Schaden anrichten können. Von Seiten der USA hatte man jedoch offensichtlich nicht vor, den Flughafen dauerhaft oder auch nur für ein paar Tage wirklich auszuschalten. Man hatte möglicherweise (hier fehlen mir schlicht noch alle nötigen Informationen über den genauen Wert der zerstörten Gebäude) noch nicht einmal die Absicht, die syrische Luftwaffe nennenswert zu schwächen. Es war, so wenig mir das persönlich gefallen mag, wohl nur ein großer Zirkus. Darauf deutet zumindest für mich alles hin.

Doch wieso? Erklären kann ich mir das nur, und hier geht es ins völlig Spekulative, mit Trumps Charakter. Würde man mich fragen, was ihn ausmacht, so würde ich sagen: „Die pompöse Show und die Überzeugung, alles hervorragend aushandeln zu können.“ Indem die syrische Luftwaffe möglicherweise nicht nennenswert geschwächt wurde, hat er ihre Fähigkeit den IS zu bekämpfen, wo er laut eigener Aussage in der Vergangenheit ja das Hauptverdienst der syrischen Streitkräfte sah, nicht verringert. Indem er Russland vorgewarnt hat, hat er einen unnötigen Konflikt mit Putin vermieten. Indem er angegriffen hat, hat er seine prinzipielle Bereitschaft zu Militärschlägen der Welt und den eigenen Kritikern gegenüber bewiesen. Damit hat er seine Verhandlungsposition gestärkt, ohne gleichzeitig zu viel Porzellan zu zerschlagen, was spätere Verhandlungen erleichtert. Gleichzeitig hat er sich der Welt gegenüber als starker Mann präsentiert. Das könnte zumindest die Logik dahinter gewesen sein.

Andere werfen Trump vor, er habe den Luftschlag nur durchgeführt, um von den innenpolitischen Problemen abzulenken, vor denen er steht. So ist seine Einreisebeschränkung gleich mehrfach von Gerichten kassiert worden und Obamacare wurde bislang nicht ersetzt.

 

Der Angriff war nicht ohne Kosten

Ob Trump allerdings die Spielregeln nach eigenem Gusto bestimmen darf, wird sich noch zeigen müssen. Tatsächlich hat Russland bereits drastisch reagiert. Es hat angekündigt, Syrien mit moderner Luftabwehr beliefern zu wollen, es hat den „heißen Draht“ zur Vermeidung von Konflikten im Luftraum über Syrien abgeschaltet und es droht im Falle weiterer Luftschläge mit militärischen Konsequenzen durch die russische Luftabwehr in Syrien. Von Syrien selbst darf nun nicht mehr erwartet werden, dass es seine Luftabwehr inaktiv lässt, wenn alliierte Kampfflugzeuge über seinem Territorium aktiv sind. Bislang sind die syrischen Kapazitäten noch beschränkt, aber auf Dauer kann dies dennoch nicht nur zu einzelnen Abschüssen führen, es würde auch die Kosten massiv erhöhen. Wenn alliierte Flugzeuge künftig Geleitschutz brauchen und Raketen gegen Luftabwehr mitführen müssen, verringert dies die Kapazität an Bomben, die die jeweiligen Flugzeuge gegen den Islamischen Staat zum Einsatz bringen können und erfordert daher mehr Einsätze oder mehr Flugzeuge. Beides würde die Kosten des Einsatzes merklich erhöhen. Ob es angesichts dieser Reaktionen nicht sinnvoller gewesen wäre, die angerichteten politischen Konsequenzen wenigstens durch einen stärkeren militärischen Nutzen, also einen tatsächlich wirklich effektiven Militärschlag, zu rechtfertigen, muss als berechtigte Frage gelten.

 

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Informationslage aufgrund der zeitlichen Nähe beschränkt ist und der Artikel daher spekulativer Natur ist. Ich schließe es keineswegs aus, dass mir völlig widersprechende Tatsachen noch ans Licht kommen.

 

 

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Bürgerkrieg in Syrien: 500.000 Tote und das alles für Nichts

Die New York Times meldet, Russland habe einen langfristigen Vertrag für seine Marinebasis in Tartus und einen Militärflughafen in Syrien unterzeichnet. Zum gleichen Zeitpunkt wurde bekannt, dass der stellvertretende türkische Premierminister Mehmet Simsek die Akzeptanz seines Landes für ein Verbleiben von Bashar al-Assad in Aussicht gestellt habe. Damit scheint Assads Verbleib in seinem Amt gesichert und sein Sieg im Bürgerkrieg nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Am Ende werden mehr als 500.000 Menschen getötet worden sein. Millionen wurden vertrieben und sind geflohen, das Land ist zerstört.

Die Lehre daraus könnte sein, aber das hätte man auch schon vorher wissen können, dass man nur in Ländern interveniert, in denen man die Intervention auch zu Ende bringen kann und will. Ob man nun selbst in solche Staaten einmarschiert oder die Opposition nur ermutigt und mit Waffen beliefert. Hätte Obama den Oppositionellen von Anfang an gesagt, dass die USA ihnen nicht helfen und dabei zusehen werden, wie man sie abschlachtet, wäre das Ganze vermutlich weitaus unblutiger ausgegangen, wie im Iran 2009. Denn am Ende steht auch jetzt wieder die Assad-Diktatur. Nur dass sie jetzt zwischen Leichenbergen steht. Die Millionen Menschen, die das Land verlassen haben, werden sich wohl auf viele Jahre nicht zurück trauen. Obama sei Dank.

Weiterlesen hier auf The Germanz.

 

 

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Syrien-Krieg: Wie Assad sich selbst unverzichtbar für die Welt machte

Die für Assad kämpfenden Truppen haben Aleppo nach mehreren Jahren erobert. Nun gilt seit wenigen Tagen in weiten Teilen Syriens ein Waffenstillstand. Mit Russlands Hilfe hat sich das Regime Assad nicht nur stabilisiert, sondern seine Kontrolle über das Land wieder ausgeweitet. Schon im Herbst 2011 war Assads Regime nicht mehr zu retten und Obama und Merkel forderten ihn zum Rücktritt auf. 2013 war man sich einig, dass Assad weg müsse und noch im Herbst 2015 erklärte Obama, dass Assad nicht „zurückkehren dürfe“. Beim Aushandeln des Waffenstillstands waren die USA nun gar nicht mehr beteiligt.

Was zum einen eine blamable Desavouierung der USA durch ein viel schwächeres Russland ist, hat seine Wurzeln nicht zuletzt auch in der mangelhaften Unterstützung der syrischen Opposition. Der Grund hierfür ist einfach: die Angst vor Islamisten. Zunehmend weitere Teile der Öffentlichkeit und Entscheider halten Assad für das kleinere Übel, im Vergleich zur Islamistischen Opposition. Damit geht Assads Plan vollständig auf.

Für das Assad-Regime war es von Beginn des Konfliktes klar, dass ein Sieg im Kampf gegen die Aufständischen im eigenen Land vor allem auch auf der Propaganda-Front erreicht werden musste. Gaddafis Versuch, die Aufstände in seinem Land rein militärisch niederzuschlagen, endete bekanntlich mit einem Eingreifen eines Militärbündnisses unter Führung Frankreichs und Großbritanniens. Wenn sein Regime also ein fremdes Eingreifen verhindern wollte, dann musste es sicherstellen, dass die Rebellen als schlechtere Alternative zu dem Assad-Regime dastehen.

Weiterlesen auf The-Germanz

 

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Assads Sieg bedeutet noch mehr Flüchtlinge

Mit Hilfe von Schiitischen Milizen und schweren russischen Bombardements konnte die Assad-Regierung in den letzten Tagen ihre territoriale Kontrolle um Aleppo herum weiter ausdehnen und ist praktisch kurz davor, die in Aleppo befindlichen Zivilisten und Aufständischen einzukesseln. Ein Sieg in Aleppo würde die Opposition wohl weitgehend zerschlagen und nur noch den Islamischen Staat und Assad übrig lassen. Damit würde genau das passieren, was der syrische Diktator so geplant hatte. Putinfreunde in Deutschland halten das Ganze vermutlich für einen großartigen Plan. Doch während die gleichen Menschen zumeist auch möglichst keine Flüchtlinge in Deutschland haben wollen, sollten Sie sich des Umstands bewusst sein, dass ein Assad-Sieg nur noch mehr Syrer in Deutschland bedeuten wird. Und das dazu auf sehr lange Sicht.

 

Die Syrer fliehen vor Assad

Tatsächlich fliehen nicht nur die meisten Syrer vor Assad und seinen Bombenangriffen, inzwischen aber auch vor den russischen Flächenbombardements, die Mehrheit sieht ein Ende der Assad-Diktatur auch als Bedingung für ihre Rückkehr an. Angesichts der Brutalität des Regimes müssen dazu hunderttausende Aktivisten und Widerstandskämpfer das Schlimmste befürchten, sollte Assad den Krieg gewinnen und ihr aktuell befreites Territorium wieder erobern. In diesem Fall würden nicht nur hunderttausende Menschen zusätzlich fliehen, sehr viele der Geflohenen würden sich auch schlicht nicht mehr nach Syrien zurück trauen. Ein Sieg der Diktatur würde Deutschland und Europa also nicht nur  weitere hunderttausende Flüchtlinge bescheren, es würde eine Rückkehr vieler bislang Gekommener verunmöglichen, nicht zuletzt weil die deutsche Gesetzgebung diesen Geflüchteten dann auch einen dauerhaften Aufenthalt ermöglichen würde. Dies übrigens sogar richtigerweise, denn Syrern zuzumuten von einer siegreichen Assad-Regierung nach der Ankunft verhaftet und gefoltert zu werden, ist nicht tragbar. Wer jedoch von solchen Repressalien tatsächlich bedroht ist, wird weder durch die Bundesregierung herausfindbar sein, noch werden die Betroffenen es oftmals selbst wissen.

Foto Kyle Huynh (CC BY-NC-ND 2.0)
Syrien braucht Freiheit, nicht Assad! Foto: Kyle Huynh (CC BY-NC-ND 2.0)

 

Assad muss besiegt werden

Viele der jetzt hier Befindlichen haben aufrichtige Angst um ihr Leben und wollen in einem System wie dem von Assad nicht mehr leben. Nicht selten sind ihre Häuser zerstört oder für das Aufbringen der Schlepper-Kosten verkauft worden. Die Menschen haben also nicht einmal mehr Besitz, zu dem es sich zurückzukommen lohnt. Haben sie dazu auch in einem nicht mehr im Bürgerkrieg befindlichen Syrien Angst um ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Freiheit, so werden sie hier bleiben. Verhindern ließe sich dies nur, wenn auch Assad beseitigt wird. Wer also nicht dauerhaft hunderttausende Syrer in Deutschland haben möchte muss erkennen, dass Assads Niederlage eine conditio sine qua non dafür ist. Dass aber ein nicht-Assad Syrien seine Alawitische Diktatur nicht durch eine fundamentalistisch-sunnitische ersetzt, ist keineswegs gewiss. Es ließe sich jedoch beeinflussen. Dazu müsste man aber auch bereit sein, dass sich Deutschland dahingehend engagiert. Mit Isolationismus, Nichtinterventionismus und Putin-Lobpreisungen wird sich nichts an der Situation verbessern und die syrischen Flüchtlinge werden dauerhaft in Deutschland bleiben.

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Putin komplettiert Assads Meisterwerk

Die russischen Luftstreitkräfte sind nun offiziell zu Luftangriffen übergegangen. Damit wird Russland Kriegspartei in Syrien. Was bei Angriffen auf den Islamischen Staat zu begrüßen sein könnte, ist tatsächlich jedoch eine Katastrophe für Syrien und komplettiert Assads Meisterwerk.

 

Assad wollte eine möglichst radikale Opposition

In „Assads Meisterwerk“ habe ich beschrieben, wie Assad die Opposition gezielt radikalisierte. Extremisten wurden per Amnestie lange nach Beginn des Aufstands gegen ihn aus Gefängnissen entlassen.  Sobald klar war, dass er es mit einen waschechten Aufstand zu tun hatte den er nicht binnen weniger Tage würde erstücken können, traf seine Regierung eine folgenschwere, aber nicht minder geniale Entscheidung.  „Putin komplettiert Assads Meisterwerk“ weiterlesen

Assads Meisterwerk

Die USA überlegen nun, die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), früher auch Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS), auch in Syrien anzugreifen. Erste Aufklärungsflüge finden wohl bereits statt. Damit ginge Assads strategischer Plan für den Bürgerkrieg völlig auf. Der Westen droht ihm letztendlich zu helfen, die Rebellion niederzuschlagen.

Fahne des Islamischen Staates
Fahne des Islamischen Staates

Für das Assad-Regime war es von Anfang an klar, dass ein Sieg im Kampf gegen die Aufständischen im eigenen Land vor allem auch auf der Propagandafront erreicht werden musste. Gaddafis Versuch, die Aufstände in seinem Land rein militärisch niederzuschlagen, endete bekanntlich mit einem Eingreifen eines Militärbündnisses unter Führung Frankreichs und Großbritanniens.
Wenn sein Regime also ein fremdes Eingreifen verhindern wollte, dann musste es sicherstellen, dass die Rebellen als schlechtere Alternative zu dem Assad-Regime dastehen.

„Assads Meisterwerk“ weiterlesen

Das Regime ist schrecklich. Basher ist aber ein guter Mann!

Vor Kurzem habe ich eine junge Frau getroffen, die sich als sunnitische Syrerin herausgestellt hat. Sicher zwei Stunden lang haben wir dabei über den gerade stattfindenden Bürgerkrieg gesprochen. Informationen aus dem Land zu bekommen ist immer schwierig. Meinen Freund in Aleppo erreiche ich seit Monaten nicht mehr, alle anderen Beteiligten können eine politische Agenda haben, wenn dies nicht sogar feststeht. Von daher war es sehr interessant, einen „Beteiligten“ zu sprechen, der keinen Grund zur Vermutung gibt, die Aussagen könnten mit manipulativer Absicht getätigt sein.

„Das Regime ist schrecklich. Basher ist aber ein guter Mann!“ weiterlesen