Ein Militärschlag gegen den Iran ist extrem schwierig. Trump bleiben nur schlechte Optionen

Eine Drohne diesen Typs wurde abgeschossen

Zuletzt habe ich erklärt, wieso der Iran anhand der vorliegenden Belege unzweifelhaft für die Angriffe auf Tanker verantwortlich war. Zumindest, soweit die Informationen bislang vorlagen.

In diesem Artikel erkläre ich, dass der Iran es sich aktuell leisten kann, die USA ein Stück weit zu provozieren, weil seine strategische Lage im Bezug auf die USA überraschend gut ist, sodass der Iran einen US-Angriff nicht unmittelbar zu befürchten hat. Nicht zuletzt auch, weil Trump wohl einer der wenigen US-Präsidenten der jüngeren Geschichte wäre, dem ein neuer Krieg nicht einmal kurzfristig die Zustimmung anschieben würde, sondern vielmehr eine zweite Amtszeit verhindern würde.

Update: Noch bevor der Artikel auf meiner Facebook-Seite gepostet wird, gibt es Neuigkeiten: Trump hatte wohl tatsächlich bereits einen Militärschlag in Gang gesetzt, der jedoch noch vor der Durchführung wieder abgebrochen wurde. War der Abbruch als Zeichen gedacht, um dem Iran ein letztes Mal vor Augen zu führen, dass in den USA jemand sitzt, der das Eskalationsspiel mitspielt? Statt den ganzen Artikel zu löschen oder mit seiner Veröffentlichung bis zu weiteren Nachrichten zu warten, lasse ich ihn wie geplant, von diesem Update abgesehen. Denn meine Grundaussagen halte ich für weiterhin richtig und gültig. Dass nämlich ein Militärschlag eine verdammt schlechte Idee ist, auch für die Interessen der USA, weil das Ganze nicht mit einem isolierten Militärschlag enden würde, sondern Gegenschläge des Irans praktisch garantiert wären. Dass der Artikel zu aktuellen Ereignissen geschrieben wurde und natürlich nur aufgrund der zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Erkenntnissen formuliert wurde, ist an dem Datum der Veröffentlichung erkennbar. Gegebenenfalls werden entsprechend später eben neue Gedanken formuliert. Update ende.

Abschuss einer US-Drohne

In der Nacht zum 20. Juni 2019 schoss der Iran eine amerikanische Drohne vom Typ MQ-4C Triton ab, die sich laut amerikanischen Angaben zu keinem Zeitpunkt in iranischem Hoheitsgebiet befand. Der Iran behauptete dagegen, dass die Drohne zum Zeitpunkt des Abschusses neun Meilen von der iranischen Küste, also innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone und damit in iranischem Hoheitsgebiet gewesen sei.

Eine MQ-4C Triton ist eine bis auf fast 20 Kilometer Flughöhe fliegende Drohne zur maritimen Langstreckenaufklärung. Sowohl das Einsatzprofil der maritimen Aufklärung, als auch die Sensoren an Bord machen daher einen Einsatz im iranischen Hoheitsgebiet extrem unwahrscheinlich und die US-Aussage daher glaubwürdig.

Denkbar wäre ein Flug in iranisches Hoheitsgebiet nur unter wenigen Umständen. Zumindest theoretisch wäre denkbar, dass die Iraner erneut GPS-Daten manipuliert haben, und so die Drohne selbst in iranisches Hoheitsgebiet gelockt haben. Diese Methode, also eine Drohne per GPS-Manipulation umzuleiten, soll laut iranischen Angaben die Methode zur Erbeutung der RQ-170 Stealthdrohne 2011 gewesen sein. In diesem Fall hätte der Iran bewusst die Gelegenheit geschaffen, um die USA ein weiteres Mal vorzuführen oder gar um sie zu einem Militärschlag zu provozieren. Wie weit interne Navigationsmittel eine solche Fehlleitung verhindern und diese Methode ausschließen können, kann ich nicht sicher genug sagen. Ich halte es aber für wahrscheinlich.

Wer glaubt, die Amerikaner würden einen Krieg provozieren wollen – als ob dafür die Angriffe auf Tanker nicht schon ausreichen würden – der könnte ein bewusstes Steuern in den iranischen Luftraum zum Zwecke der Herbeiführung eines Abschusses vermuten.

Allerdings ist die Drohne so groß wie ein kleines Verkehrsflugzeug und dank signifikanter RCS (Radar Cross Section = Radarrückstrahlung) durchaus durch leistungsfähige Radargeräte zu orten, derer es viele in der Region gibt. Hätte sich die Drohne also tatsächlich in iranischem Hoheitsgebiet aufgehalten, so sollte das in Kürze bewiesen sein, da bei weitem nicht jedes Radargerät der Region in US-Händen ist. Angesichts des Einsatzprofils, der Beweisbarkeit und des provokativen iranischen Verhaltens zuletzt, halte ich die US-Angabe für glaubwürdiger.

Trump schreckt vor unmittelbarer Reaktion zurück

Nachdem nun also ein US-Militärflugzeug, wenngleich auch ein unbemanntes, abgeschossen wurde, ruderte Donald Trump nach ersten Warnungen zurück. Vielleicht sei es ja ein Versehen gewesen, vielleicht habe auf iranischer Seite jemand ohne Erlaubnis eigenmächtig gehandelt.

Die Absichten des Irans zeigten sich jedoch umgehend, als ein iranischer General stolz den Abschuss verkündete, was zumindest nach Außen keine Zweifel an einem absichtlichen und gewollten Abschuss lässt.

Vonseiten des Irans wurde also die Chance eines gesichtswahrenden Ausgangs bewusst abgelehnt. Wie geht es nun also weiter?

Die USA müssen auf die Provokationen reagieren

Wenn das nationale Prestige der USA in der ganzen Region und letztendlich weltweit nicht leiden soll, müssen die USA auf diese fortwährenden Provokationen reagieren. Dabei geht es nicht nur um diesen abstrakten Begriff „Prestige“. Es geht nicht um eine vermeintliche nationale Ehre derentwegen sich zu sterben wohl eher nicht lohnt. Eher müsste man den Begriff als Glaubwürdigkeit verstehen.

Viele Konflikte brechen nur deshalb nicht aus, weil die Beteiligten ein Eingreifen der USA befürchten. Gegner der USA sehen von ernsten Provokationen ab, weil sie eine militärische Antwort der Supermacht fürchten. Zeigt der Iran aber, dass er den USA auf der Nase herumtanzen kann, so lädt dies zur Nachahmung ein. Dies muss Trump vermeiden, was ihm auch voll und ganz bewusst ist. Schließlich hatte er selbst Obama immer wieder als schwachen Präsidenten kritisiert, weil sein Vorgänger eben nicht ausreichend auf Provokationen regierte und seine eigenen roten Linien folgenlos überschreiten ließ.

Ein Krieg ist keine gute Idee

In meinem letzten Artikel zum Thema hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass ein Krieg der USA gegen den Iran eigentlich nur schlechte Optionen für die USA enthält.

Ein Militärschlag gegen den Iran wäre eine politische Katastrophe für die USA, wenn nicht wenigstens die lokalen Verbündeten alle mit im Boot sind.

Die USA brauchen kein Öl aus dem Golf, wohl aber ihre Verbündeten Südkorea, Japan und Taiwan (und viele weitere verbündete oder befreundete Staaten).
Die USA haben einige Basen, die bedroht werden können, aber diese liegen in fast jedem Staat der Umgebung, womit diese Staaten unweigerlich in einen Krieg mit hineingezogen werden würden.
Die USA können nicht von den ballistischen Raketen des Irans erreicht werden, wohl aber Kuwait, Saudi-Arabien, UAE, Bahrein, Katar, Jordanien und Israel.

Insofern ist es durchaus möglich, dass Trump aktuell auf Zeit spielt, während seine Diplomaten daran arbeiten, die anderen Nationen für einen Militärschlag mit ins Boot zu holen. Ein Militärschlag ohne Rücksprache mit den anschließend von iranischen Gegenschlägen betroffenen Nationen wäre auch ein unfassbarer politischer Fehler.

Luftschläge alleine reichen nicht aus

Der Iran ist alleine mit Luftschlägen nicht zu besiegen und eine Bodenoffensive ist eigentlich auch mit den Verbündeten vor Ort ausgeschlossen. Einen „Sieg“ kann diese Allianz daher nur mit einem Regime-Change erreichen und der muss vom Iran selbst ausgehen, weil keiner eine Million Soldaten auf 1-2 Jahrzehnte in den Iran schicken und die dann zu erwartenden Verluste durch Guerilla-Angriffe verkraften will.

Was also bleibt ist eine potentielle Luftkampagne zur Verringerung der offensiven Schlagkraft des Irans, damit verbunden Schläge gegen die Luftabwehr, die militärische Kommando- und Infrastruktur, sowie natürlich gegen die Atomanlagen.

Das alles, während dann iranische Raketen über den Persischen Golf fliegen, die militärische und zivile Schifffahrt im Persischen Golf und der Straße von Hormus angegriffen wird, die irakischen schiitischen Milizen US-Truppen angreifen, die Hisbollah seine sechsstellige Zahl Raketen auf Israel abfeuert und die Houthi ihre Angriffe auf Öleinrichtungen in Saudi-Arabien intensivieren…

Jede Militäraktion müsste daher mit einem erzwungenen wirtschaftlichen Kollaps verbunden sein, also mit härtesten Sanktionen, einem Abschnüren von den internationalen Währungssystemen und wohl einer möglichst umfassenden Blockade, damit das Regime ohne Öleinnahmen und ohne fremde Hilfe pleite geht, wonach es dann, in den Augen der Planer, wohl hoffentlich durch einen Aufstand der iranischen Bevölkerung hinweggefegt werden würde.

Ob dies möglich ist, sowohl in der Umsetzung, ob die Verbündeten mit im Boot sind und wie hoch man die Chancen auf einen Erfolg einschätzt, müssen die USA zwingend vor einem Militärschlag klären. Auch, ob die Türkei dabei trotz der gerade herrschenden erheblichen Spannungen mit den USA mitmacht. Nicht zuletzt auch, weil all diese Maßnahmen theoretisch auch das iranische Volk hinter dem Regime vereinen und es so stabilisieren könnten, während die geostrategischen Gegner der USA, Russland und Rotchina, wegen der enormen Bindung von US-Ressourcen praktisch freie Hand woanders hätten.

Der Iran hat gute Karten

Selbst unter besten Bedingungen würde also eine andauernde Militäraktion gegen den Iran mit hohen Verlusten, hohen Kosten und gewaltigen diplomatischen Verstimmungen einhergehen. Davon abgesehen, dass sich eine solche Militäraktion wohl über Monate hinziehen würde.

Durch den Abschuss der Drohne, durch die Angriffe seiner Milizen im Irak auf Ölanlagen und die amerikanische Botschaft, durch die Angriffe auf Tanker, durch die Unterstützung der Luftabwehr der Houthis (die gerade selbst eine amerikanische Drohne abgeschossen haben, was laut US-Angaben nur mit iranischer Hilfe möglich war) und deren Angriffe auf Saudische Einrichtungen hat der Iran eine deutliche Nachricht nach Washington und auf die Arabische Halbinsel geschickt:

Er hat den USA und seinen arabischen Verbündeten gezeigt, dass der persische Löwe Zähne hat, die beißen können – und dass er bereit ist, diese auch zu benutzen.

Trump, dessen Verhandlungsstrategie mit Schurkenstaaten aus maximalem militärischen Druck als Weg zu einer Verhandlungslösung besteht, findet nun plötzlich einen Spieler am Kartentisch, der auf seinen Bluff hin seine Karten nicht auf den Tisch wirft, sondern mit einer Erhöhung des eigenen Einsatzes sagt, die Karten sehen zu wollen. Dies wäre angesichts der Vergangenheit durchaus erwartbar gewesen, hat der Iran doch schon in der Vergangenheit eine enorm hohe Bereitschaft gezeigt, Verluste in militärischen Konflikten in Kauf zu nehmen, wie ein Blick auf den Ersten Golfkrieg mit dem Irak zeigt.

Für Trump, ist dies der wohl schlimmstmögliche Ausgang. Sollte es zum Krieg kommen, würde die Weltwirtschaft unter den massiv steigenden Ölpreisen leiden und damit die US-Wirtschaft direkt vor seiner angestrebten Wiederwahl schwächen. Dies würde ihm das beste Argument für seine Wiederwahl aus der Hand schlagen.

Dutzende oder gar Hunderte tote US-Soldaten würden seine Anhänger massiv verärgern, die ihn zumindest in Teilen gerade wegen seines Versprechens keine weiteren Kriege mehr zu wollen gewählt hatten. Gleichzeitig wäre es vollständig in der Hand des Irans, ein Ende des Krieges zu bestimmen, da auch Militärschläge keine vollständige Vernichtung der iranischen Offensivfähigkeiten erreichen würden und der Iran so jederzeit weitere Angriffe auf US-Einrichtungen, US-Verbündete und Schiffe im Persischen Golf durchführen könnte. Nicht die USA, sondern der Iran würde bestimmen, wann der Konflikt beendet ist. Was vor der US-Wahl an sich völlig inakzeptabel für Trump sein muss.

Diplomatisch wäre ein Krieg mit dem Iran wegen seiner Folgen für die US-Verbündeten und -Freunde eine Katastrophe, zumal eine Unterstützung aller Betroffenen praktisch ausgeschlossen ist, erst Recht eine über Monate oder gar Jahre dauernde Unterstützung.

Den USA bleiben nur schlechte Optionen

Wie schon im Artikel über die Tankerangriffe geschrieben: Der Iran ist in der deutlich besseren Position und kann sich daher seine Provokationen leisten, während die USA eigentlich um jeden Preis einen Krieg verhindern wollen sollten.

Da laut US-Angaben die neuerlichen Sanktionen gegen den Iran hoch effektiv sind, dürften die iranischen Provokationen weitergehen, bis eine amerikanische Entscheidung erzwungen ist. Hier bleiben nur drei Optionen:

  • Die USA schaffen es, eine volle militärische Konfrontation zu vermeiden, ohne dabei schwach auszusehen, bis die Sanktionen den Iran in die Knie gezwungen haben, was aber nicht zuletzt dank bereits angekündigter chinesischer und wohl zu erwartender russischer Hilfe unwahrscheinlich ist.
  • Die USA geben nach und schwächen die Sanktionen ab, womit der Iran seinerseits die USA in die Knie gezwungen hätte. Das würde die US-Position im Nahen Osten erheblich schwächen.
  • Die militärische Eskalation führt zu einem Militärschlag und anschließend wohl mindestens zu einem Kleinkrieg. Ein Einknicken der Iraner nach ein paar Luftangriffen auf symbolische Ziele scheint angesichts des bisherigen iranischen Verhaltens ausgeschlossen zu sein – und genau deshalb macht der Iran auch, was er eben gerade macht. Dies schließt Trumps Wiederwahl praktisch aus und endet wohl ebenfalls mit einem Sieg des Irans.

Sofern ich hier nicht eine Option vergessen habe, hat der Iran also fast alle Karten in der Hand. Umso mehr, wenn er tatsächlich Hilfe aus Russland und der Volksrepublik China erhält, was wegen deren geopolitischen Konkurrenz zu den USA sehr wahrscheinlich ist. Wollen Russland und Rotchina es, dürfte der Iran wohl auch die US-Sanktionen eine Weile überdauern können, während er die USA – und damit Trump – mit einem asymmetrischen Kleinkrieg vor den Augen der Weltöffentlichkeit vorführt.

Erneut: Sofern ich nicht eine Option übersehen habe, dürfte Trump nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera haben. Einen guten Ausgang aus der Konfrontation mit dem Iran scheint kaum mehr möglich zu sein. Und genau deshalb spricht auch alles dafür, dass der Iran die Tanker tatsächlich angegriffen und die Drohe tatsächlich außerhalb seines Hoheitsgebietes abgeschossen hat. Weil es ihm in die Hände spielt und so eine für den Iran positive Entscheidung ermöglicht, bevor die Sanktionen eine zuungunsten des iranischen Regimes erzwingen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die USA auf irgendeine Art und Weise schaffen, einen Ausweg zu finden, der beide Seiten das Gesicht wahren lässt. Allerdings wird dies mit jedem vergangen Tag und mit jedem Angriff des Irans unwahrscheinlicher.

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Tankerangriffe: Der Iran war es

Darauf deutet zumindest aktuell tatsächlich alles hin.

Erneut sind Tanker knapp außerhalb der Straße von Hormuz angegriffen worden, dieses Mal auf der Fahrt und auf See. Die veröffentlichten Bilder sind dabei eindeutig.

Limpet Mine Attack in the Gulf of Oman: JUNE 13, 2019

Video recorded by a U.S aircraft of an Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC) Gashti Class patrol boat and crew removing an unexploded limpet mine from the M/T Kokuka Courageous. M/T Kokuka Courageous suffered an explosion while operating in the Gulf of Oman causing 21 crew members to abandon ship and later get rescued by the U.S. Navy's Arleigh Burke-class guided missile destroyer USS Bainbridge (DDG 96).

Posted by U.S. Navy on Thursday, June 13, 2019

In dem Video kann man eindeutig und unzweifelhaft ein iranisches Gashti-Klasse Patrouillenboot erkennen, das von der Außenwand eines Tankers ein Objekt entfernt.

Die typischen Rillen der Trittfläche am Bug ist auf dem Video erkennbar, genauso wie die charakteristische Bugform und die Maschinenwaffe an der richtigen Position.

Screenshot
I

Die Bilder von einem der beschädigten Tanker bestätigen ebenfalls die offiziellen Meldungen:

Image may contain: text, water and outdoor

Deutlich ist rechts eine Art kleine „Pyramide“ zu erkennen, während der links markierte Schaden vor nicht allzu groß und noch dazu über der Wasseroberfläche ist.

Die Position des Schadens schließt eine Seemine genauso aus, wie einen Torpedo. Oberhalb der Wasserlinie könnten nur Projektile, ob aus Rohrwaffen oder Raketen ein Schiff auf diese Art beschädigen – oder eben eine Haftmine.

Haftminen müssen tragbar sein und haben daher ein Maximalgewicht. Die größte mir ad hoc bekannte Haftmine ist die von der Wehrmacht gegen das Fort Eben Emael eingesetzte mit einem Gesamtgewicht von 50 Kilogramm, die jedoch aus zwei Teilen bestand, die auf dem Ziel zusammengesetzt werden mussten.

Gut auf dem Bild zu erkennen ist die Form einer Halbkugel. Da Haftladungen mit Hohlladungen funktionieren und nicht auf Aerodynamik, sondern auf geringes Gewicht angewiesen sind, ist ihre Form normalerweise grob die einer Halbkugel, eines Kegels oder einer Pyramide. Dies ist auch bei der deutschen Hafthohlladung des Zweiten Weltkriegs erkennbar:

Das veröffentlichte Bild ist nicht zu gut, man kann jedoch deutlich eine Pyramide erkennen. Da eine dort angebrachte Hohlladung leicht genug sein muss, um sie zu tragen und von einem schwankenden kleinen Boot anzubringen, dürfte ihr Gewicht nicht höher als 20 kg sein, was die Sprengwirkung nicht nur einschränkt, sondern auch den auf dem Bild sichtbaren Schaden erklären würde.

Hohlladungen sind darüber hinaus auf die Penetration des Ziels ausgelegt. Sie erzeugen einen Metallstachel, der sich durch die vor der Hohlladung liegende Panzerung bohrt. Statt also Energie für die Zerstörung der Panzerung selbst zu verschwenden, entsteht ein eher kleines Loch, während auf der anderen Seite der Panzerung idealerweise größerer Schaden entsteht. Je nach Konstruktion, Zielbeschaffenheit und Sprengladung ist entsprechend natürlich auch ein Schaden auf der Außenseite zu beobachten.

Taucher könnten Hafthohlladungen im Hafen anbringen, wobei dann der Schaden unter der Wasserlinie entstehen würde. Ist das Schiff jedoch unterwegs, fällt eine Montage per Taucher praktisch aus, da zu schwierig und riskant. Entsprechend würden Hohlladungen von einem kleinen Boot aus angebracht, was die Höhe über der Wasserlinie erklärt.

Die Bilder belegen also eindeutig das, was dem Iran vorgeworfen wird. Es sieht nach Haftminen aus, das Boot ist eines der iranischen Gashti-Klasse und der Schaden entspricht dem, was man von einer Haftmine erwarten dürfte.

Warum sollte der Iran das machen?

„Der Iran hat überhaupt keinen logischen Grund das zu machen!“ werden Sie jetzt zahlreich in den sozialen Medien lesen können. Der Golf von Tonking wird beschworen und den Amerikanern die Inszenierung eines Kriegsgrundes vorgeworfen. Ein solches Ereignis ist natürlich der passende Anlass, damit Verschwörungstheoretiker und Antiamerikaner aus allen Löchern kommen.

Natürlich. Vielleicht haben Mossad oder CIA ja ein Gashti-Klasse Boot nachgebaut. Vielleicht ist das Video von einer Übung des Irans oder gleich direkt eine am Computer erzeugte Fälschung. Wenn man Verschwörungstheoretiker ist, dann glaubt man per Definition ja nicht an vorgelegte Beweise, weshalb auch Bildbelege nicht überzeugen werden. Doch während Verschwörungstheoretiker, die gerne auch mal an eine Fälschung der Mondlandung glauben, keine wirkliche Aufmerksamkeit verdienen, ist die Frage an sich durchaus legitim. Wieso sollte der Iran so dumm sein?

Der Iran glaubt, Trump verstanden zu haben und ist sich seiner geopolitischen Lage bewusst.

Der Iran ist seit Jahren in Syrien militärisch aktiv und hat dabei das amerikanische Engagement und die amerikanische Entschlossenheit (bzw. deren Fehlen) aus nächster Nähe beobachten können. Während Obama sich völlig als Papiertiger erwies und iranische Erpressungen mit einer großen Summe Dollar in Bar und der Aufhebung von Sanktionen belohnte, war der Luftschlag seines Nachfolgers Trump gegen das Syrische Militär wegen des Einsatzes von Chemiewaffen „Mehr Schein als Sein„. Nachdem also einmal ein paar Flugzeugwracks zerstört wurden, wurden in Syrien fleißig weiter Chemiewaffen eingesetzt, ohne dass es Konsequenzen gehabt hätte.

Dies zeigt einem aufmerksamen Beobachter, dass es dem US-Präsident um gute Presse, um schöne Bilder und um die Außenwirkung geht. Es geht darum, dass er als starker Präsident auftreten und die Falken in seinem Heimatland beruhigen kann. Es geht ihm mitnichten um eine nachhaltige Veränderung des Verhaltens des syrischen Regimes oder um eine nachhaltige Einflussnahme.

Und während die geopolitischen Realitäten eine vollständige Umsetzung von Trumps Isolationismus verhindern, so zeigt auch sein angekündigter Rückzug aus Syrien erneut, dass Trump möglichst wenig in der Region agieren möchte. Und erinnern Sie sich an die Ankündigungen, man halte sich auch in Venezuela militärische Optionen offen? Haben Sie die letzten Tage noch etwas davon gehört?

Der Iran hat es also mit einem US-Präsidenten zu tun, der vor allem gerne bellt aber wirklich gar keine Lust hat, auch zu beißen. Trump liebt den Bluff und die Kulturnation Iran hat abseits aller religiösen Apokalyptiker, die glauben, mit möglichst großem Leid auf Erden die Rückkehr des 12. Imams herbeiführen zu können, hochgebildete und intelligente Fachleute. Dass im Iran Trumps Aussagen und seine Veröffentlichungen genauestens studiert werden und wurden, ist Gewissheit. Daher weiß man auch, dass Trump es liebt, laut und pompös zu sein, um Eindruck in Verhandlungen zu schinden.

In seinem von mir nicht gelesenen Buch „The Art of the Deal“ soll Trump sinngemäß sagen: „Man verlangt in einer Verhandlung das Doppelte von dem, was man will. Wenn man dann am Ende 51 Prozent bekommt, hat man gewonnen, während die Gegenseite sich toll fühlt, weil sie einem so viele Zugeständnisse abgerungen hat.“ In dieser Linie ist das laut angekündigte Verlegen eines Flugzeugträgers in die Region, dem Vernehmen nach als Reaktion auf den Iran. Tatsächlich war es ungewöhnlich, dass kein Flugzeugträger dort war, weil die USA normalerweise immer dort einen hatten. Wenn also eine Routineverlegung durch die USA groß aufgebauscht wird, dann weiß der Iran, dass man in Washington vor allem auf Show aus ist. Dass hier wieder einmal die Taktik versucht wird, die Trump auch mit Nordkorea versucht hat. Erst eine maximale Drohkulisse aufbauen, um dann Zugeständnisse zu erreichen. Man weiß, dass hier ein Hund ist, der gerne bellt. Syrien hat gezeigt, dass Trump nicht beißen will und wenn, dann bestenfalls nur so kneift, dass es nicht blutet. Nordkorea zeigt, dass die Handlungen bezüglich des Irans einem Muster folgen.

Der Iran ist sich sicher, dass Trump keine Lust auf einen Krieg zwischen den USA und dem Iran hat, ja diesen unter keinen Umständen will.

Ein Krieg wäre auch in der Tat keine gute Idee. Während eine Ausschaltung des Atomprogramms wünschenswert wäre, um eine iranische Bombe zu verhindern, ist eine dauerhafte Ausschaltung des Atomprogramms nur mit einer Besetzung des Landes zu schaffen, da viele Anlagen gegen Luftangriffe gesichert wurden. Luftangriffe würden das Programm daher zurückwerfen und verlangsamen, es aber nicht ausschalten. Anders als im Irak oder in Syrien gibt es im Iran nicht den einen Reaktor, der nach seiner Bombardierung das gesamte Programm beendet. Vielmehr sind es dutzende Anlagen, teils sehr tief unter der Erde.

Wollte man also sicherstellen, dass das Atomprogramm wirklich beendet ist, so müssten Soldaten am Boden die Anlagen zerstören und im ganzen Land nach weiteren versteckten Anlagen suchen. Dies geht naturgemäß nur am Boden. In einem Land, das mehr als viermal so groß ist, wie Deutschland. Das über eine anspruchsvolle Geographie verfügt und theoretisch eine siebenstellige Zahl seiner Bürger bewaffnen kann, von denen die USA einen fanatischen Widerstand erwarten müssen.

Dass die iranischen Streitkräfte besiegt werden können, steht außer Frage. Genauso würden die US-Truppen in das Land einfallen und es besetzen können. Kontrollieren würden sie es jedoch zu keinem Zeitpunkt, während ein gewaltiger Guerillakrieg gegen sie geführt wird. Während praktisch alle verfügbaren Landstreitkräfte im Iran gebunden wären.

Gleichzeitig läuft ein Drittel aller Öltransporte und ein Drittel aller Gastransporte durch die Straße von Hormuz, die so eng ist, dass selbst Rohrartillerie die Schiffe beschießen und versenken kann. Dabei verfügt der Iran jedoch auch über von LKW einsetzbare ASM (Anti-Schiff-Raketen) mit mehreren hundert Kilometer Reichweite. In der Reichweite seiner ballistischen Raketen liegen nicht nur viele wichtige US-Basen, sondern auch ein großer Teil der exportierenden Erdölfelder.

Der Iran bereitet sich seit Jahrzehnten darauf vor, genau diese Umstände zu seinen Gunsten zu nutzen. Er verfügt über die Mittel, um die Ölfelder, Gasfelder, Raffinieren, Verladeterminals und US-Basen anzugreifen. Er verfügt über hunderte kleine Boote, die Angriffe auf Tanker durchführen können und dabei in so großer Zahl angreifen können, dass eine Verteidigung übersättigt würde. Sie verfügen über Minen zum Sperren der Straße von Hormuz, über konventionell betriebene Uboote, die auch US-Kriegsschiffe gefährden können, wie auch ihre ASM.

Sollte Trump also einen Krieg beginnen, so würden die Ölexporte aus dem persischen Golf weitgehend stoppen, bis die iranische Küste und die Seestreitkräfte neutralisiert sind. Dies würde höchstwahrscheinlich auch Invasionen des Küstenstreifens und der iranischen Inseln vor der Küste erfordern, was tote US-Soldaten bedeuten würde, während es gleichzeitig keine dauerhafte Lösung erzeugen würde.

Der Iran könnte in einem Krieg massiv militärisch geschwächt werden, der von ihm angerichtete Schaden an den USA und ihren Verbündeten wäre jedoch enorm. Gleichzeitig würde der Ölpreis explodieren, was nicht nur das US-Wirtschaftswachstum abwürgen und Trumps Chancen auf eine Wiederwahl praktisch beenden würde, es würde auch wieder frisches Geld in die Kassen Russlands spülen. Geld, mit dem Russland wieder militärisch aktiv werden könnte. Am Ende müssten sich die USA zurückziehen, während in Teheran womöglich noch immer die gleichen Leute an der Macht wären, die nun auch noch einen offenen militärischen Sieg gegen die USA reklamieren könnten.

Ein Angriff der USA auf den Iran würde Trump daher die Wiederwahl kosten, Russland stärken, weitere russische militärische Abenteuer ermöglichen, die Verbündeten der USA massiv schwächen und die US-Wirtschaft abwürgen.

All das weiß man in Teheran.

Wenn man das bedenkt, wie groß ist dann noch das Risiko für den Iran, wenn seine Revolutionsgarde mit ein paar kleineren Angriffen die USA provoziert? Mit den Angriffen zeigen die Iraner, dass sie fähig und willens sind, den Ölfluss zu stoppen oder extrem zu verteuern. Sie zeigen der aufmerksam zusehenden arabischen und islamischen Öffentlichkeit, dass sie es wagen – und am Ende wohl erfolgreich wagen – gegen den „großen Satan“ USA aufzustehen. Sie zeigen, dass sie es schaffen, gegen die USA zu bestehen.

Dazu soll Kushners Friedensplan für den Palästinenserkonflikt in Kürze vorgelegt werden. An Frieden ist jedoch nicht zu denken, wenn ein Krieg mit dem Iran droht. Noch weniger, wenn der Iran erfolgreich gegen die USA aufsteht und stehenbleibt. Wieso sollte die arabische Straße Zugeständnisse gegen Israel akzeptieren, wenn der Iran es schafft, den USA zu trotzen?

Das Verhalten stärkt die Position des Iran im geopolitischen Konflikt mit Saudi-Arabien erheblich. Es zeigt allen Muslimen der Region, wer der wirklich starke islamische Staat ist und verhindert einen Frieden mit Israel, dessen Zerstörung der Iran als einzige Nation der Region ernsthaft anstrebt. Und dies sollte erklären, wieso der Iran „so dumm sein sollte, Tanker anzugreifen“. Der Iran will Trumps Karten sehen und „callt den Bluff“. Er zeigt, dass er, der Iran, tatsächlich bereit ist, zu den Waffen zu greifen, sollte es nötig sein. Dass der Bluff bei ihm nicht wirken wird. Weil der Iran eben gerade nicht dumm ist, sondern schlau. Möglicherweise zu schlau für Trump.

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„Was sollen nur 2.000 Soldaten in Syrien schon ausrichten?“

Wer mich länger liest, dürfte wenig davon überrascht sein, dass ich Trumps Entscheidung zum überhasteten Rückzug aus Syrien für katastrophal halte. Ich habe in der Vergangenheit darüber geschrieben, dass Interventionen zwar falsch sein können, dass es aber auch dramatisch negative Folgen haben kann, wenn sie unterbleiben.

Hier soll es jedoch um die gerade ständig zu hörende Aussage gehen, was denn nur 2.000 Soldaten ausrichten sollen. Kurz gesagt: alles!

Diese 2.000 Soldaten haben selbst noch nicht einmal gegen den IS gekämpft und entsprechend auch nur vier Gefallene in 2 Jahren zu beklagen gehabt. Sie waren dort, um einheimische Kräfte auszubilden und zu koordinieren. Und um sie in Gefechten gegebenenfalls mit Artillerie und Luftangriffen zu unterstützen. Dies erhöht die Schlagkraft von lokalen Kräften um ein Vielfaches.

Es waren kurdische und mit diesen verbündete arabische Kräfte, die mit US-Unterstützung den Großteil des IS-Gebietes im Norden Syriens befreit haben. Die US-Truppen leisteten dabei Feuerunterstützung und koordinierten die Kräfte, was den Ausschlag gab.

2.000 Mann sind mehr als genug um Einfluss zu nehmen und die kurdische Selbstverwaltungszone zu halten, wenn sie einheimische Milizen koordinieren, ihnen mittels Artillerie und Luftwaffe beistehen. Dazu fungieren sie als Stolperdraht. Sind irgendwo Soldaten mit Stars and Stripes auf dem Oberarm, so weiß der Angreifer, dass ein Angriff auf diese Truppen einen Gegenschlag der stärksten Militärmacht der Welt wahrscheinlich macht. Sollten iranische Truppen also diese 2.000 Mann angreifen und tatsächlich überwältigen können, was angesichts der Stärke der US-Luftwaffe, auch in der Region, alles andere als wahrscheinlich ist, so wüsste der Iran, dass er im Persischen Golf und aus der Luft über dem Iran eine Antwort erhalten würde. Eine Antwort, die so schmerzhaft wäre, dass ein möglicher Sieg über US-Truppen in Syrien es nicht wert wäre. (Siehe auch Die Ökonomie des Krieges)

Pro-Assad Kräfte haben es übrigens einmal zusammen mit russischen Söldnern versucht, die US-Kräfte in Syrien anzugreifen. Sie wurden aufgerieben.

Darüber hinaus sind die Truppen in Syrien ein Faustpfand, das den USA ein Mitspracherecht garantierte. Trump kritisierte Obama für seine Schwäche dem Iran gegenüber und wegen seiner fehlenden Unterstützung Israels. Er selbst wird Israel ein Syrien in iranischer Hand mit iranischen Terrorgruppen am Golan hinterlassen. Mit US-Truppen im Rojava hätte Trump sein angebliches Verhandlungsgeschick nutzen können, um nicht nur die eigenen kurdischen und arabischen Verbündeten vor Ort nicht den Türken und Assad ans Messer zu liefern, sondern auch, um einen Abzug der iranischen Truppen und Milizen und eine Pufferzone zum Golan auzuhandeln. Stattdessen hinterlässt er Israel ein Syrien, das gefährlicher für es ist, als unter Obama.

Und wer glaubt, eine fehlende US-Einmischung würde Friede, Freude, Eierkuchen bringen, verkennt die Realität. Es gibt keine Welt ohne Hegemon. Ein Rückzug der USA aus dem Nahen Osten hinterlässt ein Vakuum, das andere aufzufüllen suchen und werden. Diese werden darum kämpfen, was wir ja bereits seit Jahren beobachten können, und sich ihre lokale Vorherrschaft mit Hilfe russischer oder chinesischer Oberherrschaft sichern. Zu glauben, eine Welt mit russischem oder rotchinesischem Hegemon sei besser, als eine mit US-amerikanischem, kann wohl kaum jemand ernsthaft glauben, der Westliche Werte schätzt.

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Trumps Militärschlag auf Syrien: Mehr Show als Effekt

Mit steigender Informationslage wird immer deutlicher, dass es bei dem amerikanischen Angriff auf die Shayrat-Luftwaffenbasis weniger um einen militärischen Nutzen, als um Show ging. Dazu passt, dass Trump seinen rotchinesischen Amtskollegen Xi-Jinping beim Schokoladenkuchen zusammen mit der chinesischen Führungsriege über den Angriff informierte.

 

Die militärischen Zusammenhänge

In einer Diskussion auf Facebook noch vor dem amerikanischen Militärschlag hatte ich argumentiert, dass ein Ausschalten der syrischen Luftwaffe nur mit Flugzeugen der amerikanischen Streitkräfte, nicht aber mit Marschflugkörpern gehe. Mindestens 16 Luftwaffenbasen sind aktuell durch die SAAF in Gebrauch, mit mindestens 355 befestigten Sheltern für Flugzeuge, Dazu noch sieben weitere zivile Flughäfen, von denen mehrere ebenfalls militärisch genutzt werden und nicht von Luftwaffenbasen aus operierenden Hubschraubern.

Indem Trump einen Einsatz von BGM-109 Tomahawk wählte, nutzte er eine Waffe, die inhärente Vor- und Nachteile hat. Der offensichtliche Vorteil ist, dass abgeschossene Flugkörper nicht zu gefallenen US-Soldaten oder gar propagandistisch auszuschlachtenden Gefangenen führen können. Gleichzeitig sind Marschflugkörper durch ihre Bauweise jedoch nur mit einer beschränkten Schlagkraft ausgestattet. Die Tomahawk kann zwar weit und sehr tief fliegen, was einerseits das Risiko der abschießenden Plattform (also hier des die Tomahawk startenden Schiffes) verringert und andererseits ein Abfangen erschwert. Gleichzeitig opfert die Tomahawk damit aber kinetische Schlagkraft, weil sie in nur Unterschall fliegt und auch nur wenig kinetische Energie in einem Stürzen auf das Ziel aufnehmen kann, wie auch Sprengkraft durch ihre beschränkte Größe. Damit wird der Flugkörper vor allem gegen ungepanzerte oder leicht gepanzerte Ziele effektiv.

Eine BGM-109 Tomahawk. Waffen dieses Typs kamen zum Einsatz.

Dies erklärt, wieso weit weniger Ziele getroffen wurden, als Flugkörper abgeschossen, weil möglicherweise einzelne Ziele von gleich mehreren Flugkörpern angegriffen wurden. Es erklärt aber auch, wieso Bilder aufgetaucht sind, die scheinbar völlig unbeschädigte Flugzeuge in HAS (Hardened Aircraft Shelter; Flugzeugbunker) nach dem Angriff auf dem Gelände fotografiert wurden. Während ungeschützte Gebäude von den Flugkörpern pulverisiert werden konnten, wäre dies bei geschützten Zielen schon merklich schwerer.

 

Militärschlag auf Sparflamme

Indem die USA Russland vorwarnten, konnte Russland sein Personal und Material abziehen, was einen unmittelbaren militärischen Konflikt mit Russland vermeiden half. Um aber eine Evakuierung der russischen Soldaten zu ermöglichen, muss die Vorwarnung mindestens eine Stunde, eher mehrere Stunden vorher erfolgt sein. Dies musste zwangsläufig die Effektivität des Einsatzes massiv beschränken, da Russland die syrische Regierung natürlich umgehend informiert hat. Diese hatte damit nicht nur Zeit, ihr (wertvolles) Personal weitgehend in Sicherheit zu bringen, sondern auch alles mobile wertvolle Material. Jedes bedingt startbereite, nicht einmal einsatzbereite, syrische Flugzeug dürfte entsprechend vorher abgehoben haben, wenn sich ein Pilot dafür gefunden hat. Hochwertiges Gerät und Material dürfte, sofern mobil, entweder von der Basis entfernt oder zumindest verstreut oder in Bunker gebracht worden sein. Während also von 20 zerstörten Flugzeugen die Rede ist, dürften die meisten davon Wracks oder nicht flugfähig gewesen sein, zumal die Bilder vom Flughafen ja unbeschädigte Flugzeuge in den HAS zeigen. Somit wurden entweder nicht alle HAS angegriffen oder aber nur die im Freien stehenden Flugzeuge zerstört. Die Flugzeuge, die das Giftgas abgeworfen haben, sind somit ziemlich sicher nicht zerstört worden.

Doch damit nicht genug. Die amerikanischen Kriegsschiffe haben zwar 59 Flugkörper abgeschossen, jedoch keineswegs ihre Magazine damit geleert. Während also einige Gebäude zerstört wurden, deren Wert ich ohne geheimdienstliche Informationen unmöglich einschätzen kann (theoretisch könnten es auch nur leere Lagerhäuser gewesen sein), war der Angriff ganz bewusst auf Sparflamme gehalten. Die Gebäude können durchaus wichtige Werkstätten und Ersatzteillager enthalten haben, die schwer ersetzlich sind und künftige Einsätze massiv erschweren. Allerdings verzichtete das US-Militär nicht nur bewusst auf einen Beschuss von Gebäuden, die Chemiewaffen enthalten könnten, sondern auch auf eine Zerstörung der Luftabwehr auf dem Gelände. Noch nicht einmal die Startbahnen und Taxiways wurden zerstört. Gerade für die letzten beiden Dinge sind die Marschflugkörper aber hervorragend geeignet, um nicht zu sagen: dafür sind sie eigentlich da.

Tatsächlich wurde aber nicht ein Marschflugkörper eingesetzt, der die betonierten Startbahnen dank Submunition mit Kratern überzieht, weshalb binnen 24 Stunden schon wieder Einsätze der SAAF von dem Flughafen geflogen wurden. Auch die Luftabwehr wurde unangetastet gelassen, was völlig untypisch für so einen Angriff ist. Normalerweise wären Startbahn und Luftabwehr Ziele mit hoher Priorität, weil sie die Flugzeuge vor Ort halten, aus der Luft angreifbar und damit in einem zweiten Schlag sicher zerstörbar machen würden. Eine ausgeschaltete Luftabwehr würde einen solchen zweiten Angriff dann auch ermöglichen. Würde man es also ernst gemeint haben, so hätte man zumindest die Voraussetzungen schaffen müssen, um anschließend die Arbeit mit Flugzeugen zu vollenden. Diese sind im Gegensatz zu Marschflugkörpern nämlich in der Lage, schwere panzerbrechende Bomben einzusetzen, die HAS samt Inhalt zuverlässig pulverisieren.

Wäre es den USA tatsächlich um eine Zerstörung des Angriffspotentials mit Chemiewaffen von diesem Flughafen gegangen, hätten sie jedoch Flugzeuge einsetzen müssen, womit sie mit den B-2 Tarnkappenbombern das richtige Gerät haben. Ein Angriff durch sie hätte auf der Luftwaffenbasis keinen Stein auf dem anderen gelassen. Darauf wurde jedoch verzichtet.

 

Es ging um Show

Indem der Militärschlag also mit einer Hand auf dem Rücken geführt wurde und dazu auf eine wirkliche Ausschaltung des Flughafens, auch nur für kurze Zeit, verzichtet wurde, stellt sich die Frage: Wieso?

Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt hier fast nur eine Antwortmöglichkeit: Es ging um die Show, nicht um den tatsächlichen militärischen Effekt. Es ging darum, der Welt und dem eigenen Land zu zeigen, dass man bereit ist, das Militär einzusetzen. Gleichzeitig wollte man aber, so paradox das klingen mag, ganz offensichtlich so wenig wie möglich zerstören. Man hätte nämlich erheblich größeren Schaden anrichten können. Von Seiten der USA hatte man jedoch offensichtlich nicht vor, den Flughafen dauerhaft oder auch nur für ein paar Tage wirklich auszuschalten. Man hatte möglicherweise (hier fehlen mir schlicht noch alle nötigen Informationen über den genauen Wert der zerstörten Gebäude) noch nicht einmal die Absicht, die syrische Luftwaffe nennenswert zu schwächen. Es war, so wenig mir das persönlich gefallen mag, wohl nur ein großer Zirkus. Darauf deutet zumindest für mich alles hin.

Doch wieso? Erklären kann ich mir das nur, und hier geht es ins völlig Spekulative, mit Trumps Charakter. Würde man mich fragen, was ihn ausmacht, so würde ich sagen: „Die pompöse Show und die Überzeugung, alles hervorragend aushandeln zu können.“ Indem die syrische Luftwaffe möglicherweise nicht nennenswert geschwächt wurde, hat er ihre Fähigkeit den IS zu bekämpfen, wo er laut eigener Aussage in der Vergangenheit ja das Hauptverdienst der syrischen Streitkräfte sah, nicht verringert. Indem er Russland vorgewarnt hat, hat er einen unnötigen Konflikt mit Putin vermieten. Indem er angegriffen hat, hat er seine prinzipielle Bereitschaft zu Militärschlägen der Welt und den eigenen Kritikern gegenüber bewiesen. Damit hat er seine Verhandlungsposition gestärkt, ohne gleichzeitig zu viel Porzellan zu zerschlagen, was spätere Verhandlungen erleichtert. Gleichzeitig hat er sich der Welt gegenüber als starker Mann präsentiert. Das könnte zumindest die Logik dahinter gewesen sein.

Andere werfen Trump vor, er habe den Luftschlag nur durchgeführt, um von den innenpolitischen Problemen abzulenken, vor denen er steht. So ist seine Einreisebeschränkung gleich mehrfach von Gerichten kassiert worden und Obamacare wurde bislang nicht ersetzt.

 

Der Angriff war nicht ohne Kosten

Ob Trump allerdings die Spielregeln nach eigenem Gusto bestimmen darf, wird sich noch zeigen müssen. Tatsächlich hat Russland bereits drastisch reagiert. Es hat angekündigt, Syrien mit moderner Luftabwehr beliefern zu wollen, es hat den „heißen Draht“ zur Vermeidung von Konflikten im Luftraum über Syrien abgeschaltet und es droht im Falle weiterer Luftschläge mit militärischen Konsequenzen durch die russische Luftabwehr in Syrien. Von Syrien selbst darf nun nicht mehr erwartet werden, dass es seine Luftabwehr inaktiv lässt, wenn alliierte Kampfflugzeuge über seinem Territorium aktiv sind. Bislang sind die syrischen Kapazitäten noch beschränkt, aber auf Dauer kann dies dennoch nicht nur zu einzelnen Abschüssen führen, es würde auch die Kosten massiv erhöhen. Wenn alliierte Flugzeuge künftig Geleitschutz brauchen und Raketen gegen Luftabwehr mitführen müssen, verringert dies die Kapazität an Bomben, die die jeweiligen Flugzeuge gegen den Islamischen Staat zum Einsatz bringen können und erfordert daher mehr Einsätze oder mehr Flugzeuge. Beides würde die Kosten des Einsatzes merklich erhöhen. Ob es angesichts dieser Reaktionen nicht sinnvoller gewesen wäre, die angerichteten politischen Konsequenzen wenigstens durch einen stärkeren militärischen Nutzen, also einen tatsächlich wirklich effektiven Militärschlag, zu rechtfertigen, muss als berechtigte Frage gelten.

 

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Informationslage aufgrund der zeitlichen Nähe beschränkt ist und der Artikel daher spekulativer Natur ist. Ich schließe es keineswegs aus, dass mir völlig widersprechende Tatsachen noch ans Licht kommen.

 

 

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Trumps Militärschlag gegen Syrien könnte eine Rückbesinnung auf die Strafexpedition sein

Trump könnte hier dank Mattis das Konzept anwenden, von dem ich das erste Mal vor etwa 10 Jahren geschrieben habe, als sich die Intervention im Irak als sehr problematisch erwies, um es vorsichtig zu sagen. Nämlich einen Rückgriff auf die Geschichte in Form einer Strafexpedition.

Mattis ist bekanntermaßen ein extremer Vielleser, der weit über 5.000 Bücher verschlungen haben soll und der seinen Offizieren Leselisten gegeben hat, die diese abzuarbeiten hatten. Seiner Aussage nach wiederholt sich im Krieg alles, es gebe nichts neues. Caesar würde vom Widerstand im Irak nicht überrascht sein, war meines Wissens eine Aussage von ihm.

 

Die Strafexpedition scheint den heutigen Umständen besser zu entprechen

Wenn man in einen Konflikt eingreifen oder mit dem Fehlverhalten einer Diktatur unzufrieden ist, bieten sich natürlich wirtschaftliche Optionen, aber eben auch militärische. Hier ist die Invasion keineswegs die einzige Option. Erst Recht nicht, wenn man eben nicht in der Lage ist, sie bis zum Ende durchzuziehen, weil einem der Willen oder die Mittel dazu fehlen.

Früher hat man beim Fehlverhalten von Staaten oder Stämmen daher das Mittel der Strafexpedition angewandt. Man demonstrierte dem Gegner die überlegene eigene Militärmacht, um ihn damit sowohl für Fehlverhalten zu bestrafen, als auch um ihn damit einzuschüchtern und zu Zugeständnissen zu bewegen.

Syrien ist im Moment tatsächlich ein völliges Chaos, das ohne massives Truppenaufgebot von außen nicht zu beheben ist. Übrigens auch dann nicht, wenn man nicht anschließend bereit ist, längere Zeit im Land zu bleiben und währenddessen Verluste durch Terroristen oder Guerilla zu akzeptieren.

Die USA sind, erst Recht unter Trump, nicht dazu willens. Von den Arabern kann man momentan ebenfalls nicht erwarten, dass beispielsweise der GCC 200.000 oder mehr Soldaten bereitstellt um das Land zu befrieden.

Also ist das bestmöglich machbare, den Beteiligten zu vermitteln, dass Handlungen durch sie zu Kosten führen können, die sie nicht bereit sind zu bezahlen. (Siehe dazu „Die Ökonomie des Krieges“ von mir).

Wenn der Angriff mit Marschflugkörpern jetzt, sagen wir mal, 20 Flugzeuge und große Vorräte an Munition, Treibstoff und sonstigem Material zerstört hat, dann weiß Assad ab sofort, dass der Einsatz von Chemiewaffen zu Kosten führt. Kosten, die ihm angesichts des Nutzens des Einsatzes zu hoch sein sollten. Womit er künftige Angriffe unterlassen sollte.

Auf diese Art und Weise kann man Diktaturen oder nichtstaatliche Akteure immer wieder mit steigender Eskalation unter Druck setzen, bis sie ihr Verhalten angepasst haben.

 

Die USA selbst haben erfolgreiche Strafexpeditionen durchgeführt

Die USA selbst haben solche Einsätze gleich zu Beginn ihrer Geschichte bereits durchgeführt – und das erfolgreich: Die Barbareskenkriege. Dies waren, ohne jetzt nachzuschlagen, meines Wissens die ersten Auslandseinsätze der US-Streitkräfte überhaupt. Nachdem der erste Barbareskenkrieg nicht ausreichend erfolgreich war, klärte der Zweite die Frage, ob man amerikanische Schiffe überfallen und ihre Besatzung und Passagiere versklaven dürfe dauerhaft. Man durfte es nicht.

Ein solches Verhalten würde ich mir übrigens auch von Deutschland wünschen. Wenn ich lese, dass Deutschland der Terrororganisation Islamischer Staat Geld gibt, damit eine Geisel freikommt, dann drehen sich mir die Zehennägel auf. Zwar wird die eine Person befreit, gleichzeitig aber vermittelt, dass sich die Geiselnahme von Deutschen finanziell lohnt. An sich müsste auf solche Geiselnahmen ein Einsatz des KSK erfolgen, der in einer Art Strafexpedition in einem gezielten Angriff dem IS derart großen materiellen und personellen Schaden zufügt, dass dieser künftig um Deutsche einen Bogen macht. Denn, wie in „Die Ökonomie des Krieges“ erklärt, jede Handlung in einem Konflikt folgt einer Kosten-Nutzen Rechnung. Wenn die Kosten hoch genug sind, dass der erworbene Nutzen sie nicht mehr rechtfertigt, unterlässt man die Aktion. Man müsste dazu kein Gebiet besetzen, sondern lediglich nachts einfliegen, entsprechend viele Kämpfer töten und entsprechend viel Material zerstören, um sich anschließend zurückzuziehen.

Ich bin gespannt, ob Trump das künftig öfter machen wird und wie es sich bewährt.

 

 

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Bürgerkrieg in Syrien: 500.000 Tote und das alles für Nichts

Die New York Times meldet, Russland habe einen langfristigen Vertrag für seine Marinebasis in Tartus und einen Militärflughafen in Syrien unterzeichnet. Zum gleichen Zeitpunkt wurde bekannt, dass der stellvertretende türkische Premierminister Mehmet Simsek die Akzeptanz seines Landes für ein Verbleiben von Bashar al-Assad in Aussicht gestellt habe. Damit scheint Assads Verbleib in seinem Amt gesichert und sein Sieg im Bürgerkrieg nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Am Ende werden mehr als 500.000 Menschen getötet worden sein. Millionen wurden vertrieben und sind geflohen, das Land ist zerstört.

Die Lehre daraus könnte sein, aber das hätte man auch schon vorher wissen können, dass man nur in Ländern interveniert, in denen man die Intervention auch zu Ende bringen kann und will. Ob man nun selbst in solche Staaten einmarschiert oder die Opposition nur ermutigt und mit Waffen beliefert. Hätte Obama den Oppositionellen von Anfang an gesagt, dass die USA ihnen nicht helfen und dabei zusehen werden, wie man sie abschlachtet, wäre das Ganze vermutlich weitaus unblutiger ausgegangen, wie im Iran 2009. Denn am Ende steht auch jetzt wieder die Assad-Diktatur. Nur dass sie jetzt zwischen Leichenbergen steht. Die Millionen Menschen, die das Land verlassen haben, werden sich wohl auf viele Jahre nicht zurück trauen. Obama sei Dank.

Weiterlesen hier auf The Germanz.

 

 

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Atlantic Resolve: Amerikanische Panzer sichern den Frieden.

Als Anfang 2017 das 3rd Armored Brigade Combat Team der US-Army über deutsche Häfen nach Osteuropa verlegt wurde, schimpfte eine Allianz aus aufrichtig Friedensbewegten, Antiamerikanern und Fans der russischen Despotie über die Provokation gegen Russland und die Kriegstreiberei der USA. Tatsächlich ist die Verlegung jedoch das genaue Gegenteil: Sie sichert den Frieden.

Kriege werden begonnen und eskalieren, weil eine Seite die Konsequenzen für kontrollierbar und im Rahmen ihrer Fähigkeiten eingrenzbar hält. Als Saddams Armee 1990 in Kuwait einmarschierte, ging er eben nicht davon aus, dass eine breite Allianz unter der Führung der USA mit hunderttausenden Soldaten seine Armee, die noch nicht einmal die durch Revolution und Embargo geschwächten iranischen Streitkräfte schlagen konnte, in Stücke schießen würde. Er war davon überzeugt, dass er die Konsequenzen seiner Invasion des südlichen Nachbarlandes würde kontrollieren und eingrenzen können.

Sichert den Frieden: Ein amerikanische M1A2 Abrams Kampfpanzer.
US-Army Photo

Der Koreakrieg begann, weil Nordkorea, die Volksrepublik China und die Sowjetunion glaubten, die USA würden sich nicht einmischen oder sich ihr Engagement kontrollierbar in Grenzen halten. Die USA wiederum überschritten den 38. Breitengrad nur, weil sie glaubten die Reaktion der Rotchinesen wäre kalkulier- und kontrollierbar. Ein Russland, das glaubt es könne Grüne Männchen ohne gravierende Konsequenzen nach Estland schicken, könnte damit den Bündnisfall in der NATO auslösen.

Wenn die USA jedoch eine Truppe von kaum 4.000 Mann in die östlichen Länder der NATO verlegt, wird Russland davon nicht bedroht. Diese 4.000 Mann sind noch nicht einmal in der Lage, sich selbst auch nur im Ansatz lange genug zu verteidigen, bis Verstärkung eintrifft, wenn Russland eine ernst gemeinte Offensivoperation durchführt.

Ihr tatsächlicher militärischer Nutzen ist vielmehr der, dass sie Russland deutlich machen, die Konsequenzen militärischer Abenteuer in Richtung der baltischen NATO-Staaten werden sich nicht beliebig eingrenzen und lokal beschränken lassen. Sie zeigen Russland, dass es im Falle eines Angriffs die USA garantiert mit in einen Krieg hineinziehen wird. Weil es dann eben nicht mehr nur um ein Land geht, das der durchschnittliche Amerikaner nicht auf der Landkarte finden kann, sondern weil dann US-Soldaten getötet wurden, was eine Antwort verlangt. Diese Soldaten dienen also offen sichtbarer Stolperdraht.

Dass Russland von diesen wenigen Soldaten nicht bedroht werden kann, weiß man sowohl im russischen Verteidigungsministerium, wie auch im Kreml. Russland ist lokal drückend überlegen und kann wegen der kurzen Kommunikationswege seine Land- und Lufteinheiten fast nach Belieben zum Einsatz gegen die in den Grenznationen stehenden NATO-Einheiten werfen. Allerdings weiß man dort auch, dass man die baltischen Staaten nun definitiv nicht mehr nach Belieben bedrohen und herumschubsen kann.

Kritische Stimmen aus Russland zur Truppenverlegung, die in Richtung Säbelrasseln, Eskalation oder Ähnliches gehen, zeugen daher nicht von aufrichtigen Sorgen bezüglich einer militärischen Bedrohung. Sie zielen vielmehr auf die europäische und amerikanische Öffentlichkeit. Diese soll mit solchen Aussagen beeinflusst werden und den Verteidigungswillen der NATO schwächen. Wie man sieht, nicht gänzlich ohne Erfolg. Denn tatsächlich sorgen die US-Soldaten mit ihrer blanken Präsenz dafür, dass Russland eben keine militärischen Abenteuer wagen wird, die außer Kontrolle geraten und einen großen Krieg beginnen können. Sie sichern daher den Frieden, auch für Russland.

Entsprechend sind solche Beiträge entweder durch völlige Unkenntnis der Materie gekennzeichnet, was peinlich wäre, oder als klares Bekenntnis dazu, dass das despotische Russland gefälligst seine demokratischen Nachbarländer nach Belieben erpressen können soll:

Wenn von den gleichen Leuten nicht ein Wort des Protestes zu hören ist, wenn Russland unangekündigte „Snap Exercises“, also überraschend durchgeführte Großübungen, mit mehr als 100.000 Mann durchführt, bei denen die Invasion von Nachbarländern geübt wird, so spricht das für sich.

 

 

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In Syrien droht der Ausbruch eines wirklich großen Kriegs

Es wird heiß in Syrien. Nach noch unbestätigten Berichten hat jetzt die türkische Artillerie eingegriffen und syrische Kurden nahe Aleppo beschossen. Diese wurden zuletzt von der russischen Luftwaffe unterstützt. Damit rückt die massive Ausweitung des Konflikts näher.

 

Eine sunnitische Militärintervention wird denkbar

Nachdem die russische Luftwaffe mit massiven Bombardements zugunsten der syrischen Regierungstruppen und ihren verbündeten schiitischen Milizen eingegriffen hat, steht Aleppo vor einer Einkreisung. Sollte die Stadt fallen, wäre dies ein dramatischer Schlag gegen die Moral der nicht-IS Rebellen und würde für Syrien das von mir 2014 und 2015 skizzierte Szenario eintreten lassen, wonach sich der Bürgerkrieg, wie durch Assad geplant, nach der Niederlage der (moderaten und islamistischen) Rebellen zu einem Krieg zwischen der Assad-Diktatur und dem IS verwandeln würde. Da Syrien hierbei auf die Sympathie oder gar die Unterstützung anderer Staaten zählen könnte, würde am Ende das inzwischen völlig von Teheran abhängige Regime den Sieg davontragen. Dies würde den Schiitischen Halbmond vollständig und sicher unter iranische Kontrolle bringen.

Die schiitisch-persische Regionalmacht, die sich inzwischen damit brüstet vier arabische Hauptstädte (Bagdad, Damaskus, Beirut und Sanaa) in ihren Händen zu haben, hätte damit ihren Einfluss in dem von amerikanischen Einfluss zunehmend verwaisten Nahen Osten massiv ausgeweitet. Damit wäre nicht nur die Türkei von den sunnitischen Kernländern, auf die sie Einfluss auszuüben versucht, abgetrennt, Saudi-Arabien wäre zugleich eingekreist. Dazu kommt, dass der inzwischen zum Erzfeind der meisten sunnitischen Staaten gewordene alawitische Assad an der Macht bleiben würde, obwohl beide Staaten seine Entmachtung mit ihrer Hilfe für die syrischen Rebellen vorangetrieben haben.

Dass dazu eine Konsolidierung der kurdischen Herrschaft der „syrischen PKK“ der PYD auch in Syrien für die Türkei völlig inakzeptabel ist, erklärt sich dazu von selbst. Die Türkei bezeichnet sie als Terroristen. Aktuell haben die kurdischen Truppen der YPG/YPJ  in Syrien jedoch weitestgehend einen Waffenstillstand mit der Assad-Regierung, dazu kommt eine Kooperation mit Russland. Dass die syrischen Kurden sich daher längst eine Anerkennung ihrer Autonomie von der Regierung Assad ausbedingt haben, darf man wohl als sicher annehmen. Damit wären aber die türkischen Kurdengebiete von der iranischen Grenze bis zum Mittelmeer an Gebiete angrenzend, die in kurdischer Hand sind, was dem Separatismus in der Türkei enormen Aufwind verschaffen wird. Während man sich in der Türkei an die kurdischen Autonomiegebiete im Irak inzwischen gewöhnen konnte, sähe die Türkei eine von der PKK/PYD gehaltene Region an ihrer Grenze als nicht akzeptable Bedrohung.

Kommt dazu eine Einkreisung Aleppos, wird die Situation für die sunnitischen Regionalmächte noch unerträglicher. Dies nicht zuletzt auch, da eine Einkreisung aller Wahrscheinlichkeit eine Wiederholung des bereits mehrfach in Syrien praktizierten Aushungerns der Bevölkerung bedeuten würde. Diese ist nicht nur klar ein Kriegsverbrechen, es wäre gerade für die Türkei auch nicht akzeptabel zuzusehen, wie hunderttausende Menschen nur rund 30 Kilometer Luftlinie von der türkischen Grenze entfernt vom Hungertod bedroht sind. Verschärft würde die Lage dazu dadurch, dass eine Belagerung von Aleppo aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine anhaltende Bombardierung mit Artillerie und der russischen Luftwaffe begleitet wäre. Die Russen sehen diese als ein Erfolgsrezept, das sie unter der Verursachung von zehntausenden zivilen Opfern in nur wenigen Wochen Grozny hat erobern lassen, während die syrischen Streitkräfte nicht genug Mannstärke haben, um einen anhaltenden Häuserkampf riskieren zu wollen. Während ihnen die Soldaten fehlen, sind jedoch mehr als ausreichend schwere Waffen zur Verfügung.

Wenn es also dazu kommt, dass die syrische Opposition in wenigen Tagen vor einer strategisch entscheidenden Schlacht steht, wird eine Militärintervention sunnitischer Staaten zunehmend wahrscheinlicher. Offiziell vermutlich gegen den IS gerichtet, um allen Beteiligten eine Wahrung des Gesichts zu ermöglichen, würden die Interventionstruppen ihre Hauptaufgabe jedoch in der Erhaltung der mehrheitlich sunnitischen Opposition gegen Assad sehen. Wie auch für alle anderen Beteiligten in Syrien, wäre der IS nur völlig zweitrangig, weil man sich von jeder Seite sicher zu sein glaubt, dass man ihn relativ einfach überwinden wird, ist erst der international akzeptable Gegner, also die Rebellen oder die syrische Regierung, erledigt. Saudi-Arabien hat bereits seine Bereitschaft zur Intervention erklärt, die Türkei scheint aktuell noch auf eine amerikanische Führung einer Intervention zu warten. An einer solchen wird sich die Türkei jedoch beteiligen, so Erdogan.

 

Russland wird nicht tatenlos zusehen

Wenn tatsächlich eine Militärintervention zur Unterstützung der syrischen Opposition erfolgt, werden Russland und der Iran nicht tatenlos zusehen können. Wenn die Opposition durch sunnitische Truppen stabilisiert wird, stehen diese in direkter Konfrontation mit syrischen Regierungstruppen, iranischen Revolutionsgarden und russischen Truppen. Dazu kommen natürlich noch die hier irrelevanten mit der syrischen Regierung verbündeten Milizen und Terrororganisationen wie der Hisbollah.

Russische SU-34. Flugzeuge dieses Typs sind in Syrien im Einsatz. By Oleg V. Belyakov - AirTeamImages [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL 1.2 (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html)], via Wikimedia Commons
Russische SU-34. Flugzeuge dieses Typs sind in Syrien im Einsatz. By Oleg V. Belyakov – AirTeamImages [CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 or GFDL 1.2], via Wikimedia Commons
Kommt es nach einer Intervention nicht zu einem raschen Waffenstillstand, auf den eine Machtübergabe der Regierung Assad folgt, so sind direkte militärische Auseinandersetzungen zwischen den Truppen der beteiligten Nationen nur noch eine Frage der Zeit. Putin wird es sich schon alleine innenpolitisch nicht leisten können, als Verlierer dazustehen. Der Iran hat dagegen bereits zu viel investiert, um das so hart „erarbeitete“ einfach so aufzugeben. Ohne ihn gäbe es Assad ja schon seit Jahren nicht mehr und der Bürgerkrieg wäre längst vorbei. Damit droht eine direkte militärische Auseinandersetzung zwischen dem nuklear hochgerüsteten Russland und der Türkei, die Teil der NATO ist.

In diesem Zusammenhang sind auch die militärischen Großübungen Russlands zu sehen, die das Land im Südwesten, also durch die der Türkei am nächsten stehenden Truppen, durchgeführt hat. Auch dass russische Bomber inzwischen mit ASM (Anti-Schiff-Raketen), die gegen die syrische Opposition und den IS völlig nutzlos sind, gefilmt wurden, passt in dieses Bild. Putin scheint ernsthaft gewillt zu sein, zumindest einen großen militärischen Konflikt glaubhaft anzudrohen.

 

Russlands strategischen Vorteile

Russland hat dabei durchaus strategische Vorteile. Während seine Truppen in Syrien abgeschnitten wären, da kein Nachschub mehr durch den Bosporus käme und eine Luftversorgung durch die Türkei bedroht werden würde, hat er dennoch noch einige Asse im Ärmel. Sollten nämlich russische Truppen in Syrien gegen türkische Soldaten kämpfen, so wäre die Frage tatsächlich gerechtfertigt, ob dies überhaupt einen Bündnisfall bedeuten würde. Solange die Türkei auf ihrem Territorium selbst nicht angegriffen würde, sondern nur Truppen von ihr außerhalb von Nordamerika und Europa, wäre Artikel 5 wohl tatsächlich nicht anwendbar. Dazu könnte die Türkei nur wenige Truppen in Richtung Syrien schicken, weil sie die Grenze in Richtung Armenien, Iran und Georgien vor einem möglichen russischen Angriff schützen müsste. Ergänzend käme die Drohung mit dem enormen russischen nuklearen Arsenal, die wohl die meisten NATO-Staaten schon aus purer Angst von einem Anerkennen des Bündnisfalles abhalten würden. Wird die Türkei jedoch so alleine gelassen, wird der Bündniszusammenhalt der NATO als Ganzes geschwächt, was für Russland inzwischen ein strategisches Ziel ist.

In diesem Zusammenhang muss noch nicht einmal erwähnt werden, dass Russland in so einem Szenario enormen Druck ausüben kann, indem es die baltischen Staaten bedroht. Diese sind militärisch binnen weniger Tage zu überrennen, wonach die NATO kaum noch Optionen hätte, die neben einem monatelangen Krieg auch einen Einsatz russischer Nuklearwaffen nicht als wenigstens potentielle Option bedeuten. Dass Russland erhebliche Vorteile in einem selektiven Einsatz derselben sieht, habe ich bereits in der Vergangenheit erklärt.

Der Einsatz russischer Nuklearwaffen und auch ein Angriff konventioneller russischer Truppen auf das Baltikum wäre dabei jedoch einfach zu verhindern. Es müsste lediglich ein Präsident im Weißen Haus sein, der keinen Zweifel daran ließe, dass er den Knopf drücken würde. Denn so, und nur so, funktioniert die nukleare Abschreckung. Nur wenn die Gegenseite felsenfest davon überzeugt ist, dass sie bei einer eigenen Aggression im Feuer der nuklearen Sonnen verglüht, bleibt die Aggression aus. Dieses zynische System hat den ganzen Kalten Krieg über die Front zwischen NATO und Warschauer Pakt friedlich gehalten. Ob der bislang völlig unglaubwürdige Barack Obama in seinem letzten Amtsjahr dazu jedoch plötzlich im Stande wäre, darf mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

 

Was passieren wird, ist völlig unklar

Was in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird, ist völlig unklar. Der Einsatz türkischer Artillerie gegen syrische Kurden, die mit russischer Luftunterstützung vorgerückt waren und zusammen mit Assads Truppen kurz davor sind Aleppo einzuschließen, ist de facto bereits eine Intervention. Ob und wann die Truppen der Türkei, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahreins und vielleicht auch Ägyptens (das sich inzwischen weitgehend saudischen Initiativen anschließt) syrischen Boden betreten, ist ebenfalls unklar. Die syrische Regierung hat zumindest bereits angekündigt, die Soldaten würden nur in Särgen nach Hause kommen. Dass sich Russland bei einer solchen Intervention zurückzieht, scheint unwahrscheinlich. Ob sich dann auch iranische reguläre Truppen beteiligen macht wohl keinen großen Unterschied mehr.

Denn wenn nicht umgehend ein Friedensschluss erfolgen würde, der aktuell völlig unwahrscheinlich ist, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis es zu offenen Kriegshandlungen der Beteiligten kommen würde. Dass diese auf Syrien isoliert blieben, dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Die arabischen Golfanreiner haben alle noch Rechnungen mit dem Iran offen, darunter auch territoriale Dispute, die so zu regeln wären.

 

Ein Krieg wäre zu verhindern gewesen

Dabei wäre dieses Szenario leicht zu verhindern gewesen. Hätte Obama seine Truppen nicht vorschnell und gegen den Ratschlag seines eigenen Militärs aus dem Irak abgezogen, gäbe es den IS heute nicht. Hätten die USA der Regierung Assad mit einer Intervention gedroht, sollte sie nicht einen Übergang ermöglichen, wäre der Bürgerkrieg vermutlich nie eskaliert. Bei einem glaubwürdigen Präsidenten hätte Assad ein luxuriöses Exil immer dem Galgen vorgezogen. Denn wenn ein glaubwürdiger Präsident der USA droht, dann retten Diktatoren in der Regel lieber ihre eigene Haut.

So war es auch 2003, als die USA unter George W. Bush den Irak befreiten, nachdem sie Saddam Hussein vorwarfen an Massenvernichtungswaffen zu arbeiten. Von der Entschlossenheit der USA beeindruckt, gab Gaddafi noch im gleichen Jahr sein eigenes Waffenprogramm auf. Die Aussicht irgendwann einmal die Bombe zu haben war es schlicht nicht wert, eine Invasion durch die USA zu riskieren. Stattdessen gibt es heute einen US-Präsidenten, der Angst vor der eigenen Courage hat und glaubt, alles Übel komme von den USA selbst. Der rote Linien zeichnet, nur um sie dann selbst zu ignorieren, wurden sie überschritten.

Auch der inzwischen immer stärker aufflammende innerislamische Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten wurde in seiner jetzigen Größenordnung erst durch den Rückzug der USA aus dem Nahen Osten ermöglicht, der ein Machtvakuum geschaffen hat, das nun eine ganze Reihe regionaler Mächte auszufüllen versucht. Dabei hätte man es auch hier besser wissen können. Eine Region ohne Hegemon gibt es nie. Wenn sich der etablierte Hegemon daher zurückzieht, muss er für eine sichere Nachfolge sorgen, soll kein großer Kampf um die Krone ausbrechen.

 

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Podiumsdiskussion Interventionismus und Internationale Konflikte mit Prof. Ekkart Zimmermann bei ESFL München

Im November habe ich bei der ESFL-Konferenz in München die Ehre gehabt, mit Prof. Ekkart Zimmermann über Interventionismus und internationale Konflikte zu sprechen. Prof. Zimmermann

Sons of Libertas haben das Gespräch freundlicherweise aufgenommen und geschnitten und mir erlaubt es zu nutzen. Herzlichen Dank dafür!

Mit Dank an Sons of Libertas für Aufnahme und Schnitt!

Prof.Dr.Ekkart Zimmermann & Torsten Heinrich diskutieren über Internationale Konflikte und außenpolitischern Interventionismus.

Die Sons of Libertas zu Gast auf der European Students for Liberty regional Konferenz in München.

Ekkart Zimmermann (geb. 8.8. 1946) war seit 1981 o. Professor für Soziologie an der Universität der Bundeswehr München. Er studierte Nationalökonomie, Finanzwissenschaft, Recht, Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln und für ein Semester in Berlin an der Freien Universität (1967/68). Sein Diplom und seinen Doktortitel (rer. pol.) erwarb er an der Universität zu Köln in den Jahren 1970 und 1975, die Habilitation erfolgte an der Universität Wuppertal (1979). Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. auf den Gebieten der vergleichenden Krisen- und Konfliktforschung, der sozialen Schichtung und der sozialwissenschaftlichen Methodologie. Er hat zum Jahresbeginn 1993 den Ruf auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Makrosoziologie an der Technischen Universität Dresden angenommen.
Zimmermann hat Fellowships (Gastprofessuren) an der Universität Essex (Department of Government, European Leverhulme Fellow) im Jahre 1973-74, an der University of South Carolina im Jahre 1986 (International Studies Association Scholar) und an der Yale University im Jahre 1989 (Department of Sociology) wahrgenommen. Ab 2004 mehrfach als Gastprofessor an der Universität Fribourg. Ab 2005 Lehre auch an der Hochschule für Politik, München. Zahlreiche Forschungsbeihilfen nationaler und internationaler Institutionen. Mehrfache Mitwirkung als stimmberechtigter Gutachter des Wissenschaftsrates.
In Lehre und Forschung setzt er sich neben langjähriger Methodenvermittlung u.a. mit folgenden Themen auseinander: Systemtransformation und demokratische Konsolidierung; Rechtsextremismus und soziale Vorurteile; Soziale Bewegungen, Protest, Gewalt und Revolutionen; Terrorismus; Wirtschafts- und Organisationssoziologie; Modernisierungs- und Entwicklungstheorien; Globalisierungsprozesse; Ungleichheit und Wachstum; Migration und multikulturelle Gesellschaft. Seine umfangreichste Veröffentlichung „Political Violence, Crises, and Revolutions“ ist 2011 als Klassiker Revival bei Routledge in New York erschienen.
Ab dem 1.10.2011 ist er Emeritus an der Technischen Universität Dresden. Im Herbstsemester 2011 unterrichtet er an der ETH Zürich („Modelle der Globalisierung“ – und „Politische Gewalt“ im April 2013) und der Universität Fribourg („Politische und ökonomische Konflikte“). Weitere Forschungs- und Lehraufenthalte in Japan und an der Stanford University sind für 2013 f. geplant. Ab dem Herbstsemester 2013 unterrichtet er in dem neuen Studiengang „Sociology, Politics & Economics“ an der Zeppelin Universität. Er steht für breite wissenschaftliche Beratung und Vorträge auf den genannten und anderen Gebieten zur Verfügung.

http://www.sonsoflibertas.com

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