Russlands mögliche Eroberung der Ukraine und ihre Bedeutung.

Vor drei Monaten habe ich eine russische Invasion der Ukraine noch entschieden ausgeschlossen. Inzwischen ist es tatsächlich eine realistische Option. Realistisch genug, dass beispielsweise selbst das neutrale Schweden Truppen auf die strategisch wichtige Insel Gotland verlegt und dort Häfen und Flughäfen militärisch sichert.

Putins Zeitfenster beginnt sich zu schließen

Putin muss in Kürze eine Entscheidung treffen. Sein Erpressungsversuch der NATO ist gescheitert. Ist er bereit, mit leeren Händen abzuziehen? Seine Truppen sind in Bereitschaft, wo er sie nicht ewig halten kann. Er muss in den nächsten Wochen seine Truppen einsetzen oder abziehen. Auch, weil die russische Gaswaffe im Winter deutlich besser wirkt, als im Sommer. Aktuell kann er noch mit dem Schließen der Pipelines, auch von North Stream (1) drohen, was im Winter die Angst vor dem Erfrieren bedeuten würde.

Kommt die Invasion, so ist eine vollständige Eroberung der Ukraine bis zur polnischen Grenze sehr unwahrscheinlich. Auch wenn der östliche, ethnisch mehrheitlich russische, Teil keineswegs per se „pro-Russland“ ist, so war beispielsweise die berüchtigte Freiwilligeneinheit „Azov-Bataillon“ mehrheitlich aus ethnischen Russen gebildet, so ist in diesem Teil deutlich weniger Widerstand zu erwarten, als im ethnisch ukrainischen Teil, der deutlich mehr in Richtung Westen ausgerichtet ist. Militärisch erobern kann Russland die gesamte Ukraine ohne jeden Zweifel. Das Resultat wäre jedoch ein intensiver Partisanenkrieg im Westen, zusätzlich zum garantiert ebenfalls stattfindenden, aber wohl deutlich weniger intensiven, Partisanenkrieg im Osten des Landes.

Realistisch ist daher im Falle einer (weiteren) Invasion (schließlich sind Teile der Ukraine seit 2014 militärisch besetzt) das Erobern einer Landbrücke zur Krim, eventuell die Schwarzmeerküste bis Transnistrien, oder möglicherweise alles östlich des Dnjepr. Allerdings würde dies einen permanenten Krieg mit der Restukraine auslösen, deren Regierung dazu noch nicht einmal ins Exil müsste, sondern militärische Strukturen im eigenen Land aufrechterhalten könnte. Die Ukraine wäre dann durch westliche Waffenlieferungen und Ausbildung zu anhaltendem Kleinkrieg in der Lage. „Pro-Russische Freiwillige“ würden zum Sichern einer solchen Frontlänge unmöglich reichen. Die russische Armee wäre also langfristig gebunden und würde dazu laufende Verluste erleiden. Dies war für mich ein Hauptgrund, keine Invasion zu erwarten.

Chinas einzigartige Chance zu Eroberung von Taiwan

Spannend ist jedoch, was danach kommt. Xi Jinping steht die zweite Wiederwahl bevor, gegen die sich in der Partei erheblicher Widerstand gebildet hat. Der ehemalige Luftwaffengeneral Liu Yazhou hat beispielsweise bei einem Treffen der „Parteiprinzen“ (Kinder der prominenten Mitglieder der Gründungsgeneration) offen Xis Fähigkeit angezweifelt, Taiwan zu besiegen.

Ein Sieg über Taiwan würde Xi unantastbar machen und seine Herrschaft bis zum Lebensende praktisch garantieren. Die Hauptsaison der pazifischen Taifune ist zwischen Juli und November, das Wetter sollte einer Invasion also nicht zwingend im Wege stehen. Ein Sieg der Volksbefreiungsarmee ist inzwischen wahrscheinlich bis fast garantiert. In 18 Kriegsspielen, die den Kampf um Taiwan realistisch simulieren sollten, war das Ergebnis 18-0. Für China.

„Former Deputy Defense Secretary Bob Work, who served under three secretaries before retiring in 2017, has been even more explicit. As he has acknowledged, in the most realistic war games the Pentagon has been able to design simulating war over Taiwan, the score is 18 to 0. And the 18 is not Team USA.“

https://www.defenseone.com/ideas/2021/12/chinas-pla-peasant-army-no-more/360021/

Die Kriegsspiele wurden dabei übrigens in den USA abgehalten, waren also, wenn überhaupt, eher vorteilhaft für die USA ausgelegt. Wenn Russland in die Ukraine einfällt, ist der wohl beste Zeitpunkt für China überhaupt, Taiwan zu erobern. Die USA haben in Afghanistan Gesicht und Vertrauen der Verbündeten verloren und sind so schwach, wie lange nicht mehr. Die USA haben keine Verpflichtung, Taiwan mit Soldaten im Falle eines Angriffs Rotchinas zu unterstützen, auch wenn eine Intervention aufseiten Taiwans immer eine angedeutete Option war.

Biden müsste in diesem Falle also die Entscheidung treffen, einen offenen Krieg mit Rotchina zu beginnen, während Russland bereits Krieg in Europa führt und an den Grenzen der NATO steht. Russland und China gleichzeitig zu besiegen ist inzwischen nicht mehr garantiert im Rahmen der Fähigkeiten der USA. Das alles, während das wirtschaftliche Kartenhaus aus Gelddrucken und „Stimulus-Schecks“ aus Zeiten der China-Virus Bekämpfung wirtschaftlich hart auf dem Boden Realität ankommt.

Russlands einmalige Chance zum Zerschlagen der NATO

Russland sieht die NATO (und die EU) als strategischen Gegner in Europa. Die NATO (wie auch EU) verhindert, dass Mittel- und Westeuropa durch die russische Energie- und Militärmacht beliebig erpresst werden kann und schränkt daher Russlands Handlungsspielraum in Richtung Westen erheblich ein.

Völlig ungeachtet vom chinesischen Vorgehen bleibt daher noch ein weiteres Szenario, das im Bezug auf Russland erörtert werden muss.: Eines davon ist ein Einfall in NATO-Territorium.

Während militärisch der Durchbruch im Suwalki-Gap naheliegen würde, so wäre dieser nur mit regulären Truppen unter erheblichen Einsatz gegen die keineswegs zahnlose polnische Armee zu machen. Weitaus denkbarer wäre daher ein Überschreiten der Grenze in Estland.

Soldaten in Panzerfahrzeugen ohne Hoheitsabzeichen aus Iwangrorod kommend fallen in Narwa ein und erobern die Stadt schnell. Nach einem Sichern der Stadt würden die Truppen noch ein paar strategische Positionen um die Stadt herum besetzen und sich dann eingraben. Iwangorod und Narwa sind praktisch eine Stadt, die nur durch die estnisch-russische Grenze getrennt ist. Narwa ist zu 95 % mit ethnischen Russen besiedelt. Ein solcher Einfall wäre im Rahmen des Ganzen möglicherweise ein für Russland vertretbares Risiko. Ohne Hoheitsabzeichen behauptet Russland einfach wieder, es seien Freiwillige oder man wisse nicht, wer das ist, wie schon in der Ukraine 2014.

Da es ein Angriff auf ein NATO-Land ist, würde Artikel 5 greifen. Dieser erfordert aber Einstimmigkeit. Wenn die russischen Truppen nachweisbar direkt hinter der Grenze gestoppt haben und nur eine „eigentlich sowieso russische Stadt“ gesichert haben, will dann beispielsweise Portugal seine Söhne aus Madeira zum Sterben ins 4.400 km entfernte Narwa schicken? Werden die deutschen Russlandversteher und Peacenics daher den Krieg mit Russland beschließen, obwohl „Russland ja eigentlich nur eine russische Stadt besetzt hat„?

Russlands Militärdoktrin sieht den Ersteinsatz mit Kernwaffen vor, wenn seine konventionellen Truppen unterliegen und der Krieg verloren geht. Jeder Krieg mit Russland kann nach dieser Doktrin also nicht gewonnen werden, ohne dass der Krieg zum Atomkrieg wird. Art. 5 würde jedoch Krieg bedeuten, nicht eine „Intervention zu Befreiung von Narwa“. Dazu würde eine Eroberung der Stadt ohne der Sicherung von Kommunikationslinien ins Baltikum, sowie der Sicherung des Umfeldes wenig Sinn ergeben.

Oder in anderen Worten: Eine Befreiung Narwas würde eine Eroberung Kaliningrads und das Erobern zumindest signifikanter Grenzgebiete vor dem Baltikum, also in Weißrussland und in Richtung Sankt Petersburg erfordern. Sankt Petersburg, die zweite und alte Hauptstadt Russlands, ist nur eine Stunde von Narwa entfernt. Jedes Sichern des Umfeldes von Narwa ist daher praktisch automatisch ein Vorrücken auf die Vororte von Sankt Petersburg. Ist dazu jeder einzelne Bündnispartner bereit? Auch, wenn der Einsatz von Kernwaffen droht?

Wenn nur ein NATO-Mitgliedsstaat nicht dazu bereit ist, kommt es nicht zu Artikel 5 und die NATO ist tot. Aus und vorbei, sie ist wertlos und kann aufgegeben werden. Wenn die USA dann zusammen mit loyalen Verbündeten wie Großbritannien, Kanada und Polen Truppen verlegen, um Narwa zu befreien, könnten die Russen die Stadt einfach wieder verlassen. Putin könnte von einer „meuternden Einheit“ sprechen, deren Kommandeur bestraft wird.

Der Grund für einen Einmarsch in Russland wäre erledigt, der große Krieg mit Russland vermieden. Die NATO wäre dabei aber nun Geschichte. Das wäre ein strategischer Sieg für Russland. Russland würde mit einem solchen Einsatz erstaunlich wenig riskieren, gerade mit einem so unfassbar schwachen Präsidenten wie Biden im Weißen Haus. Ein konventioneller Angriff verlangt keinen nuklearen Gegenschlag, ein sehr beschränkter Einmarsch würde von vielen NATO-Verbündeten keinen Wunsch auf Krieg mit Russland erzeugen und im Zweifelsfall kann er seine „meuternden Soldaten“ abziehen und mit Kernwaffen drohen.

Ach so: China, Japan, Südkorea und Taiwan sind praktisch die weltweite Halbleiterproduktion. Die Schifffahrtslinien für und Güter nach Europa aus, und Öl in Richtung Südkorea und Japan, gehen an Taiwan vorbei. Die Wirtschaftsnationen an Platz zwei (VR China), drei (Japan), zwölf (Südkorea) und 21 (Taiwan) wären also direkt betroffen. Wenn dort Krieg ausbricht, gehen in Europa die Lichter aus.

„Mögest Du in interessanten Zeiten leben.“ soll ein chinesischer Fluch lauten.

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Chinas Machtpolitik treibt seine Nachbarländer einander in die Arme

Peking – Mit seiner wachsenden wirtschaftlichen Macht greift die Volksrepublik China zunehmend zu undiplomatischen Mitteln, wenn es um die Durchsetzung seiner Interessen geht. Schon in der Vergangenheit setzte die Volksrepublik mehrfach auch militärische Mittel ein, um die Kontrolle über Inseln in den Spratleys und die ganze Gruppe der Paracel-Inseln zu übernehmen, teils mit dutzenden Toten auf der Gegenseite. Seitdem Xi Jinping das Land regiert, haben sich seine imperialen Ambitionen nur noch verstärkt.

Nach der Erklärung einer ADIZ (Air Defense Identification Zone = Luftverteidigungs-Identifikationszone) über dem Ostchinesischen Meer 2013 tauchten in staatlichen chinesischen Medien Artikel auf, die einen Anspruch der Volksrepublik auf die Ryukyu-Inseln erklärten, weil die Inseln als Teil des gleichnamigen Königreiches früher einmal  China gegenüber tributpflichtig gewesen seien. Okinawa, der Schauplatz einer schweren Schlacht am Ende des Zweiten Weltkrieges, ist die Hauptinsel dieser Inselkette und Stationierungsort amerikanischer Soldaten. Für Japan sind die Inseln ein integraler Teil ihres Mutterlandes.

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Endlich neue SSK für Taiwan?

Eines von Taiwans größten Problemen beim Aufrechterhalten von wenigstens etwas Abschreckungspotential ist der Mangel an Ubooten. Unfähig eigene zu bauen ist Nationalchina auf fremde Hilfe angewiesen, doch inzwischen hat kein Herstellerland von konventionellen Ubooten noch den Mut sich gegen Rotchina zu stellen. Nun scheint endlich eine Lösung in Sicht.

Taiwanesesische Uboote
Taiwan verfügt aktuell über vier Uboote. Zwei davon sind ein Modell, Die auf dem Bild ersichtliche Hai-Lung-Klasse ist noch brauchbar, die anderen beiden sind ein Modell aus dem Zweiten Weltkrieg.

Uboote als essentieller Anteil der Abschreckung

Taiwan braucht Uboote, um sein Abschreckungspotential gegenüber Rotchina aufrecht erhalten zu können. Nach wie vor werden die ASW-Fähigkeiten der PLAN als schwach eingeschätzt, was eine Reihe SSK der Republik China in eine echte Gefahr für Landungsflotten machen würde, die die Insel ansteuern. Insofern sind die aktuell nunmehr vorhandenen zwei kampffähigen Uboote deutlich zu wenig um gegenüber China ein Drohpotential aufzubauen.

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Geopolitische Opportunitätskosten – oder warum Interventionen sinnvoll sein können

Es scheint heutzutage Allgemeinwissen und Konsens in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung zu sein, dass militärische Interventionen schlecht sind und keinen Sinn ergeben. Sie kosten Unmengen, sie ändern nichts und Menschen sterben. Fertig ist das Mantra rechter und linker Peaceniks und patriotischer Isolationisten. Dabei kann der Isolationismus verheerende Folgen haben.

Frieden

Einigeln hilft nichts mehr

Die Zahl derer, die sich gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr aussprechen, sind gewaltig. 61% wollen eher weniger, denn mehr Auslandseinsätze, nur eine Minderheit von nicht einmal einem Drittel der Deutschen ist offen für ein stärkeres Engagement.

Dabei ist diese isolationistische Mentalität in der heutigen Zeit völlig deplatziert. Im 19. Jahrhundert mögen Staaten noch eine Chance auf Autarkie gehabt haben, so dass Konflikte außerhalb der eigenen Grenzen „nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert“ waren, wie es Bismarck zugeschrieben wird. Heute jedoch ist auch Deutschland in höchstem Maße vom Ausland abhängig. Ohne Importe von Energie dreht sich binnen weniger Wochen kein Rad mehr in Deutschland, ohne Nahrungsimporte verhungern die Menschen. Wenn in Südkorea, China oder Japan ein Krieg ausbricht, dann kann vermutlich erst einmal kein deutsches Auto mehr die Fertigungsstraße verlassen, fehlen doch die Bauteile von Zulieferern. Auch ist die deutsche Wirtschaft zwingend abhängig vom Außenhandel. Dieser kann jedoch nur florieren, wenn die potentiellen Kunden noch Geld haben und durch stabile politische Verhältnisse noch zum Kauf von Waren in der Lage sind.

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Die Stärke der Schwäche

Hamid Karzai läuft scheinbar immer mehr politisch Amok. Er kann sich nicht entschließen ein Truppenabkommen mit den USA zu schließen, obwohl sein Land die Hilfe der Amerikaner gegen die Taliban noch auf Jahre benötigen wird. Gleichzeitig werden 65 Terroristen aus der Haft entlassen, obwohl viele von ihnen das Blut westlicher Soldaten an ihren Händen haben. Was also treibt den Präsidenten Afghanistans zu solch scheinbar irrationalen Aktionen?

Hamid Karzai 2006-09-26

Schwache Staaten haben, unter gewissen Umständen, eine eigene Stärke. Die freie Marktwirtschaft ist der Naturzustand der Wirtschaftsordnung. Und in der Tat, so wie zwei Steinzeitmenschen wohl kaum an Quoten dachten, so wirken die Gesetze des Marktes auch weit über das Augenscheinliche hinaus. In besonderen Fällen kann ein Land wegen einer spezifischen Nachfrage anderer Länder eine ganz eigene Stärke entwickeln, die rein gar nichts mit den konventionellen Maßstäben für die Bewertung der Stärke einer Nation, beispielsweise Wirtschaftskraft, Innovationsfähigkeit, Militärmacht oder politische Stabilität zu tun haben.

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Chinas Marco-Polo-Brücke Moment

Shinzo Abe hat in seiner vielbeachteten Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die aktuelle Situation in Ostasien mit 1914 verglichen. Seiner Aussage zufolge ähnelt das Verhältnis zwischen der VR China und Japan wohl der in Europa am Vorabend des Großen Krieges. Der Ministerpräsident Japans liegt falsch. Tatsächlich kann man die Situation eher mit der der 30er Jahre vergleichen

Marco Polo Brücke
Chinesische Truppen beim Verteidigen der Marco-Polo-Brücke.
Bild: gemeinfrei

 

Rückblick zur Zeit japanischen Hegemonialstrebens

Wenn Abe sich auf die Geschichte beruft, ist ihm vielleicht klar dass die Zeit der Julikrise und davor nicht der beste Vergleich zur aktuellen Situation in Asien ist. Vielmehr dürfte die Lage heute mit der der 1930er Jahre vergleichbar sein. Dort war allerdings Japan der Täter und China das Opfer.

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Das Ende des Chinesischen Bürgerkriegs 1948/49

Chiang Kai-Shek. Eine solche Paradeuniform trug er allerdings fast nie. Er gab sich immer bescheiden und bediente sich, trotz aller Kleptokratie in der KMT, nie an den Staatsfinanzen.

Nachdem die Schlacht um die Mandschurei verloren war,gab Chiang Kai-Shek den Bürgerkrieg auf dem Festland offensichtlich auf. So wies er seinen Adoptivsohn Chiang Wei-Kuo an, die M3A2 Panzer seiner Panzerdivision (Der Sohn war Panzergeneral, hatte seine Ausbildung an der Militärakademie in München erhalten und war am „Anschluss“ in deutscher Uniform beteiligt gewesen) nach Taiwan zu verschiffen, als noch nicht einmal Peking gefallen war!
Anschließend wies er immer wieder Generäle an, einzelne Städte bis zum letzten zu verteidigen, statt einen strategischen Rückzug hinter den Huang-He oder den Yanktse-Kiang durchzuführen. Jay Taylor glaubt in seiner Biographie über „The Generalissimus„, dass der Gedanke dahinter folgender war: Er wollte eine Zweiteilung Festlandchinas verhindern und zugleich das Aufkommen einer Opposition innerhalb der KMT vermeiden. Hätte die KMT nämlich eine der beiden Flusslinien halten können, so wäre China de facto zweigeteilt gewesen.

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Taiwan im Würgegriff – Nationalchinas Geschichte

Mit diesem Posting beginne ich eine Reihe von Artikeln über Taiwan. Die auf der Insel Formosa herrschende Nationalchinesische Regierung, auch unter  „Republik China“ firmierend, ist eines meiner Beschäftigungsfelder seit vielen Jahren. Die chinesische Demokratie hat es mir angetan, ich fürchte jedoch ihr baldiges Ende kommen.

Historischer Hintergrund
Formosa, so der alte Name für Taiwan, war 1895 nach dem Vertrag von Shimonoseki an Japan gefallen. Es blieb bis 1945 in japanischen Besitz, wonach es Nationalchina, die Republik China unter Chiang Kai-Shek, übergeben wurde.
Als der Chinesische Bürgerkrieg bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufflammte, konnten sich die Kommunisten (auch Rotchina genannt) militärisch durchsetzen. 1949 flüchtete Chiangs Armee mit über einer Million Mann auf die Insel Formosa. Da Nationalchina über die Marinestreitkräfte der chinesischen Republik verfügte, konnte sich die Regierung halten und die Insel bis heute dem rotchinesischen Einflussgebiet entziehen.
Ursprünglich mit dem Anspruch auf eine Rückeroberung des Festlandes, wurde diese Idee spätestens seit den 70er Jahren utopisch. Heute hat Taiwan, die Republik China, 2% der Bevölkerung des ehemaligen Bürgerkriegsgegners und rund 10% des Bruttoinlandsprodukts.

Das kommende Ende der freien Chinesen
Nationalchina war 60 Jahre lang vor Rotchina sicher. Zunächst noch aus eigener Kraft, sorgten die USA seither mit Waffenlieferungen und –Verkäufen für ein Nationalchina, das sich selbst verteidigen kann. Seit Rotchina jedoch dank der wirtschaftlichen Reformen Deng Xiaopings unaufhaltsam an Stärke gewinnt, ändert sich die Kraftverteilung scheinbar unaufhaltsam. Die Waage ist bereits deutlich zur Rotchinesischen Seite hin ausgeschlagen, und schon bald wird Nationalchina hoffnungslos unterlegen sein.
In absehbarer Zeit scheint eine Situation zu drohen, die dem Melierdialog gleicht. So wie Athen Melos im Peloponnesischen Krieg das Messer auf die Brust setzte und die neutrale Stadt nur vor die Wahl zwischen Anschluss an den Attischen Seebund, oder aber die vollständige Vernichtung stellte, so wird eine Großmacht China schon in absehbarer Zeit Taiwan ins „Mutterland“ eingliedern wollen.

In den kommenden Artikeln sollen die tatsächlichen Machtverhältnisse erklärt, Handungsloptionen erörtert und potentielle Folgen eines „Melierdialogs“ zwischen National- und Rotchina erörtert werden.