Die Ökonomie des Krieges (II) – Abschreckung und Wehrpflicht

Rütliweise in der Schweiz. Es ist der 1. August 1941. Der Präsident des Schweizer Parlaments wartet auf einem Podest vor Abordnungen aller Kantone auf das Ankommen eines wichtigen Gastes. Abordnungen von Soldaten in grauen Uniformen stehen Spalier. Auf einen Befehl ihres Kommandeurs springen sie plötzlich ins Achtung, als ein schwarzer Mercedes mit Standarten auf der Motorhaube auftaucht. Als der Wagen anhält packt ein Windstoß die Standarten und dreht sie parallel zum Beobachter. Die rote Fahne mit dem Hakenkreuz wird deutlich sichtbar, als Adolf Hitler aussteigt um im zweiten Rütlischwur die Schweiz endlich nach 650 Jahren wieder heim ins Reich zu holen.

Nach einem kurzen Militärischen Konflikt hatten die Schweizer Streitkräfte im letzten Jahr kapituliert, nachdem die Regierung wegen massiver innerer Streitigkeiten auf eine Mobilisierung verzichtet hatte, um Deutschland nicht zu provozieren. Festungsbauten waren die Jahre davor nicht erfolgt, da Politiker sie als Geldverschwedung abgetan hatten. „Brot statt Bunker! Weder Deutschland, noch Frankreich sind eine Bedrohung für uns.“
Guisans Kriegstreiberei hatte zu seiner Entlassung aus dem Militärdienst zum Jahreswechsel 1938/39 geführt, während das massive Wachstum der Frontenbewegung das Land im Inneren geschwächt hatte.

26/07/1944. Als die USS Iowa langsam in die Bucht von Tokio einläuft, schießen die beiden größten Schlachtschiffe der Welt, Yamato und Musashi, je 21 Salven Salut, um das offizielle Inkrafttreten des Friedens- und Freundschaftsvertrages zu bezeugen.
Nachdem der Kaiser 1941 einen Überraschungsangriff als eines Samurais unwürdig verboten hatte, war die Kriegserklärung an die USA volle drei Tage vor dem Abfeuern des ersten Gewehrs erfolgt. Die Erklärung hatte dabei langatmig die angebliche Ungerechtigkeit gegenüber des Kaiserreichs erklärt. Der nur zwei Wochen vorher zum Botschafter ernannte Admiral Yamamoto Isoroku hatte in den folgenden Tagen großartiges rhetorisches Geschick bewiesen, als er der amerikanischen Presse ein aufs andere Mal erklärte, wieso Japan durch die USA zu diesem Schritt gezwungen wurde. Seine geschickt geschliffenen Worte hatten große Sympathie auf Seiten der Amerikaner geschaffen, die sich lieber auf Deutschland konzentrieren wollten, das der japanischen Kriegserklärung nicht nur gefolgt war, sondern umgehend mit dem Versenken von Schiffen vor der Ostküste begonnen hatte. Dabei fielen mehrere Passagierschiffe den deutschen Torpedos zum Opfer, die Überlebenden wurden von den Ubooten aus mit Maschinengewehren im Wasser beschossen, die Rettungsboote gezielt versenkt, damit möglicht viele Menschen ertrinken.

Der Krieg hatte trotz des deutlichen industriellen Ungleichgewichts zugunsten der Japaner begonnen, das Kriegsglück sich aber mehr und mehr in Richtung der USA verschoben. Zu groß war das Kräfteungleichgewicht. Als der japanischen Heeres- und Marineleitung nach einer großen verlorenen Seeschlacht klar wurde, dass ein militärischer Sieg nicht zu gewinnen sein würde, fühlte man vorsichtig in Richtung eines Verhandlungsfriedens vor. Dabei hatte die Propaganda Japans so gut gewirkt, dass die amerikanische Öffentlichkeit mehrheitlich glaubte, die Japaner seien eigentlich von den USA falsch behandelt und daher zum Krieg getrieben worden. Es gäbe also keinen Grund, Japan mit aller Kraft in die Knie zu zwingen. Vielmehr gab es sogar Stimmen, die den Wert einiger Inseln im Pazifik so gering bewerteten, dass man sie doch durchaus den Japanern überlassen könnte, wenn das Resultat davon wieder gute Beziehungen wären. Die verbissene Gegenwehr der Japaner bei den wenigen amphibischen Landungen der Amerikaner hatten ihr Übriges getan, um der amerikanischen Öffentlichkeit zu zeigen, dass ein militärischer Sieg über Japan enorm teuer werden würde. Viele stellten daher offen die Frage: „Warum?
Am Ende wurde de facto ein weißer Friede mit Rückkehr zum status quo ante bellum geschlossen, zumal sich Japan als Kämpfer gegen den chinesischen Faschismus erklären konnte, hatte Deutschland doch Chinas Armee ausgebildet und gute Kontakte zu Chiang Kai-Shek unterhalten. Dies ermöglichte den japanischen Unterhändlern zu erreichen, dass die amerikanischen Sanktionen von vor dem Krieg aufgehoben wurden und Japan Ziel, China zu ordnen akzeptiert wurde.
Nach gewonnen Seeschlachten konnten sich die Amerikaner also als Sieger fühlen und hatten ihre westliche Flanke gesichert, war die japanische Marine doch arg geschwächt worden, während amerikanische Werften Schiff auf Schiff produziert hatten. In Japan hatte man dagegen alles erreicht, was das einflussreiche Heer wollte. Die Rohstoffe flossen wieder und der Krieg in China würde nun endlich zu gewinnen sein.

Absurde Szenarien? Vielleicht. Aber nicht völlig undenkbar. Sie zeigen, was vielleicht passiert wäre, wenn der der Kosten-Nutzen Faktor meines ersten Beitrags zu dem Thema Ökonomie des Krieges sich durch den unterschiedlichen Kampfeswillen beider Seiten verändert hätte. Eine Schweiz ohne Bereitschaft zu kämpfen wäre vom Dritten Reich unterworfen worden, ein die USA nicht mit Pearl Harbor zur Weißglut treibendes Japan hätte auf eine USA hoffen können, die zu Verhandlungen bereit gewesen wäre.

Demonstrierter Kampfeswillen ist entsprechend enorm wichtig für die Verteidigung einer Nation, da er abschreckend wirkt. Finnland hat dieses Verständnis 2014 eindrucksvoll belegt. Als Russland die Ukraine überfiel, war die unmittelbare militärische Gegenreaktion dieses Nachbarn Russlands simpel. Sie bestand aus Papier. Aus einem einfachen Brief. Einen Brief vom Verteidigungsministerium, der an alle 900.000 ehemaligen Soldaten im Wehralter verschickt wurde. Ein einziger Brief zeigte Russland damit durch die Blume: „Wenn Ihr das mit uns versucht, werden wir 900.000 Mann aufbieten, um uns zu wehren!““ Angesichts der gemeinsamen militärischen Vergangenheit war dieser eine Brief eine glaubwürdige und effektive Drohung. Finnland zeigte mit diesem Brief, dass es mit seinen 900.000 im Ernstfall einberufenen Soldaten das Land verteidigen und damit die russischen Kosten eines Angriffs enorm nach oben treiben würde. Dass Finnland Russland je militärisch besiegen könnte, glauben weder die Russen, noch die Finnen. Darum geht es jedoch auch gar nicht.

Finnland muss nicht in der Lage sein, in Moskau einzumarschieren, wenn es einen Krieg vermeiden will. Es muss noch nicht einmal in der Lage sein, einen russischen Einmarsch in Helsinki vermeiden zu können. Es muss ausschließlich stark genug sein, um einen russischen Einmarsch in Helsinki zu teuer in russischen Verlusten zu machen. Dies reicht völlig für eine militärische Abschreckung aus.

Wehrpflicht in Deutschland

Dies sei in den Kontext zur aktuellen Debatte um eine WehrpflichtDienstpflicht gebracht. Eine Dienstpflicht ist selbstverständlich abzulehnen. Hier geht es tatsächlich, wie der Name mit erfrischender Ehrlichkeit zeigt, um einen Reichsarbeitsdienst 2.0, der nur über die Maskerade einer Wehrpflicht erfolgen soll. Denn das, was gefordert wird, hat mit einer tatsächlichen Wehrpflicht wenig zu tun. Laut CIA World Factbook erreichen in Deutschland jährlich 405.438 Männer und 384.930 Frauen das wehrfähige Alter. Physisch sind davon etwa 90% im weitesten Sinne zu gebrauchen. Nicht jeder ist zu 30km Märschen in der Lage, aber im Falle eines Levée en masse wären 90% kampfbereit zu machen.
Würde also eine Wehrpflicht von einem Jahr bestehen, würde Deutschland über Nacht ein stehendes Heer von etwa 700.000 Mann haben. Selbst bei kürzeren Dienstzeiten wäre die von Deutschland völkerrechtlich anerkannte Obergrenze der Streitkräfte von 370.000 Mann (davon maximal 345.000 Soldaten der Land- und Luftstreitkräfte) erreicht oder überschritten.
Daher geht es bei der aktuellen Dienstpflicht also eben nicht um eine Wehrpflicht, sondern um genau diesen Reichsarbeitsdienst, weil nur jene eingezogen werden würden, die laut „hier“ rufen. Der Rest würde als von Steuergeldern bezahlter Billigarbeiter in die Sozialbereiche geschickt werden.

Wer nicht glaubt, dass die Bürger Eigentum des Staates sind und dieser daher sklavenhaltergleich frei über sie verfügen darf, muss eine solche Dienstpflicht ablehnen. Freie Bürger dürfen nicht dazu gezwungen werden, als billige Arbeitskräfte in Altenheime zu gehen. Doch dies ist kein Argument gegen eine echte Wehrpflicht.

Eine echte Wehrpflicht kann Sinn machen

Ich sage immer gerne, dass Militärausgaben entweder die wichtigsten oder die dümmsten Ausgaben eines Staates sind. Ein Dazwischen ist kaum möglich. Wer keinerlei militärische Bedrohung hat, der braucht schlicht keine Streitkraft. Denn wenn man davon ausgeht, dass die eigenen Soldaten niemals kämpfen werden, dann ist ein Militär nur eine verdammt teure Karnevalsgruppe. Ein Arbeitsbeschaffungsprogramm, bei dem nicht etwa sinnvolle Tätigkeiten wie Rasen mähen durchgeführt werden, sondern stattdessen noch mehr Geld für hohe Löhne und teures Gerät verschwendet wird. Meine Wahlheimhat Panama hat dies erfreulicherweise eingesehen und verzichtet auf Streitkräfte. Wer hier Uniform trägt, ist Polizist oder Grenzschützer.
Besteht jedoch eine echte militärische Bedrohung, so sind Militärausgaben der wichtigste Ausgabenpunkt überhaupt eines Staates. Wenn Taiwan wegen zu schwachen Militärs in 5-10 Jahren von Rotchina erobert wird, so werden 23 Millionen Chinesen ihre Freiheit verlieren. Alles nur, weil der Staat aktuell sein Geld lieber für Sozialprogramme ausgibt, als für den Selbsterhalt.

Wenn also beurteilt wird, dass die militärischen Bedrohungen, sei es durch Russland, Rotchina und den staatlichen oder nichtstaatlichen Dschihad groß genug sind, dass eine militärische Abwehr vorbereitet werden muss, dann muss auch das entsprechende Militär geschaffen werden.

Dies allein, die militärische Sicherung der individuellen Freiheiten, rechtfertigt eine Wehrpflicht. Dies allein, und eben nicht „so bekommt die Bundeswehr wieder gute Rekruten“, „der Zivildienst wird schmerzlich vermisst“, „das hat noch keinem geschadet“ oder „da lernen sie was fürs Leben“ kann zur Rechtfertigung dienen, die eigenen Bürger für eine kurze Zeit de facto zu versklaven.

Würde es aber unter solchen Umständen zu einer Wehrpflicht kommen, so müsste sie fair sein. Dann dürfte es kein Drücken mehr geben, keinen Zivildienst. Es dürfte noch nicht einmal ein Ausmustern geben. Denn beides war oft genug eine Farce. Mein bester Freund machte Zivildienst, indem er dem Kreiswehrersatzamt gegenüber erklärte, er könne aus Gewissensgründen keine Waffe anfassen. Gleichzeitig war er im Schützenverein. Er hatte schlicht keine Lust auf das Militär. Während ich tauglich gemustert wurde, wurden die besten Sportler der Klasse ausgemustert. Sie waren zwar „fit wie ein Turnschuh“, hatten aber als Fußballspieler vor Jahren mal einen Kreuzbandriss gehabt, was für eine sichere Ausmusterung genügte.

Wenn eine Wehrpflicht kommen würde, so müssten alle eingezogen werden, ohne Unterschied. Israel findet eine Verwendung für unter dem Down-Syndrom leidende Freiwillige. Andere Streitkräfte haben Querschnittsgelähmte aufgenommen. Irgendjemand muss schließlich auch hinter dem Telefon sitzen, UvD machen oder die Wäscherei betreiben.

Wer auch nach einem sicheren Einziehen noch immer kein Gewehr anfassen möchte, der soll während dieser Zeit eben ein gleich schweres Eisenrohr mit sich herumtragen.

Eine solche Wehrpflicht würde, wie oben gezeigt, rund 700.000 Menschen beiden Geschlechts jährlich in Uniform bringen. Deutschland braucht nicht derart viele Soldaten. Entsprechend müsste eine solche Wehrpflicht auf drei Monate Grundausbildung beschränkt werden. Anschließend würde das Land theoretisch irgendwann einen Brief wie Finnland an über 36.000.000 Menschen verschicken können. (Laut CIA-Factbook sind aktuell in Deutschland 18.529.299 Männer und 17.888.543 Frauen im wehrfähigen Alter (16-49)).

Würden für diese Menschen auch die notwendigen Waffen vorgehalten werden, so hätte Deutschland damit ein Abschreckungspotential, das jeden staatlichen Angriff mit nicht-ABC Waffen ausschließen würde.
Drei Monate sind dabei kurz genug, dass es die Jugend nicht allzu lange vom Arbeiten abhält, es raubt den Menschen nur drei Monate ihres Lebens (und natürlich ist das ein Raub von Lebenszeit). Gleichzeitig ist es lange genug, um den so ausgebildeten wenigstens eine rudimentäre Kampfkraft zu verleihen, die damit allerdings schon deutlich höher ist, als bei vielen außereuropäischen Streitkräften. Im Besonderen, wenn diese Reservisten dann durch gut ausgebildete Unteroffiziere und Offiziere geführt werden. Diese ließen sich in der Folge dann tatsächlich leichter werben, denn wer die verpflichtende Grundausbildung überstanden hat, weiß, was ihn erwartet und ob es ihm taugt. Er weiß auch, dass er das meiste Unangenehme bereits hinter sich gelassen hat und wie sehr es ihm ge- oder missfallen hat.

Aus freiheitlicher Sicht hätte es zudem den Vorteil, dass anschließend fast jeder Bürger eine passable Ausbildung an Schusswaffen hätte und so die sich gegen Waffen richtende Stimmung in Deutschland nicht mehr auf 70 Millionen Menschen stützen könnte, die noch nie eine Schusswaffe in der Hand hatten. Würde ich nun ernsthaft beabsichtigen, die Libertären unter meinen Lesern zu überzeugen, so könnte man noch eine anschließende Übernahme der Ordonnanzwaffen durch die Wehrpflichtigen ermöglichen, wie es in der Schweiz der Fall ist. Dort herrscht schließlich auch nicht Mord- und Totschlag, obwohl hunderttausende Sturmgewehre in Privathaushalten lagern. In der Folge hätte nach der Ausbildung jeder, der sich nicht als gemeingefährlich oder geisteskrank erwiesen hat, sein Sturmgewehr zu Hause. Dann wäre durch so eine Wehrpflicht nicht nur der Staat gegen äußere Bedrohungen, sondern auch das Individuum gegen Tyrannei des eigenen Staates effektiv geschützt.

Das wären wenigstens Gründe für eine echte Wehrpflicht. Zu erklären, man bräuchte das Militär wieder als Schule der Nation, ist absurd. Beim Militär kommen weitgehend ausgereifte Menschen an, die in wenigen Monaten nicht zum verantwortungsvollen und ordentlichen Menschen werden, nur weil sie Uniform tragen. Zu solchen Menschen werden sie in den Jahren davor.

Mutti unser

Mutti unser im Kanzleramt,
geheiligt werde deine Zuwanderung.
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Parlament,
so auch in der EU.
Unser täglich Messer gib uns heute.
Und vergib uns unsere Wahl,
wie auch wir vergeben deine Terroristen.
Und fahre uns nicht in Weihnachtsmärkte,
Sondern erlöse uns von den Rechten.
Denn dein ist das Reich
und die Presse
und die Kanzlerschaft in Ewigkeit.

Amen.

 

 

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Die Niederlage Kurdistans ist nur eine Frage der Zeit

Die Kurden im Irak stehen vor der noch ein Stück weit entfernten, aber wohl unvermeidbaren Niederlage.

 

Referendum mit gewissen Ausgang aber ungewisser Zukunft

Mit ihrem Referendum, von dem all ihre Unterstützer abgeraten haben, ja das jeder Unterstützer verhindern wollte, haben sie nicht nur die Integrität des Iraks in Frage gestellt. Sie haben auch in Gebieten abstimmen lassen, die sie nach der Schwäche der Zentralregierung 2014 vor den anrückenden IS-Schlächtern besetzt haben. Gebiete, die sie zwar beanspruchen und in denen es auch signifikante kurdische Bevölkerungsteile gibt, die jedoch nicht Teil des kurdischen Autonomiegebietes waren.

Die irakische Zentralregierung hatte sich bislang wegen anderer Sorgen zähneknirschend damit abgefunden, dass die Kurden das Gebiet besetzt halten, im Besonderen die Region um Kirkuk mit der Millionenstadt und einem wesentlichen Teil der irakischen Erdölförderung. Indem die kurdische Regierung nun aber auch dort über die Unabhängigkeit hatte abstimmen lassen, musste die irakische Regierung reagieren, wollte sich nicht den faktischen Zustand mit ihrer Passivität auch juristisch anerkennen.

 

Die innerkurdischen Konflikte werden offensichtlich

Während irakische Truppen und schiitische Milizen anrückten (vereinzelte Berichte sprechen auch von der Präsenz von iranischen Revolutionsgarden und sogar regulären iranischen Armeeeinheiten – letzteres scheint jedoch unwahrscheinlich, erste sind wohl nur als Berater dabei), gaben Teile der Peschmerga ihre Positionen auf und übergaben sie den Truppen unter der Kontrolle Bagdads.

Einmal mehr zeigte sich, dass „die Peschmerga“ ein Name sein mag, aber keine einheitliche Streitmacht. Vielmehr sind es Parteimilizen. Während die Partei von PDK mit dem Unabhängigkeitsvotum durchsetzte, boykottierten die Anhänger der anderen großen Partei, der PUK, die Abstimmung mehrheitlich. Es waren dann auch die PUK-Peschmerga, die zumindest teilweise „Verrat“ übten und ihre Stellungen den irakischen Truppen preisgaben, während die PDK-Peschmerga aber wohl auch Teile der PUK-Peschmerga gegen die Truppen Bagdads kämpften.

So aber standen irakische Streitkräfte in Kirkuk binnen nur weniger Stunden, was eine Massenflucht von Kurden aus der Stadt auslöste. Die Preisgabe der Front durch PUK-Einheiten zeigt nicht nur die problematisch einzuschätzende Lage der Peschmerga selbst, die von Loyalitätskonflikten genauso geprägt sind, wie von Rivalitäten. Sie zeigt auch, dass das Misstrauen unter den Ethnien so drastisch ist, dass tausende, wenn nicht zehntausende, Kurden es für nötig halten, vor den Truppen der eigenen Regierung zu fliehen. Denn de jure sind sie nicht Teil des Autonomiegebietes und die anrückenden Truppen wären „ihre“.

 

Ein Autonomiegebiet war im Interesse des Auslands

Die kurdische Lage war bis dahin sehr gut. Ihre Anerkennung war weltweit gestiegen und sie wurden inzwischen so weit akzeptiert, dass ihre Milizen sogar von regulären Truppen aus NATO-Staaten ausgebildet wurden, so auch von Deutschland.

Der Weg dorthin war aber weniger durch eigene Kraft erreicht, sondern vielmehr immer auch ausländischer Intervention geschuldet. 1991 erreichten sie ihre Autonomie, weil die Koalition der UNO unter Führung der USA gerade Saddams Truppen in Kuwait zerschlagen hatten und mit einer Flugverbotszone den Einsatz der verbliebenen irakischen Streitkräfte, inklusive der Luftwaffe, verhinderten.

Ab dann war das Autonomiegebiet ein nützliches Instrument zur Schwächung von Saddam Hussein. Ob durch den Iran, auf dessen Seite die PUK gegen Saddams Regierung gekämpft hatte, oder durch den Westen (vor allem den USA und Israel), die so den Irak Saddams nachhaltig schwächten, indem sie ihm der Kontrolle eines Drittels seines Gebietes beraubten. Auch die Türkei konnte mischte hier mit, wenngleich ihre Ziele vielschichtiger waren.

2003 waren die Kurden die lokalen Verbündeten der USA und kurdische Peschmerga marschierten unter Feuerschutz von US-Kampfjets zusammen mit US-Spezialeinheiten gegen die irakischen Streitkräfte. Im anschließend nicht mehr selbst verwalteten Irak waren die Kurden in der Lage, ihre Situation weiter zu stabilisieren. Dies gelang ihnen so gut, dass sie international zunehmend als Vorbild für den Irak galten, während ihre politische Stabilität und ihre angenommene Verlässlichkeit ihr Ansehen weiter steigen ließ.

Nach der anfänglichen Flucht auch von Peschmerga vor den IS-Kämpfern entwickelten sich die Kurden zu wesentlichen Stützen des Kampfes gegen den Islamischen Staat.

 

Ausländische Unterstützer fehlen für die Unabhängigkeit

Seit 1991 hatten die Kurden also ausländische Unterstützer. Nicht immer offen, nicht immer mit ganzem Herzen. Nicht immer wurden Waffen und Munition geliefert, aber doch immer wieder. Seit 2014 wurden dann sogar durch die Bundeswehr Waffen geliefert.

Jetzt hat Masud Barzani jedoch völlig falsch gepokert. Keiner seiner ausländischen Unterstützer wollte sein Referendum und keiner ist bereit, das Resultat zu akzeptieren. Die Türkei, der Iran und der Irak sind nun plötzlich einig darin, einen kurdischen Staat um jeden Preis zu verhindern. Würde es den Irak doch nicht nur die Autonomiegebiete, sondern weitere Teile des Landes kosten, während der Großteil der Kurden noch nicht einmal im neuen Staat lebt, sondern vor allem in der Türkei und dem Iran. Dort würde der stetig schwelende Aufstand türkischer Unabhängigkeitskämpfer (die teilweise terroristisch vorgehen und entsprechend als Terrororganisation bezeichnet werden) dadurch massiv befeuert werden.

Dass Israel das Referendum als wohl einzige relevante Macht begrüßt, ändert nichts. Israel wird den Kurden nicht helfen. Seine Unterstützung dürfte eher gegen die Kurden ausgelegt werden, die sich damit in den Augen der Nachbarstaaten zum „Büttel der Zionisten“ gemacht haben.

 

Ein Überleben des Autonomiegebiets ist in fremden Händen

Jetzt sind also alle ausländischen Unterstützer weg, alle Nachbarstaaten betreiben eine Blockade und alle sind im Ernstfall sogar bereit, militärisch einzugreifen. Der Luftraum über „Kurdistan“ ist von fremden Kampfflugzeugen kontrolliert, die Landgrenzen durch Staaten, die keine kurdische Eigenstaatlichkeit wünschen. Eine nennenswerte Rüstungsindustrie gibt es nicht, womit die kurdischen Streitkräfte einem längeren konventionellen Konflikt nicht gewachsen sein können.

Dass kurdische Autonomiegebiete am Ende wohl doch noch existieren werden, wird weniger an der kurdischen Stärke liegen, sondern vielmehr an der Selbstbeschränkung der Nachbarn. Sicherlich auch auf Druck westlicher Staaten, aber nicht etwa, weil die Kurden jetzt noch selbst dazu in der Lage wären.

Die irakischen Streitkräfte mögen so schlecht sein, wie sie sind. Ihre numerische und materielle Überlegenheit würde alleine schon mittelfristig reichen. Dass der Iran und die Türkei sich im Zweifelsfall beteiligen würden, besiegelt das Schicksal.

Masud Barzani hat hoch gepokert und verloren. Wir werden sehen, wie genau die Details der Niederlage sein werden. Aber die Niederlage selbst ist nur noch eine Frage der Zeit.

 

Jedem an dem Thema interessierten sei die Facebook-Pinnwand von Thomas von der Osten-Sacken nahegelegt. Er ist ein tatsächlicher und echter Experte für das Gebiet mit Jahrzehnten Erfahrung vor Ort.

 

 

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So sieht verlieren aus

Dass der Krieg in Afghanistan verloren war, wurde in dem Moment offiziell eingestanden, als der Westen unter Führung der USA erklärte, die Truppen abzuziehen, obwohl die Taliban nicht besiegt waren. Ab dann fiel zwar jeder Soldat umsonst, aber dies war der Preis, den die NATO und ihre Verbündeten zu zahlen bereit waren, in dem Versuch das Gesicht zu wahren.

 

Wie die Lage wirklich ist, kann man in dieser Dokumentation sehen.

 

 

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Bundeswehr: Gesellschaftliches Projekt oder Mittel zur Kriegsführung?

Man sollte sich bei einer Streitkraft fragen, wozu man sie hat. Ist sie reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? Wenn ja, dann sollte man vielleicht etwas weniger teures Gerät kaufen, statt Steuern zu verschwenden.

Oder ist es das staatliche Mittel zur Kriegsführung. Dann muss die Streitkraft dahingehend optimiert sein. Und das geht z.B. nicht, indem man die körperlichen Anforderungen für Frauen senkt und sie zusammen mit Männern in gemeinsame Einheiten steckt. Wie bitte soll eine Frau mit 55kg einen schwer verwundeten männlichen Kameraden mit 105kg, Rucksack und Waffe in Sicherheit bringen? Sie kann ihn nicht einmal schleifen, geschweige denn tragen. Er verblutet dann, damit die Bundesregierung stolz sagen kann, man habe Frauen integriert.

Eine Streitkraft, die auf Kriegsführung ausgelegt wäre, würde Frauen, wenn sie schon unbedingt in Kampfeinheiten sollen, in eigenen Einheiten konzentrieren. Denn die 55kg Frau kann ziemlich sicher eine andere 55kg Frau in Sicherheit bringen. Zumindest dann, wenn sie die gleichen relativen Fitnessanforderungen erfüllt hat, wie sie Männer erfüllen mussten.

Denn, bei allem drumherum, sollte man eines nicht vergessen: Militär ist zur Kriegsführung da. Ob das nun populär im postheroischen Deutschland ist oder nicht. Entsprechend muss es dahingehend optimiert sein. Das ist man nicht zuletzt denen schuldig, die im Fall der Fälle ihre Haut zu Markte tragen. Wir sind den Soldaten beiderlei Geschlechts schuldig, dass sie in einer auf Kampfkraft hin optimierten Streitmacht dienen und nicht in einer, die Kampfkraft gesellschaftlichen Ideologien geopfert hat.

 

 

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Ruhe in Frieden, Türkei.

Der Versuch der Türkei, Teil des Westens zu werden, ist gescheitert. Der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk hatte dereinst gesagt: „Es gibt viele Kulturen, aber nur eine Zivilisation: die Europäische.“ Sein Werk wurde gestern für immer zerstört. Die Türkei hat sich von der „einzigen Zivilisation“ Atatürks abgewendet.

Die Zukunft der Türkei ist der Islam.

 

Der Westen half beim Werk.

Ob Atatürk die Armee von Anfang an als Hüter der republikanischen Verfassung geplant hatte oder sie sich nur dazu entwickelt hat, kann ich mangels spezieller Landeskenntnisse nicht sagen. Unbestritten ist jedoch, dass das türkische Militär mit mehreren Putschen und Putschdrohungen gegen frühere Versuche von Islamisten zur Umgestaltung des Landes vorging. Bis 2016 waren diese Bemühungen erfolgreich und jeder Versuch von Islamisten, die republikanisch-säkulare Ordnung zu zerstören, scheiterte.

Erdogan und seine Partei haben offensichtlich daraus gelernt. Das zumindest wäre ein Erklärungsansatz, wieso die islamistische AKP sich so vehement um die Aufnahme in die EU bemühte. Man könnte islamistische Missionierungsbemühungen und Kolonisationspläne über Auslandstürken anführen. Ein deutlich sichtbarer Effekt der Beitragsverhandlungen waren jedoch die durch die EU erzwungenen Reformen in der Türkei. Angefangen mit der Abschaffung der Todesstrafe wurde von der EU vor allem die Entmachtung des Militärs gefordert.

Natürlich ist es für ein EU-Mitgliedsland undenkbar, dass das Militär sich berufen sieht, jederzeit nach eigenem Gusto gewählte Regierungen abzusetzen – und dazu auch durch seine besondere Struktur in der Lage ist. So war die Beförderung von Offizieren eine alleinige Entscheidung des Offizierskorps selbst, was damit ausschließlich Kemalisten in Positionen mit Entscheidungsbefugnis aufsteigen ließ.

Indem die AKP sich mit aller Energie dem EU-Beitritt verschrieb, konnte das Militär schlechterdings dagegen opponieren. Immerhin versprach die EU ja eine Modernisierung und gerade die Westbindung, die Atatürk für sein Land als Vision gesehen hatte. Und während die AKP die einzig wirkliche Gefahr für die Islamisierung, das Militär, ausschaltete, konnte sie sich der bürgerlichen Unterstützung sicher sein. Denn welcher moderne, säkulare Türke konnte schon gegen den EU-Beitritt sein?

Man muss Erdogan Respekt zollen, für seine strategisch brilliante Vorgehensweise, den propagierten EU-Beitritt zur Islamisierung des Landes zu nutzen. Hatte sich das Land schon in den letzten Jahren weg vom Kemalismus entwickelt, ist die Entwicklung nun wohl abgeschlossen. Die kemalistische moderne Türkei gibt es nicht mehr. Jetzt ist das Neoosmanische Reich zurück.

 

Siehe auch: RIP Turkey, 1921-2017

 

 

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Trumps Militärschlag auf Syrien: Mehr Show als Effekt

Mit steigender Informationslage wird immer deutlicher, dass es bei dem amerikanischen Angriff auf die Shayrat-Luftwaffenbasis weniger um einen militärischen Nutzen, als um Show ging. Dazu passt, dass Trump seinen rotchinesischen Amtskollegen Xi-Jinping beim Schokoladenkuchen zusammen mit der chinesischen Führungsriege über den Angriff informierte.

 

Die militärischen Zusammenhänge

In einer Diskussion auf Facebook noch vor dem amerikanischen Militärschlag hatte ich argumentiert, dass ein Ausschalten der syrischen Luftwaffe nur mit Flugzeugen der amerikanischen Streitkräfte, nicht aber mit Marschflugkörpern gehe. Mindestens 16 Luftwaffenbasen sind aktuell durch die SAAF in Gebrauch, mit mindestens 355 befestigten Sheltern für Flugzeuge, Dazu noch sieben weitere zivile Flughäfen, von denen mehrere ebenfalls militärisch genutzt werden und nicht von Luftwaffenbasen aus operierenden Hubschraubern.

Indem Trump einen Einsatz von BGM-109 Tomahawk wählte, nutzte er eine Waffe, die inhärente Vor- und Nachteile hat. Der offensichtliche Vorteil ist, dass abgeschossene Flugkörper nicht zu gefallenen US-Soldaten oder gar propagandistisch auszuschlachtenden Gefangenen führen können. Gleichzeitig sind Marschflugkörper durch ihre Bauweise jedoch nur mit einer beschränkten Schlagkraft ausgestattet. Die Tomahawk kann zwar weit und sehr tief fliegen, was einerseits das Risiko der abschießenden Plattform (also hier des die Tomahawk startenden Schiffes) verringert und andererseits ein Abfangen erschwert. Gleichzeitig opfert die Tomahawk damit aber kinetische Schlagkraft, weil sie in nur Unterschall fliegt und auch nur wenig kinetische Energie in einem Stürzen auf das Ziel aufnehmen kann, wie auch Sprengkraft durch ihre beschränkte Größe. Damit wird der Flugkörper vor allem gegen ungepanzerte oder leicht gepanzerte Ziele effektiv.

Eine BGM-109 Tomahawk. Waffen dieses Typs kamen zum Einsatz.

Dies erklärt, wieso weit weniger Ziele getroffen wurden, als Flugkörper abgeschossen, weil möglicherweise einzelne Ziele von gleich mehreren Flugkörpern angegriffen wurden. Es erklärt aber auch, wieso Bilder aufgetaucht sind, die scheinbar völlig unbeschädigte Flugzeuge in HAS (Hardened Aircraft Shelter; Flugzeugbunker) nach dem Angriff auf dem Gelände fotografiert wurden. Während ungeschützte Gebäude von den Flugkörpern pulverisiert werden konnten, wäre dies bei geschützten Zielen schon merklich schwerer.

 

Militärschlag auf Sparflamme

Indem die USA Russland vorwarnten, konnte Russland sein Personal und Material abziehen, was einen unmittelbaren militärischen Konflikt mit Russland vermeiden half. Um aber eine Evakuierung der russischen Soldaten zu ermöglichen, muss die Vorwarnung mindestens eine Stunde, eher mehrere Stunden vorher erfolgt sein. Dies musste zwangsläufig die Effektivität des Einsatzes massiv beschränken, da Russland die syrische Regierung natürlich umgehend informiert hat. Diese hatte damit nicht nur Zeit, ihr (wertvolles) Personal weitgehend in Sicherheit zu bringen, sondern auch alles mobile wertvolle Material. Jedes bedingt startbereite, nicht einmal einsatzbereite, syrische Flugzeug dürfte entsprechend vorher abgehoben haben, wenn sich ein Pilot dafür gefunden hat. Hochwertiges Gerät und Material dürfte, sofern mobil, entweder von der Basis entfernt oder zumindest verstreut oder in Bunker gebracht worden sein. Während also von 20 zerstörten Flugzeugen die Rede ist, dürften die meisten davon Wracks oder nicht flugfähig gewesen sein, zumal die Bilder vom Flughafen ja unbeschädigte Flugzeuge in den HAS zeigen. Somit wurden entweder nicht alle HAS angegriffen oder aber nur die im Freien stehenden Flugzeuge zerstört. Die Flugzeuge, die das Giftgas abgeworfen haben, sind somit ziemlich sicher nicht zerstört worden.

Doch damit nicht genug. Die amerikanischen Kriegsschiffe haben zwar 59 Flugkörper abgeschossen, jedoch keineswegs ihre Magazine damit geleert. Während also einige Gebäude zerstört wurden, deren Wert ich ohne geheimdienstliche Informationen unmöglich einschätzen kann (theoretisch könnten es auch nur leere Lagerhäuser gewesen sein), war der Angriff ganz bewusst auf Sparflamme gehalten. Die Gebäude können durchaus wichtige Werkstätten und Ersatzteillager enthalten haben, die schwer ersetzlich sind und künftige Einsätze massiv erschweren. Allerdings verzichtete das US-Militär nicht nur bewusst auf einen Beschuss von Gebäuden, die Chemiewaffen enthalten könnten, sondern auch auf eine Zerstörung der Luftabwehr auf dem Gelände. Noch nicht einmal die Startbahnen und Taxiways wurden zerstört. Gerade für die letzten beiden Dinge sind die Marschflugkörper aber hervorragend geeignet, um nicht zu sagen: dafür sind sie eigentlich da.

Tatsächlich wurde aber nicht ein Marschflugkörper eingesetzt, der die betonierten Startbahnen dank Submunition mit Kratern überzieht, weshalb binnen 24 Stunden schon wieder Einsätze der SAAF von dem Flughafen geflogen wurden. Auch die Luftabwehr wurde unangetastet gelassen, was völlig untypisch für so einen Angriff ist. Normalerweise wären Startbahn und Luftabwehr Ziele mit hoher Priorität, weil sie die Flugzeuge vor Ort halten, aus der Luft angreifbar und damit in einem zweiten Schlag sicher zerstörbar machen würden. Eine ausgeschaltete Luftabwehr würde einen solchen zweiten Angriff dann auch ermöglichen. Würde man es also ernst gemeint haben, so hätte man zumindest die Voraussetzungen schaffen müssen, um anschließend die Arbeit mit Flugzeugen zu vollenden. Diese sind im Gegensatz zu Marschflugkörpern nämlich in der Lage, schwere panzerbrechende Bomben einzusetzen, die HAS samt Inhalt zuverlässig pulverisieren.

Wäre es den USA tatsächlich um eine Zerstörung des Angriffspotentials mit Chemiewaffen von diesem Flughafen gegangen, hätten sie jedoch Flugzeuge einsetzen müssen, womit sie mit den B-2 Tarnkappenbombern das richtige Gerät haben. Ein Angriff durch sie hätte auf der Luftwaffenbasis keinen Stein auf dem anderen gelassen. Darauf wurde jedoch verzichtet.

 

Es ging um Show

Indem der Militärschlag also mit einer Hand auf dem Rücken geführt wurde und dazu auf eine wirkliche Ausschaltung des Flughafens, auch nur für kurze Zeit, verzichtet wurde, stellt sich die Frage: Wieso?

Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt hier fast nur eine Antwortmöglichkeit: Es ging um die Show, nicht um den tatsächlichen militärischen Effekt. Es ging darum, der Welt und dem eigenen Land zu zeigen, dass man bereit ist, das Militär einzusetzen. Gleichzeitig wollte man aber, so paradox das klingen mag, ganz offensichtlich so wenig wie möglich zerstören. Man hätte nämlich erheblich größeren Schaden anrichten können. Von Seiten der USA hatte man jedoch offensichtlich nicht vor, den Flughafen dauerhaft oder auch nur für ein paar Tage wirklich auszuschalten. Man hatte möglicherweise (hier fehlen mir schlicht noch alle nötigen Informationen über den genauen Wert der zerstörten Gebäude) noch nicht einmal die Absicht, die syrische Luftwaffe nennenswert zu schwächen. Es war, so wenig mir das persönlich gefallen mag, wohl nur ein großer Zirkus. Darauf deutet zumindest für mich alles hin.

Doch wieso? Erklären kann ich mir das nur, und hier geht es ins völlig Spekulative, mit Trumps Charakter. Würde man mich fragen, was ihn ausmacht, so würde ich sagen: „Die pompöse Show und die Überzeugung, alles hervorragend aushandeln zu können.“ Indem die syrische Luftwaffe möglicherweise nicht nennenswert geschwächt wurde, hat er ihre Fähigkeit den IS zu bekämpfen, wo er laut eigener Aussage in der Vergangenheit ja das Hauptverdienst der syrischen Streitkräfte sah, nicht verringert. Indem er Russland vorgewarnt hat, hat er einen unnötigen Konflikt mit Putin vermieten. Indem er angegriffen hat, hat er seine prinzipielle Bereitschaft zu Militärschlägen der Welt und den eigenen Kritikern gegenüber bewiesen. Damit hat er seine Verhandlungsposition gestärkt, ohne gleichzeitig zu viel Porzellan zu zerschlagen, was spätere Verhandlungen erleichtert. Gleichzeitig hat er sich der Welt gegenüber als starker Mann präsentiert. Das könnte zumindest die Logik dahinter gewesen sein.

Andere werfen Trump vor, er habe den Luftschlag nur durchgeführt, um von den innenpolitischen Problemen abzulenken, vor denen er steht. So ist seine Einreisebeschränkung gleich mehrfach von Gerichten kassiert worden und Obamacare wurde bislang nicht ersetzt.

 

Der Angriff war nicht ohne Kosten

Ob Trump allerdings die Spielregeln nach eigenem Gusto bestimmen darf, wird sich noch zeigen müssen. Tatsächlich hat Russland bereits drastisch reagiert. Es hat angekündigt, Syrien mit moderner Luftabwehr beliefern zu wollen, es hat den „heißen Draht“ zur Vermeidung von Konflikten im Luftraum über Syrien abgeschaltet und es droht im Falle weiterer Luftschläge mit militärischen Konsequenzen durch die russische Luftabwehr in Syrien. Von Syrien selbst darf nun nicht mehr erwartet werden, dass es seine Luftabwehr inaktiv lässt, wenn alliierte Kampfflugzeuge über seinem Territorium aktiv sind. Bislang sind die syrischen Kapazitäten noch beschränkt, aber auf Dauer kann dies dennoch nicht nur zu einzelnen Abschüssen führen, es würde auch die Kosten massiv erhöhen. Wenn alliierte Flugzeuge künftig Geleitschutz brauchen und Raketen gegen Luftabwehr mitführen müssen, verringert dies die Kapazität an Bomben, die die jeweiligen Flugzeuge gegen den Islamischen Staat zum Einsatz bringen können und erfordert daher mehr Einsätze oder mehr Flugzeuge. Beides würde die Kosten des Einsatzes merklich erhöhen. Ob es angesichts dieser Reaktionen nicht sinnvoller gewesen wäre, die angerichteten politischen Konsequenzen wenigstens durch einen stärkeren militärischen Nutzen, also einen tatsächlich wirklich effektiven Militärschlag, zu rechtfertigen, muss als berechtigte Frage gelten.

 

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Informationslage aufgrund der zeitlichen Nähe beschränkt ist und der Artikel daher spekulativer Natur ist. Ich schließe es keineswegs aus, dass mir völlig widersprechende Tatsachen noch ans Licht kommen.

 

 

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Trumps Militärschlag gegen Syrien könnte eine Rückbesinnung auf die Strafexpedition sein

Trump könnte hier dank Mattis das Konzept anwenden, von dem ich das erste Mal vor etwa 10 Jahren geschrieben habe, als sich die Intervention im Irak als sehr problematisch erwies, um es vorsichtig zu sagen. Nämlich einen Rückgriff auf die Geschichte in Form einer Strafexpedition.

Mattis ist bekanntermaßen ein extremer Vielleser, der weit über 5.000 Bücher verschlungen haben soll und der seinen Offizieren Leselisten gegeben hat, die diese abzuarbeiten hatten. Seiner Aussage nach wiederholt sich im Krieg alles, es gebe nichts neues. Caesar würde vom Widerstand im Irak nicht überrascht sein, war meines Wissens eine Aussage von ihm.

 

Die Strafexpedition scheint den heutigen Umständen besser zu entprechen

Wenn man in einen Konflikt eingreifen oder mit dem Fehlverhalten einer Diktatur unzufrieden ist, bieten sich natürlich wirtschaftliche Optionen, aber eben auch militärische. Hier ist die Invasion keineswegs die einzige Option. Erst Recht nicht, wenn man eben nicht in der Lage ist, sie bis zum Ende durchzuziehen, weil einem der Willen oder die Mittel dazu fehlen.

Früher hat man beim Fehlverhalten von Staaten oder Stämmen daher das Mittel der Strafexpedition angewandt. Man demonstrierte dem Gegner die überlegene eigene Militärmacht, um ihn damit sowohl für Fehlverhalten zu bestrafen, als auch um ihn damit einzuschüchtern und zu Zugeständnissen zu bewegen.

Syrien ist im Moment tatsächlich ein völliges Chaos, das ohne massives Truppenaufgebot von außen nicht zu beheben ist. Übrigens auch dann nicht, wenn man nicht anschließend bereit ist, längere Zeit im Land zu bleiben und währenddessen Verluste durch Terroristen oder Guerilla zu akzeptieren.

Die USA sind, erst Recht unter Trump, nicht dazu willens. Von den Arabern kann man momentan ebenfalls nicht erwarten, dass beispielsweise der GCC 200.000 oder mehr Soldaten bereitstellt um das Land zu befrieden.

Also ist das bestmöglich machbare, den Beteiligten zu vermitteln, dass Handlungen durch sie zu Kosten führen können, die sie nicht bereit sind zu bezahlen. (Siehe dazu „Die Ökonomie des Krieges“ von mir).

Wenn der Angriff mit Marschflugkörpern jetzt, sagen wir mal, 20 Flugzeuge und große Vorräte an Munition, Treibstoff und sonstigem Material zerstört hat, dann weiß Assad ab sofort, dass der Einsatz von Chemiewaffen zu Kosten führt. Kosten, die ihm angesichts des Nutzens des Einsatzes zu hoch sein sollten. Womit er künftige Angriffe unterlassen sollte.

Auf diese Art und Weise kann man Diktaturen oder nichtstaatliche Akteure immer wieder mit steigender Eskalation unter Druck setzen, bis sie ihr Verhalten angepasst haben.

 

Die USA selbst haben erfolgreiche Strafexpeditionen durchgeführt

Die USA selbst haben solche Einsätze gleich zu Beginn ihrer Geschichte bereits durchgeführt – und das erfolgreich: Die Barbareskenkriege. Dies waren, ohne jetzt nachzuschlagen, meines Wissens die ersten Auslandseinsätze der US-Streitkräfte überhaupt. Nachdem der erste Barbareskenkrieg nicht ausreichend erfolgreich war, klärte der Zweite die Frage, ob man amerikanische Schiffe überfallen und ihre Besatzung und Passagiere versklaven dürfe dauerhaft. Man durfte es nicht.

Ein solches Verhalten würde ich mir übrigens auch von Deutschland wünschen. Wenn ich lese, dass Deutschland der Terrororganisation Islamischer Staat Geld gibt, damit eine Geisel freikommt, dann drehen sich mir die Zehennägel auf. Zwar wird die eine Person befreit, gleichzeitig aber vermittelt, dass sich die Geiselnahme von Deutschen finanziell lohnt. An sich müsste auf solche Geiselnahmen ein Einsatz des KSK erfolgen, der in einer Art Strafexpedition in einem gezielten Angriff dem IS derart großen materiellen und personellen Schaden zufügt, dass dieser künftig um Deutsche einen Bogen macht. Denn, wie in „Die Ökonomie des Krieges“ erklärt, jede Handlung in einem Konflikt folgt einer Kosten-Nutzen Rechnung. Wenn die Kosten hoch genug sind, dass der erworbene Nutzen sie nicht mehr rechtfertigt, unterlässt man die Aktion. Man müsste dazu kein Gebiet besetzen, sondern lediglich nachts einfliegen, entsprechend viele Kämpfer töten und entsprechend viel Material zerstören, um sich anschließend zurückzuziehen.

Ich bin gespannt, ob Trump das künftig öfter machen wird und wie es sich bewährt.

 

 

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Die Logik hinter dem Einsatz von C-Waffen in Syrien

Von Seiten der Assad- und Putin-Apologeten läuft gerade wieder die Propagandamaschinerie oder zumindest die Tastatur heiß. Sie erklären, dass Assad ja keinen Nutzen von einem Angriff mit Chemiewaffen habe, diese nichts bringen, er ohnehin gerade am gewinnen sei und es daher die Rebellen gewesen sein müssten. Das ignoriert völlig den Nutzen solcher Einsätze für die Assad-Regierung.

 

Genug Terror bricht Widerstand

Martin van Creveld hat erläutert, dass es zum Brechen einer Widerstandsbewegung zwei erfolgreiche Methoden gibt. Die nordirische und die syrische:

Die nordirische ist, mit genügend Soldaten ins Land zu gehen und dort einfach so lange zu bleiben, und so lange Verluste zu akzeptieren, bis den Widerständlern die Geduld ausgeht und sie sich zu einer friedlichen Lösung bringen lassen.

Die syrische Methode wurde 1982 in Hama praktiziert. Als die Muslimbruderschaft einen Aufstand gegen die Regierung von Hafiz al-Assad, den Vater von Bashar al-Assad, begann, schlug er mit seltener Brutalität zu. Bis zu 40.000 Menschen wurden getötet, unter anderem mit Luftangriffen und Artillerie. Anschließend war der Widerstand der Muslimbruderschaft über Jahrzehnte gebrochen. Wenn van Creveld gerade Syrien anführt, so darf davon ausgegangen werden, dass die syrische Regierung aus dieser erfolgreich praktizierten Methode zur Niederschlagung von Aufständen gelernt hat.

Bashar al-Assad. Photo: Fabio Rodrigues Pozzebom Cc-by-3.0-br

 

 

Bashar al-Assad wendet „Hama-Methoden“ seit Jahren an

Dies erklärt die vorrangige Bombardierung von nicht verteidigten Wohnvierteln, Märkten und Krankenhäusern. Mit einer Terrorkampagne soll nicht nur der Widerstand gebrochen werden, sie verfolgt auch einen anderen Zweck: Den Zivilisten wird gezeigt, dass sie nur in dem Gebiet sicher sind, das von der syrischen Regierung kontrolliert wird. Dort finden ja keine Luftangriffe statt, aber auch keine Angriffe mit Chemiewaffen. Mit genügend Terror lässt sich also die Hoffnung begründen, nicht nur lokal einen Widerstand zu brechen, sondern den Gegnern die Basis ihres Widerstands zu entziehen, was noch immer die erfolgreichste Voraussetzung für die Niederschlagung eines Aufstandes ist.

Chemiewaffen haben einen militärischen Nutzen, weil sie in Bunker, Gräben, Keller etc. eindringen können, in denen man vor Artillerie und Bomben geschützt ist. Dies im Besonderen, wenn der Einsatz selten und ein Schutz daher nicht vorhanden oder nicht bereit ist. Natürlich werden aber 70 Tote Assad den Krieg nicht gewinnen.

Allerdings haben die Waffen jedoch einen dramatischen psychologischen Effekt, den wir gerade ja weltweit sehen können. So zynisch es klingen mag: Wenn Asssad 400.000 seiner „eigenen Leute“ mit Raketen, Bomben, Granaten und Kugeln tötet, jammert die Welt vielleicht ein wenig, „aber das ist halt eben so.“ Wenn er dagegen 70 mit Chemiewaffen tötet, ist die Empörung groß.

Die bisherigen syrischen Einsätze von Chemiewaffen haben, im Vergleich mit dem großen Ganzen, numerisch praktisch keine Todesopfer verursacht. Aber sie haben enorme moralische Auswirkungen, weshalb die USA jetzt eingegriffen haben.

Dieser moralische Effekt wirkt jedoch nicht nur auf westliche Journalisten und Staatschefs. Er wirkt auch auf die Betroffenen. Es ist in höchstem Maße furchteinflössend. Kugeln und Granaten sind schlimm, aber normal. Gas ist etwas anderes, weil man es nicht sehen kann und es heimtückischer wirkt. Das ist das Gleiche, wie mit Fukushima. Strahlung wirkt auch ganz besonders böse, völlig egal ob sie überhaupt jemanden tötet.

Wenn das Regime grausam genug ist, darf Assad hoffen, dass die Zivilisten nicht nur die Rebellen nicht mehr unterstützen, sondern sie im Ernstfall sogar verjagen und Regierungstruppen zum Einmarsch auffordern, um kein Ziel mehr zu werden.

Darüber hinaus ist der Kampf einer Widerstandsbewegung noch nicht einmal durch eine Kontrolle des Gebietes zu brechen, wie man zuletzt anschaulich im Irak zur Zeit der amerikanischen Besatzung sehen konnte. Eine Widerstandsbewegung besiegt man, indem man ihr die Ressourcen entzieht oder ihren Willen bricht. Mit einem Einsatz von Giftgas könnte Assad zeigen, dass den Rebellen niemand helfen wird und er tun und lassen könne, was er will. Dies würde seine Wirkung nicht verfehlen, da es den Rebellen und den sie unterstützenden Zivilisten in aller Deutlichkeit sagen würde, dass es keine Hoffnung gibt. Dies könnte ein großer Schritt hin zum Sieg sein.

 

„Warum gerade jetzt?“ stellt sich nicht

„Warum gerade jetzt?“, kann man bei den Apologeten lesen. Ganz einfach: Weil erst vor wenigen Tagen der Außenminister der USA die Position der Regierung Trump dargelegt hat, wonach Assad im Amt bleiben könne. Dass direkt danach Giftgas eingesetzt wurde, wurde Trump entsprechend auch unmittelbar von Außenpolitikern vorgeworfen. Schließlich habe er mit dem Kommentar seines Außenministers zu Assad diesem praktisch grünes Licht gegeben.

Doch nicht nur das. Trump hatte schon während seines Wahlkampfes Diktatoren wie Assad oder Saddam Hussein als Bollwerke gegen den Terrorismus gepriesen. Während des Bürgerkriegs, noch vor seiner Präsidentschaft, hat er sich immer wieder gegen eine Intervention ausgesprochen. Er hatte sogar explizit darauf hingewiesen, dass die Rote Linie von Barack Obama falsch gewesen sei und eine mögliche Intervention nach deren überschreiten unterbleiben sollte. „The only reason President Obama wants to attack Syria is to save face over his very dumb RED LINE statement. Do NOT attack Syria,fix U.S.A.“ Noch einmal zum Mitschreiben: Er sagte ganz ausdrücklich, dass auch nach dem erfolgten Giftgasangriff in Ghouta 2013 mit bis zu 1.729 Toten kein Militärschlag erfolgen solle!  Immer wieder schrieb er, Syrien sei nicht das Problem der USA und man solle sich daraus fernhalten. Dies ist der Assad-Regierung natürlich bekannt.

Fassen wir also zusammen: Der gegenwärtige Präsident hat 2013 immer wieder erklärt, eine Intervention sei falsch, man solle Syrien abschreiben, aus Syrien fernbleiben. Er hat erklärt, das Ziehen einer roten Linie beim Einsatz von Chemiewaffen sei falsch und auch bei deren Überschreitung und erfolgten Angriffen mit Massenvernichtungswaffen solle keine militärische Intervention erfolgen. Im Wahlkampf hat er das Assad-Regime gelobt. Sein Außenminister hat erklärt, dass Assad im Amt bleiben könne.

Wieso sollte also Bashar al-Assad Hemmungen haben, diese Waffen einzusetzen? Aus welchem Grund sollte er nicht wissen, dass aus Washington keine ernstzunehmende Reaktion erfolgen würde?

 

 

 

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Vergewaltigungen als Kriegswaffe in Deutschland

Die von einem Afrikaner begangene Vergewaltigung in Bonn, bei der das Opfer vor den Augen ihres Freundes vergewaltigt wurde, wird wieder einmal falsch verstanden werden.

Der Umstand, dass die Frau vor den Augen ihres Partners vergewaltigt wurde, belegt, dass es garantiert nicht (nur) um Sex ging. Es ging mindestens so viel um die völlige Demütigung des Mannes und das Demonstrieren seiner Hilflosigkeit.

Das Vergewaltigen von Frauen vor den Augen ihrer Familie ist eine Kriegswaffe, die so alt wie der Krieg selbst ist. Sie zerstört Familien in enormen Maße und beschädigt so die Kohäsion des elementaren Elements menschlichen Zusammenlebens.

Frauen vor den Augen ihrer Familie und ihres Clans zu vergewaltigen war daher immer auch gegen die Familie und den Clan selbst gerichtet. Der Akt demütigt, beweist die Hilflosigkeit und Schwächlichkeit der eigenen Männer, sowie die Überlegenheit des oder der Täter. Sie zerstört den Zusammenhalt und macht daher Gegenwehr schwieriger, während mögliche Kinder sogar noch als bleibendes Mahnmal der Tat übrig bleiben, die alle ständig und immer an das Verbrechen erinnern. Zudem bedeuten sie ein gewaltsames Einfügen eigener Gene in die fremde Gesellschaft.

Ich beschäftige mich nun mit der Kriegsführung, seitdem ich neun Jahre alt bin. Ich habe Geschichte studiert und bin Militärhistoriker. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich solche Taten, aber auch so Massentaten wie die in Köln und halb Europa an Silvester 2015/6 in einem solchen Zusammenhang sehe.

Oder, um den Weg zurück zur zeitgenössischen Kultur zu finden, ein Zitat aus House of Cards: „Everything is about sex. Except sex. Sex is about power.“

 

 

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