Das Leben in Panama (IV): Frustration mit Wohnungen

Ich werde an separater Stelle noch einmal umfangreicher auf Immobilien in Panama eingehen. An dieser Stelle soll es nur um zwei Erlebnisse mit Mietwohnungen gehen.

Meine erste Mietwohnung musste ich nehmen, um nicht allzu lange im Hotel zu sein. Laut Makler sei sie ruhig. Tatsächlich musste ich vier Tage in der Woche Ohrstöpsel tragen, um wegen einer Disco auf einem Dach in 400 Meter Entfernung überhaupt schlafen zu können. In den Ohrstöpseln sehe ich die Ursache für eine Ohrinfektion, für deren Ausheilen ich 4 Wochen und zweimal Antibiotika brauchte.

Als der Putz vom Dach der Garage auf mein Auto fiel, das als Cabrio natürlich besonders empfindlich ist, ignorierte der Vermieter meine Anfrage einfach, doch bitte mit der Verwaltung die Reparatur zu besprechen und mir für die Dauer einen anderen, aktuell nicht genutzten, Parkplatz zuzuweisen. Gleichfalls ignoriert wurde, dass eine Toilette defekt ist, indem nach dem Spülen der Verschluss im Spülbehälter nicht mehr schloss und so das Wasser dauerhaft durchlief. Um es zu Stoppen musste ich den Behälter öffnen und den Verschluss manuell schließen. Entsprechend habe ich die letzten 4 Monate nur noch meine Gästetoilette benutzt, da ich angesichts weiterer Absurditäten keinen Grund sah, selber Geld für eine Reparatur in die Hand zu nehmen. Ach ja: Dass die Bodenleiste der Küche nicht befestigt war, verkaufte mir die Frau des Inhabers als Feature. Das sei überall in Panama so, damit man dahinter putzen könne. Was natürlich eine glatte Lüge war.

Jetzt bin ich in meiner neuen Wohnung und entgegen der Vereinbarung sind zwei Stangen im Kleiderschrank nicht angebracht. Angeblich liegen sie bei der Verwaltung, die das aber abstreitet. Ich lebe also seit einer Woche aus Koffern in meiner eigenen Wohnung.

Gestern habe ich schon von meinem Erlebnis mit dem Autoreifen erzählt, wo mir zugesichert wurde, ich dürfe ihn vor dem Parkplatz ablegen, um dann zu erfahren, dass dies strafbewehrt ist. Vor der Unterzeichnung des Mietvertrages hatte ich gleichzeitig bezüglich eines Kajaks angefragt. Ich möchte mir zum Angeln einen Kajak kaufen, der ja irgendwo gelagert werden muss. Mir wurde damals gesagt, ich könnte ihn vor dem Auto auf dem Parkplatz lagern oder vor der Tür oder einfach an den Pfeiler neben meinem Parkplatz lehnen.

Angesichts meiner Erfahrung mit dem Autoreifen bat ich nun die Administration um Auskunft, wo ich denn eine verbindliche Antwort bekomme, wo ich den Kajak lagern dürfe. Als Antwort kam: „Entiendo“, also „Ich verstehe“. Eine weitere Antwort ist nicht zu bekommen. Gleichfalls vergeblich sind Fragen bezüglich der beiden Leisten für den Kleiderschrank beim Makler und der Administration.

Eigentlich logisch: Jetzt hat man ja mein Geld. Wieso also jetzt noch auch nur einen Finger unnötig krumm machen? Wenn ich den Kajak für 1200 Dollar kaufen sollte, könnte ich nun anschließend erfahren, dass ich ihn übrigens dort nicht lagern dürfe. Also müsste ich ihn anschließend in meine kleine Wohnung tragen oder aber für 600 Dollar im Jahr einen weiteren Parkplatz oder einen Lagerraum mieten. Ich will jedoch gerade einen Kajak, um für mein „Anglerboot“ keine dauerhaften laufenden Kosten zu haben.

Letztendlich werde ich nun wohl, sollte ich nicht irgendwann doch noch eine zufriedenstellende Antwort bekommen, keinen Kajak kaufen und die beiden Stangen für meinen Schrank selbst besorgen müssen. Wohl inklusive Werkzeug, da ich natürlich nichts habe.

Auch das ist Panama.

 

 

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Das Leben in Panama (III) – Zuverlässigkeit und Internet

Ich bin in eine schöne neue Wohnung umgezogen. Da ich bei meiner alten Wohnung die Vorgabe in der Hausordnung hatte, wonach mir das Lagern von Reifen auf dem Parkplatz verboten war, habe ich dieses Mal extra nachgefragt. In Begleitung des Maklers sagte mir eine Angestellte der Verwaltung, dass das kein Problem sei.

Heute kommt, als ich aus der Stadt zurückkomme, der Schichtleiter der Sicherheit zu mir und weist mich darauf hin, dass das Lagern eines Reifens an meinem Parkplatz verboten sei. Ich weise ihn auf die Aussage von der Verwaltung hin, woraufhin er mir eine Liste der Strafen zeigt, die bei Verstößen gegen die Hausordnung anfallen. Demnach darf ich nun wohl dankbar sein, dass mir (bislang) die 50 Dollar nicht berechnet wurden. Da der Reifen doch schon relativ weit abgefahren ist, hoffe ich nun, dass ich nicht auch noch für das Werfen in den Müll bestraft werde, weil er nicht in die Mülltonne passt.  (Mülltrennung ist hier unbekannt)

In der Wohnung brauche ich natürlich auch Internet, also habe ich meinen Vertrag von der alten auf die neue Wohnung umgeändert. In Panama-Stadt sind bei meinem Anbieter bis zu 1 GBit möglich.

Ich habe bei der Änderung darum gebeten, die Leitung von 30/5 MBit auf 100/10 MBit zu ändern, was nur 3 Dollar zusätzlich im Monat kostet. Die Mitarbeiter des Anbieters kamen wie vereinbart und schlossen das Gerät an. Um anschließend eine Stunde in meiner Wohnung zu sitzen und sich YouTube-Videos anzusehen. Das ist vermutlich die Funktionsprüfung…

Anschließend war die Leitung immer noch bei 30MBit, doch eine E-Mail änderte das unkompliziert. Interessanter war jedoch, dass das alte Modem, das ich ausdrücklich mitbringen sollte, von den Angestellten ignoriert wurde. Sie hatten ein neues Modem mitgebracht und das alte einfach liegen gelassen. Als gerade der Strom ausfiel, ging auch das Modem aus. Während das alte Modem eine Batterie hat, hat das neue keine. Warum auch immer. Somit ist dann künftig auch das Internet weg, bis die Generatoren meiner Anlage die Versorgung übernehmen. Ob mir nun ein zweites Modem in Rechnung gestellt wird, ist unklar, aber wohl zu erwarten.

Da die Modems durch den Anbieter verschlüsselt sind, kann ich auch kein anderes verwenden. Dem Nutzer wird kein Zugang zum Rooter gewährt. Stattdessen erhält man von den Angestellten den Namen des WLAN und den Zugangscode. Eine Änderung des Passwortes ist damit ebenso unmöglich, wie sinnvolle Änderungen an den Einstellungen, zu denen man persönlich befähigt sein könnte. Entsprechend kann ich auch nicht einfach mit den neuen Zugangsdaten das alte Modem weiternutzen.

 

 

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Das Leben in Panama (II) – Politische Einstellungen der Einwanderer

Das Spannende an Panama ist, dass von ein paar Hippies abgesehen, jeder Einwanderer hier rechts ist.
An sich klar, denn in ein Land ohne Sozialsystem wandert keiner ein, der an Umverteilung glaubt und als Soyboy unter Testosteronmangel leidet. Selbstbewusste und Starke, die glauben sie können für sich selbst sorgen, sind rechts.

Gerade habe ich mit einem Italiener gesprochen und war vorsichtig, weil Politik ja immer ein heikles Thema ist. Er hat dann erklärt, Italien sehe heute aus wie Afrika, feiert Salvini und sagt, Muslime die auch nicht anpassen sollen in ihren „Müllländern“ bleiben. Er selbst erklärt er sei „extrem rechts“. Jeder Europäer hier ist rechts. Oder zumindest fast jeder.

Aber, lustigerweise, wer gerade aus den USA kommt, kommt wegen Trump. Das heißt, die die Amerikaner hier sind „links“, was natürlich kein Widerspruch ist. Denn der normale „linke Amerikaner“ ist in Europa immer noch eine Mischung aus klassischem Liberalen und Konservativen.

Beim Gespräch mit anderen Einwanderern komme ich mir manchmal vor, als sei ich der Linkeste hier. 🤣

 

 

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Das Leben in Panama (I): Höflichkeit

Ich lebe nun seit fast einem Jahr in Panama und lerne das Land noch immer kennen. Auf Facebook habe ich immer wieder Details aus dem Land veröffentlicht, aber vielleicht interessiert das ja auch meine Leser hier. Daher werden die Einträge von Facebook nach und nach hierher übertragen, während neue Berichte von nun an zuerst hier erscheinen werden.

 

Höflichkeit

Panameños sind extrem höflich. Jeder wünscht einem einen guten Morgen oder guten Abend, beim Betreten des Aufzuges wird man begrüßt und man verabschiedet sich. Wenn man wie ich um Höflichkeit bemüht ist und sich beim Durchgehen einer Tür umsieht, ob noch andere durchgehen wollen und dann die Tür aufhält, In Deutschland habe ich es dagegen oft genug erlebt, dass andere es wie eine Selbstverständlichkeit sahen, wenn man ihnen die Tür aufhielt. Als sei man ein Portier. Nur dass hier auch dem Portier dafür gedankt würde.

Panameños respektieren ihre Alten ganz besonders. Es gibt sogar ein Gesetz, das Jubilados Vorzüge einräumt. Sie erhalten beispielsweise günstigere Preise in öffentlichen Verkehrsmitteln und meines Wissens müssen (!) Restaurants und Kinos ihnen einen Rabatt einräumen. In Behörden und Banken gibt es eigene Schalter für Jubilados, die daraufhin natürlich viel kürzer anstehen müssen.

Ein Freund sagte mir, die Ubahn der Stadt habe keine Sitzplätze. Wie, keine Sitzplätze? Naja, natürlich habe sie welche, aber die Einheimischen stehen alle für Frauen auf. Das heißt, es sitzen nur Senioren und Frauen, Männer stehen alle. In Deutschland ist es dagegen inzwischen eine Besonderheit, wenn jemand auch nur für gehbehinderte Senioren in der Straßenbahn aufsteht.

Als ich mit einer Bekannten zu einer Behörde gegangen bin, wurden wir an der Schlange vorbeigewunken, da sie an Krücken ging. Der Umstand, dass sie in dem Moment gehbehindert war, sparte uns also rund 30 Minuten Wartezeit.

Wie das alles allerdings mit der völlig mangelnden Pünktlichkeit einher geht, ist für einen Deutschen nur schwer zu begreifen. Man erscheint pünktlich zum Termin, der andere kommt aber gerne mal erst eine Stunde später. Eine Nachbarin ist Ärztin und hat mir erzählt, teilweise kommen die Patienten zu ihrer eigenen Operation zwei Stunden zu spät. Als Deutscher empfinde ich das als Affront, weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe. Aber hier ist es normal.

Normal bedeutet aber keineswegs, dass sie sich des Problems nicht bewusst wären. Es gibt beispielsweise Memes im lokalen Teil des Internets und auf lokalen Webseiten und Facebookseiten, wo unter der Überschrift: „Wie kannst Du Panama besser machen“ immer als Punkt 1 steht: „Sei pünktlich“.

Lustigerweise stand in einem Buch über Panama, dass die Einheimischen immer zu spät seien – von Ausländern aber Pünktlichkeit erwarten.

 

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