Das Leben in Panama (VI): Ein erster Kontakt mit der Korruption

Korruption existiert in jedem Land der Welt. Die Frage ist daher immer nur, wie weit. Kann man sich von einem Mord freikaufen oder nur die Vergabe eines Auftrages mittels Bestechung erreichen. Dass die Korruption in Panama deutlich verbreiteter ist, als in Deutschland, war mir bekannt. Nun habe ich selbst einen ersten Kontakt gehabt.

Vor einem Jahr wurde mir gesagt, dass jemand 10 Bitcoin bei einem damaligen Kurs von 17.000 Dollar in bar kaufen wolle. Also 170.000 Dollar in bar zu Hause herumliegen habe. Ich lehnte damals ab, da mir klar war, dass es sich um Geldwäsche handeln müsse. Das Geld stammte entweder aus der organisierten Kriminalität oder von Korruption. Dass eben jemand für irgendeine Leistung einen Koffer voll Geld erhalten habe, den er (zum Höchstkurs) in Bitcoin tauschen wollte.

Zwischenzeitlich war mir gesagt worden, dass mein Waffenschein mit Hilfe eines Anwaltes beschleunigt werden könnte. Dieser würde 500 Dollar kosten – und garantiert nur einen Teil der 500 Dollar behalten.

Ein Freund ist unfähig, die Verkehrsregeln einzuhalten. Er scheint geradezu aus Prinzip keinen Anschnallgurt zu tragen und Tempolimits sind für ihn wohl eher die Anweisung: „Mindestens 20 km/h schneller fahren“. Entsprechend wird er wohl wöchentlich auf der Interamerikana herausgefischt. Er hat den Satz der „Gebühren“, die er den Polizisten in bar bezahlt, inzwischen auf 40 Dollar gedrückt. Anfänglich waren es noch 100. Einheimische kommen dagegen wohl oft mit 10 Dollar davon.

Bislang war mein Kenntnisstand, dass die Polizei zwar bestechlich sei, aber von der besten Art der Bestechlichkeit. Man würde ausschließlich nach einem Bruch von Gesetzen behelligt und habe dann praktisch die Wahl, ob man ein ordentliches Verfahren mit einer Zahlung an die staatliche Gebührenkasse wünscht oder ob man dem Polizisten den Kauf eines Geschenkes für seine Frau ermöglicht. Also Stress und Zeit oder eine unbürokratische Erledigung.

Nun war ich vor zwei Tagen auf dem Weg zu einem Restaurant, wo ich mit ein paar Einheimischen zum Abendessen verabredet war. Mittels der App Waze suchte ich den schnellsten Weg und einen Kilometer vor der Ankunft sagte es mir, eine Polizeikontrolle sei auf dem Weg. Gut, kein Problem. Meine Autopapiere sind in Ordnung, das Auto ist versichert, mein Führerschein ist gültig und ich habe nichts getrunken und keine Drogen genommen.

In der Kontrolle erklärte mir nun der Polizist nach Entgegennahme meines Führerscheins und einer (vermeintlichen) Eingabe meiner Daten in sein Handy, dass ein Strafzettel für 100 Dollar von mir nicht bezahlt worden sei und er daher meinen Führerschein einziehen müsse. Ich sagte, das könne nicht sein. Ein wenig hin und her und er forderte mich auf, an den Straßenrand zu fahren. Dort bat er um meine Fahrzeugpapiere. Wieder sagte er, er müsse meinen Führerschein einziehen, weil ich nicht bezahlt habe.

Ich wollte einen Freund zum Übersetzen anrufen, woraufhin er mich aufforderte aufzulegen. Die Diskussion ging weiter, während ich wartete und er mir sagte, er würde jemanden anrufen, um Genaueres zu erfahren. Nach 10 Minuten kam dann ein anderer Polizist und gab mir meinen Führerschein zurück und sagte, ich solle weiterfahren.  Allerdings war ich zu deutsch dafür. Wie? Was ist jetzt mit dem Strafzettel? „Ihr Kollege hat aber doch gesagt…“. Er nahm mir also den Führerschein wieder ab und ging zu seinem Kollegen.

Der erklärte mir erneut, dass ich einen unbezahlten Strafzettel habe. Ich rief nun meinen Freund an und bat ihn, zu übersetzen. Demnach habe ich einen Strafzettel, er könne aber nicht sehen, von wann. Der Polizist überlege sich nun, was er tun könne und ob er mich weiterfahren lassen solle.

Ich wartete weiter und schließlich gab mir nach weiteren 5-10 Minuten der Polizist meinen Führerschein zurück und schickte mich los.

Ich war vor allem konsterniert, dass so etwas möglich ist. Panama hat kein Postsystem, einen Strafzettel können sie einem also gar nicht zustellen. Nicht zuletzt deshalb wird man auch bei einem Vergehen unmittelbar von der Polizei gestoppt. Das war mir aber nie passiert. Gibt es nun seit neuestem Radarfallen? Und was soll das, dass man dann den Führerschein verliert? Wie soll man ein Ticket bezahlen können, von dem man gar nicht weiß? Um dann irgendwann an einem Feiertag um 2 Uhr nachts mit drei schlafenden Kindern irgendwo auf dem Land in einem Funkloch zu erfahren, dass man den Führerschein abgeben und zu Fuß laufend in der Nacht nach einem Hotel suchen müsse?

Ich fuhr also heute zur Verkehrsstelle, um meine Strafe zu bezahlen. Dort stellte sich heraus, dass weder auf meinen Führerschein, noch auf mein Kennzeichen ein Vergehen registriert sei. Sofern das System des Polizisten keine Fehlfunktion hatte, hatte er wohl meinen Ford Mustang gesehen, und dann noch einen weißen Gringo darin, und gedacht, dass der sicher Geld habe. Sein „Ich muss ihren Führerschein abnehmen“ sollte mich wohl dazu bringen, ihn mit einer Spende zu überzeugen, mich diesen Abend laufen zu lassen.

Das erklärt auch, warum er den Führerschein nicht direkt abnahm und mir erklärte, ich müsse schauen, wie ich weiter komme. Das erklärt, warum sein Kollege mich nach 15 Minuten fahren lassen wollte. Und das erklärt, warum ich am Ende problemlos fahren konnte.

Ich kam das erste Mal mit Korruption in Verbindung – und diese panamesischen Polizisten das erste Mal mit einem Deutschen. Statt nämlich einfach zu zahlen, war ich besorgt, was ich denn falsch gemacht hätte. Wie ich das künftig vermeiden könnte und wie ich nun pünktlich zu meiner Verabredung kommen könnte. Ich dachte gar nicht daran, einem von drei anwesenden Polizisten Geld anzubieten, da dies am Ende ja noch mehr Probleme hätte machen können.

Die Polizisten mussten also lernen, dass ich zu dumm war um zu kapieren, dass sie eine Bestechung von mir wollten. 😀

 

Zur Sicherheit habe ich mir nun für 25 Cent einen Auszug aus meinen einwandfreien Fahrzeug- und Führerscheinregister erstellen lassen, der nun bei den Autopapieren liegt. Wenn so etwas wieder einmal vorkommt, werde ich den Polizisten darum bitten, mir zu zeigen, wo er sieht, dass ich einen Strafzettel haben soll.

Wenn dies nicht reicht, werde ich ihn um seine Dienstnummer, seinen Namen und seine Wache bitten und ihm sagen, dass ich mit diesen Daten nun einen Freund anrufen werde, der in der Antikorruptionsbehörde des Präsidialamtes arbeitet. Damit dürfte meine Weiterfahrt kein Problem mehr sein.

 

 

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Das Leben in Panama (V) – Verkehrsregeln

In diesem Teil der Serie werden die Verkehrsregeln in Panama vorgestellt. Die offiziellen, wie die inoffiziellen. Dies sollte gerade für Urlauber wichtig und interessant sein, weil bei einem Nichtbeachten Unfälle drohen.

 

Die offiziellen Regeln:

In Panama ist, wie auch in den meisten US-Bundesstaaten, das Rechtsabbiegen bei einer roten Ampel erlaubt. Darüber hinaus dürfen andere Fahrzeuge auch hier rechts überholt werden. Innerorts ist das Tempolimit meist bei 60 km/h.

Im Land herrscht Rechtsverkehr, in einigen Straßen gibt es jedoch Linksverkehr! Dies vor allem bei Straßen, die in eine der großen mehrspurigen Einbahnstraßen mit viel Verkehr in der Hauptstadt münden. In diesem Fall fährt man, durchaus effektiv, bei einer von links zuführenden Straße auf der linken Spur ab, während die Zufahrenden so vor einem gleichzeitig auf die Einbahnstraße einbiegen können. Erkennbar sind diese Straßen ausschließlich an einem auf der Fahrbahn befindlichen Pfeil – der gerne einmal ausgeblichen ist.

Gerade in der Hauptstadt gibt es viele Einbahnstraßen, die sehr oft allerdings unzureichend oder nicht gekennzeichnet sind. An sich gibt es ein Verkehrsschild, das einen links- oder rechtsabbiegenden Pfeil im roten Kreis zeigt, der durchgestrichen ist. In diesem Fall darf man entsprechend nicht abbiegen. Ist der Pfeil nicht durchgestrichen, so heißt es (wohl) eigentlich, man müsse entsprechend abbiegen. Teilweise widerspricht das aber der Verkehrsführung. Dazu sind diese Schilder allzu oft nicht mehr vorhanden. In diesem Fall ist es hilfreich, auf den Verkehr und die geparkten Autos zu achten. Zeigen die geparkten Autos auf beiden Straßenseiten in eine Richtung, so ist es höchstwahrscheinlich eine Einbahnstraße in diese Richtung.

Straßen und Brücken werden mitunter zur Hauptverkehrszeit in eine Richtung gesperrt, damit der Verkehr in die Hauptrichtung schneller abfließen kann. Hier ist es hilfreich, sich nicht nur auf die Verkehrsschilder zu verlassen, weil man ansonsten auf einer Seite des Kanals festhängen kann, wenn man nicht 20 Kilometer weiter nach Norden zur zweiten Brücke fährt.

Die Beschilderung ist in Panama deutlich sparsamer. Das „Sie haben Vorfahrt“ Zeichen fehlt völlig. Wer wissen will, ob er gerade Vorfahrt hat, muss schauen, ob auf den Einmündungen Stoppschilder sind.

 

Die inoffiziellen Verkehrsregeln in Panama und einige Hinweise

Blinker dienen in Panama eher der Dekoration des Autos oder der psychologischen Kriegsführung. In der Regel biegt der Blinkende nicht ab, während der nicht blinkende abbiegt. Die Menschen schalten gerne und oft ihre Warnblinkanlagen ein. Wenn sie bei einem Zebrastreifen halten (was sie normalerweise nicht tun), wenn es anfängt zu regnen, etc. Anschließend vergessen sie die Warnblinkanlage gerne.

Da die Autoscheinwerfer und -lichter an vielen Autos nicht funktionieren, wirkt eine eingeschaltete Warnblinkanlage daher gerne auch mal wie ein gesetzter Blinker. Jedes dritte bis vierte Auto scheint hier nachts ohne Licht zu fahren. Oft sieht man bei genauem Hinsehen jedoch, dass irgendwo doch eine kleine Funzel leuchtet oder die Frontscheinwerfer an sind. Da die Revisado, also der „Panama-TÜV“ hier so funktioniert, dass man der Werkstatt ein Foto des eigenen Autos schickt, überprüft keiner die Funktionsweise von Scheinwerfern und Blinkern und die Polizei bestraft fehlende Funktion offensichtlich völlig unzureichend. Daher ist es enorm wichtig, dass man sich immer darüber bewusst ist, dass einem nachts Autos ohne Licht begegnen können. Das ist in Panama tatsächlich Alltag!

Ampeln sind mehr Richtlinien, denn Regeln. Man darf rechts bei rot abbiegen. Das hindert aber nicht daran, dass bei weniger Verkehr auch gerne geradeaus weitergefahren wird oder nach links trotz roter Ampel abgebogen wird. Das heißt, selbst bei einer grünen Ampel muss man mit in den Verkehr stoßenden Fahrzeugen rechnen. Die Ampeln selbst blinken zum Ende der Grünphase erst grün, werden dann durchgehend gelb, bevor sie auf rot umschalten. Die anderen erhalten allerdings ohne Übergangsfrist grün, wenn es von gelb auf rot umspringt.

Gewohnheit und Aggressivität bestimmen die Vorfahrt. Ich vermute mal, dass es auch in Panama rechts vor links gibt. Tatsächlich hat hier jedoch der Vorfahrt, der am forschesten in die Kreuzung fährt. Dazu wird Gewohnheitsrecht in Anspruch genommen. Ich wohne in Amador, wo es einen langen Damm mit einer vierspurigen Straße gibt. Diese ist immer wieder durch Kreisverkehre unterbrochen, wo extra mit Schildern und Markierungen auf den Straßen darauf hingewiesen wird, man solle dem Verkehr im Kreisverkehr Vorrang gewähren. Da jedoch 99% des Verkehrs den Kreisverkehr nur überquert, wird die Vorfahrt einfach beansprucht und niemand hält an, wenn jemand mal tatsächlich nicht nur gerade über den Kreisverkehr fährt. Entsprechend müssen Autos warten, die eigentlich Vorfahrt haben. Tun sie es nicht, gibt es Unfälle.

Abbiegen ist eine Frage des Willens. Man wird gerne einmal böse angesehen und angehupt, wenn man nicht stoppt, um andere aus einer Ausfahrt zu lassen. In Panama kommt man nur voran, wenn man sein Auto weniger liebt, als die anderen das ihre. Das heißt, man muss die Geschwindigkeiten der anderen Abschätzen, ob sie abbremsen können. Wenn ja, dann biegt man ein oder wechselt die Spur. Man drückt sich einfach hinein, ansonsten kommt man niemals vorwärts. Und wenn ein Abbiegen an einer Stelle verboten ist und ein Umweg nötig wäre, dann hält man schon auch einfach mal mitten auf der dicht befahrenen Straße an, staut hinter sich alles auf und fährt dann langsam über die doppelt gezogene Linie und blockiert so den Gegenverkehr, um dennoch abbiegen zu kommen.

Die Straßenmarkierungen sind teilweise sehr problematisch. Bei einigen Ampeln sind keine Stopplinien eingezeichnet, sodass man nur bei einem Blick auf die Straße einfach bei rot über die Ampel fahren würde. An anderen Stellen wurde der Verkehrsfluss wohl geändert und ein Bleiben auf der eigenen Spur würde einen plötzlich in den Gegenverkehr leiten.

Teilweise sind erhebliche Löcher in der Straße. Es ist absolut notwendig, permanent die Augen auf der Straße zu halten, wenn man keinen Achsbruch erleiden will. Mitunter fehlt sogar der Gullydeckel. Während es in Deutschland ein großer Spaß ist, durch eine Pfütze zu fahren, sollte man dies hier tunlichst vermeiden. Am Ende ist nämlich durch das Wasser ein tiefer Krater verdeckt und man zerstört sich das Auto. Wenn vor einem ein Taxi in wilden Schlangenlinien fährt, so ist der Fahrer mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht betrunken oder auf Drogen. Vielmehr kennt er nur die Straße mit ihren Löchern und fährt die Ideallinie. Man sollte daher gut auf seine Ausweichmanöver achten.

Alles ist Fahrbahn! Da in der Stadt andauernd Stau ist, fahren die Leute extrem aggressiv. Da wird die Einbiegespur neben einem schon einmal vom Hintermann genutzt, um einen zu überholen. Gerne drängeln sich auch mal drei Autos nebeneinander auf eine zweispurige Straße. Und wer glaubt, hier würde man sich brav einfädeln, der wird lernen, dass besonders Taxis gerne an der Schlange vorbeifahren, um sich dann im letzten Moment mit wildem Gehupe in die Schlange zu drängeln. Wer dann keine Vollbremsung macht, der fährt auf. Mitunter wird sogar die Gegenfahrbahn genutzt. Der erste Mutige fährt vor und sofort schließen sich Dutzende an, die hinter ihm fahren. Im Schlepptau von Krankenwagen sind immer mehrere Autos, die die mit der Sirene geschaffene Schneise aggressiv nutzen.

Die App Waze wird hier sehr intensiv genutzt, sodass sie relativ zuverlässig und daher empfehlenswert ist. Uber ist zuverlässig, die Zahl der verfügbaren Fahrzeuge ist allerdings seit einer Gesetzesänderung, die Ausländern das Fahren als Fahrer verbietet, beschränkt. Taxis fahren ohne Taxamater, daher ist es zwingend notwendig, den Preis vor Beginn der Fahrt auszuhandeln!

Sie sollen auf keinen Fall Road-Rage haben, ansonsten wird Panama eine Katastrophe für Sie. Reagieren Sie auf Gehupe einfach cool und erwiedern Sie den Gruß mit Ihrer Hupe. Viel Spaß beim Fahren in Panama! 🙂

 

 

 

 

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Verschwendung lohnt sich nicht

Der Verkäufer meines Autos hatte mir mündlich zugesichert, die Schlüssel zu ersetzen. Bei beiden war die Fernbedienung nänlich defekt. Ich habe es schließlich selbst gelöst und er erklärte mir, er werde sein Wort halten und mir die Kosten ersetzen. Ich schrieb ihm also, teilte ihm mit, dass ich das Ersetzen deutlich günstiger als erwartet (eigentlich sollte ein Schlüssel über 400 Dollar kosten) machen konnte und bat ihn um die Bezahlung. Er sagte mir, seiner Firma gehe es schlecht und er werde bezahlen, sobald er Geld habe.

Inzwischen sind mehrere Monate vergangen und ich bat ihn um die Bezahlung. Er schreibt mir, seine Firma gebe es nicht mehr und verkaufe gerade alles, um seine Familie überhaupt noch ernähren zu können. Mitleid kann ich allerdings keines empfinden, obwohl er zwei junge Söhne hat. Wahnsinnig unverantwortliches Verhalten muss Konsequenzen haben!

 

Als ich mein Auto, von ihm kaufte, war das Auto noch mit knapp über 10.000 Dollar finanziert. Er war dabei damals nicht in der Lage, diesen Kredit selbst abzubezahlen, bevor ich ihm den Kaufpreis übergebe. Vielmehr musste er von dem Kaufpreis sofort das Geld für den Kredit nehmen.

Dies verzögerte den Verkauf, da zunächst die Bestätigung der Versicherung der vollen Bezahlung aller Schulden notwendig war, bevor ich das Auto in der Behörde übertragen konnte. Ansonsten wäre das Auto mit der Grundschuld auf mich eingetragen worden. Das funktioniert hier in Panama mit Autos nämlich so ähnlich, wie in Deutschland mit Immobilien. Autos werden in einem zentralen Register umgeschrieben, das auch ausstehende Schulden erfasst.

Während er Verkauf lief, war ich bei ihm in seiner Wohnung und sah mindestens zwei hochwertige Rennräder, darunter ein Triathlon/Zeitfahrrad, und natürlich einen gewaltigen Fernseher. Die Wohnung war gekauft. Er selbst fuhr einen BMW X5 und hatte noch ein weiteres hochwertiges Auto, an dessen Marke ich mich nicht mehr erinnere. Neben dem Ford Mustang Cabrio, den er mir verkaufte. Und neben einer Harley Davidson.

Jedes Wochenende war er am Strand, was in Panama City bedeutet, dass man 1-3 Stunden mit dem Auto aufs Land fährt und sich dort für mindestens 50 Dollar pro Nacht etwas mietet – wenn man nicht gleich ein eigenes Strandhaus kauft.

Er gab also Geld mit beiden Händen aus, während er läppische 10.000 Dollar für ein finanziertes Auto nicht bezahlen konnte.

Er erzählte mir damals, er sei Venezolaner und eigentlich Anwalt. Als er bei einem Raubüberfall angeschossen wurde, ging er nach Panama und rutschte hier über einen Kontakt ins Baugewerbe, wo er bei Großprojekten mit seinem Verhandlungs- und Organisationsgeschick bei der Fertigstellung half. Ich kenne die Begriffe nicht, aber wenn ich es richtig verstehe, wurde er von Bauherren für die Fertigstellung beauftragt, woraufhin er Subunternehmer suchte, die dann Fenster und Sanitäranlagen einbauen und möglicherweise auch gleich die Objekte möblieren.

Sein Gewerbe lief damals angeblich gut. Offensichtlich zumindest gut genug, dass er jedes Wochenende mit der Familie an den Strand fahren konnte und drei chice Autos, sowie eine Wohnung in ordentlicher Gegend besaß.

Dies ist kaum sechs Monate her und nun verscherbelt er alles, was nicht niet- und nagelfest ist, um seiner Femilie Essen auf den Tisch zu bringen.

Vielleicht hätte er dann besser nur ein harmloses Auto für sich gehabt, während seine Frau die günstigen Taxis nutzt? Da ich ein Fahrrad suche, dachte ich mir, ich frage ihn, ob er noch welche hat und sie verkauft. Seine Antwort:

Ja, ich verkaufe eines. Es ist ein Scott Foil 10. Es hat elektrische Ultegra-Schaltung und Profile Design Reifen. Es ist von 2017, kaum genutzt. Ich habe 7.000 Dollar bezahlt und biete es für 3.300 Dollar an.

Was zum Teufel soll ich mit einem Fahrrad, auf dem sich kein Tour de France Sieger unwohl fühlen würde? Wofür brauche ich, dessen Jahresrekord bei 6.500 Kilometern liegt, ein Rennrad für einen mittleren fünfstelligen Betrag mit elektrischer Schaltung, als würde ich Rennen fahren, bei denen es auf Zehntel ankommt? Und dann natürlich „kaum genutzt“.

 

Der Venezoelaner hat gemacht, was zu viele machen, sobald sie einmal ein gutes Einkommen haben. Er ist davon ausgegangen, dass es immer so weiter geht, hat keinerlei Rücklagen gebildet, das Geld mit beiden Händen rausgeworfen und dabei Dinge gekauft, die er nicht braucht. Er hat wachsenden Einnahmen rapide wachsende Ausgaben gegenübergestellt und dabei wohl vor allem Dinge gekauft, um anderen damit zu imponieren. Dinge, die er sich dabei noch nicht einmal leisten konnte.

Denn auch wenn das heute dem Zeitgeist widersprechen mag: Das einzige, das man sich seriöserweise finanzieren sollte, ist etwas, das Einnahmen erzeugt. Also eine vermietete Immobilie. Wer sich seinen 2 Meter Fernseher oder sein Auto nicht in bar leisten kann, der sollte sparen, statt es auf Pump zu kaufen. Oder, noch besser, sich mit etwas einfacherem, billigeren zufrieden geben.

 

 

 

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Das Leben in Panama (IV): Frustration mit Wohnungen

Ich werde an separater Stelle noch einmal umfangreicher auf Immobilien in Panama eingehen. An dieser Stelle soll es nur um zwei Erlebnisse mit Mietwohnungen gehen.

Meine erste Mietwohnung musste ich nehmen, um nicht allzu lange im Hotel zu sein. Laut Makler sei sie ruhig. Tatsächlich musste ich vier Tage in der Woche Ohrstöpsel tragen, um wegen einer Disco auf einem Dach in 400 Meter Entfernung überhaupt schlafen zu können. In den Ohrstöpseln sehe ich die Ursache für eine Ohrinfektion, für deren Ausheilen ich 4 Wochen und zweimal Antibiotika brauchte.

Als der Putz vom Dach der Garage auf mein Auto fiel, das als Cabrio natürlich besonders empfindlich ist, ignorierte der Vermieter meine Anfrage einfach, doch bitte mit der Verwaltung die Reparatur zu besprechen und mir für die Dauer einen anderen, aktuell nicht genutzten, Parkplatz zuzuweisen. Gleichfalls ignoriert wurde, dass eine Toilette defekt ist, indem nach dem Spülen der Verschluss im Spülbehälter nicht mehr schloss und so das Wasser dauerhaft durchlief. Um es zu Stoppen musste ich den Behälter öffnen und den Verschluss manuell schließen. Entsprechend habe ich die letzten 4 Monate nur noch meine Gästetoilette benutzt, da ich angesichts weiterer Absurditäten keinen Grund sah, selber Geld für eine Reparatur in die Hand zu nehmen. Ach ja: Dass die Bodenleiste der Küche nicht befestigt war, verkaufte mir die Frau des Inhabers als Feature. Das sei überall in Panama so, damit man dahinter putzen könne. Was natürlich eine glatte Lüge war.

Jetzt bin ich in meiner neuen Wohnung und entgegen der Vereinbarung sind zwei Stangen im Kleiderschrank nicht angebracht. Angeblich liegen sie bei der Verwaltung, die das aber abstreitet. Ich lebe also seit einer Woche aus Koffern in meiner eigenen Wohnung.

Gestern habe ich schon von meinem Erlebnis mit dem Autoreifen erzählt, wo mir zugesichert wurde, ich dürfe ihn vor dem Parkplatz ablegen, um dann zu erfahren, dass dies strafbewehrt ist. Vor der Unterzeichnung des Mietvertrages hatte ich gleichzeitig bezüglich eines Kajaks angefragt. Ich möchte mir zum Angeln einen Kajak kaufen, der ja irgendwo gelagert werden muss. Mir wurde damals gesagt, ich könnte ihn vor dem Auto auf dem Parkplatz lagern oder vor der Tür oder einfach an den Pfeiler neben meinem Parkplatz lehnen.

Angesichts meiner Erfahrung mit dem Autoreifen bat ich nun die Administration um Auskunft, wo ich denn eine verbindliche Antwort bekomme, wo ich den Kajak lagern dürfe. Als Antwort kam: „Entiendo“, also „Ich verstehe“. Eine weitere Antwort ist nicht zu bekommen. Gleichfalls vergeblich sind Fragen bezüglich der beiden Leisten für den Kleiderschrank beim Makler und der Administration.

Eigentlich logisch: Jetzt hat man ja mein Geld. Wieso also jetzt noch auch nur einen Finger unnötig krumm machen? Wenn ich den Kajak für 1200 Dollar kaufen sollte, könnte ich nun anschließend erfahren, dass ich ihn übrigens dort nicht lagern dürfe. Also müsste ich ihn anschließend in meine kleine Wohnung tragen oder aber für 600 Dollar im Jahr einen weiteren Parkplatz oder einen Lagerraum mieten. Ich will jedoch gerade einen Kajak, um für mein „Anglerboot“ keine dauerhaften laufenden Kosten zu haben.

Letztendlich werde ich nun wohl, sollte ich nicht irgendwann doch noch eine zufriedenstellende Antwort bekommen, keinen Kajak kaufen und die beiden Stangen für meinen Schrank selbst besorgen müssen. Wohl inklusive Werkzeug, da ich natürlich nichts habe.

Auch das ist Panama.

 

 

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Das Leben in Panama (III) – Zuverlässigkeit und Internet

Ich bin in eine schöne neue Wohnung umgezogen. Da ich bei meiner alten Wohnung die Vorgabe in der Hausordnung hatte, wonach mir das Lagern von Reifen auf dem Parkplatz verboten war, habe ich dieses Mal extra nachgefragt. In Begleitung des Maklers sagte mir eine Angestellte der Verwaltung, dass das kein Problem sei.

Heute kommt, als ich aus der Stadt zurückkomme, der Schichtleiter der Sicherheit zu mir und weist mich darauf hin, dass das Lagern eines Reifens an meinem Parkplatz verboten sei. Ich weise ihn auf die Aussage von der Verwaltung hin, woraufhin er mir eine Liste der Strafen zeigt, die bei Verstößen gegen die Hausordnung anfallen. Demnach darf ich nun wohl dankbar sein, dass mir (bislang) die 50 Dollar nicht berechnet wurden. Da der Reifen doch schon relativ weit abgefahren ist, hoffe ich nun, dass ich nicht auch noch für das Werfen in den Müll bestraft werde, weil er nicht in die Mülltonne passt.  (Mülltrennung ist hier unbekannt)

In der Wohnung brauche ich natürlich auch Internet, also habe ich meinen Vertrag von der alten auf die neue Wohnung umgeändert. In Panama-Stadt sind bei meinem Anbieter bis zu 1 GBit möglich.

Ich habe bei der Änderung darum gebeten, die Leitung von 30/5 MBit auf 100/10 MBit zu ändern, was nur 3 Dollar zusätzlich im Monat kostet. Die Mitarbeiter des Anbieters kamen wie vereinbart und schlossen das Gerät an. Um anschließend eine Stunde in meiner Wohnung zu sitzen und sich YouTube-Videos anzusehen. Das ist vermutlich die Funktionsprüfung…

Anschließend war die Leitung immer noch bei 30MBit, doch eine E-Mail änderte das unkompliziert. Interessanter war jedoch, dass das alte Modem, das ich ausdrücklich mitbringen sollte, von den Angestellten ignoriert wurde. Sie hatten ein neues Modem mitgebracht und das alte einfach liegen gelassen. Als gerade der Strom ausfiel, ging auch das Modem aus. Während das alte Modem eine Batterie hat, hat das neue keine. Warum auch immer. Somit ist dann künftig auch das Internet weg, bis die Generatoren meiner Anlage die Versorgung übernehmen. Ob mir nun ein zweites Modem in Rechnung gestellt wird, ist unklar, aber wohl zu erwarten.

Da die Modems durch den Anbieter verschlüsselt sind, kann ich auch kein anderes verwenden. Dem Nutzer wird kein Zugang zum Rooter gewährt. Stattdessen erhält man von den Angestellten den Namen des WLAN und den Zugangscode. Eine Änderung des Passwortes ist damit ebenso unmöglich, wie sinnvolle Änderungen an den Einstellungen, zu denen man persönlich befähigt sein könnte. Entsprechend kann ich auch nicht einfach mit den neuen Zugangsdaten das alte Modem weiternutzen.

 

 

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Das Leben in Panama (II) – Politische Einstellungen der Einwanderer

Das Spannende an Panama ist, dass von ein paar Hippies abgesehen, jeder Einwanderer hier rechts ist.
An sich klar, denn in ein Land ohne Sozialsystem wandert keiner ein, der an Umverteilung glaubt und als Soyboy unter Testosteronmangel leidet. Selbstbewusste und Starke, die glauben sie können für sich selbst sorgen, sind rechts.

Gerade habe ich mit einem Italiener gesprochen und war vorsichtig, weil Politik ja immer ein heikles Thema ist. Er hat dann erklärt, Italien sehe heute aus wie Afrika, feiert Salvini und sagt, Muslime die auch nicht anpassen sollen in ihren „Müllländern“ bleiben. Er selbst erklärt er sei „extrem rechts“. Jeder Europäer hier ist rechts. Oder zumindest fast jeder.

Aber, lustigerweise, wer gerade aus den USA kommt, kommt wegen Trump. Das heißt, die die Amerikaner hier sind „links“, was natürlich kein Widerspruch ist. Denn der normale „linke Amerikaner“ ist in Europa immer noch eine Mischung aus klassischem Liberalen und Konservativen.

Beim Gespräch mit anderen Einwanderern komme ich mir manchmal vor, als sei ich der Linkeste hier. 🤣

 

 

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Das Leben in Panama (I): Höflichkeit

Ich lebe nun seit fast einem Jahr in Panama und lerne das Land noch immer kennen. Auf Facebook habe ich immer wieder Details aus dem Land veröffentlicht, aber vielleicht interessiert das ja auch meine Leser hier. Daher werden die Einträge von Facebook nach und nach hierher übertragen, während neue Berichte von nun an zuerst hier erscheinen werden.

 

Höflichkeit

Panameños sind extrem höflich. Jeder wünscht einem einen guten Morgen oder guten Abend, beim Betreten des Aufzuges wird man begrüßt und man verabschiedet sich. Wenn man wie ich um Höflichkeit bemüht ist und sich beim Durchgehen einer Tür umsieht, ob noch andere durchgehen wollen und dann die Tür aufhält, In Deutschland habe ich es dagegen oft genug erlebt, dass andere es wie eine Selbstverständlichkeit sahen, wenn man ihnen die Tür aufhielt. Als sei man ein Portier. Nur dass hier auch dem Portier dafür gedankt würde.

Panameños respektieren ihre Alten ganz besonders. Es gibt sogar ein Gesetz, das Jubilados Vorzüge einräumt. Sie erhalten beispielsweise günstigere Preise in öffentlichen Verkehrsmitteln und meines Wissens müssen (!) Restaurants und Kinos ihnen einen Rabatt einräumen. In Behörden und Banken gibt es eigene Schalter für Jubilados, die daraufhin natürlich viel kürzer anstehen müssen.

Ein Freund sagte mir, die Ubahn der Stadt habe keine Sitzplätze. Wie, keine Sitzplätze? Naja, natürlich habe sie welche, aber die Einheimischen stehen alle für Frauen auf. Das heißt, es sitzen nur Senioren und Frauen, Männer stehen alle. In Deutschland ist es dagegen inzwischen eine Besonderheit, wenn jemand auch nur für gehbehinderte Senioren in der Straßenbahn aufsteht.

Als ich mit einer Bekannten zu einer Behörde gegangen bin, wurden wir an der Schlange vorbeigewunken, da sie an Krücken ging. Der Umstand, dass sie in dem Moment gehbehindert war, sparte uns also rund 30 Minuten Wartezeit.

Wie das alles allerdings mit der völlig mangelnden Pünktlichkeit einher geht, ist für einen Deutschen nur schwer zu begreifen. Man erscheint pünktlich zum Termin, der andere kommt aber gerne mal erst eine Stunde später. Eine Nachbarin ist Ärztin und hat mir erzählt, teilweise kommen die Patienten zu ihrer eigenen Operation zwei Stunden zu spät. Als Deutscher empfinde ich das als Affront, weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe. Aber hier ist es normal.

Normal bedeutet aber keineswegs, dass sie sich des Problems nicht bewusst wären. Es gibt beispielsweise Memes im lokalen Teil des Internets und auf lokalen Webseiten und Facebookseiten, wo unter der Überschrift: „Wie kannst Du Panama besser machen“ immer als Punkt 1 steht: „Sei pünktlich“.

Lustigerweise stand in einem Buch über Panama, dass die Einheimischen immer zu spät seien – von Ausländern aber Pünktlichkeit erwarten.

 

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