Konflikt zwischen zwei Reichen: Großbritannien und das Deutsche Reich auf Konfrontationskurs

Das Deutsche Kaiserreich und das britische Empire stießen im Ersten Weltkrieg als Feinde aufeinander, soviel ist bekannt. Grund hierfür wird gerne das deutsche Flottenrüsten genannt, wer sich ein wenig detaillierter auskennt hört, dass das Empire die Garantiemacht für Belgien war und damit in den Krieg gezogen wurde. Was weniger bekannt ist, ist dass beide Staaten nicht viele Jahre zuvor über ein mögliches Bündnis gesprochen haben.

 

Großbritannien suchte einen Bündnispartner

Robert K. Massies „Dreadnought“ habe ich mir vor Jahren gekauft, weil ich darin ein Buch über Schlachtschiffe erwartet hatte. Angesichts der Bewertungen und des Autors, ein Gewinner des Pulitzerpreises, hielt ich eine genauere Beschäftigung mit dem Buch für nicht nötig.
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Podiumsdiskussion Interventionismus und Internationale Konflikte mit Prof. Ekkart Zimmermann bei ESFL München

Im November habe ich bei der ESFL-Konferenz in München die Ehre gehabt, mit Prof. Ekkart Zimmermann über Interventionismus und internationale Konflikte zu sprechen. Prof. Zimmermann

Sons of Libertas haben das Gespräch freundlicherweise aufgenommen und geschnitten und mir erlaubt es zu nutzen. Herzlichen Dank dafür!

Mit Dank an Sons of Libertas für Aufnahme und Schnitt!

Prof.Dr.Ekkart Zimmermann & Torsten Heinrich diskutieren über Internationale Konflikte und außenpolitischern Interventionismus.

Die Sons of Libertas zu Gast auf der European Students for Liberty regional Konferenz in München.

Ekkart Zimmermann (geb. 8.8. 1946) war seit 1981 o. Professor für Soziologie an der Universität der Bundeswehr München. Er studierte Nationalökonomie, Finanzwissenschaft, Recht, Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln und für ein Semester in Berlin an der Freien Universität (1967/68). Sein Diplom und seinen Doktortitel (rer. pol.) erwarb er an der Universität zu Köln in den Jahren 1970 und 1975, die Habilitation erfolgte an der Universität Wuppertal (1979). Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. auf den Gebieten der vergleichenden Krisen- und Konfliktforschung, der sozialen Schichtung und der sozialwissenschaftlichen Methodologie. Er hat zum Jahresbeginn 1993 den Ruf auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Makrosoziologie an der Technischen Universität Dresden angenommen.
Zimmermann hat Fellowships (Gastprofessuren) an der Universität Essex (Department of Government, European Leverhulme Fellow) im Jahre 1973-74, an der University of South Carolina im Jahre 1986 (International Studies Association Scholar) und an der Yale University im Jahre 1989 (Department of Sociology) wahrgenommen. Ab 2004 mehrfach als Gastprofessor an der Universität Fribourg. Ab 2005 Lehre auch an der Hochschule für Politik, München. Zahlreiche Forschungsbeihilfen nationaler und internationaler Institutionen. Mehrfache Mitwirkung als stimmberechtigter Gutachter des Wissenschaftsrates.
In Lehre und Forschung setzt er sich neben langjähriger Methodenvermittlung u.a. mit folgenden Themen auseinander: Systemtransformation und demokratische Konsolidierung; Rechtsextremismus und soziale Vorurteile; Soziale Bewegungen, Protest, Gewalt und Revolutionen; Terrorismus; Wirtschafts- und Organisationssoziologie; Modernisierungs- und Entwicklungstheorien; Globalisierungsprozesse; Ungleichheit und Wachstum; Migration und multikulturelle Gesellschaft. Seine umfangreichste Veröffentlichung „Political Violence, Crises, and Revolutions“ ist 2011 als Klassiker Revival bei Routledge in New York erschienen.
Ab dem 1.10.2011 ist er Emeritus an der Technischen Universität Dresden. Im Herbstsemester 2011 unterrichtet er an der ETH Zürich („Modelle der Globalisierung“ – und „Politische Gewalt“ im April 2013) und der Universität Fribourg („Politische und ökonomische Konflikte“). Weitere Forschungs- und Lehraufenthalte in Japan und an der Stanford University sind für 2013 f. geplant. Ab dem Herbstsemester 2013 unterrichtet er in dem neuen Studiengang „Sociology, Politics & Economics“ an der Zeppelin Universität. Er steht für breite wissenschaftliche Beratung und Vorträge auf den genannten und anderen Gebieten zur Verfügung.

http://www.sonsoflibertas.com

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Zwei Reiche der Mitte

„Geschichte wiederholt sich“ ist ein geflügeltes Wort. Bei einer unzähligen Auswahl und keinerlei Limits bei der Interpretation stimmt dies immer irgendwie – oder auch nicht…

Die Volksrepublik China ist natürlich nicht eine Reinkarnation des Zweites Deutschen Kaiserreichs (1871-1918). Allerdings gibt es doch eine ganze Reihe an Ähnlichkeiten. Eine Vergleich kann nicht nur interessant sein, sondern auch mögliche zukünftige Entwicklungen andeuten.

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Das Ende des Chinesischen Bürgerkriegs 1948/49

Chiang Kai-Shek. Eine solche Paradeuniform trug er allerdings fast nie. Er gab sich immer bescheiden und bediente sich, trotz aller Kleptokratie in der KMT, nie an den Staatsfinanzen.

Nachdem die Schlacht um die Mandschurei verloren war,gab Chiang Kai-Shek den Bürgerkrieg auf dem Festland offensichtlich auf. So wies er seinen Adoptivsohn Chiang Wei-Kuo an, die M3A2 Panzer seiner Panzerdivision (Der Sohn war Panzergeneral, hatte seine Ausbildung an der Militärakademie in München erhalten und war am „Anschluss“ in deutscher Uniform beteiligt gewesen) nach Taiwan zu verschiffen, als noch nicht einmal Peking gefallen war!
Anschließend wies er immer wieder Generäle an, einzelne Städte bis zum letzten zu verteidigen, statt einen strategischen Rückzug hinter den Huang-He oder den Yanktse-Kiang durchzuführen. Jay Taylor glaubt in seiner Biographie über „The Generalissimus„, dass der Gedanke dahinter folgender war: Er wollte eine Zweiteilung Festlandchinas verhindern und zugleich das Aufkommen einer Opposition innerhalb der KMT vermeiden. Hätte die KMT nämlich eine der beiden Flusslinien halten können, so wäre China de facto zweigeteilt gewesen.

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Trailer zu Ore wa, kimi no tame ni koso shini ni iku

Der Film handelt von Kamikazefliegern im Pazaifikkrieg und ihren Einsätzen. Der Trailer verspricht ein qualitativ sehr hochwertiges Kriegsdrama und scheint sehr sehenswert – vor allem wenn man wie ich seine MA über die Japanische Kriegsmarine geschrieben hat. 🙂

Die Schlacht um Midway – Die Fakten


Yamamotos Flaggschiff, die Yamato

Mit dem 70. Jahrestag der Schlacht um Midway befassen sich gerade allerlei Publikationen mit dem Thema. Die vermittelten Informationen beruhen dabei allerdings noch weitestgehend auf Fushida, der in Japan seit Jahrzehnten als Hochstapler und Schwätzer enttarnt ist.

Auf Basis eines Artikels bei WELT ONLINE von Berthold Seewald möchte ich einige Mythen richtigstellen und die neuesten Forschungsergebnisse präsentieren:

Yamamoto war derart von seiner Überlegenheit überzeugt, dass er zur Täuschung ein Ablenkungsmanöver gegen die westlichen Aleuten-Inseln, die zum US-Bundesstaat Alaska gehörten, in Gang gesetzt hatte.

Das ist falsch. Ein Ablenkungsmanöver müsste entsprechend zeitlich angepasst sein, was Operation AL nicht war. Zum Herauslocken der feindlichen Flotte, wie oftmals kolportiert wird, hätte die Operation AL Tage vorher stattfinden müssen, um den Gegner in Richtung der Aleuten zu locken.
Tatsächlich sind die Aleuten viel zu weit weg, um irgendeinen Effekt auf eine potentielle Schlacht bei Midway haben zu können. In Wirklichkeit sollte Operation AL zeitgleich mit der Invasion Midways stattfinden, um davon profitieren zu können, dass die USN anderenorts beschäftigt ist. Das Ziel der Operation war die Besetzung von Attu und Kiska, sowie die Ausschaltung von Dutch Harbor, nicht ein wie auch immer geartetes Ablenkungsmanöver!

Im Gegensatz zu Nimitz, der seine Flotte vom sicheren Pearl Harbor aus dirigierte, befand sich Yamamoto auf dem Superschlachtschiff „Yamato“, das zur Hauptflotte gehörte. Um die Funkstille nicht zu stören, konnte er daher nicht mit seinen Admiralen offen Kontakt halten, mit dramatischen Folgen. Bereits am 30. Mai empfing er Signale, die auf die Anwesenheit amerikanischer Träger bei Midway hindeuteten, konnte sie aber nicht an seine Luftwaffe weitergeben.

Die Yamato war mit den notwendigen Kommunikationseinrichtungen ausgestattet, um Flottenoperationen führen zu können, ganz im Gegenteil zu der drückenden Enge auf der Insel der Akagi.
Doch Yamamotos Halten der Funkstille ist nicht im Geringsten als ein Vorenthalten von Informationen zu verstehen. Tatsächlich war auch die Kido Butai mit allen notwendigen Kommunikationsmitteln ausgestattet um die Nachrichtendienstlichen Funksprüche aus der First Communications Unit in Tokyo zu erhalten. Es gab für Yamamoto schlicht keinen Grund anzunehmen dass Nagumo nicht voll im Bilde sein könnte.

Als dem japanischen Kommandeur Nagumo (er hatte auch den Angriff auf Pearl Harbor geführt) gemeldet wurde, dass ein zweiter Angriff nötig sei, ließ er eine zweite Welle seiner Maschinen für Angriffe gegen Landziele munitionieren. […]

Erst um 7.40 Uhr wurde Nagumo gemeldet, dass sich nördlich von Midway feindliche Marineeinheiten befänden. Umgehend fällte er seinen verhängnisvollen Entschluss: Die Bomber der zweiten Welle sollten gegen Seeziele umgerüstet werden. Zugleich befahl er, mit voller Kraft dem Feind entgegen zu fahren, zum einen, um die rückkehrenden eigenen Maschinen aufzunehmen, zum anderen, um die Vernichtungsschlacht zu führen.

Da die in Reserve gehaltenen Flugzeuge zum Einsatz gegen eventuell auftauchende Schiffe nicht startbereit an Deck standen wäre es praktisch unmöglich für Nagumo gewesen,  seinen Angriff auf die US Flugzeugträger zu starten bevor die Flugzeuge von Tomonagas Angriff auf Midway zurückkamen. Auf zeitgenössischen Flugzeugträgern ohne schrägem Flugdeck konnten Flugzeuge jedoch nur entweder Landen oder Starten, nicht beides gleichzeitig.
Die ständigen Angriffe auf die Kido Butai in der Folgezeit verhinderten darüber hinaus effektiv das Vorbereiten eines eigenen Angriffs.

In den Hangars stapelten sich bald Bomben und Torpedos, die normalerweise in die sicheren Munitionsdepots gebracht worden wären. Für die Betankung der Rückkehrer standen Treibstoffaggregate bereit. Da erreichten die Torpedobomber der „Hornet“ und „Enterprise“ die japanischen Träger.

Was Seewald mit „Treibstoffaggregaten“ meint ist ein Rätsel. Erfreulicherweise verbreitet er nicht den Mythos von Fushida, dass die Decks der Träger mit Flugzeugen bedeckt gewesen seien, tatsächlich erfolgte gerade die Aufmunitionierung und Betankung in den Hangars. Allerdings wären mir wie auch immer gestaltete „Treibstoffaggregate“ etwas Neues. Das Problem war eher, dass die Hangars mit betankten Flugzeugen befüllt waren und die japanische Seite nur völlig unzureichende Sicherungen gegen Schäden an den Leitungen für Flugzeugbenzin in ihren Schiffen hatte.

Noch einmal zeigte sich die Überlegenheit der kaiserlichen Piloten und ihrer Flugzeuge. Fast alle Angreifer wurden von den Zero-Jägern abgeschossen. Doch während diese noch um die Flugzeugträger engagiert waren, erreichten 68 US-Sturzkampfbomber in etwa 5000 Meter Höhe das Kampfgebiet, nachdem sie sich zuvor verflogen hatten.

Auch hier ist Seewalds Formulierung seltsam und unverständlich. Wenn die Zeros „um die Flugzeugträger“ engagiert sind, so sind sie ja auch in der Lage, die amerikanischen Sturzkampfbomber abzufangen.
Im Allgemeinen wird berichtet, der Angriff der Torpedobomber der VT-8 hätte die Zeros auf Meeresnähe herabgezogen, was den höher fliegenden SDB-2 den  Weg freigemacht hätte. Dies ist falsch, genau wie Seewalds Erwähnung von den 5.000 Metern Flughöhe im Bezug auf die Zeros „um die Flugzeugträger“.

Der Angriff der letzten Torpedobomberstaffel VT-8 auf die Kido Butai erfolgte rund eine Stunde vor dem entscheidenden Angriff durch die Sturzkampfbomber! Dies hätte es den Zeros ohne weiteres ermöglicht erneut auf die vorgeschriebenen Flughöhen und Positionen zurückzukehren. Die Steigleistung der Zero ist zudem mehr als ausreichend, was ein Sinken auf Meereshöhe ebenfalls nicht zu einem Problem macht.
Tatsächlich war das Problem, dass die Zeros mit einem so schlechten Funkgerät ausgestattet waren, dass eine Leitung der CAP (Combat Air Patrol) über der Kido Butai nicht effektiv möglich war.
Die berühmten Angriffe durch die Torpedobomber hatten dabei nicht den Erfolg die Jäger auf Meereshöhe herabzuziehen und damit den SBD-2 den Weg zu öffnen, sondern vielmehr weitere Angriffsvorbereitungen seitens der Japaner zu verhindern. Die japanischen Flugzeugträger konnten wegen der notwendigen Abwehr- und Ausweichmanöver, sowie wegen des notwendigen Durchwechseln und Verstärken des CAP die Arbeiten zur Vorbereitung des eigenen Angriffs nicht fortsetzen.

Den gravierendsten Fehler macht Seewald, mit den meisten darüber schreibenden Journalisten und Autoren jedoch mit der Aussage:

Die Übermacht der Japaner war erdrückend.

Der japanische Aufmarsch stellte sicher, dass die Mehrzahl der eigenen Truppen dem Feind kaum je treffen würden. Yamamoto setzte bei dem Einsatz praktisch jedes verfügbare Schiff ein, was mehr einer Flottenparade denn einer ernstzunehmenden Operation glich. Der Operationsplan war dabei so kompliziert gehalten, dass die Schiffe über hunderte oder gar tausende, bezieht man die Aleuten mit ein, Seemeilen verstreut waren.
Wenn aber die Mehrzahl der japanischen Schiffe weder den Feind erblickten noch von ihm entdeckt wurden kann kaum von einer erdrückenden Übermacht in der Schlacht gesprochen werden.

Nagumos 20 Schiffen standen tatsächlich sogar 25 Schiffe der USN gegenüber. Auf seinen vier Flugzeugträgern hatte er 248 Flugzeuge zur Verfügung. Ihm gegenüber stand die USN mit drei Flugzeugträgern und 233 Flugzeugen auf diesen. Dazu kamen noch einmal etwa 120 Flugzeuge von Midway!
Verglichen mit den vier Flugdecks der Japaner hatten die Amerikaner also auch vier Flugplätze zur Verfügung, von denen einer sogar schwere Bomber trug und noch dazu nicht versenkt werden konnte!

Auf der taktischen Ebene muss also von einer Übermacht der Amerikaner gesprochen werden!

Innerhalb von fünf Minuten hatte Japan den Kern seiner Trägerflotte verloren. Yamamoto wusste, was das bedeutete, brach er doch trotz seiner drückenden Überlegenheit an Schlachtschiffen das Unternehmen ab und ließ die Eroberung der Aleuteninseln als Sieg feiern. Den Verlust seiner Träger hielt Japans Marine dagegen selbst vor der Armee-Führung des Kaiserreichs zunächst geheim.

Dies ist erneut falsch. Yamamotos „Main Body“ mit den Schlachtschiffen um die Yamato war viel zu weit entfernt um überhaupt eingreifen zu können!

 

Weitere Mythen:

Nicht von Seewald, aber in vielen anderen aktuellen Veröffentlichungen in Deutschland:

Japans Flugzeuge waren bereit zum Start für den Angriff auf die US-Flugzeugträger als die Bomben der SBD-2 einschlugen.

Tatsächlich war die Kido Butai noch mindestens 30 Minuten vom Beginn des Starts der Kampfflugzeuge entfernt. Es dürften keine oder kaum Flugzeuge auf Deck gestanden sein.