Holocaust: Man konnte es wissen, musste es aber nicht

In meiner Filterblase auf Facebook geht gerade ein sieben Jahre alter Artikel neu herum. In ihm wird von einem Tagebuch berichtet, das ein Zeitzeuge zur Zeit des Nationalsozialismus geschrieben hat und wie ihm klar war und wurde, dass die NS-Regierung mordet. Er sprach von „der Ausrottung der Juden und Polen“. Lesen Sie den Artikel selbst, er ist es wert.

Geteilt wird dieser Artikel mit zwei Begleittexten. Entweder, dass er belege, damals habe jeder alles gewusst und dürfe sich nicht entschuldigen, oder aber, dass sich in der Zukunft keiner herausreden dürfe, was heute passiere.

Beides ist zu kurz gegriffen.

 

Informationen sind immer verfügbar

Ich erinnere mich an einen Fall vor einigen Jahren, wo ein Professor in Russland zu vielen Jahren Lagerhaft wegen Spionage für die USA verurteilt wurde. Sein Verbrechen: Er hatte Zeitungsausschnitte an die Botschaft der USA geschickt. Zeitungsausschnitte, also frei verfügbare Informationen.

Leider finde ich keine Artikel zu dem Urteil mehr, aber ich habe ein ähnliches Urteil aus Dänemark gefunden, wo ein Hochschullehrer anscheinend wegen der Weitergabe von Kontaktdaten von vielversprechenden Studenten wegen Spionage verurteilt wurde.

Kivimäki would never have received a five-month prison sentence for espionage, had he passed on a list of names of promising students who could be recruited to work for France, the US, the UK or Israel, and if he had passed on information about the director of the Danish Centre for Military Studies to French, American or British diplomats,” he said.

Die Weitergabe von Kontaktdaten von Personen, die garantiert in Sozialen Netzwerken aktiv waren, wurde als Spionage ausgelegt. Weil der Hochschullehrer sie Russen gegeben hatte, die von der Justiz als Agenten identifiziert wurden. Auch hier wurden keine Geheimdokumente weitergegeben. Niemand lief mit einer Kamera im Knopfloch herum und fotografierte militärische Anlagen oder Blaupausen. Es wurden frei verfügbare Informationen gesammelt.

Tatsächlich ist es nämlich so, dass fast immer fast alles bekannte Wissen mit ein wenig Arbeit verfügbar ist, heute dank Internet natürlich noch viel mehr als früher. Egal was Sie lernen wollen, Sie werden mit Fleiß und Intelligenz die notwendigen Informationen beschaffen können.

Elliot Higgins, ein Studienabbrecher und Angestellter hat daraus eine Karriere gemacht, indem er während seiner Arbeitslosigkeit Videos und Bilder aus Syrien ansah und sich im Internet die Informationen beschaffte, was das für Technik sei. Ohne jeden militärischen oder fachlichen Hintergrund machte er sich so selbst zu einem Experten für die verwendeten Waffen in Syrien und zu einem Fachmann für Open Source Recherche. Heute unterrichtet er seine Methoden sogar. Das von ihm gegründete Unternehmen Bellingcat konnte unter Heranziehung der unterschiedlichsten freien Informationen wie Bilder von Webseiten, Google Maps, Fotos auf Sozialen Netzwerken, etc., die Position von russischer Artillerie, die auf ukrainische Truppen schoss, akkurat innerhalb Russlands identifizieren, sie konnte den Ort von Hinrichtungsvideos erkennen und vieles mehr.

Der Schauspieler Shia LaBeouf hat im Rahmen einer Kunstaktion gegen den US-Präsidenten Donald Trump eine Fahne mit „He will not divide us“ an einem geheimen Ort in den USA aufgehängt. Die Fahne war in nur knapp über einem Tag gefunden und entfernt. Die Trolle hatten dabei Sternenkonstellationen und Kondensstreifen analysiert, um den Ort innerhalb des gewaltigen Landes einzugrenzen.

Doch während alle Informationen verfügbar sind, kommt es darauf an, sie zu nutzen. Und vor allem: Sie richtig zu nutzen. Die Auswahl, welche Informationsquellen zuverlässig sind und welche man nutzt und wie man sie nutzt ist die wirkliche Kunst. Man muss auch intelligent und kreativ genug sein, um selbst auf die Idee zu kommen, gewisse Informationen als Quelle zu nutzen. Und diese anschließend mittels Quellenkritik (Hier ein längerer Artikel zur Quellenkritik von mir) richtig bewerten.

Es kommt also darauf an, was Sie mit den Informationen machen!

 

Man muss halt Fragen stellen – und zwar die richtigen

Friedrich Kellner, der Protagonist aus dem eingangs verlinkten Artikel, verwendete teils sehr kreative und an sich krude Methoden, um an Informationen zu kommen. Er nahm beispielsweise die Zahl der Todesanzeigen einer Zeitung, multiplizierte sie mit der Zahl der Tageszeitungen und multiplizierte das mit der Zahl der Tage des Monats. So kam er zu einer Rate von mindestens 30.000 gefallenen Deutschen pro Monat. Selbstverständlich ist eine solche Rechnung unsinnig und bestenfalls eine sehr grobe Annäherung, für ihn diente sie jedoch als Mittel, um zu erkennen, wie verlustreich der Krieg war.

Die jeweils aktuelle Propagandawelle setzte er in Beziehung zu dem, was oft nur wenige Wochen zuvor berichtet worden war oder was die NS-Funktionäre vor Jahren gesagt und geschrieben hatten.

Um das zu können, muss man über ein ausreichendes Gedächtnis und die Zeit für intensive Zeitungslektüre verfügen. Gleichzeitig muss man aber auch in der Lage sein, die Wichtigkeit zu erkennen und den entscheidenden Aussagen zu glauben. Und während einem das keine belastbaren Informationen gibt, so kann man daraus doch Schlüsse ziehen. Hitler sagte in einer Reichstagsrede vor Kriegsbeginn Folgendes:

„Ich will heute wieder ein Prophet sein, wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.“

Wenn sich Friedrich Kellner an diese Rede erinnerte, und als an ein internationales Publikum gerichtete Reichstagsrede muss sie jedem zugänglich gewesen sein, der sich für die Politik interessierte, so konnte er eins und eins zusammenzählen, was wohl mit den Juden passiert, die abgeholt wurden, deren Hab und Gut zurückblieb und deren Wohnungen sofort umverteilt wurden. Dazu brauchte er keinen Zeugen, der ihm von Massenerschießungen an der Ostfront berichtete, den er aber sogar hatte.

Man konnte es also unzweifelhaft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wissen, dass den Juden Furchtbares angetan wird, auch ohne selbst Zeuge geworden zu sein oder Zeugen gehört zu haben. Doch können heißt nicht müssen.

 

Paranoia oder Durchblick?

Verzeihen Sie mir bitte die Geschmacklosigkeit vom Holocaust eine Parallele zur heutigen Politik zu ziehen, doch manche Vergleiche müssen vielleicht hinken, wenn man Dinge herausarbeiten will.

Wer mich öfter liest, weiß, wie ich die aktuelle Massenzuwanderung bewerte. Ich habe ja sogar ein Buch darüber geschrieben. Meine Erwartungen sind verheerend und ich sehe eine Prognose nach der anderen eintreffen. Dabei bin ich weder ein Prophet, noch ein Hellseher. ich habe einfach frei verfügbare Informationen aneinander gefügt und daraus Schlüsse gezogen. Damit war ich keineswegs alleine, auch wenn die Mehrheit des Landes es im Besonderen 2015/16 noch deutlich anders sah.

2016 habe ich mit Freunden gegrillt, wobei auch ein Nachbar der Freunde anwesend war, den ich seit Jahren kenne und mag. Dabei kam es auf die Zuwanderung zu sprechen und die Stimmung wurde giftig. Der Nachbar, ein unheimlich sympathischer und netter Typ, erwiderte empört: „Ist denn irgend etwas für Dich schlechter geworden, durch die Flüchtlinge?“

Ich muss hier nicht über die Kriminalitätszahlen oder die explodierenden Zahlen an Gerichtsverfahren wegen Terrorismus referieren – und hier soll es ja auch nicht um dieses Thema gehen –  doch als ich den Mann im Sommer 2018 in Deutschland auf der Hochzeit meiner Freunde wieder traf, sagte ich zu ihm, ich wolle hier weiß Gott keine politische Diskussion anfangen. Ich wolle ausschließlich wissen, ob er es immer noch so sehe.

Er zeigte daraufhin auf die Hochzeitsfeier, die eine geschlossene Gesellschaft in einer Hafenbar war, und fragte mich: „Und? Siehst Du hier irgendetwas? Ist hier irgendwas schlechter wegen der Flüchtlinge?“

Auf einer geschlossenen Gesellschaft wohlhabender Deutscher? Natürlich nicht. Aber wenn es als Maßstab ausreicht, dass man in der eigenen Wohnung noch immer Strom und Wasser hat, dann wird so schnell tatsächlich gar nichts schlechter. Wenn es egal ist, ob sich andere nachts nicht mehr in den Park trauen, solange eine geschlossene Gesellschaft keine Einschränkungen hat, dann ist tatsächlich nichts schlechter geworden.

Was die Motivation dieses Mannes ist, weiß ich nicht. Tatsache ist, dass er mir (und vermutlich sich selbst) glaubhaft verkaufen will, nichts habe sich zum Schlechten verändert. Er glaubt es selbst. Dabei könnte er es sehen, würde er mit meinen Augen in die Welt blicken. Das tut er aber nicht.

Ich habe in einem früheren Artikel hergeleitet, dass die Regierung die juristischen Mittel für eine Diktatur geschaffen hat. Von Lesern wurde mir expressis verbis mitgeteilt, ich sei paranoid. Werden diese juristischen Mittel einmal wie skizziert zur Vernichtung der Existenz Oppositioneller angewendet, war ich derjenige, der es ganz früh erkannt hat und es mit frei verfügbaren Informationen kommen sah. Kommt es allerdings nicht, wird sich keiner an mich erinnern oder bestenfalls über mich lachen. Dann war ich bestenfalls der Irre, der glaubte, die Regierung wolle Böses. Oder eben der Irre, der glaubte, die Zuwanderung der Flüchtlinge würde furchtbar enden.

Doch zurück zum Holocaust und zu den NS-Verbrechen: Um von den Verbrechen zu wissen, musste man es wollen. Man musste sich selbst Fragen stellen, was wohl mit all den Menschen passiert, die verschwinden. Man musste Soldaten aktiv fragen oder vertrauenswürdig (und damit NS-kritisch) genug erscheinen, damit sie sich einem anvertrauten. Man musste intelligent genug sein, um Informationen aus den verfügbaren Quellen richtig zu kombinieren, All diese Bedingungen waren nicht zu viel verlangt, wurden aber auch bei weitem nicht durch jeden erfüllt.

Manche waren zu dumm, andere zu feige. Wieder andere waren bereits so weit in NS-Kreisen etabliert, dass sich ihnen gegenüber aus Angst vor Denunziation keiner mehr anvertraute, während sie selbst ihre knapp bemessene Zeit mit der Lektüre von nur einer strammen Parteizeitung verbrachten, während natürlich keine Feindsender gehört wurden. Andere hat es schlicht nicht interessiert.

 

Es ist ein Stück weit selbstgerecht, zu urteilen

Ich war im zweiten Semester meines Studiums der Geschichte, als ein Professor in seiner Vorlesung über die Zeit des Nationalsozialismus sagte, er selber wäre im Widerstand gewesen. Ich schrieb ihm daraufhin eine Email und fragte ihn, ob das nicht selbstgerecht sei, sich als jemand, der nach dem Krieg geboren wurde, zum Widerständler zu erklären. Ich bekam keine Antwort und stellte anschließend sicher, nie mehr in eine Veranstaltung dieses Professors zu gehen um so nach Möglichkeit einer eventuellen Bestrafung mittels Benotung für meine Kritik zu entgehen.

Für mich ist und bleibt es nämlich anmaßend, sich als Kind einer Nachkriegsgeneration zum Widerstandskämpfer zu erklären. Wenn Sie heute 100 Menschen fragen, ob sie damals im Widerstand gegen das Dritte Reich gewesen wären, werden sich vermutlich 50 zur Reinkarnation von Graf von Stauffenberg erklären. Natürlich. Wer heute weiß, was damals passiert ist, der muss ja dem Widerstand angehören, wenn er irgendeinen moralischen Kompass hat. Nur ist dies eben das Wissen des Rückblicks und die Gnade der späten Geburt. Wir alle wissen, wozu das NS-Regime geführt hat und würden daher auch Informationen aus der Hand des Regimes unter Einbeziehung dieses Wissens betrachten, ihm also nichts einfach so glauben. Und natürlich: Wenn Sie mich per Zeitmaschine zurück schicken, würde ich mich am Widerstand beteiligen. Wie wohl fast jeder von Ihnen.

Zeitmaschinen sind allerdings Fiktion. Zeitgenossen wussten beispielsweise 1939 eben nicht, dass der Krieg mit Millionen und Abermillionen industriell Ermordeten und zig-Millionen Kriegstoten enden würde. Sie wussten nichts vom Holocaust, oder dass bedingungslos Deutschland kapitulieren und die Sowjetunion halb Europa für 50 Jahre beherrschen würde. Sie konnten es bestenfalls erahnen.

Zeitgenossen fehlte nicht nur das Wissen, das wir in der Rückschau haben, sie waren auch bereits jahrelang der staatlichen Propaganda unterworfen, die ihre tatsächlich vorzeigbaren politischen Erfolge effektiv nutzte, um große Teile des Volkes hinter sich zu bringen oder zumindest von jeder Opposition abzuhalten.

Die einzig ehrliche Antwort auf die Frage. „Wären Sie im Dritten Reich im Widerstand gewesen?“ kann also nur sein: „Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe inständig, ich wäre kein Mitläufer oder gar Täter gewesen, sondern im Widerstand.“ Alles andere ist vermessen.

Um das abzuschließen: Jeder konnte es wissen, der es wissen wollte. Daran kann kein Zweifel bestehen. Der Umfang mag nicht absehbar gewesen sein, aber dass die deutschen Truppen in Osteuropa nicht Glück und Frieden als Befreier brachten, sondern Tod und Verderben, weit über die feindlichen Soldaten hinaus, war evident. Dass die Behinderten, Juden und Zigeuner abgeholt wurden und verschwanden, dass ihr Eigentum vom Staat verkauft wurde, war nicht zu übersehen.

Aber genauso klar ist, dass viele es nicht wissen wollten, weil sie andere Sorgen oder einfach nur Angst vor einer Denunziation hatten. Dass sie auf die Hochzeitsgesellschaft zeigten und sagten: „Wo macht die Regierung hier etwas Schlechtes?“ Dass sie sich einfach nicht dafür interessierten und nie auch nur einen Gedanken dahingehend verschwendeten.

Im Nachhinein daher über die eigenen Eltern und Großeltern zu urteilen, fällt leicht, ist aber vielleicht nicht immer gerecht. Viele von uns haben evidente Entwicklungen um uns herum nicht erkannt. Andere haben Entwicklungen erkannt, die nie eingetroffen sind, sie waren also paranoid.

 

Ich glaube nach wie vor nicht, dass Donald Trump die Republik in den USA beschädigen wird, während intelligente Leute meines Umfeldes nach seiner Wahl das Ende des Westens erklärten und genau diese Erwartung äußerten. Ich glaube nach wie vor nicht, dass die AfD eine Gefahr für die liberale Demokratie ist. Ich glaube nach wie vor, dass die Zuwanderung der sogenannten Flüchtlinge eine Katastrophe ist und dass die Regierung sich mit den Gesetzesänderungen der letzten Jahre eine beängstigende Machtfülle zur Vernichtung der Existenz von Oppositionellen verschafft hat.

Vielleicht liege ich mit all dem falsch. Dann habe ich die offen erkennbaren Zeichen nicht gesehen, dass die AfD das Vierte Reich will und Trump die USA in eine rassistische Diktatur der Weißen verwandeln will. Vielleicht lag ich auch völlig falsch mit meiner Bewertung der Flüchtlingskrise und all diejenigen, die ihr schulterzuckend begegneten und sie gar zur Chance erklärten, hatten Recht. Vielleicht wird der Rechtsstaat halten und keine Regierung je auf die Idee kommen, die ihr zur Verfügung stehenden Mittel je nutzen. Dann war ich nur paranoid.

Der Umstand, dass jeder etwas sehen kann, heißt eben nicht, dass er es sehen muss. Es heißt nur, dass er sich nicht damit herausreden kann: „Ich konnte es nicht wissen.“ Doch, konntest Du.

 

Mein letztes Buch befasst sich mit der „Flüchtlingskrise“ und ist hier käuflich zu erwerben: Nein, wir schaffen das nicht!: Warum die aktuelle Flüchtlingskrise zu einer Staatskrise wird.

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Konflikt zwischen zwei Reichen: Großbritannien und das Deutsche Reich auf Konfrontationskurs

Das Deutsche Kaiserreich und das britische Empire stießen im Ersten Weltkrieg als Feinde aufeinander, soviel ist bekannt. Grund hierfür wird gerne das deutsche Flottenrüsten genannt, wer sich ein wenig detaillierter auskennt hört, dass das Empire die Garantiemacht für Belgien war und damit in den Krieg gezogen wurde. Was weniger bekannt ist, ist dass beide Staaten nicht viele Jahre zuvor über ein mögliches Bündnis gesprochen haben.

 

Großbritannien suchte einen Bündnispartner

Robert K. Massies „Dreadnought“ habe ich mir vor Jahren gekauft, weil ich darin ein Buch über Schlachtschiffe erwartet hatte. Angesichts der Bewertungen und des Autors, ein Gewinner des Pulitzerpreises, hielt ich eine genauere Beschäftigung mit dem Buch für nicht nötig.
„Konflikt zwischen zwei Reichen: Großbritannien und das Deutsche Reich auf Konfrontationskurs“ weiterlesen

Die Geschichte von Tesla Motors

Elon Musk ist einer der faszinierendsten Unternehmerpersonen unserer Zeit, ja vermutlich einer der bedeutendsten Unternehmer zu unseren Lebzeiten überhaupt. Zu seinen Unternehmen gehört nicht nur SpaceX, sondern auch Tesla Motors. Dieses Unternehmen hat Elektroautos zu einer echten Alternative gemacht.

In Business Insider ist ein sehr langer Artikel, der die Entstehung der Firma erzählt. Sehr lesenswert.

Kriegstreiber Russland

Im Ukraine-Krieg ist den meisten Vertretern beider Seiten hier im Westen wohl eines gemein: Es geht eigentlich gar nicht um die Ukraine. Die erbittert geführten „Kommentarspalten-Kriege“ zeichnen sich dadurch aus, dass der Kampf der Ukraine gegen die Invasoren nur ein Stellvertreterkrieg ist.

 

Hauptsache gegen den „Westen“!

Wer nicht ukrainischer Patriot ist oder das Land aus anderen Gründen liebt, der dürfte, wie ich auch, darin vor allem einen Kampf zwischen Freiheit und Despotie sehen. Wie ich in der Vergangenheit bereits geschrieben habe: „Russlands Annexion der Krim im März 2014 war ein Dammbruch. In der Geopolitik des 21. Jahrhunderts wird man möglicherweise entsprechend eine Zeit vor und nach der Krimannexioin sehen. Dabei geht es weniger um eine Halbinsel mit rund 2 Mio Einwohnern und 25.000 km², als vielmehr um den damit gesetzten Präzendenzfall.

Der Gegenseite geht es hingegen vor allem um eines: Putin steht gegen den verhassten „Westen“ und die verhassten USA.

Aus diesem Grund, wird man kaum je eine Argumentation in den Kommentarspalten finden, ob auf dieser Seite hier, auf Facebook oder bei Zeitungen, wo die „Kremlins“ (eine wie ich finde wunderbare Wortschöpfung als Mischung aus Kreml und Gremlins) nicht auf die USA verweisen. Völlig egal, was in Russland passiert. „aber die USA“. Die gute alte Taktik des „Whataboutism“ funktioniert nicht nur zur Verteidigung Russlands, es gilt auch weiterhin die Prämisse: „Ein Krieg beginnt immer erst dann, wenn ein US-Soldat den ersten Schuss abgibt.“

Deshalb sind Russlands Manöver an seinen Aussengrenzen auch dann keine Rede wert, wenn die russischen Truppen eine Invasion ihres Nachbarlandes oder gar einen Einsatz von Nuklearwaffen gegen Nachbarstaaten üben, während eine Übung zur Durchführung von UN-Missionen als „Provokation“ oder „Säbelrasseln“ gewertet wird, auch wenn es vorrangig eine Mission auf Stabsebene ist, mit weitaus weniger Soldaten stattfindet und regelmäßig, auch in der Zeit der Regierung Janukowytsch stattfindet. Es geht an sich um die Ukraine, „aber die USA„.

Neuestes Ergebnis der Propagandisten des Kremls ist, den USA vorzuwerfen, das Land sei den Großteil seiner Existenz im Krieg gewesen.

Kremlin Propaganda
222 von 230 Jahren ihrer Existenz soll sich die USA im Krieg befunden haben, so diese Grafik, deren Aussage mir zuletzt von einem der Zentralorgane der deutschen Verschwörungstheoretiker (auch „Aluhüte“ genannt) gewahr wurde. Um diese Zahl zu erreichen, wurde jede Gelegenheit genommen, bei der ein Schuss gefallen und eine Coladose in der Umgebung gefunden wurde. Ob nun irgendwo ein paar Dutzend Indianer einen „Krieg“ gegen die US-Regierung geführt haben wird genauso als Kronzeuge berufen, wie die Barbareskenkriege oder Angriffe anderer Nationen auf die USA. Selbst der US-Bürgerkrieg darf nicht fehlen, wenn es darum geht die Gefährlichkeit der USA zu belegen und um zu zeigen, wie Boshaft das „US-Regime“ doch ist. Ob die von diesen Propagandisten genannten Zahlen stimmen, weiß ich noch nicht einmal. Ich halte es schlicht nicht den Aufwand wert, es im Detail zu überprüfen, da ich von dieser ganzen Aufrechnung nichts halte.

Dass sich unter diesen Kriegen auch solche finden in denen die USA als tatsächlicher Aggressor beteiligt waren oder eine kaum zu rechtfertigende Intervention durchgeführt haben, soll hier der Vollständigkeit halber nicht verschwiegen werden. Auch wenn ich klar weiß auf welcher Seite ich stehe, bin ich doch nicht blind den Fehlern dieser Seite gegenüber.

 

Russland und die Sowjetunion: Kriegstreiber allererster Güte

Die Aufzählung solcher Konflikte ist meines Erachtens unsinnig. Frankreich hat beispielsweise seit dem Zweiten Weltkrieg wohl nur wenige Jahre ohne militärische Intervention in Afrika ausgelassen. Da es jedoch nicht dem pathologischen USA-Hass unterliegt, interessiert sich kein Kremlin oder Aluhut dafür. Dass man für Kriege auch überhaupt erst fähig sein muss sie zu führen, habe ich bereits in der Vergangenheit erwähnt. Liechtensteins Friedlichkeit seit 1866 mit den Kriegen Russlands und seiner Rechtsvorgänger aufzurechnen wäre daher genauso ungerecht, wie wenn man es der Volksrepublik China anrechnen würde, dass sie in Zeiten völliger militärischer Unterlegenheit Taiwan nicht erobert habe. Kurzum: Diese Aufrechnungen sind völliger Unsinn – auf beiden Seiten. Es wäre so, als würde man Ihnen, lieber Leser, anerkennend aussprechen, dass Sie gestern Ihren Nachbarn nicht erschossen haben – wenn Sie überhaupt keine Schusswaffe besitzen. Würde man solch eine Anerkennung tatsächlich aussprechen wollen, so müsste man zunächst fragen: „Haben Sie überhaupt eine Schusswaffe?“ und dann noch „Hatten Sie ein Motiv?“ Nur wer mit Schusswaffe und starkem Motiv keine Gewalt ausgeübt hat, sollte Anerkennung für seine Zurückhaltung erhalten, nicht wer überhaupt nicht zur Ausübung von Gewalt fähig war.

Daher: Solch eine Aufrechnung kann, wenn sie ernst genommen wird, allerhöchstens als Vehikel zur Präsentation des eigenen Hasses auf ein Land dienen.

Doch lange Rede kurzer Sinn. Diese Propaganda existiert und wird gerade von Kremlins und Aluhüten verbreitet.  Wer im Propagandakrieg nicht unterliegen will, kann Propaganda nur eigene Propaganda entgegensetzen. Daher hier meine Antwort auf die „Die USA sind so böse, weil sie so oft Krieg führen (wobei mich die Umstände genauso wenig interessieren wie ob die USA angegriffen wurden)“:

Russlands Kriege

Die russische Föderation besteht seit 24 Jahren und war nur eines davon (1998) nicht im Krieg. Das sind 4%. Die Sowjetion, der Rechtsvorgänger Russlands, bestand, zusammen mit Sowjetrussland, 74 Jahre. Davon nur 7 ohne Krieg, was nur 9% seiner Existenz ohne Krieg bedeutet. Dies ist das Ergebnis eines kurzen Durchgehens der Listen über die Kriege, an denen die Sowjetunion und sein Rechtsnachfolger Russland beteiligt waren.

Und weil ich eben keiner dieser an Fakten nicht mehr interessierte Propagandisten bin, einen ehrlichen Kommentar dazu: Das alles ist wohlgemerkt vermutlich nach gleichen Maßstäben berechnet, wie der gerade verbreitete Unsinn über die USA. Entsprechend werden Angriffe von Islamisten auf russische Teilrepubliken, bei denen Russland im Prinzip nur seine Bürger verteidigt hat, mit aggressiven Überfällen auf Nachbarländer zusammengerechnet. Auch die beiden Tschetschenienkriege sind dabei, bei denen Russland um seine territoriale Integrität gekämpft hat, wie es die Ukraine heute tut. Dass Russland dabei in einem Rahmen eigene Bürger getötet hat, der an Völkermord grenzt, ändert nichts daran, dass ein Land prinzipiell natürlich seine territoriale Integrität schützen darf. Wie die Ukraine übrigens auch.

Auch wenn die Tschetschenienkriege verbrecherisch geführt wurden, ändert dies erst einmal nichts an diesem Prinzip (ich bin aber auch kein Staatsrechtler). Deshalb: Diese Aufrechnungen Russland und der Sowjetunion gegenüber sind unfair, keine Frage. Einen sowjetischen Überfall auf Finnland 1939 mit dem Kampf gegen Nazi-Deutschland ab 1941 gleichzusetzen ist im Prinzip völlig falsch. Dennoch wird es von der Gegenseite im Bezug auf die USA genauso gemacht. Im Gegensatz zur Gegenseite produziere ich aber nur ein schönes Propaganda-Bild, während ich es gleichzeitig in Relation setze. Ich bin nämlich nicht vom Hass auf Russland zerfressen. Stattdessen wünsche ich diesem Land und seinem Volk eine demokratische und pluralistische Gesellschaft, statt dieser aktuellen autoritären und aggressiven Mafia-Kleptokratie.

Islamkritik als Wegbereiter für die Freiheit

Europa und die westliche Welt befindet sich in einer fatalen Version der Wiederholung der Geschichte. Auch wenn manche Medien es schönreden wollen, wir haben ein Problem. Millionen unserer Mitbürger sind muslimischen Glaubens. Wie viele von ihnen wirklich radikal sind, ist unklar. Klar ist jedoch, dass praktisch alle von ihnen friedlich sind. In der Frage der radikalislamischen Bedrohung wäre es jedoch an der Zeit nicht nur in Solidarität zu Charlie Hebdo #JesuisCharlie zu twittern, sondern voller Selbstkritik #NoussommesIndiraGandhi.

 

Indira Gandhi war Europa heute

Indira Gandhi, war Premierministerin von Indien, als sie 1984 die Eroberung des von bewaffneten Sikhs verteidigten Harmandir Sahib, dem Goldenen Tempel, befahl. Die Sikh waren unter der Führung von Jarnail Singh Bhindranwale und strebten nach der Errichtung von Khalistan, einer Sikh-Theokratie.

Indira Gandhi wusste, dass nicht wenige Sikh diese Bewegung unterstützten, als Premierministerin Indiens stand die staatliche Einheit für sie jedoch nicht zur Debatte. Während sie ihr Militär auf die bewaffneten Sikh-Separatisten schießen ließ, stellten Angehörige der gleichen Glaubensgemeinschaft ihre Leibwache. Doch Indira Gandhi vertrat die Ideale eines säkularen Staates und lehnte es ab, die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft aus ihrer Leibwache abzuziehen, während ihr Militär gerade die Glaubensbrüder ihrer Leibwächter in dreistelliger Zahl töteten und den heiligen Tempel mit schweren Waffen beschossen.

Am Vormittag des 31. Oktober 1984 sollte sie Peter Ustinov ein Interview geben. Während er auf sie wartete, wurde sie von ihren beiden Sikh-Leibwächtern Satwant Singh und Beant Singh erschossen. Von 30 Kugeln getroffen wurde Indira Gandhis Tod kurz darauf in einem Krankenhaus in Neu-Delhi festgestellt.

 

Der „Volkszorn“ entlud sich

Nach der Ermordung der Premierministerin wurden in den folgenden Tagen 3.000 Sikhs ermordet und 100.000 mussten fliehen. Vertreter einer kleinen Minderheit hatten zur Durchsetzung ihrer auf der Interpretation ihrer Religion basierenden politischen Ambitionen Blut vergossen, woraufhin die Angehörigen der Religion von gewalttätigen Teilen der Mehrheitsbevölkerung kollektiv zur Verantwortung gezogen wurden.

Dabei interessierte den mordenden Mob nicht, dass die beiden Mörder von Sikh-Wachen festgenommen wurden, Beant Singh durch Sikh-Wachen wegen eines (angeblichen) Versuchs nach einer Waffe zu greifen erschossen wurde und dass Soldaten des Einsatzes gegen die Sikh-Aufständischen durch Zail Singh, den Präsidenten Indiens und Sikh, mit Orden ausgezeichnet wurden. Gemordet wurde dennoch.

 

Deutschland ist Indira Gandhi

Deutschland ist in einer Situation, die der der indischen Premierministerin nicht unähnlich ist. Wie der Rest Europas haben wir mit dem radikalen Islam zu kämpfen, dessen Anhänger hierzulande rasant zahlreicher werden. Gleichzeitig haben wir einen an sich liberalen Rechtsstaat, der keine Kollektivstrafen und keine drastischen Zwangsmaßnahmen ohne rechtskräftige Verurteilung erlaubt.

Damit sind wir wie Indira Gandhi an einem Punkt, wo wir wissen, dass unter unseren Leibwächtern ein paar lauern, die nichts lieber tun würden, als uns mit einer Garbe aus ihrer Maschinenpistole ins Jenseits zu schicken. Da sie dies jedoch nicht offen bekanntgeben, müssten wir zu kollektiven Maßnahmen greifen, die die ganze Grundidee unseres Gemeinwesens pervertieren würde. Vielleicht bleibt uns daher nicht viel anderes, als schlicht auf das Aufbellen der Waffen zu warten?

Drastisch zeigte sich dies in Frankreich, wo alle drei Terroristen bereits vorher den Behörden bekannt waren. Sie hatten radikale Islamisten besucht und hatten in Syrien gekämpft. All dies wussten die französischen Behörden, ohne jedoch etwas zu tun. Wo Diktaturen zu Internierungen oder anderen Zwangsmaßnahmen gegriffen hätten, zeigte sich der liberale Rechtsstaat Frankreich verwundbar, weil er die Unschuldsvermutung richtigerweise nicht aufgeben wollte.

 

Islamkritik ist essentiell

Ein anderer Ansatz wäre vielleicht, auf unsere muslimischen Mitbürger zuzugehen. Nicht in der Art, wie es uns die Medien und die Linken vermitteln, die nichts besseres zu tun haben, als unmgehend mit einem Whitewashing des Islams zu beginnen, wann immer ein Terroranschlag erfolgt. Sondern vielmehr in der Art, dass wir die Muslime damit konfrontieren, dass es eben kein Zufall ist, dass die überwältigende Mehrzahl aller Terroristen in den letzten 15 Jahren „Allahu Akbar“ brüllte, bevor sie mit dem Morden begann.

Das große Problem des Islams ist die weitgehend fehlende Selbstkritik. Wer „Das sind keine Muslime“ sagt, der muss nichts mehr am eigenen Glauben hinterfragen. Der muss sich nicht fragen, ob er und sein Glauben doch etwas damit zu tun haben könnten, worauf Konsequenzen folgen müssten. Indem dann sogar noch „Das ist ein Angriff auf den Islam“ gesagt wird, wird man sogar zum Opfer und fremdes Hinterfragen kann empört zurückgewiesen werden.

Richtig wäre zu fragen: „Was haben die mit uns zu tun und wieso wurden sie so? Wie hat unser Glaube da mitgespielt?“ Würde man dies machen, dann könnten die so dringenden Innerislamischen Konsequenzen folgen. Konsequenzen, die wir Deutsche aus dem NS-Regime genauso gezogen haben wie aus brennenden Asylantenheimen. Dort kam auch keiner auf die Idee zu sagen: das sind keine Deutsche. Die handeln antideutsch.

Dann hätten wir unsere Geschichte nie aufgearbeitet. Einfach wäre es allerdings gewesen. Und bequem.

 

Ein Sieg über den radikalen Islam geht nur mit den Muslimen

Denn egal, wie wir es drehen wollen, ein Sieg über den radikalen Islam geht nur in Zusammenarbeit mit den Muslimen. Wir haben Millionen deutsche Staatsbürger, die muslimischen Glaubens sind. Sie sind hier und sie werden hier bleiben. Der Islam nach meinem Verständnis mag kein Teil dieses Landes sein und wird es hoffentlich auch nie, die Muslime sind es dagegen schon längst. Das ist ein Fakt.

Um aber den radikalen Islam zu besiegen, werden wir ihre Mithilfe brauchen. Sie müssen es sein, die an vorderster Front gegen den Islamismus stehen, weil er in ihrer Mitte verwurzelt ist. Sie sind es, die die Veränderungen von Freunden bemerken, die deren Flüche hören und ihren zunehmenden Hass auf den Westen, Amerikaner und die Juden als erste erfahren. Sie sind es auch, die die Sprache sprechen, in der Hassprediger möglicherweise zur Ermordung von Juden aufrufen, wie es erst vor wenigen Monaten in Berlin geschah.

Dabei geht es nicht um linke Multi-Kulti-Träumereien. Die Muslime sind hier und ein Fakt, und eine gemeinsame Zukunft wird nur miteinander gehen, nicht gegeneinander. Dazu müssen Sie aber anerkennen, dass der Terror aus ihrer Mitte entsteht, während wir uns immer wieder klar machen müssen, dass trotz des gleichen Gebets ein Unterschied zwischen Muslim und Islamisten besteht. Oder, um es aus liberalem Standpunkt zu sagen, wir müssen schlicht und ergreifend zwischen Individuum und Ideologie unterscheiden. Nur dann haben wir eine Chance, dass ein Muslim, der von Anschlagsplänen eines Glaubensgenossen hört, einen feuchten Kehricht auf Al-Walā‘ wa-l-barā‘ und die Umma gibt und lieber zu dem „ungläubigen Polizisten“ geht, wie es beispielsweise in Großbritannien passiert ist, wo sogar eine Mutter die Behörden über ihren radikalen Sohn informierte.

Denn, und dessen sollten sich alle Seiten klar sein, die ersten und zahlreichsten Opfer des radikalen Islams sind die Muslime. Sie sind es, die die Unterdrückung der Individualität am meisten verspüren und sie sind auch die hauptsächlichen Opfer ihrer radikalen Glaubensgenossen. Wie auch immer wir ihren Glauben interpretieren, selbst wenn wir als fundamentale Islamkritiker ihn wie der IS verstehen, wir dürfen sie nicht über einen Kamm scheren und persönlich angehen. Wenn wir Muslime pauschal attackieren, weil wir ihre Religion so wie die Fundamentalisten verstehen, dann werden wir effektiv zu deren Sekundanten und fallen allen moderaten Muslimen in den Rücken. Statt die Muslime, die unsere Freiheit und Pluralität schätzen, fest zu umarmen und ihre Freiheit zu schützen, würden wir uns in solch einem Fall an die Seite der „Islamisten“ stellen und jeden moderaten Muslim de facto vor die Wahl „abschwören oder Islamist werden“ stellen. Dies kann einfach nicht in unseren Interesse sein.

Schließlich wäre eine solche Handlung nicht nur moralisch falsch und illiberal, sie ginge auch an der Realität vorbei. Lassana Bathily versteht sich als gläubiger Muslim. Der Angestellte des koscheren Supermarkts in Paris versteckte sechs höchstwahrscheinlich jüdische Kunden vor dem muslimischen Terroristen, statt diesem gemäß Sure 5,51 zur Hilfe zu kommen. Der Muslim Achmet Merabet war es, der als erster Polizist zum Gebäude des Charlie Hebdo Büros kam und dort vor laufenden Kameras von den Terroristen ermordet wurde. Auch wenn er es nicht bewusst gemacht haben mag, so hat dieser Muslim doch sein Leben bei dem Versuch gegeben Menschen zu verteidigen, die seinen Glauben angriffen.

Sollten wir diesen Menschen in den Rücken fallen und ihnen erklären, sie seien in Wahrheit nur verkappte Islamisten und würden Taqiya betreiben, wie es nicht wenige radikale Islamkritiker tun? Sicher nicht. Aber vielleicht sollten sich ihre Glaubensbrüder an ihnen ein Beispiel nehmen und den radikalen Islam aus ihrer Mitte tilgen, so wie es in Deutschland seit fast 15 Jahren mit dem Rechtsextremismus geschieht? Ganz besiegen lässt sich beides nicht. Die Gefahr wegen ein paar harmloser Karikaturen ermordet zu werden, würde aber doch merklich sinken. Das fände ich nicht gerade schlecht. Die Meinungsfreiheit braucht solche Karikaturen nämlich.

 

Solange aber die islamischen Verbände mit „Das sind keine Muslime“ den islamischen Kern des radikalislamischen Terrorismus verleugnen, und solange sie mit „Die Meinungsfreiheit ist gut, aber…“ gegen die Meinungsfreiheit antreten, solange muss die islamische Lehre wohl auch von außen weiter konfrontiert werden. Dazu brauchen wir die Muslime, während sie selbst die islamischen Wurzeln des „islamistischen Terrorismus“ nicht verleugnen dürfen.