Wissen und Erkenntnis sind kein Kettenhund

Wenn man die Erlangung von Wissen und Erkenntnis schätzt, dann muss man bereit sein den Weg zu gehen, wohin er auch führen mag. Ein freier Geist ist kein Kettenhund, den man an einer nur drei Meter langen Kette halten kann.

Kettenhund

Ich erinnere mich noch genau daran, wie mich mit meiner damaligen Freundin 2003 am Morgen des 20. März 2003 im Fernsehen von dem amerikanischen Einmarsch in den Irak hörte. Ich war erbost und war, wie so viele meiner Landsleute antiamerikanisch eingestellt. Zur gleichen Zeit lehnte ich wohl auch Kernkraftwerke aus voller Überzeugung ab und hielt Gentechnik für Teufelszeug. Dass Deutschland einen starken Staat mit starkem Militär brauche und Russland unser eigentlicher Partner sein müsse erklärte sich von selbst. Ach so: Israel hatte natürlich kein Existenzrecht und sollte in einen gemeinsamen Staat von Palästinensern und Juden umgewandelt werden.

Heute sehe ich all das praktisch vollständig anders. 

Ein kritischer Geist darf keine Fesseln kennen

Mein in sich geschlossenes Weltbild erhielt 2006 seinen ersten großen Dämpfer. Noch 2001 war ich wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass die USA den 11. September selbst verschuldet hätten. Wären sie mal nicht so viel im Nahen Osten aktiv. Auch glaubte ich den Medien, dass der Islam an sich eine friedliche Religion sei, die nur missverstanden würde. Ich war auch, wie so unglaublich viele andere, mir nicht zu blöd Selbiges herauszuposaunen, ohne je eine Zeile des Korans gelesen zu haben. Wegen des Irans erklärte ich sogar einmal, ich erinnere mich noch heute daran, dass die kleinere Gruppe der Schiiten eben die Radikalen seien, die Sunniten aber die Guten, die Lieben. Eine Ahnung hatte ich nicht einmal im Ansatz.

Dann kamen die Mohammed-Karikaturen.

Bei der Suche nach den Bildern fand ich sie seinerzeit auf einem konservativen deutschen Blog. Nach dem Betrachten der Bilder konnte ich es schlicht nicht fassen, wieso jemand wegen solch harmloser Bilder zum Vandalen wird und sogar Menschen tötet. Offensichtlich war etwas in meinem Verständnis von der Welt fehlerhaft.

Ich musste auf die harte Tour lernen, dass ich noch bei einer Sache, von der ich absolut überzeugt war, völlig falsch liegen konnte. Als ich auf besagtem konservativen Blog das Existenzrecht Israels abstritt, fragte mich einer der Autoren schlicht, ich solle ihm doch einmal sagen, in welchem Land des Nahen Ostens ich leben wollte, wäre ich homosexuell. Ich kam nicht umhin ehrlich zu antworten, dass das wohl Israel sein müsse.

Wie aber könne ein Land so furchtbar sein, wie ich es glaubte, wenn ich es als Zufluchtsort wählen würde? Wie konnte solch ein Land illegitim sein? Erkennend, dass in meinen Überzeugungen ein Fehler sein musste, begann ich damit, mich in das Thema einzulesen. Am Ende hatte sich Saulus zu Paulus gewandelt und aus dem „Israelhasser“ wurde jemand, der laut und voller Überzeugung für das Existenzrecht Israels eintritt und das tolle Land auch 2015 endlich besuchte.

Die Offenheit gegenüber fremden Argumenten und der Wille meine Ansichten zu hinterfragen und mit Argumenten zu füttern, hat mich von jemandem der Israels Existenzrecht ablehnte zu einem klaren und überzeugten Verfechter seiner Existenz und Sicherheit gemacht. Er hat mich von einem überzeugten Antiamerikaner, ja Amerika-Hasser, in jemanden verwandelt der Land und Leute lieben gelernt hat. Weniger seine Regierung, als vielmehr die Idee die hinter diesem Staat steht.

Die Bereitschaft eigene Grundüberzeugungen zu hinterfragen hat mich vom üblich in der Schule sozialisierten und aus einer Umweltschützerfamilie (ödp) kommenden Gegner der Kernenergie restlos von ihr überzeugt, wie es auch bei der Gentechnik ist.

Hätte ich den Hund nur mal nicht von der Leine gelassen, dann wäre ich 2014 nicht aus der AfD ausgetreten, sondern hätte eine große Zukunft in dieser Partei gehabt.

Auf diesem Blog gab und gibt es bereits viel Freigeistliches. Ich bilde mir meine eigene Meinung, auch wenn sie dem Mainstream entgegen steht. Teilweise wohl auch fast, weil sie gegen den Mainstream geht. Das heißt aber nicht, dass ich aus Prinzip dagegen wäre. Es gibt durchaus Dinge, bei denen ich im Konsens mit der Allgemeinheit stehen kann und stehe.

 

Auf diesem Blog, und im Besonderen auf meiner gerade begonnenden Serie zur „Republik der Narren„, finden Sie daher Artikel, die nicht mit dem Mainstream gehen, aber meine Überzeugungen vermitteln. Ich versuche dabei so gut wie möglich zu erklären, wieso ich denke, wie ich denke. Vielleicht können Sie mir auf meinem Weg folgen. Einige Male ist es mir tatsächlich auch schon geglückt, Menschen zu beeinflusse.

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