Wider die Gleichheit

Unser ganzes Land, seine Bevölkerung und seine Politiker streben nach Gleichheit. Das Streben nach Gleichheit ist jedoch eine Chimäre. Es gibt keine Gleichheit und es wird sie nie geben!

Die Gleichheit vor dem Gesetz

Es gibt zwei verschiedene Arten von Gleichheit. Die eine ist die Gleichheit vor dem Gesetz. Das Gesetz macht keinen Unterschied, wer von ihm betroffen ist. Ein Verbot von Mord ist immer ein Verbot von Mord, egal wer ihn begeht. Um diese Art der Gleichheit soll es hier nicht gehen, da die Gleichheit vor dem Gesetz eine wesentliche Grundlage für die Freiheit ist.

Im Laufe der letzten Jahrhunderte hat sich der Begriff der Gleichheit mehr und mehr weg entwickelt von dem, was noch von den ersten französischen Revolutionären gemeint war. Ihr „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ meinte kein Bisschen die Gleichheit der Menschen in materieller Hinsicht. Vielmehr sollten König und Kardinäle ebenfalls den gleichen Gesetzen unterworfen sein. Die Bedeutung, dass Gleichheit auch eine materielle Gleichheit oder die identischen Möglichkeiten bedeuten müsste, hat sich erst später eingestellt.

Wider die Gleichheit
Die „Egalité“ der französischen Revolution meinte Gleichheit vor dem Gesetz, keine soziale Gleichmacherei!

 

Materielle Gleichheit

Die Vorstellung, dass alles im Leben allen Menschen, unabhängig von ihrer ethnischen oder sozialen Abstammung, unabhängig von Geschlecht und Wohlstand, gleichermaßen offenstehen sollte, steht prinzipiell in keinem Konflikt zu einem freiheitlichen Verständnis.

Inzwischen hat sich das Verständnis jedoch derart verändert, dass Gleichheit vor allem Gleichmacherei bedeutet. Alle Menschen sollen ein (möglichst) gleiches Einkommensniveau haben, sie sollen möglichst einen gleichen Lebensstandard haben und das Gleiche besitzen. Dies bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes, als dass jeder bei einem wirtschaftlichen Wettlauf gleichzeitig ins Ziel kommen soll, statt gleichzeitig zu starten.

 

Soziale Gleichheit ist unmöglich

Das Konzept der Gleichheit im sozialen Sinne soll sicherstellen, dass niemand in seinem Leben benachteiligt ist, nur weil er weniger Geld erbt. Während man dies durch Gesetze, Steuern und Umverteilung sicherstellen kann, kann man das Erben anderen Reichtums kaum jemals verhindern.

Manche unserer Mitmenschen fallen durch ungewöhnliche Attraktivität aus. Andere haben besondere Talente, sei es nun in der Musik oder in der Mathematik. Eine hohe Intelligenz ist genauso ein Vorteil wie es ein großes Erbe oder ein Gesicht mit perfekter Symmetrie ist.

Ist es wirklich ein signifikanter Unterschied, ob man seinen Kindern eine Firma oder die Intelligenz eines Genies und das Aussehen eines Topmodels hinterlässt? Wirkliches Streben nach Gleichheit müsste die Intelligenten am Nutzen ihrer Intelligenz hindern und die Attraktiven hässlich operieren.

 

Welche Art von Gleichheit soll es überhaupt sein?

Nach welcher Gleichheit soll eigentlich gestrebt werden? Soll Reichtum gleich verteilt werden? Sollen die Menschen lieber gleich glücklich sein oder den gleichen Selbstrespekt verspüren?

Reichtum ist nicht messbar, da er unterschiedlich wahrgenommen wird. Während sich ein Mensch bei einem Kontostand reich fühlt, fühlt sich ein Anderer arm bei dem exakt gleichen Stand auf seinem Konto. Erschwerend kommt hinzu, dass Reichtum oder Wohlstand eben gerade nicht das ist, nach dem alle auf der Welt suchen. Während sich manche ihr Glück kaufen können, können andere dies nicht. Ein Querschnittsgelähmter kann nicht wieder laufen, weil sein Kontostand dem seines Nachbarn entspricht. Was soll also überhaupt gleich gemacht werden? Wie sollen alle Menschen überhaupt gleichmäßig glücklich gemacht werden?

 

Unterschiede sind gut

Es ist wichtig, dass es Unterschiede gibt. Die in freien Gesellschaften omnipräsente Vielfalt ist gerade ein Ergebnis dessen, dass die Gleichheit nicht in dem Maße forciert wird, wie es sich manch sozialistische Träumer erhoffen.

Da jeder Mensch unterschiedlich ist, muss das Ergebnis unterschiedlich sein. Jeder von uns hat individuelle Fertigkeiten, Anlagen und Interessen. Jeder von uns hat andere Wertvostellungen und moralische Standards. Jeder von uns trifft unterschiedliche Entscheidungen an gewissen Punkten seines Lebens. All das hat seine Auswirkungen auf sein Verhältnis zum Rest der Gesellschaft. All diese Unterschiede schlagen sich auch in einer freien Gesellschaft nieder, indem die Auswahl an Gütern und Dienstleistungen drastisch größer ist als in den Gesellschaften, in denen das Gleichsein oberste Prämisse ist.

Angesichts dieser Unterschiede Gleichheit herzustellen würde erfordern, die Unterschiede unter den Menschen mit Gewalt substanziell zu verringern. Diese Versuche würden drastisch in die Individualität der Menschen eingreifen und ihre Vielfalt mit Zwang verringern. Während man Kontostände nivellieren kann, ist aber eine Nivellierung der Intelligenz schlicht unmöglich!

 

Gleichmacherei ist Unfreiheit

Versuche die Menschen gleichzumachen muss anhand der genannten und sichtbaren Unterschiede mit massivem Zwang geschehen. Dies greift ganz deutlich in die individuelle Freiheit von allen ein und verletzt ihre Würde. So ist es wohl unbestreitbar, dass die Wahlfreiheit ein fundamentaler Bestandteil der menschlichen Würde ist.

Daher ist das Konzept der sozialen Gleichheit inhärent unfrei, weil für seinen Erfolg die Einschränkung der Freiheit von vielen Menschen erforderlich ist. Nur so können die Ergebnisse alle angeglichen werden.

 

Die Gesellschaft, die Gleichheit vor Freiheit stellt, wird ohne beides enden. Die Gesellschaft, die Freiheit vor Gleichheit stellt, wird ein hohes Maß an beidem erhalten.

Milton Friedman

2 Antworten auf „Wider die Gleichheit“

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