Verschwendung lohnt sich nicht

Der Verkäufer meines Autos hatte mir mündlich zugesichert, die Schlüssel zu ersetzen. Bei beiden war die Fernbedienung nänlich defekt. Ich habe es schließlich selbst gelöst und er erklärte mir, er werde sein Wort halten und mir die Kosten ersetzen. Ich schrieb ihm also, teilte ihm mit, dass ich das Ersetzen deutlich günstiger als erwartet (eigentlich sollte ein Schlüssel über 400 Dollar kosten) machen konnte und bat ihn um die Bezahlung. Er sagte mir, seiner Firma gehe es schlecht und er werde bezahlen, sobald er Geld habe.

Inzwischen sind mehrere Monate vergangen und ich bat ihn um die Bezahlung. Er schreibt mir, seine Firma gebe es nicht mehr und verkaufe gerade alles, um seine Familie überhaupt noch ernähren zu können. Mitleid kann ich allerdings keines empfinden, obwohl er zwei junge Söhne hat. Wahnsinnig unverantwortliches Verhalten muss Konsequenzen haben!

 

Als ich mein Auto, von ihm kaufte, war das Auto noch mit knapp über 10.000 Dollar finanziert. Er war dabei damals nicht in der Lage, diesen Kredit selbst abzubezahlen, bevor ich ihm den Kaufpreis übergebe. Vielmehr musste er von dem Kaufpreis sofort das Geld für den Kredit nehmen.

Dies verzögerte den Verkauf, da zunächst die Bestätigung der Versicherung der vollen Bezahlung aller Schulden notwendig war, bevor ich das Auto in der Behörde übertragen konnte. Ansonsten wäre das Auto mit der Grundschuld auf mich eingetragen worden. Das funktioniert hier in Panama mit Autos nämlich so ähnlich, wie in Deutschland mit Immobilien. Autos werden in einem zentralen Register umgeschrieben, das auch ausstehende Schulden erfasst.

Während er Verkauf lief, war ich bei ihm in seiner Wohnung und sah mindestens zwei hochwertige Rennräder, darunter ein Triathlon/Zeitfahrrad, und natürlich einen gewaltigen Fernseher. Die Wohnung war gekauft. Er selbst fuhr einen BMW X5 und hatte noch ein weiteres hochwertiges Auto, an dessen Marke ich mich nicht mehr erinnere. Neben dem Ford Mustang Cabrio, den er mir verkaufte. Und neben einer Harley Davidson.

Jedes Wochenende war er am Strand, was in Panama City bedeutet, dass man 1-3 Stunden mit dem Auto aufs Land fährt und sich dort für mindestens 50 Dollar pro Nacht etwas mietet – wenn man nicht gleich ein eigenes Strandhaus kauft.

Er gab also Geld mit beiden Händen aus, während er läppische 10.000 Dollar für ein finanziertes Auto nicht bezahlen konnte.

Er erzählte mir damals, er sei Venezolaner und eigentlich Anwalt. Als er bei einem Raubüberfall angeschossen wurde, ging er nach Panama und rutschte hier über einen Kontakt ins Baugewerbe, wo er bei Großprojekten mit seinem Verhandlungs- und Organisationsgeschick bei der Fertigstellung half. Ich kenne die Begriffe nicht, aber wenn ich es richtig verstehe, wurde er von Bauherren für die Fertigstellung beauftragt, woraufhin er Subunternehmer suchte, die dann Fenster und Sanitäranlagen einbauen und möglicherweise auch gleich die Objekte möblieren.

Sein Gewerbe lief damals angeblich gut. Offensichtlich zumindest gut genug, dass er jedes Wochenende mit der Familie an den Strand fahren konnte und drei chice Autos, sowie eine Wohnung in ordentlicher Gegend besaß.

Dies ist kaum sechs Monate her und nun verscherbelt er alles, was nicht niet- und nagelfest ist, um seiner Femilie Essen auf den Tisch zu bringen.

Vielleicht hätte er dann besser nur ein harmloses Auto für sich gehabt, während seine Frau die günstigen Taxis nutzt? Da ich ein Fahrrad suche, dachte ich mir, ich frage ihn, ob er noch welche hat und sie verkauft. Seine Antwort:

Ja, ich verkaufe eines. Es ist ein Scott Foil 10. Es hat elektrische Ultegra-Schaltung und Profile Design Reifen. Es ist von 2017, kaum genutzt. Ich habe 7.000 Dollar bezahlt und biete es für 3.300 Dollar an.

Was zum Teufel soll ich mit einem Fahrrad, auf dem sich kein Tour de France Sieger unwohl fühlen würde? Wofür brauche ich, dessen Jahresrekord bei 6.500 Kilometern liegt, ein Rennrad für einen mittleren fünfstelligen Betrag mit elektrischer Schaltung, als würde ich Rennen fahren, bei denen es auf Zehntel ankommt? Und dann natürlich „kaum genutzt“.

 

Der Venezoelaner hat gemacht, was zu viele machen, sobald sie einmal ein gutes Einkommen haben. Er ist davon ausgegangen, dass es immer so weiter geht, hat keinerlei Rücklagen gebildet, das Geld mit beiden Händen rausgeworfen und dabei Dinge gekauft, die er nicht braucht. Er hat wachsenden Einnahmen rapide wachsende Ausgaben gegenübergestellt und dabei wohl vor allem Dinge gekauft, um anderen damit zu imponieren. Dinge, die er sich dabei noch nicht einmal leisten konnte.

Denn auch wenn das heute dem Zeitgeist widersprechen mag: Das einzige, das man sich seriöserweise finanzieren sollte, ist etwas, das Einnahmen erzeugt. Also eine vermietete Immobilie. Wer sich seinen 2 Meter Fernseher oder sein Auto nicht in bar leisten kann, der sollte sparen, statt es auf Pump zu kaufen. Oder, noch besser, sich mit etwas einfacherem, billigeren zufrieden geben.

 

 

 

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