Über die Dritte Fernsehdebatte von der Wahlfront

Als sich am 22. Oktober um 9 Uhr Ortszeit die beiden wichtigsten Bewerber für die US-Präsidentschaft zur dritten und letzten Fernsehdebatte trafen, ging es formal um die Außenpolitik.

Zuschauerreaktionen von CNN visualisiert
Zusammen mit einem Republikaner aus North Carolina habe ich dabei die Debatte auf CNN angesehen. Interessant dabei war, dass CNN sich 39 „unentschiedene Wähler“ gesucht hatte, die sie mit einem Gerät ausgestattet hat. Dieses Gerät ermöglichte den ausgesuchten Zusehern ihre Zustimmung oder Ablehnung gegenüber den gerade getätigten Aussagen zu visualisieren. Ob die Zuseher tatsächlich unabhängig waren, war natürlich auch für CNN nicht nachvollziehbar. Die permanent eingeblendete Skala mit den Bewertungen der ausgewählten Frauen und Männer war jedoch sehr aufschlussreich.

Aktion ist Trumpf, Angriffe sind schlecht
Es war wirklich hoch interessant, wie die ausgewählten Betrachter die Debatte live mitbewerteten. Immer, wenn Obama von Aktion sprach, ging die Zustimmung hoch. Wenn er Romney anging stürzten die Kurven umgehend ab. Bei Romney war das Gleiche zu beobachten. Da Obama ungleich aggressiver war, dürfte die Debatte zumindest unterbewusst keineswegs so klar für Obama ausgegangen sein, wie man es bei der objektiven Beachtung durchaus bewerten musste.

Außenpolitische Routine ist nicht zu ignorieren
Man kommt nicht umhin, Obama bei seinen Formulierungen, unabhängig vom Inhalt, eine größere Souveränität zuzugestehen. Verglichen mit dem Kandidaten von vor vier Jahren zeigt sich eigentlich nur, wie wichtig es ist, wenn man vernünftige Berater hat und von den schlausten Köpfen des Landes informiert wird. Obama war seinerzeit der harmlose Community-Organizer, der von Außenpolitik keinerlei Ahnung hatte. Seinen naiven Ansatz hat er umgesetzt, die aktuelle Entwicklung im Nahen Osten ist entsprechend vernichtend.
Allerdings wird die US-Wahl nicht über die Frage einer perfekten Außenpolitik entschieden, sondern über die Innenpolitik. Ein informierter Wähler sollte also wohl eher nach den moralischen und ideologischen Prämissen wählen, denn nach der aktuellen Kenntnis.

Wie viel sagt der Graph tatsächlich aus?
Wann immer der Opponent angesprochen wird sinkt die Zustimmung auf CNN. Die tatsächliche Aussagekraft dürfte jedoch fraglich sein. So ist auch die Mehrheit in Umfragen einig in der Aussage, dass negative Werbung über den Opponenten ihnen nicht gefällt. Gleichzeitig ist jedoch auch belegt, dass gerade die negativen Argumente über den Gegner hängen bleiben. Entsprechend zeigt Obamas Verhalten zwar seine Defensive, ja vielleicht sogar seine Panik, schlecht muss es deswegen aber noch lange nicht sein!.
Auch die Umfragen sind wohl nur zu einem gewissen Grad hilfreich. So stimmten bei der, wie oft betont wurde, wissenschaftlichen CNN Debatte tatsächlich 21% für einen aggressiveren Romney. Dabei kann es keine Frage sein. Obama war enorm aggressiv und Romney schien sich ganz bewusst zurück zu halten. Wie 21% das anders sehen konnten ist ein Rätsel.

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