Tankerangriffe: Der Iran war es

Darauf deutet zumindest aktuell tatsächlich alles hin.

Erneut sind Tanker knapp außerhalb der Straße von Hormuz angegriffen worden, dieses Mal auf der Fahrt und auf See. Die veröffentlichten Bilder sind dabei eindeutig.

Limpet Mine Attack in the Gulf of Oman: JUNE 13, 2019

Video recorded by a U.S aircraft of an Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC) Gashti Class patrol boat and crew removing an unexploded limpet mine from the M/T Kokuka Courageous. M/T Kokuka Courageous suffered an explosion while operating in the Gulf of Oman causing 21 crew members to abandon ship and later get rescued by the U.S. Navy's Arleigh Burke-class guided missile destroyer USS Bainbridge (DDG 96).

Posted by U.S. Navy on Thursday, June 13, 2019

In dem Video kann man eindeutig und unzweifelhaft ein iranisches Gashti-Klasse Patrouillenboot erkennen, das von der Außenwand eines Tankers ein Objekt entfernt.

Die typischen Rillen der Trittfläche am Bug ist auf dem Video erkennbar, genauso wie die charakteristische Bugform und die Maschinenwaffe an der richtigen Position.

Screenshot
I

Die Bilder von einem der beschädigten Tanker bestätigen ebenfalls die offiziellen Meldungen:

Image may contain: text, water and outdoor

Deutlich ist rechts eine Art kleine „Pyramide“ zu erkennen, während der links markierte Schaden vor nicht allzu groß und noch dazu über der Wasseroberfläche ist.

Die Position des Schadens schließt eine Seemine genauso aus, wie einen Torpedo. Oberhalb der Wasserlinie könnten nur Projektile, ob aus Rohrwaffen oder Raketen ein Schiff auf diese Art beschädigen – oder eben eine Haftmine.

Haftminen müssen tragbar sein und haben daher ein Maximalgewicht. Die größte mir ad hoc bekannte Haftmine ist die von der Wehrmacht gegen das Fort Eben Emael eingesetzte mit einem Gesamtgewicht von 50 Kilogramm, die jedoch aus zwei Teilen bestand, die auf dem Ziel zusammengesetzt werden mussten.

Gut auf dem Bild zu erkennen ist die Form einer Halbkugel. Da Haftladungen mit Hohlladungen funktionieren und nicht auf Aerodynamik, sondern auf geringes Gewicht angewiesen sind, ist ihre Form normalerweise grob die einer Halbkugel, eines Kegels oder einer Pyramide. Dies ist auch bei der deutschen Hafthohlladung des Zweiten Weltkriegs erkennbar:

Das veröffentlichte Bild ist nicht zu gut, man kann jedoch deutlich eine Pyramide erkennen. Da eine dort angebrachte Hohlladung leicht genug sein muss, um sie zu tragen und von einem schwankenden kleinen Boot anzubringen, dürfte ihr Gewicht nicht höher als 20 kg sein, was die Sprengwirkung nicht nur einschränkt, sondern auch den auf dem Bild sichtbaren Schaden erklären würde.

Hohlladungen sind darüber hinaus auf die Penetration des Ziels ausgelegt. Sie erzeugen einen Metallstachel, der sich durch die vor der Hohlladung liegende Panzerung bohrt. Statt also Energie für die Zerstörung der Panzerung selbst zu verschwenden, entsteht ein eher kleines Loch, während auf der anderen Seite der Panzerung idealerweise größerer Schaden entsteht. Je nach Konstruktion, Zielbeschaffenheit und Sprengladung ist entsprechend natürlich auch ein Schaden auf der Außenseite zu beobachten.

Taucher könnten Hafthohlladungen im Hafen anbringen, wobei dann der Schaden unter der Wasserlinie entstehen würde. Ist das Schiff jedoch unterwegs, fällt eine Montage per Taucher praktisch aus, da zu schwierig und riskant. Entsprechend würden Hohlladungen von einem kleinen Boot aus angebracht, was die Höhe über der Wasserlinie erklärt.

Die Bilder belegen also eindeutig das, was dem Iran vorgeworfen wird. Es sieht nach Haftminen aus, das Boot ist eines der iranischen Gashti-Klasse und der Schaden entspricht dem, was man von einer Haftmine erwarten dürfte.

Warum sollte der Iran das machen?

„Der Iran hat überhaupt keinen logischen Grund das zu machen!“ werden Sie jetzt zahlreich in den sozialen Medien lesen können. Der Golf von Tonking wird beschworen und den Amerikanern die Inszenierung eines Kriegsgrundes vorgeworfen. Ein solches Ereignis ist natürlich der passende Anlass, damit Verschwörungstheoretiker und Antiamerikaner aus allen Löchern kommen.

Natürlich. Vielleicht haben Mossad oder CIA ja ein Gashti-Klasse Boot nachgebaut. Vielleicht ist das Video von einer Übung des Irans oder gleich direkt eine am Computer erzeugte Fälschung. Wenn man Verschwörungstheoretiker ist, dann glaubt man per Definition ja nicht an vorgelegte Beweise, weshalb auch Bildbelege nicht überzeugen werden. Doch während Verschwörungstheoretiker, die gerne auch mal an eine Fälschung der Mondlandung glauben, keine wirkliche Aufmerksamkeit verdienen, ist die Frage an sich durchaus legitim. Wieso sollte der Iran so dumm sein?

Der Iran glaubt, Trump verstanden zu haben und ist sich seiner geopolitischen Lage bewusst.

Der Iran ist seit Jahren in Syrien militärisch aktiv und hat dabei das amerikanische Engagement und die amerikanische Entschlossenheit (bzw. deren Fehlen) aus nächster Nähe beobachten können. Während Obama sich völlig als Papiertiger erwies und iranische Erpressungen mit einer großen Summe Dollar in Bar und der Aufhebung von Sanktionen belohnte, war der Luftschlag seines Nachfolgers Trump gegen das Syrische Militär wegen des Einsatzes von Chemiewaffen „Mehr Schein als Sein„. Nachdem also einmal ein paar Flugzeugwracks zerstört wurden, wurden in Syrien fleißig weiter Chemiewaffen eingesetzt, ohne dass es Konsequenzen gehabt hätte.

Dies zeigt einem aufmerksamen Beobachter, dass es dem US-Präsident um gute Presse, um schöne Bilder und um die Außenwirkung geht. Es geht darum, dass er als starker Präsident auftreten und die Falken in seinem Heimatland beruhigen kann. Es geht ihm mitnichten um eine nachhaltige Veränderung des Verhaltens des syrischen Regimes oder um eine nachhaltige Einflussnahme.

Und während die geopolitischen Realitäten eine vollständige Umsetzung von Trumps Isolationismus verhindern, so zeigt auch sein angekündigter Rückzug aus Syrien erneut, dass Trump möglichst wenig in der Region agieren möchte. Und erinnern Sie sich an die Ankündigungen, man halte sich auch in Venezuela militärische Optionen offen? Haben Sie die letzten Tage noch etwas davon gehört?

Der Iran hat es also mit einem US-Präsidenten zu tun, der vor allem gerne bellt aber wirklich gar keine Lust hat, auch zu beißen. Trump liebt den Bluff und die Kulturnation Iran hat abseits aller religiösen Apokalyptiker, die glauben, mit möglichst großem Leid auf Erden die Rückkehr des 12. Imams herbeiführen zu können, hochgebildete und intelligente Fachleute. Dass im Iran Trumps Aussagen und seine Veröffentlichungen genauestens studiert werden und wurden, ist Gewissheit. Daher weiß man auch, dass Trump es liebt, laut und pompös zu sein, um Eindruck in Verhandlungen zu schinden.

In seinem von mir nicht gelesenen Buch „The Art of the Deal“ soll Trump sinngemäß sagen: „Man verlangt in einer Verhandlung das Doppelte von dem, was man will. Wenn man dann am Ende 51 Prozent bekommt, hat man gewonnen, während die Gegenseite sich toll fühlt, weil sie einem so viele Zugeständnisse abgerungen hat.“ In dieser Linie ist das laut angekündigte Verlegen eines Flugzeugträgers in die Region, dem Vernehmen nach als Reaktion auf den Iran. Tatsächlich war es ungewöhnlich, dass kein Flugzeugträger dort war, weil die USA normalerweise immer dort einen hatten. Wenn also eine Routineverlegung durch die USA groß aufgebauscht wird, dann weiß der Iran, dass man in Washington vor allem auf Show aus ist. Dass hier wieder einmal die Taktik versucht wird, die Trump auch mit Nordkorea versucht hat. Erst eine maximale Drohkulisse aufbauen, um dann Zugeständnisse zu erreichen. Man weiß, dass hier ein Hund ist, der gerne bellt. Syrien hat gezeigt, dass Trump nicht beißen will und wenn, dann bestenfalls nur so kneift, dass es nicht blutet. Nordkorea zeigt, dass die Handlungen bezüglich des Irans einem Muster folgen.

Der Iran ist sich sicher, dass Trump keine Lust auf einen Krieg zwischen den USA und dem Iran hat, ja diesen unter keinen Umständen will.

Ein Krieg wäre auch in der Tat keine gute Idee. Während eine Ausschaltung des Atomprogramms wünschenswert wäre, um eine iranische Bombe zu verhindern, ist eine dauerhafte Ausschaltung des Atomprogramms nur mit einer Besetzung des Landes zu schaffen, da viele Anlagen gegen Luftangriffe gesichert wurden. Luftangriffe würden das Programm daher zurückwerfen und verlangsamen, es aber nicht ausschalten. Anders als im Irak oder in Syrien gibt es im Iran nicht den einen Reaktor, der nach seiner Bombardierung das gesamte Programm beendet. Vielmehr sind es dutzende Anlagen, teils sehr tief unter der Erde.

Wollte man also sicherstellen, dass das Atomprogramm wirklich beendet ist, so müssten Soldaten am Boden die Anlagen zerstören und im ganzen Land nach weiteren versteckten Anlagen suchen. Dies geht naturgemäß nur am Boden. In einem Land, das mehr als viermal so groß ist, wie Deutschland. Das über eine anspruchsvolle Geographie verfügt und theoretisch eine siebenstellige Zahl seiner Bürger bewaffnen kann, von denen die USA einen fanatischen Widerstand erwarten müssen.

Dass die iranischen Streitkräfte besiegt werden können, steht außer Frage. Genauso würden die US-Truppen in das Land einfallen und es besetzen können. Kontrollieren würden sie es jedoch zu keinem Zeitpunkt, während ein gewaltiger Guerillakrieg gegen sie geführt wird. Während praktisch alle verfügbaren Landstreitkräfte im Iran gebunden wären.

Gleichzeitig läuft ein Drittel aller Öltransporte und ein Drittel aller Gastransporte durch die Straße von Hormuz, die so eng ist, dass selbst Rohrartillerie die Schiffe beschießen und versenken kann. Dabei verfügt der Iran jedoch auch über von LKW einsetzbare ASM (Anti-Schiff-Raketen) mit mehreren hundert Kilometer Reichweite. In der Reichweite seiner ballistischen Raketen liegen nicht nur viele wichtige US-Basen, sondern auch ein großer Teil der exportierenden Erdölfelder.

Der Iran bereitet sich seit Jahrzehnten darauf vor, genau diese Umstände zu seinen Gunsten zu nutzen. Er verfügt über die Mittel, um die Ölfelder, Gasfelder, Raffinieren, Verladeterminals und US-Basen anzugreifen. Er verfügt über hunderte kleine Boote, die Angriffe auf Tanker durchführen können und dabei in so großer Zahl angreifen können, dass eine Verteidigung übersättigt würde. Sie verfügen über Minen zum Sperren der Straße von Hormuz, über konventionell betriebene Uboote, die auch US-Kriegsschiffe gefährden können, wie auch ihre ASM.

Sollte Trump also einen Krieg beginnen, so würden die Ölexporte aus dem persischen Golf weitgehend stoppen, bis die iranische Küste und die Seestreitkräfte neutralisiert sind. Dies würde höchstwahrscheinlich auch Invasionen des Küstenstreifens und der iranischen Inseln vor der Küste erfordern, was tote US-Soldaten bedeuten würde, während es gleichzeitig keine dauerhafte Lösung erzeugen würde.

Der Iran könnte in einem Krieg massiv militärisch geschwächt werden, der von ihm angerichtete Schaden an den USA und ihren Verbündeten wäre jedoch enorm. Gleichzeitig würde der Ölpreis explodieren, was nicht nur das US-Wirtschaftswachstum abwürgen und Trumps Chancen auf eine Wiederwahl praktisch beenden würde, es würde auch wieder frisches Geld in die Kassen Russlands spülen. Geld, mit dem Russland wieder militärisch aktiv werden könnte. Am Ende müssten sich die USA zurückziehen, während in Teheran womöglich noch immer die gleichen Leute an der Macht wären, die nun auch noch einen offenen militärischen Sieg gegen die USA reklamieren könnten.

Ein Angriff der USA auf den Iran würde Trump daher die Wiederwahl kosten, Russland stärken, weitere russische militärische Abenteuer ermöglichen, die Verbündeten der USA massiv schwächen und die US-Wirtschaft abwürgen.

All das weiß man in Teheran.

Wenn man das bedenkt, wie groß ist dann noch das Risiko für den Iran, wenn seine Revolutionsgarde mit ein paar kleineren Angriffen die USA provoziert? Mit den Angriffen zeigen die Iraner, dass sie fähig und willens sind, den Ölfluss zu stoppen oder extrem zu verteuern. Sie zeigen der aufmerksam zusehenden arabischen und islamischen Öffentlichkeit, dass sie es wagen – und am Ende wohl erfolgreich wagen – gegen den „großen Satan“ USA aufzustehen. Sie zeigen, dass sie es schaffen, gegen die USA zu bestehen.

Dazu soll Kushners Friedensplan für den Palästinenserkonflikt in Kürze vorgelegt werden. An Frieden ist jedoch nicht zu denken, wenn ein Krieg mit dem Iran droht. Noch weniger, wenn der Iran erfolgreich gegen die USA aufsteht und stehenbleibt. Wieso sollte die arabische Straße Zugeständnisse gegen Israel akzeptieren, wenn der Iran es schafft, den USA zu trotzen?

Das Verhalten stärkt die Position des Iran im geopolitischen Konflikt mit Saudi-Arabien erheblich. Es zeigt allen Muslimen der Region, wer der wirklich starke islamische Staat ist und verhindert einen Frieden mit Israel, dessen Zerstörung der Iran als einzige Nation der Region ernsthaft anstrebt. Und dies sollte erklären, wieso der Iran „so dumm sein sollte, Tanker anzugreifen“. Der Iran will Trumps Karten sehen und „callt den Bluff“. Er zeigt, dass er, der Iran, tatsächlich bereit ist, zu den Waffen zu greifen, sollte es nötig sein. Dass der Bluff bei ihm nicht wirken wird. Weil der Iran eben gerade nicht dumm ist, sondern schlau. Möglicherweise zu schlau für Trump.

Mein letztes Buch befasst sich mit der „Flüchtlingskrise“ und ist hier käuflich zu erwerben: Nein, wir schaffen das nicht!: Warum die aktuelle Flüchtlingskrise zu einer Staatskrise wird.

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Israelische Siedler ermorden Palästinensische Eltern vor deren vier Kindern

Wieder ist es passiert. In einem „drive by shooting“ haben jüdische Siedler eine palästinensische Familie in ihrem Auto beschossen und die beiden Eltern getötet. Die vier Kinder waren im Auto und mussten das Sterben ihrer Eltern mit ansehen, blieben aber körperlich unverletzt. Die weltweiten Medien berichten empört über diesen Gewaltakt, der zudem von der israelischen Regierung auf Twitter gelobt wurde.

Sie haben nichts davon gehört? Ehrlich?

Ach, tut mir leid. Ich habe da wohl was verwechselt. Die Opfer waren Israelis, die Täter Palästinenser. Die Fatah hat den Anschlag gelobt. Na dann ist es ja halb so wild. Und mit der „moderaten“ Fatah soll Israel übrigens einen Frieden schließen…

 

Aktuell:

Heartbreaking: photo capturing the moment that the baby, whose father was murdered in tonight's terror attack, was…

Posted by StandWithUs on Saturday, October 3, 2015

 

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