Russland holt sich die Krim

Nachdem Truppen unbekannter Herkunft zunächst zwei Flughäfen auf der Krim besetzt hatten, sind nun russische Verstärkungen gelandet. In zunehmendem Maße wird klar, dass eine russische Krim, ob direkt, militärisch besetzt oder über ein Marionettenregime, das Resultat sein wird.

Crimea in Ukraine
By TUBS [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Nach dem Umsturz in Kiev haben Truppen ohne Hoheitszeichen den Flughafen bei Sevastopol und den Flughafen von Simferopol besetzt. Zuvor hatten Berkut-Einheiten von der Krim zum Isthmus der Halbinsel verlegt um diesen blockieren zu können. Auch wenn Berkut an sich aufgelöst wurde, scheinen sich die Einheiten auf der Krim herzlich wenig darum zu scheren.

Indem die Flughäfen kontrolliert sind, kann das Einfliegen russischer Verstärkung ermöglicht und das Ukrainischer verhindert werden. Durch die Blockade des Isthmus ist nun auch der Landweg zur Krim abgeschnitten. Damit konnte Russland die Kontrolle auf der Halbinsel übernehmen ohne unmittelbar militärisch einzugreifen, auch wenn die Truppen ohne Hoheitszeichen mit hoher Wahrscheinlichkeit russische Militärangehörige sein dürften.

Die Situation nutzend sind gestern 13 Il-76 Candid aus Russland auf der Krim gelandet. Die Transportmaschinen sollen je etwa 150 Soldaten an Bord gehabt haben, was eine Verstärkung der russischen Positionen um etwa 2.000 Mann bedeutet. Eine Invasion bedeutet dies noch nicht unmittelbar, da Russland dank seines Abkommens von 2010 mit der Ukrainer nicht nur 388 Schiffe und 161 Flugzeuge auf der Krim stationieren darf, sondern auch 25.000 Soldaten. Ist dieser Rahmen noch nicht ausgeschöpft, verlegt Russland nur vertragsgemäß Soldaten. Da die Berkut-Einheiten nicht russisch sind und die Besetzer der Flughäfen nicht als russische Soldaten auftreten, kann Russland also behaupten mit all dem nichts zu tun zu haben.

Pässe für die Berkut-Mitglieder

Gestern hat Russland Mitgliedern der aufgelösten Berkut angeboten, sie mit russischen Pässen auszustatten. Dies würde in Simferopol geschehen. Auf diese Art und Weise erreicht Putin zwei Dinge. Zum einen erhöht er die Zahl an russischen Staatsbürgern im Territorium der Ukraine, deren Bedrohung dann eine Intervention rechtfertigen kann. Dies ist in den beiden abtrünnigen Regionen Georgiens, Süd-Ossetien und Abchasien so vorgemacht worden. Dort wurden die Bewohner zu russischen Staatsbürgern gemacht was 2008 dann der Rechtfertigung des militärischen Einschreitens diente. Zudem werden alle dies annehmenden Paramilitärs auf Gedeih und Verderb an Russland gebunden, wäre ihre Zukunft in einer ukrainischen Ukraine oder Krim nach diesem „Überlaufen“ nicht allzu rosig.

Zum anderen sammelt Russland so die russlandtreuen Berkut-Angehörigen aus der ganzen Ukraine auf der Krim. Diese Einheiten können dann gegen ukrainische Loyalisten oder Milizen vorgehen, ohne dass Russland sich offiziell einmischt. Russland erhöht auf diese Art und Weise seine Schlagkraft ohne eigene Truppen.

Der Westen wird zusehen, Blaupause ist Süd-Ossetien und Abchasien

Auch wenn Obama warnt, so wird es keine Folgen haben. Der schlechteste Präsident der US-Geschichte hat bereits bewiesen, wie inkompetent seine Außenpolitik ist und wie wenig seine Drohungen gelten. Sowohl Chinas Verhalten, wie auch jetzt das russische sind eine direkte Folge. Sofern Russland nicht die ganze Ukraine mit einer „richtigen“ Invasion erobert, wird der Westen zusehen.

Das sichere Ausbleiben militärischer Unterstützung wird aber dazu führen, dass sich die neue Regierung in Kiew den Fakten am Boden beugen müssen wird. Die ukrainischen Streitkräfte sind nach Jahrzehnten der Mangelwirtschaft unfähig, den russischen Streitkräften ohne Hilfe von außen anhaltenden Widerstand zu bieten. Während Waffenlieferungen aus den baltischen Staaten und Polen im Falle eines Bürgerkriegs wahrscheinlich wären, würde Russland wohl direkt auf Seiten der Abtrünnigen intervenieren, unter dem Vorwand seine Staatsbürger zu schützen. Damit wäre der Ausgang vorbestimmt. Eine pro forma Legitimation erhält es zudem durch die Aufforderung des neuen Regierungschefs auf der Krim an Russland, zu Hilfe zu kommen.

Indem Russland also nicht die ganze Ukraine besetzt, sondern sich vor allem auf lokale Kräfte und angeblich lokale Kräfte stützt, vor Ort Pässe verteilt und zudem vom lokalen Regierungschef um Hilfe gebeten wird, wird es keine Intervention des Westens geben. Russische Streitkräfte werden vor Ort „für Sicherheit“ sorgen. Ob die Krim am Ende die Unabhängigkeit erklärt oder mittels eines Votums für eine Angliederung an Russland stimmt, ist dabei fast schon irrelevant. Am Ende wird die Krim wieder unter Kontrolle des Kreml sein, ob nun offen oder über Marionetten. Was sich für Russland in Georgien mit Abchasien und Süd-Ossetien bewährt hat, wird nun in der Ukraine weiterexerziert. Vladimir Putin, der den Untergang der mörderischen Sowjetunion als „größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet hat, wird am Ende ein weiteres Mal das russische Staatsgebiet ausgeweitet haben, während der Wesen und vor allem die USA hilflos dabei zusehen.

Folgen wird das Ganze nicht nur für die Krim haben. Eine Inaktivität des Westens wird allen Anrainern Russlands eine Lehre sein, dass sie die nächsten Opfer Russlands sein können. Damit gewinnt Russland mit der Besetzung der Krim nicht nur an Territorium, es wird zudem „illoyale“  Nachbarstaaten unter Druck setzen sich künftig mehr nach russischen Wünschen zu verhalten.

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