Quo vadis, Aufklärung?

Nachdem in Paris bei einem Terroranschlag bislang (!) rund ein Dutzend Menschen ermordet wurden, muss man sich einige Fragen stellen. Fragen, deren Inhalt eben nicht ist: „Wie können wir das Bild des Islams schützen“, wie es gerade zum Beispiel die HuffingtonPost macht. Sondern eher, ist dies das Ende der Aufklärung?

Die HuffPo macht sich Sorgen um das Islambild.
Die HuffPo macht sich Sorgen um das Islambild.

 

Wie lange gilt noch die Aufklärung?

Gerd Buurmann schreibt, dass es dem Islam bestens gehe. Sich angesichts eines Terroranschlags Sorgen um sein Bild zu machen ist, wie sich angesichts Breiviks Anschlag Sorgen um das Bild Norwegens zu machen.

Ich kann die oben gezeigten Reaktion nur so deuten, dass die entsprechenden Personen bereits vor Angst vor dem Islam erzittern. Zurecht, wie man heute (wieder einmal) sagen muss.

Doch während in Paris zu diesem Zeitpunkt die Terroristen, es waren möglicherweise fünf, noch auf der Flucht sind, muss man sich fragen, welche Auswirkungen dieser Anschlag haben wird.

Eine der großen Errungenschaften der Aufklärung ist das Hinterfragen von Religionen und die Meinungsfreiheit gerade auch in deren Richtung. Die Meinungs- und Kunstfreiheit ist ein fundamentaler Bestandteil der liberalen und pluralistischen Demokratie. Wie aber soll es damit weitergehen?

Ich habe Ulf Poschardt gefragt, ob die Welt morgen die Karikaturen von Charlie Hebdo abdruckt. Bis jetzt habe ich keine Antwort bekommen. Es wäre ein Zeichen.

 

Das Einstehen für die Meinungsfreiheit kann den Tod bedeuten

Doch Zeichen für eine unbedingte Meinungsfreiheit zu setzen, kann den Tod bedeuten. Das zeigten nicht nur die Reaktionen radikaler Muslime in Richtung von Jylands Posten, als dort 2003 Mohammed-Karikaturen abgedruckt wurden.

Dass heute eine zweistellige Zahl an Journalisten von Charlie Hebdo von radikalislamischen Terroristen ermordet wurden, ist kein Zufall. Charlie Hebdo hatte dies „provoziert“, werden die ersten wohl bereits auf ihre Blogs schreiben, auf Twitter veröffentlichen und morgen in den Feuilletons texten. Ja, das hat Charlie Hebdo. Weil das Magazin es gewagt hat, sich über den Islam lustig zu machen.

Spätestens jetzt weiß das jeder, der etwas veröffentlicht. Er weiß, dass eine solche „Provokation“ den eigenen Tod bedeuten kann. Meine Veröffentlichung vergangener Charlie Hebdo Karikaturen hat mich ebenfalls einen Moment zögern lassen. Nicht, weil ich damit Urheberrechte breche, sondern weil ich genau weiß, dass ich mich damit ebenfalls theoretisch zur Zielscheibe mache. Höchstwahrscheinlich werde ich davon kommen, schlicht weil mich keiner kennt und viel zu wenige diesen Blog lesen. Etwa 2004 oder 2005 hatte ich einen Islamisten angezeigt, der mich bedroht hatte. Der Beamte der Kriminalpolizei in Würzburg sagte mir: „Mich bedroht niemand, weil ich mich nicht dazu äußere.“ Im Prinzip also: „Halt den Mund, dann passiert Dir auch nichts.“

Welcher Karikaturist mit großer Reichweite wird sich morgen noch trauen, sich in Karikaturen über Mohammed lustig zu machen? Welche Zeitung wird sich noch trauen, derartiges abzudrucken? Ich glaube, prinzipiell sind noch viele mutige Menschen da draußen, aber welcher Chefredakteur kann und wird diese Verantwortung übernehmen, seine Leute zur Zielscheibe zu machen? Welcher Journalist und Karikaturist wird freiwillig ein Todesurteil sich und seiner Familie gegenüber fällen? Wer möchte künftig untergetaucht leben? Selbst wenn die Polizei künftig Redkationsgebäude bewacht – in Paris waren es wohl fünf Angreifer mit militärischer Ausbildung, schusssicheren Westen und Sturmgewehren. Da helfen auch eine handvoll Polizisten wenig. Und selbst wenn – die Journalisten wollen das Verlagsgebäude irgendwann auch einmal verlassen.

Wie wird es mit der Zukunft der Meinungs- und Kunstfreiheit in Europa weitergehen?

Gideon Böss sagt völlig richtig:

2 Antworten auf „Quo vadis, Aufklärung?“

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