Der Asyl-Burgfrieden

Man glaubt dieser Tage fast, Wilhelm II. wieder im Radio hören zu können. Seine krächzende Stimme sagt: „In der Asylfrage kenne ich keine unterschiedlichen Meinungen mehr. Ich kenne nur noch Befürworter. Zum Zeichen dessen, dass Sie fest entschlossen sind, ohne Parteiunterschied, ohne Stammesunterschied, ohne Konfessionsunterschied durchzuhalten mit mir bei der Aufnahme von Asylbewerbern durch dick und dünn, durch Not und Tod zu gehen, fordere ich die Deutschen auf, vorzutreten und mir das in die Hand zu geloben.“ Denn jede abweichende Meinung, als die der unbedingten Aufnahme, macht einen heute nicht mehr zum Vaterlandsverräter, sondern zu etwas viel Schlimmeren: Man wird „Dunkeldeutscher“.

 

Differenzierung ist etwas für Faschisten

Ein Volk ist sich einig und folgt getreu Napoelons Worten. “ Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde„. Wer heute auch nur verhaltene Kritik an den aktuellen Zuständen äußert, im Besonderen hinsichtlich der Zahl oder Auswahl der Asylbewerber, der ist quasi bereits ein Verbrecher.

Dann werfen einem selbst Freunde die Worte „Heidenau“ und „Freital“ ins Gesicht. Dann wird einem von Freunden von 20 Jahren erklärt, man äußere sich „menschenfeindlich“ und „faschistoid“. Für die Oettinger Brauerei gibt es nur die Wahl zwischen „Bunter Vielfalt und Brauner Flasche“

Bunte Vielfalt oder Braune Faflsche. Du Entscheidest. Screenshot
Bunte Vielfalt oder Braune Faflsche. Du Entscheidest. Screenshot

Der Spiegel lässt gleich ganz deutlich die Hosen runter und titelt in seiner englischen Ausgabe: „Dark Germany, Bright Germany: Which Side Will Prevail Under Strain of Reguees?“ also „Dunkeldeutschland, Helldeutschland: Welche Seite wird unter dem Druck der Flüchtlinge obsiegen?“ Ein „Graudeutschland“ gibt es nicht mehr.

Dunkeldeutschland oder Helldeutschland? Es kann nur einen geben. Screenshot
Dunkeldeutschland oder Helldeutschland? Es kann nur einen geben. Screenshot

Es kann nur einen geben. Ein Mittelweg ist nicht mehr möglich. Entweder Ihr seid für #RefugeesWelcome ohne wenn und aber, oder Ihr seid Dunkeldeutschland. Seine Majestät wäre beeindruckt.

 

Ein Burgfriede tut niemals gut

Dabei könnte Deutschland durchaus aus seiner Geschichte lernen. Statt auf der Welle des „Helldeutschland“ mitzureiten und mal eben schnell ein paar Änderungen beim Grundgesetz durchzuwinken, wie es De Maizière vorhat, wäre ein wenig kühler Kopf vielleicht nicht gänzlich unangebracht. Während der Innenminister auf der Flüchtlingswelle reitend vermutlich das Eigentumsrecht einmal mehr beschneiden will, damit der Staat Bürgern ihre Immobilien entziehen kann um sie Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen, weist er lapidar darauf hin, dass die arabischen Muslime sich schlechter integrieren würden als die türkischen, die hier seien. Was aber für Maßnahmen ergriffen würden, auch etwa um Islamisten gar nicht erst rein zu lassen, ist kein Thema. Zwar soll richtigerweise bei Straftaten gegen Asylbewerber und deren Unterkünfte hart durchgegriffen werden, De Maizière fordert sogar „härteres Durchgreifen“, ein die Akzeptanz förderndes härteres Durchgreifen gegen schwerkriminelle Asylbewerber – denn auch die soll es geben – kommt ihm aber nicht in den Sinn. So laufen natürlich auch die Asylverfahren derjenigen Bewerber weiter, die unlängst einen Afghanen in Suhl lynchen wollten, weil er den Koran entweiht hatte.

Doch davon abgesehen, sollte Deutschland von seinem letzten Burgfrieden lernen. Wenn ein wichtiges Thema von nationaler Dringlichkeit nicht mehr kontrovers diskutiert wird, wenn alle Parteien nur noch brav nicken und Kriegsanleihen zeichnen, dann kann und wird es nicht gut ausgehen.

Das heißt nicht, dass der Kurs jetzt unbedingt falsch sein müsste, nur weil ich es so sehe. Aber der Diskurs über den jetzigen Kurs muss laut und deutlich geführt werden. Es gibt nämlich sehr wohl Positionen zwischen „#RefugeesWelcome“ und „#AusländerRaus“.

Der letzte Burgfriede hat Millionen Leben gekostet, zu einer vernichtenden Niederlage geführt und das gesamte politische System zerschlagen. Ein bisschen weniger heiliger Eifer für die gute und gerechte Sache wäre daher heute vielleicht nicht gänzlich unangebracht. Es soll, auch wenn das für sich revolutionär klingen mag, da draußen auch Grautöne geben, die legitim sind.

Eine Antwort auf „Der Asyl-Burgfrieden“

  1. Teile der Öffentlichkeit, eben nicht nur rechtsradikale Hetzer, zeigen hier extremistische entweder-oder-Anschauungen und glauben dabei noch, die Moral mit Löffeln gefressen zu haben, wenn sie andere auffordern ihr Hirn auszuschalten.

    Addendum: Das Wort „Refugees“ ist im deutschen Diskurs eine Chiffre für die Ablehnung des deutschen Rechtsstaats. Man sollte in Gesprächen immer auf die Verwendung der Worte „Asylbewerber“ und „Flüchtlinge“ drängen.

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