Das Regime ist schrecklich. Basher ist aber ein guter Mann!

Vor Kurzem habe ich eine junge Frau getroffen, die sich als sunnitische Syrerin herausgestellt hat. Sicher zwei Stunden lang haben wir dabei über den gerade stattfindenden Bürgerkrieg gesprochen. Informationen aus dem Land zu bekommen ist immer schwierig. Meinen Freund in Aleppo erreiche ich seit Monaten nicht mehr, alle anderen Beteiligten können eine politische Agenda haben, wenn dies nicht sogar feststeht. Von daher war es sehr interessant, einen „Beteiligten“ zu sprechen, der keinen Grund zur Vermutung gibt, die Aussagen könnten mit manipulativer Absicht getätigt sein.

Wir haben uns nicht getraut, den Namen „Basher“ auszusprechen

Die junge Frau lebte noch bis Ende 2012 in Damaskus und war diesem Sommer auch einige Wochen zurück in ihrer Heimat. Sie hat also das erste Jahr des Bürgerkriegs noch vor Ort miterlebt, kennt aber auch die Zeit vor den ersten Aufständen.

Laut eigener Aussage fürchtete sich die Familie vor dem Bürgerkrieg selbst in der eigenen Wohnung davor, über die Regierung zu sprechen. Die Drohkulisse der Überwachung ist derart furchteinflößend und umfassend, dass man es nicht gewagt habe, den Namen des Präsidenten auszusprechen.

Laut eigener Aussage sei eine ganze Reihe ihrer Bekannten und Freunde zu irgendeinem Zeitpunkt mal verhaftet worden. Sie selbst sei einige Male wohl nicht weit daran vorbeigeschrammt.

Wir wollen diese Leute nicht. Das ist nicht der Islam!

Doch auch über die Rebellen wusste die Frau nicht viel Gutes zu sagen. Was ISIS und al-Nusra machen sei „Wahnsinn“. Diese Verbrecher würden einen Version des Islams leben, der nicht dem Koran entspreche. Ihre steinzeitliche Version müsse bekämpft werden. Am liebsten wäre ihr, wenn sich al-Nusra und ISIS sich gegenseitig bekämpfen und töten würden.

Wir kamen auch auf die Verfolgung der Christen zu sprechen und über die Eroberung von Maaloula durch al-Nusra und die erfolgte Befreiung durch die Regierung. „Zum Glück ist da jetzt alles wieder gut!“

Sorge um Freunde, Fahrt zum Baden über belagerte Straßen

Jeden Tag würde sie auf Facebook überprüfen, ob ihre Freunde noch am Leben seien. Diese permanente Ungewissheit ist eine große Belastung. Es war weniger schlimm in Damaskus selbst zu sein. Dort besteht ein ganz kleines Risiko, aber weil dem jeder ausgesetzt ist und es immer droht kann man es ignorieren. Viel schlimmer sei dagegen, in Frieden und Sicherheit zu leben und sich um die zu sorgen, die einem am Herzen liegen.

Während ihres letzten Aufenthalts habe sie auch einen Strandurlaub in Tartus und Latakia eingelegt. Bei der Autofahrt an die Küste sei man an vielen Checkpoints vorbei gekommen und habe sich permanent bedroht gefühlt. In dem Bürgerkrieg ist eine wirkliche Frontenbildung nur bedingt vorhanden. Statt dessen sind durchaus ganze Ortschaften weit im Hinterland des von der Regierung kontrollierten Gebiets fest in der Hand von Aufständischen oder Terroristen.

Unser Gespräch kam auch auf die surreale Situation zu sprechen, die ich kürzlich auf einem Youtube-Video sehen konnte. Eine mechanisierte Einheit ging dort gegen ein von Rebellen gehaltenes bebautes Gebiet vor. Während T-72 Feuerschutz gaben, fuhren immer wieder BMP-2 heran und entluden Infanteristen. Das wirkliche irre dabei war, dass während die Panzer und SPz auf die Gebäude feuerten, fuhren LKWs und Busse auf der Straße vorbei. Teilweise schlängelten sich auch PKWs zwischen den Panzern durch. Auch sie selbst habe ähnliches erlebt. Es sei bei den Fahrten einmal passiert, dass es einen großen Einschlag in der Nähe gab und man sich einfach geduckt habe und weiter gefahren sei.

Bürgerkrieg in Syrien
Während Panzer und Schützenpanzer im Gefecht stehen, fahren Kleinbusse zwischen den Fahrzeugen die Straße entlang.

Das Regime ist schrecklich, aber Basher ist ganz anders

Auf meine Frage, ob sie denn dann die Regierung unterstützen würde, sagte sie entschieden „Nein!“. Es sei eine schreckliche Diktatur, aber Basher sei völlig anders. Er sei ein guter Mensch. So einen wie ihn habe man in ganz Arabien noch nicht erlebt.

Nur ein Augenzeuge, aber ein interessanter…

Die Frau ist natürlich nur ein Augenzeuge und kann daher nur einen Einblick auf die Situation geben, wie ihn eine junge Frau aus der Hauptstadt sieht, die ihre Religion nur noch kulturell versteht und folglich auch Alkohol trinkt und sich nicht verhüllt. Sie selbst mag Sunnitin sein und über die „Mafia“ der Regierung schimpfen, ihr Vater scheint aber doch ein wohlhabender Mann (gewesen) zu sein. Entsprechend kann sie natürlich nicht beispielhaft für alle Syrer stehen.

Interessant ist jedoch, dass sie das bestätigt, was man von vielen der Assad-Unterstützer hört. Seine Herrschaft sei vorzuziehen, er wird geradezu verehrt. Wirklich erstaunlich dabei ist, dass er verehrt wird, während sein Regime gefürchtet und verachtet wird. Auch mein Einwand er sei dafür aber doch auch verantwortlich änderte nichts an der Einschätzung seiner Person.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.