Das Leben in Panama (I): Höflichkeit

Ich lebe nun seit fast einem Jahr in Panama und lerne das Land noch immer kennen. Auf Facebook habe ich immer wieder Details aus dem Land veröffentlicht, aber vielleicht interessiert das ja auch meine Leser hier. Daher werden die Einträge von Facebook nach und nach hierher übertragen, während neue Berichte von nun an zuerst hier erscheinen werden.

 

Höflichkeit

Panameños sind extrem höflich. Jeder wünscht einem einen guten Morgen oder guten Abend, beim Betreten des Aufzuges wird man begrüßt und man verabschiedet sich. Wenn man wie ich um Höflichkeit bemüht ist und sich beim Durchgehen einer Tür umsieht, ob noch andere durchgehen wollen und dann die Tür aufhält, In Deutschland habe ich es dagegen oft genug erlebt, dass andere es wie eine Selbstverständlichkeit sahen, wenn man ihnen die Tür aufhielt. Als sei man ein Portier. Nur dass hier auch dem Portier dafür gedankt würde.

Panameños respektieren ihre Alten ganz besonders. Es gibt sogar ein Gesetz, das Jubilados Vorzüge einräumt. Sie erhalten beispielsweise günstigere Preise in öffentlichen Verkehrsmitteln und meines Wissens müssen (!) Restaurants und Kinos ihnen einen Rabatt einräumen. In Behörden und Banken gibt es eigene Schalter für Jubilados, die daraufhin natürlich viel kürzer anstehen müssen.

Ein Freund sagte mir, die Ubahn der Stadt habe keine Sitzplätze. Wie, keine Sitzplätze? Naja, natürlich habe sie welche, aber die Einheimischen stehen alle für Frauen auf. Das heißt, es sitzen nur Senioren und Frauen, Männer stehen alle. In Deutschland ist es dagegen inzwischen eine Besonderheit, wenn jemand auch nur für gehbehinderte Senioren in der Straßenbahn aufsteht.

Als ich mit einer Bekannten zu einer Behörde gegangen bin, wurden wir an der Schlange vorbeigewunken, da sie an Krücken ging. Der Umstand, dass sie in dem Moment gehbehindert war, sparte uns also rund 30 Minuten Wartezeit.

Wie das alles allerdings mit der völlig mangelnden Pünktlichkeit einher geht, ist für einen Deutschen nur schwer zu begreifen. Man erscheint pünktlich zum Termin, der andere kommt aber gerne mal erst eine Stunde später. Eine Nachbarin ist Ärztin und hat mir erzählt, teilweise kommen die Patienten zu ihrer eigenen Operation zwei Stunden zu spät. Als Deutscher empfinde ich das als Affront, weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe. Aber hier ist es normal.

Normal bedeutet aber keineswegs, dass sie sich des Problems nicht bewusst wären. Es gibt beispielsweise Memes im lokalen Teil des Internets und auf lokalen Webseiten und Facebookseiten, wo unter der Überschrift: „Wie kannst Du Panama besser machen“ immer als Punkt 1 steht: „Sei pünktlich“.

Lustigerweise stand in einem Buch über Panama, dass die Einheimischen immer zu spät seien – von Ausländern aber Pünktlichkeit erwarten.

 

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