COVID-19: Ich hatte Unrecht

Ab Januar 2020 hatte ich, weit vor den Meisten, begonnen, mich auf das Virus vorzubereiten. Ich habe Nachrichten gelesen, wonach die Letalität über der Spanischen Grippe liegen soll. Im Februar habe ich dann meinen Lesern empfohlen, sich selbst vorzubereiten. Inzwischen habe ich meine Ansicht geändert und bin davon überzeugt, dass ich falsch lag und die allermeisten Maßnahmen übertrieben sind.

Ich bin noch immer in Panama, wo wir nun endlich nach sechs Monaten (!) Hausarrest mit zweimal je zwei Stunden Ausgang pro Woche für Einkäufe langsam aus der Haft entlassen werden. Noch herrscht sonntags und ab 23 Uhr Ausgangssperre, es beginnt jedoch eine Normalisierung. Das Land hatte drakonisch auf das Virus reagiert, während die Elite gleichzeitig weiter entspannt an den Strand gefahren ist und 600.000 Menschen einen Passierschein hatten.

Vier bis fünf Monate wurde nur getestet, wer seinen Test selbst bezahlte (was bei zunächst 85 Dollar mehr als 10% des Monatsgehaltes entsprach) oder zwei Symptome gleichzeitig aufweisen konnte. Man hat also zu keinem Zeitpunkt versucht, ernsthaft jeden Infizierten zu finden.

Das Resultat, verbunden mit Missmanagement und den lokalen Umständen, die zu erläutern den Umfang eines halben Romans erfordern würde, ist, dass offiziell inzwischen 2,5 Prozent der Bevölkerung als infiziert diagnostiziert wurde. Gleichzeitig gab es Wochen mit mehr als 10.000 positiven Befunden (bei einer Bevölkerung von vier Millionen) und mit über 30% die weltweit höchste Positivquote bei Tests, was deren völlig unzureichenden Umfang und eine weit höhere Infektionsrate belegt.

Bedenkt man das weitgehende Ignorieren der Regeln in den Armenvierteln und durch die Oberschicht und verbindet das mit kleinen Häusern, überfüllten Wohnungen und dem allgemein üblichen Transportmittels des bis an den Rand gefüllten Kleinbusses mit maximal laufender Klimaanlage, so ist garantiert eine Untertreibung zu sagen, dass die tatsächliche Rate an Infektionen bei mindestens dem zehnfachen, also 25 Prozent der Bevölkerung liegt. Erneut: Monatelang nur Tests bei mehreren Symptomen gleichzeitig, die Wohnbedingungen und weltweit höchste Positivrate bei Tests über Wochen lassen das zu einer vorsichtigen Schätzung werden.

Realistischerweise sind zehnmal so viele wohl noch zurückhaltend, womit wohl eher 50, denn 25 Prozent der Bevölkerung das Virus bereits hatte. Nun gut, doch was sind die Folgen?

Stand heute sind 2.364 Menschen mit dem Virus verstorben, gleichzeitig gab es in den ersten sechs Monaten des Jahres eine Untersterblichkeit von 3.600. Es verstarben also trotz grassierender Epidemie weniger Menschen, als vorher.

Alleine die Zahlen zählen

Wenn man etwas bewerten will, so müssen alleine die Zahlen zählen. Diese geben jedoch keine Rechtfertigung für Panik oder restriktive Maßnahmen mehr her. Tote „des Virus“ werden komplett aufsummiert, egal was die tatsächliche Todesursache war. Ich will hier nicht das Fass aufmachen und diskutieren, wie viele der 90%, die in den USA auf dem Totenschein neben dem Virus auch noch andere Ursachen wie Krebs, Lungenentzündung etc. auflisten, dem Virus zuzurechnen sein müssen, aber nehmen wir einmal großzügig an, alle in Panama verstorbenen Menschen seien am Virus verstorben, wohlweislich ignorierend, dass fast alle schwere Vorerkrankungen hatten.

Will man die selbst dann nicht beeindruckende Todesrate (immer noch weniger Tote als im Vorjahr!) sinnvoll bewerten, so müsste man gleichzeitig die Zahlen haben, wie viele im Vergleich zu den Vorjahren an Krebs, Lungenentzündung und an den „Vorerkrankungen“ verstorben sind. Wenn das Virus die Menschen mit Vorerkrankungen dahinrafft – diese Erkrankungen aber plötzlich niemanden mehr, so ist das Virus vielleicht nicht der Verursacher der Sterbefälle. Oder zumindest nicht der alleinige, sondern allenfalls nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Aktuell zeigt es, dass vergangene schwere Grippewellen eine höhere Letalität hatten und damals die Regierungen bestenfalls häufiges Händewaschen und ein „bleiben Sie bei Erkältungssymptomen zu Hause“ empfohlen haben. Aber selbst wenn ein Viertel bis die Hälfte der Bevölkerung hier in Panama das Virus hatte, so fallen die Leute nicht von der Stange und die Straßen sind nicht voll mit Leichen. Es ist nicht der Schwarze Tod, soviel ist inzwischen klar.

Es gibt die Meldungen über Langzeitfolgen – allerdings ohne jede Zahlen in ausreichender Menge. Wie viele der tatsächlich Infizierten bekommen die Langzeitfolgen? Dass es Langzeitschäden geben kann, ist weder überraschend, noch beeindruckend. Hätte ich jedes Mal die maximal möglichen Langzeitschäden all meiner Erkrankungen und Unfälle gehabt, so wäre ich schon mehrfach verstorben. Und lesen Sie besser nie die „möglichen Nebenwirkungen“ der Medikamente, die Sie zur Heilung von etwas einnehmen. Wenn Sie das lesen, so glauben Sie nämlich, sie würden gerade pures Gift einnehmen. Weil es, überraschenderweise, einen Unterschied zwischen „garantierten Nebenwirkungen/Langzeitschäden“ und „möglichen Nebenwirkungen/Langzeitschäden“ gibt.

Wenn ich mir also das vorher aufgeführte ansehe, so kann ich zu keinem anderen (polemischen) Schluss mehr kommen, als dass einschneidende Maßnahmen über die Empfehlung „bleiben Sie bei Symptomen zu Hause und waschen Sie sich viel die Hände“ nicht mehr zu rechtfertigen sind. Tut mir leid, wenn ich mich damit für Sie zum „Covidioten“ mache. Aber das habe ich im Januar ja bereits, als ich das Virus lange vor anderen ernst nahm. Nun bin ich es eben wieder, nur in die andere Richtung.

Wenn Sie nun fragen, warum Regierungen dennoch weiter drakonisch vorgehen, so ist dies relativ einfach zu beantworten. Neben Dummheit (in manchen Regierungen) kommen Dinge wie Machtgier, die Möglichkeit zur Umformung der Gesellschaft – wie viele haben bislang schon gefordert, ein „Zurück zum Alten“ dürfe es nicht mehr geben – Möglichkeit zum Geldverdienen (der Eigner des Essenslieferdienstes hier in Panama oder Inhaber von genug Amazon-Aktien sind wohl eher für Lockdown) und vor allem die „sunk cost fallacy“ zusammen.

Für mich ist es kein Problem, mich hinzustellen und hier zu schreiben: „Ich lag falsch“. Ob mich jemand von Ihnen nun für einen „Covidioten“ hält – oder im Februar beim Schreiben des vor dem Virus warnenden Artikels für einen hysterischen Panikmacher, ist mir herzlich egal. Aber wenn Sie ein Politiker sind, der wiedergewählt werden will, so fällt es schwer zu sagen: „Wir haben die Wirtschaft zerstört, Freiheiten erodiert und Sie alle unterdrückt – wegen einer Grippe. Oopsie!“ Für den mahnenden Wissenschaftler fällt es ebenfalls schwer, wenn man zunächst hunderttausende Tote angedroht hat, nun zu sagen: „War wohl nix. Tut mir leid, dass Ihr meinetwegen Euren Wohlstand und Eure Freiheit weggeworfen habt.“ Da fällt es viel leichter zu sagen: „Die zweite Welle kommt und wird viel schlimmer“ und „Es war nur nicht schlimm, weil ich Eure Wirtschaft zerstört und Euch Eure Freiheiten genommen habe“.

Panama zeigt, dass selbst wenn (fast) jeder krank wird, die Welt nicht untergeht.

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