Putin komplettiert Assads Meisterwerk

Die russischen Luftstreitkräfte sind nun offiziell zu Luftangriffen übergegangen. Damit wird Russland Kriegspartei in Syrien. Was bei Angriffen auf den Islamischen Staat zu begrüßen sein könnte, ist tatsächlich jedoch eine Katastrophe für Syrien und komplettiert Assads Meisterwerk.

 

Assad wollte eine möglichst radikale Opposition

In „Assads Meisterwerk“ habe ich beschrieben, wie Assad die Opposition gezielt radikalisierte. Extremisten wurden per Amnestie lange nach Beginn des Aufstands gegen ihn aus Gefängnissen entlassen.  Sobald klar war, dass er es mit einen waschechten Aufstand zu tun hatte den er nicht binnen weniger Tage würde erstücken können, traf seine Regierung eine folgenschwere, aber nicht minder geniale Entscheidung.  „Putin komplettiert Assads Meisterwerk“ weiterlesen

Podiumsdiskussion Interventionismus und Internationale Konflikte mit Prof. Ekkart Zimmermann bei ESFL München

Im November habe ich bei der ESFL-Konferenz in München die Ehre gehabt, mit Prof. Ekkart Zimmermann über Interventionismus und internationale Konflikte zu sprechen. Prof. Zimmermann

Sons of Libertas haben das Gespräch freundlicherweise aufgenommen und geschnitten und mir erlaubt es zu nutzen. Herzlichen Dank dafür!

Mit Dank an Sons of Libertas für Aufnahme und Schnitt!

Prof.Dr.Ekkart Zimmermann & Torsten Heinrich diskutieren über Internationale Konflikte und außenpolitischern Interventionismus.

Die Sons of Libertas zu Gast auf der European Students for Liberty regional Konferenz in München.

Ekkart Zimmermann (geb. 8.8. 1946) war seit 1981 o. Professor für Soziologie an der Universität der Bundeswehr München. Er studierte Nationalökonomie, Finanzwissenschaft, Recht, Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität zu Köln und für ein Semester in Berlin an der Freien Universität (1967/68). Sein Diplom und seinen Doktortitel (rer. pol.) erwarb er an der Universität zu Köln in den Jahren 1970 und 1975, die Habilitation erfolgte an der Universität Wuppertal (1979). Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. auf den Gebieten der vergleichenden Krisen- und Konfliktforschung, der sozialen Schichtung und der sozialwissenschaftlichen Methodologie. Er hat zum Jahresbeginn 1993 den Ruf auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Makrosoziologie an der Technischen Universität Dresden angenommen.
Zimmermann hat Fellowships (Gastprofessuren) an der Universität Essex (Department of Government, European Leverhulme Fellow) im Jahre 1973-74, an der University of South Carolina im Jahre 1986 (International Studies Association Scholar) und an der Yale University im Jahre 1989 (Department of Sociology) wahrgenommen. Ab 2004 mehrfach als Gastprofessor an der Universität Fribourg. Ab 2005 Lehre auch an der Hochschule für Politik, München. Zahlreiche Forschungsbeihilfen nationaler und internationaler Institutionen. Mehrfache Mitwirkung als stimmberechtigter Gutachter des Wissenschaftsrates.
In Lehre und Forschung setzt er sich neben langjähriger Methodenvermittlung u.a. mit folgenden Themen auseinander: Systemtransformation und demokratische Konsolidierung; Rechtsextremismus und soziale Vorurteile; Soziale Bewegungen, Protest, Gewalt und Revolutionen; Terrorismus; Wirtschafts- und Organisationssoziologie; Modernisierungs- und Entwicklungstheorien; Globalisierungsprozesse; Ungleichheit und Wachstum; Migration und multikulturelle Gesellschaft. Seine umfangreichste Veröffentlichung „Political Violence, Crises, and Revolutions“ ist 2011 als Klassiker Revival bei Routledge in New York erschienen.
Ab dem 1.10.2011 ist er Emeritus an der Technischen Universität Dresden. Im Herbstsemester 2011 unterrichtet er an der ETH Zürich („Modelle der Globalisierung“ – und „Politische Gewalt“ im April 2013) und der Universität Fribourg („Politische und ökonomische Konflikte“). Weitere Forschungs- und Lehraufenthalte in Japan und an der Stanford University sind für 2013 f. geplant. Ab dem Herbstsemester 2013 unterrichtet er in dem neuen Studiengang „Sociology, Politics & Economics“ an der Zeppelin Universität. Er steht für breite wissenschaftliche Beratung und Vorträge auf den genannten und anderen Gebieten zur Verfügung.

http://www.sonsoflibertas.com

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Darum drückt Saudi-Arabien den Ölpreis

Von Seiten des saudischen Ölministers kommen eindeutige Aussagen. Man kümmere sich nicht darum, wie weit der Ölpreis fallen werde. Selbst wenn er auf 20 Dollar je Fass stürzen sollte, Saudi-Arabien wird seine Förderung nicht vermindern. Dies alles, obwohl auch Saudi-Arabiens Produktionskosten vermutlich bei etwa 25 Dollar liegen, das Land aber einen Preis von 94 Dollar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt benötigt. Das bedeutet, auch wenn das Öl selbst noch mit Gewinn verkauft wird, reißt der niedrige Preis dennoch ein Loch in das saudische Budget – und die Saudis weiteten ihre Förderung sogar noch aus. Doch wieso machen sie das? Um wichtig für die USA zu bleiben und um den Iran in die Knie zu zwingen.

 

Dumpingpreise helfen nicht gegen Fracking

Es gibt Theorien, Saudi-Arabien würden mit dem niedrigen Ölpreis die amerikanische Förderung aus Schieferschichten, das sogenannte Fracking, austrocknen wollen. Dies ist zwar die tatsächliche Auswirkung, da die Förderkosten dort bei niedrigen Ölpreisen unterschritten werden, aber dennoch wohl eher eine Milchmädchenrechnung. Sofern nämlich nicht die Propagandakampagnen gegen Fracking durch die konventionellen Förderländer erfolgreich sind, wird die Förderung von Öl und Gas mittels Hydraulic Fracking zwar stoppen, nach einem Preisanstieg aber wieder beginnen. Durch niedrige Preise wird ja weder die dafür notwendige Technologie vergessen, noch die vorhandenen Energieträger „schlecht“ – sie sind ja keine verderbliche Ware. Natürlich würden solch einem Stopp der Förderung Firmen zum Opfer fallen, doch die Mehrzahl der Unternehmen würde überleben, während gleichzeitig die Möglichkeit für andere entstünde, in diesem Bereich tätig zu werden.

Erdöl ist der Treibstoff der Weltwirtschaft.
Erdöl ist der Treibstoff der Weltwirtschaft.

 

 

Es geht um Einfluss in den USA

In diesem Zusammenhang wird auch geschrieben, Saudi-Arabien würde seine Marktanteile in den USA erhalten wollen. Dies dürfte richtig sein. Allerdings nicht zwingend, weil dies ein gutes Geschäft für das Königreich ist, sondern aus politischen Erwägungen. Selbst wenn die Saudis bei ihren Verkäufen in den Vereinigten Staaten noch Geld machen, sind die politischen Renditen weit wichtiger.

Saudi-Arabien leidet massiv unter der Abwendung der USA aus dem Nahen Osten. Der alte Deal „Öl für Sicherheit“ scheint in Frage zu stehen. Im wahabitischen Königreich ist man schwer enttäuscht, weil die USA sich im Aufstand gegen Assad in Syrien derart herausgehalten haben, dass man sich selbst gezwungen sah, massiv einzugreifen. Obamas Akzeptanz von Mohammed Mursi, dem ägyptischen Prösidenten der Muslimbrüder, war für Saudi-Arabien genauso inakzeptabel wie die amerikanische Reaktion auf den Putsch durch das ägyptische Militär gegen den Islamisten, der sein Land gerade in eine radikalislamische Diktatur umzuwandeln versuchte.

Inaktivität verbunden mit Handlungen die das Königreich als falsch ansieht haben dazu geführt, dass sich das Königshaus gezwungen sah, selbst immer mehr zu einem Akteur zu werden, statt nur aus dem Hintergrund die Fäden zu spinnen. Nicht zuletzt deshalb musste sich das Land aus der Deckung wagen und die neue ägyptische Regierung finanzieren.

Die USA mögen heute, dank Fracking, in der Lage sein ihren eigenen Bedarf an Öl zu decken, importieren aber nach wie vor Öl aus Saudi-Arabien. Solange also die Saudis ihre Marktanteile behalten, bleiben sie ein wichtiger Versorger der Vereinigten Staaten, was ihnen Gewicht in Washington gibt und geben muss. Auch wenn eine Autarkie möglich ist, ist die Umsetzung doch ein zeitaufwendiger und teurer Prozess, so dass die Interessen und Belange der Saudis dank ihrer Marktanteile in den USA von Belang bleiben müssen.

 

Die iranische Bedrohung

Doch es geht nicht nur darum, einen Fuß in der Tür Washingtons zu behalten. Gerade das Zurückweichen der Amerikaner am Golf und die Perspektive auf einen Atom-Deal mit dem Iran, der ihm nach Ansicht vieler regionaler Player, wie Israel und Saudi-Arabien, die Kernwaffe ermöglichen würde, ist für die Saudis eine Horrorvorstellung. Die immer wieder aufkommenden Gerüchte einer zu erwartenden Toleranz israelischer Überflüge im Falle einer Angriffe auf die iranischen Atomanlagen zeigen die Besorgnis der sunnitischen Macht gegenüber den Schiiten aus Teheran genauso wie die immer wieder aufkommenden Spekulationen, die Saudis könnten selber nach Kernwaffen greifen und ihre ballistischen Raketen mit nuklearen Sprengköpfen aus Pakistan ausstatten.

Die Rivalität und der Gegensatz zwischen den beiden Staaten zeigt sich dabei über den ganzen arabischen Raum. In Syrien findet ein Stellvertreterkrieg zwischen der vom Iran gestützten Assad-Regierung und der durch die Sunniten gestützten FSA und radikalere Gruppen wie Jaysh al-Islam statt, die von Saudi-Arabien und andere sunnitische Golfmonarchien unterstützt werden.

Der Iran dagegen unterstützt nicht nur das alawitische Regime von Basher al-Assad, dessen Sekte dem schiitischen Islam zugerechnet wird. Sein Regime wäre ohne Ausbilder aus den iranischen Revolutionären Garden, die die NDF aufgebaut haben und das Regime mit Waffen, Kämpfern, Treibstoff und Geld stützen, möglicherweise längst gefallen. Ein weiterer Klientelstaat ist der Teil des Libanons, der durch die schiitische Hisbollah kontrolliert wird, die massiv von iranischer Unterstützung abhängig ist. Die Hisbollah erhält den Großteil ihrer Waffen aus dem Iran, in der Regel über die Syrische Grenze. Ohne Assad wäre diese mächtige Waffe des Irans von wesentlichen Teilen ihres Waffennachschubs abgeschnitten. Kisten mit Gewehren und Panzerfäusten mögen sich weiter in ihr Gebiet schmuggeln lassen, SCUD-Raketen eher nicht. Der Irak schließt den schiitischen Halbmond, und damit die Landbrücke zu Assad und zur Hisbollah, ab und ist seit Nuri al-Maliki ein Verbündeter des Iran. Spätestens seit den Erfolgen des Islamischen Staats ist er von dem Schiitischen Bruder so abhängig, dass er de facto zu einem Klientelstaat des Irans geworden ist.

Im Norden findet Saudi-Arabien also einen Ring aus regionalen Playern, die de facto Marionetten des Irans sind. Sein nur durch das rote Meer getrennte Nachbarland Ägypten hatte sich unter dem Muslimbruder Mursi ebenfalls dem Iran angenähert. Während eine Übernahme Bahreins durch Schiiten und damit den Iran nur mit Waffengewalt bislang verhindert werden konnte, greifen nun die schiitischen Houthi nun auch noch im südlichen Nachbarland Jemen nach der Macht. Saudi-Arabien sieht sich damit im Prinzip eingekreist und weiß hinter jeder schiitischen Bewegung den langen Arm Teherans.

 

Der Iran soll in die Knie gezwungen werden

Dieses Gefühl einer Einkreisung, die noch nicht einmal völlig von der Hand zu weisen ist, ist nicht nur der Grund für die Annäherung Saudi-Arabiens an den vermeintlichen Erzfeind Israel und Kooperation mit dem Land, die sogar bis hin zu gemeinsamen Kriegsplänen gehen soll. Sie ist auch Grund für die Waffenkäufe Saudi-Arabiens, die in Deutschland solche Panik ausgelöst haben. Tatsächlich könnten iranische Panzerkolonnen aber wohl binnen zwei bis drei Stunden den Südirak durchqueren und an der saudischen Grenze stehen.

Während Saudi-Arabien zwar den Vormarsch des Irans aufhalten möchte, hat das Königreich kein Interesse an einem militärischen Konflikt. Mit dem Ölpreis hat es nun ein Mittel gefunden, das sich als hoch effektiv erweisen könnte. Die iranische Wirtschaft ist noch mehr von den Rohstoffpreisen abhängig als die des saudischen Königreichs, zumal der Iran eben nicht gleichzeitig über vergleichbaren Reichtum zum Abfedern verfügt. Schon während der hohen Ölpreis wüteten in der „Islamischen Republik“ Inflation und Wirtschaftskrise. Ein Ölpreis um 60 Dollar oder noch niedriger, wird die Hilfe, die der Iran seinen schiitischen Glaubensbrüdern geben kann, schnell zusammenschmelzen lassen.

 

Der große Kollateralnutzen

Während es also Saudi-Arabien um den über 1.000 Jahre alten innerislamischen Bürgerkrieg geht, profitiert der Rest der Welt unheimlich davon. Der Einbruch der Ölpreise senkt nämlich nicht nur weltweit die Transportkosten und macht damit die Produktion effektiver und kostengünstiger. Er sorgt auch für eine erhöhte Kaufkraft der Konsumenten. Während so der Wohlstand und die Wirtschaftsleistung in den Industrienationen und den konsumierenden Ländern steigen, bricht den Erdölproduzenten das Einkommen weg. Da das Schicksal Erdöl jedoch vor allem unter das Territorium von Despotien und Diktaturen gelegt hat, können diese nun plötzlich ihre Rüstungsprogramme, ihre Sozialprogramme zum Erkaufen der Ruhe und ihre staatsterroristischen Programme nicht mehr finanzieren. Betrachtet man die nennenswerten Exportländer für Erdöl, bleiben ja nur Norwegen und Kanada, denen man mit gutem Gewissen den Rohstoff abkaufen kann. Beide Staaten sind aber diversifiziert genug, dass der Preisverfall beim Erdöl ihre Volkswirtschaften nicht erheblich schädigt. Da der geringe Preis auch nur die Produzenten schädigt und dem Rest nutzt, profitiert eine gewaltige Mehrheit der Welt von dem Preisverfall.

Nach den Sanktionen bekommt Russland nun auch mit einem verfallenden Ölpreis eine weitere Quittung für einen Überfall auf die Ukraine, was ganz im Sinne der USA sein dürfte und auch im ganzen Westen Zufriedenheit auslösen dürfte. Da ein Aggressor für seine Aggression nicht belohnt werden darf, ist diese Bestrafung von Putins Diktatur ein willkommenes Ergebnis, das von den Saudis vielleicht zwingend beabsichtigt war, aber wohl mindestens als erfreuliches Nebenprodukt ihrer Preispolitik gesehen wird, während sie so erneut den Amerikanern gegenüber ihre Wichtigkeit beweisen können. Immerhin ist es auch Russland, das Syrien und den Iran im Weltsicherheitsrat und mit Waffenlieferungen stützt und gestützt hat.

Doch es kommt noch besser. Saudi-Arabien hat in den letzten Jahrzehnten wesentliche Teile seines Wohlstands in die Förderung des sogenannten „Islamismus“ gesteckt. Streng orthodoxe Moscheen wuchsen in Regionen mit bis dahin überzeugt säkularen oder moderaten Muslimen aus dem Boden, was inzwischen seine Wirkung zeigt. Während es einmal galt, „Die Religion der Albaner ist das Albanertum“, kämpfen heute Kosovo-Albaner auf Seiten des Islamischen Staats für eine Variante des Islams aus den Zeiten Mohammeds. Indem nun aber Saudi-Arabien den Ölpreis nach unten treibt, muss es dadurch entstehende Loch in seinem Budget füllen. Das so verbrauchte Geld kann nicht mehr in eine Förderung des religiösen Extremismus fließen. An dieser Stelle macht Saudi-Arabien nun effektiv nichts anderes, als eine Subvention unserer verringerten Energiekosten. Statt also den ideologischen Weg für die nächsten Terroristen zu bereiten, führt bezahlt Saudi-Arabien einen Teil unserer Tankrechnung. Da sage mal einer, ein zwischenstaatlicher Gegensatz sei ausschließlich schlecht…

Warum ich keine Mord-Pornos ansehe

Gerade geht wieder ein neuer Mord- und Gewaltporno auf Facebook um. Er zeigt einen Vater, der zusammen mit anderen Männern die eigene Tochter steinigt. Aufgenommen wurde das Video wohl in dem Gebiet, das der Islamische Staat beherrscht. Wie auch die Enthauptung des Journalisten Fowley oder vieler ähnlicher Mordtaten habe ich das Video bewusst nicht angesehen. Das hat seine Grund.

IS steinigt Frau
Auf Facebook herumgereicht: ein Mord-Porno. Screenshot: Facebook

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Assads Meisterwerk

Die USA überlegen nun, die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), früher auch Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS), auch in Syrien anzugreifen. Erste Aufklärungsflüge finden wohl bereits statt. Damit ginge Assads strategischer Plan für den Bürgerkrieg völlig auf. Der Westen droht ihm letztendlich zu helfen, die Rebellion niederzuschlagen.

Fahne des Islamischen Staates
Fahne des Islamischen Staates

Für das Assad-Regime war es von Anfang an klar, dass ein Sieg im Kampf gegen die Aufständischen im eigenen Land vor allem auch auf der Propagandafront erreicht werden musste. Gaddafis Versuch, die Aufstände in seinem Land rein militärisch niederzuschlagen, endete bekanntlich mit einem Eingreifen eines Militärbündnisses unter Führung Frankreichs und Großbritanniens.
Wenn sein Regime also ein fremdes Eingreifen verhindern wollte, dann musste es sicherstellen, dass die Rebellen als schlechtere Alternative zu dem Assad-Regime dastehen.

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Das Regime ist schrecklich. Basher ist aber ein guter Mann!

Vor Kurzem habe ich eine junge Frau getroffen, die sich als sunnitische Syrerin herausgestellt hat. Sicher zwei Stunden lang haben wir dabei über den gerade stattfindenden Bürgerkrieg gesprochen. Informationen aus dem Land zu bekommen ist immer schwierig. Meinen Freund in Aleppo erreiche ich seit Monaten nicht mehr, alle anderen Beteiligten können eine politische Agenda haben, wenn dies nicht sogar feststeht. Von daher war es sehr interessant, einen „Beteiligten“ zu sprechen, der keinen Grund zur Vermutung gibt, die Aussagen könnten mit manipulativer Absicht getätigt sein.

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Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs durch Syrien

Am 22.06.2012 wurde eine türkische Militärmaschine durch die syrische Luftabwehr abgeschossen. Während aktuell die Informationen noch sehr wage sind und sich massiv widersprechen, scheinen folgende Dinge passiert zu sein:

Eine türkische RF-4, die Aufklärungsvariante des zweisitzigen Überschallflugzeugs Phantom, flog in dem Luftraum zwischen der türkischen Provinz Hatay und dem von der Türkei besetzten Teil Zyperns. Anschließend flog das Flugzeug von Hatay nach Südwesten im internationalen Luftraum zwischen Zypern und Syrien, um nach Hatay zurückzukehren. Erneut wendete die Maschine und flog nach Südosten, um allerdings kurz darauf nach Südwesten abzudrehen und in den syrischen Luftraum einzudringen. Dort wurde sie nach syrischen Angaben mit hoher Geschwindigkeit im Tiefflug auf Syrien zufliegend geortet. Die syrische Luftabwehr eröffnete daraufhin mit Rohrartillerie das Feuer und schoss das Flugzeug ab.

Von der Türkei her gibt es dabei sich widersprechende Aussagen. Einmal wird zugegeben, dass das Flugzeug im syrischen Luftraum war. Dann erklärt der türkische Außenminister Davutoglu, der Flugzeug sei im internationalen Luftraum abgeschossen worden. Außerdem sei das Flugzeug unbewaffnet gewesen und nicht gewarnt worden. Deswegen schaltet die Türkei nun die NATO ein, die sich am Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung treffen wird. Die britische Regierung hat bereits angekündigt, dass sie zu einer „robusten Reaktion“ bereit sei. Daher einmal zu den Fakten:

Das Flugzeug war unbewaffnet und wurde nicht gewarnt
Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine RF-4E gehandelt hat, eine Aufklärungsmaschine. Diese ist allerdings weitestgehend baugleich mit der F-4E, von der die türkische Luftwaffe über 120 im Einsatz hat. Die als Militärflugzeuge identifizierbaren Flugzeuge, möglicherweise waren es zwei, flogen also im Tiefflug mit hoher Geschwindigkeit auf das syrische Festland zu, auf dem momentan Krieg herrscht. Der Luftabwehr dürfte es dabei unmöglich gewesen sein herauszufinden, ob die Flugzeuge unbewaffnete Aufklärer, oder aber Jagdbomber auf dem Weg zu einem Angriff waren. Angesichts der Verletzlichkeit von Einrichtungen gegen gelenkte Waffen ist es zumindest nachvollziehbar, dass auf einen Anflug von Kampfflugzeugen nicht erst ausführlich diplomatisch reagiert wird. Die 12-Meilen-Zone kann von einem Kampfflugzeug mit 900km/h in weniger als 80 Sekunden durchflogen werden, es bleibt also nicht viel Zeit für eine Reaktion.

Das Flugzeug wurde im internationalen Luftraum abgeschossen
Selbst wenn das Flugzeug nicht durch 23mm, sondern durch 57mm FLAK abgeschossen wurde, so ist ein Abschuss von Land im internationalen Luftraum unmöglich, da die effektive Reichweite auch des größeren Kalibers nur bei etwa 4500m liegt. Selbst die maximale Reichweite liegt nur bei 12km, also noch deutlich innerhalb der 12-Meilen-Zone die 17,3km umfasst. Insofern ist die syrische Erklärung schlüssig, das Flugzeug sei in einem Kilometer Entfernung abgeschossen worde.
Sofern sich der Abschuss mittels FLAK bestätigt, kann ein Abschuss von Land überhaupt nicht im internationalen Luftraum erfolgt sein.

Syrien hat das Recht seinen Luftraum zu verteidigen
Auch wenn es einem angesichts des Bürgerkriegs nicht passen mag, aber noch ist die Regierung Assad die legitime Regierung des Landes. Es gibt keinen UN-Beschluss, der eine Verletzung des Luftraums durch die Türkei rechtfertigen würde. Dies mag sich vielleicht schnell ändern, vielleicht ist dies auch notwendig und gut, aber das soll hier nicht diskutiert werden. Aktuell zumindest hat Syrien offensichtlich nur sein eigenes Staatsgebiet, in dem ein Kriegszustand herrscht und entsprechend weniger Toleranz gegenüber Grenzverletzungen herrschen dürfte, vor dem Eindringen eines fremden Kampfflugzeugs geschützt.
Daher dürfte es spannend werden, ob die türkische Regierung versucht diesen Vorfall zum Anlass zu nehmen, Artikel 5 des NATO-Vertrags zu aktivieren. Wäre der Abschuss im internationalen, oder gar im türkischen, Luftraum erfolgt, so könnte die Türkei dies als Angriff Syriens auf die Türkei interpretieren und entsprechend den Bündnisfall ausrufen.
Ambitionen in diese Richtung ließ die Regierung Erdogan in der Vergangenheit bereits erkennen. Rechtmäßig wäre es in diesem Zusammenhang (es soll keineswegs das Assad-Regime verteidigt werden!) allerdings nicht.

Flugroute nach der staatlichen syrischen SANA Nachrichtenagentur.

Siehe auch:
Widersprüchliche Angaben im Focus 
Syrien arbeitet scheinbar wieder enger mit der PKK zusammen, was bereits 1998 zu Kriegsdrohungen der Türkei geführt hat.
Passend zu den Spannungen nach dem Abschuss berichtet der türkische Geheimdienst, dass Syrien der PKK freie Hand gebe
Die Türkei sucht nach Wegen um eine Intervention zu rechtfertigen, in der FAZ