Wer waren die Schützen auf dem Majdan?

In einem vom russischen Geheimdienst abgehörten Telefonat zwischen Catherine Ashton und Urmas Paet, dem Außenminister Estlands, spricht dieser davon, eine Ärztin habe ihm gesagt dass es die gleichen Schützen gewesen seien, die sowohl Demonstranten wie auch Polizisten erschossen haben. Da es nicht zufällig vom Geheimdienst veröffentlicht wird, soll es die Revolution in der Ukraine diskreditieren. Doch was sagt dieser Mitschnitt bislang eigentlich aus?

Update:

Die ukrainische Ärztin hat sich inzwischen geäußert: „Ich selbst habe nur Demonstranten untersucht, die Wunden der Militärs kenne ich nicht“ Siehe Ende der Artikels.

Update Ende,

Vorsicht: Bilder von Schwerverletzten und Leichen untermalen das Video!

 

Paet berichtet, dass laut der Ärztin Olga Bogomolez die getöteten Menschen von beiden Seiten durch die gleichen Scharfschützen („the same snipers“) erschossen worden sein sollen. (8:30). Als Arzt sagt sie, sie könne beurteilen dass es die identische „Handschrift“ („hand writing“) und die gleichen Kugeln seien, die getötet haben (8:40). Es sei richtig verstörend, dass die neue Koalition es nicht untersuchen wolle. (8:50).

Auch wenn die sich Russland verbunden fühlenden Menschen nun frohlocken und sich bestätigt sehen, sollte hier, wie sonst auch, zunächst einmal hinterfragt werden, statt sich blindlings auf die in das eigene Weltbild passende Meldung zu stürzen.

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Ukraine: Rammstoß als politisches Druckmittel

Die militärischen Chancen der Ukraine im jetzigen Konflikt sind nicht wirklich erfolgversprechend, auch politisch scheint kaum noch Hoffnung auf einen Erhalt einer ukrainischen Krim zu bestehen. Sollten jedoch Wille und Einigkeit oder aber die Verzweiflung im Land groß genug sein, könnte die Ukraine einen politischen Druck erzeugen, der möglicherweise Russland und den Westen zu Zugeständnissen zwingen könnte. Vergleichbar wäre dies jedoch ein wenig mit einem Banzai-Angriff oder einem Rammstoß auf hoher See.

Trireme 1
Eine Brieme mit Rammsporn
By Rama (Own work) [CC-BY-SA-2.0-fr], via Wikimedia Commons

Rammstoß als Taktik

In der Seefahrt gibt es seit jeher den Rammstoß. Dabei steuert man das eigene Schiff bewusst und geplant in ein anderes und rammt es. Mit etwas Glück wird dabei der eigens dafür angebrachte Rammsporn ein großes Leck unter der Wasserlinie bei dem anderen Schiff reißen. Begünstigt wird dies durch die Physik, da Schiffe an den Seiten gegen Druck empfindlicher sind als von vorne. Auch die verwenden Hölzer brechen naturgemäß leichter quer durch, als dass sie sich durch einen Stoß entlang der Fasern brechen ließen. Dennoch birgt diese Taktik hohe Risiken, selbst mit Vorbereitung des Schiffes.

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Warum Russland doch nicht in der Ostukraine einfallen könnte

Ich war gestern etwas vorschnell. Das angebliche Ultimatum passte in das Bild einer Salami-Taktik und die vorhandenen Aussagen machten einen Einmarsch in der Ostukraine durchaus möglich. Auch wenn ich bei der Grundaussage bleibe, dass die Übernahme der Krim nicht Russlands letzte Militäraktion sein wird und Russlands Nachbarn „disziplinieren“ soll und wird, was inzwischen auch die WELT schreibt, so scheint eine Invasion der Ostukraine doch unwahrscheinlich.

Ethnische Russen in der Ukraine
Anteil der ethnisch russischen Bevölkerung in der Ukraine beim Zensus von 2001. Via Wikimedia CC-BY-SA 2.5 by Kuban Kazak

Putin erklärt es bestehe aktuell keine Notwendigkeit für Truppen in der Ukraine

Wie der FOCUS berichtet, hat der russische Präsident auf einer PK erklärt, aktuell bestehe keine Notwendigkeit für Truppen in der Ukraine. Wichtig ist hierbei das Wort „aktuell“, es passt aber zu dem, was man ansonsten findet:

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Russlands Krieg beginnt

Nun hat Russland den ukrainischen Streitkräften auf der Krim also scheinbar ein Ultimatum gestellt, bis morgen 4:00 Uhr MEZ seine Waffen abzugeben. Dies ist, ohne jeden Zweifel, ein Kriegsakt.

Korrektur: Zum Zeitpunkt des Verfassens des Artikels hatte Interfax die Meldung des Ultimatums verbreitet, die von sehr vielen weiteren Medien übernommen wurde. Auch am Tag danach ist beispielsweise auf der WELT noch von einem Ultimatum zur Übergabe der ukrainischen Schwarzmeerflotte zu lesen. Zumindest das oben genannte Ultimatum zur Übergabe aller Waffen wurde jedoch nicht aus Moskau bestätigt. Es war entweder eine Zeitungsente oder eine eigenmächtige Aktion von Offizieren vor Ort.

Krimkrieg
Soldaten ohne Hoheitszeichen in Simferopol

Die Schwäche des Westens ermöglicht Russlands Eroberung der Krim

Es muss sich die Frage stellen, wieso Russland jetzt diesen Schritt geht. Die ukrainischen Truppen auf der Halbinsel sind von Verstärkungen abgeschnitten, die russischen Truppen sind bei weitem in der Überzahl. Warum also riskiert Putin jetzt den Ausbruch von Feindseligkeiten, wo er doch nur noch das Referendum über eine Unabhängigkeit der Krim oder deren Anschluss an Russland abwarten und ggf. manipulieren müsste?

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Russlands Propaganda um die Raketenabwehr

An russischen Apologeten ist in Deutschland wahrlich kein Mangel. Immer wieder werden „Provokationen“ des Westens, der NATO und der USA ins Feld geführt, auf die Russland ja nur reagiere. Während einiges daran durchaus wahr sein mag, ist ein immer wieder ins Feld geführtes Argument es nicht: die Raketenabwehr. Hier sitzen die Deutschen mehrheitlich russischer Propaganda auf, zumal die Medien es versäumt haben, die Fakten darzulegen.

Raketenabwehr

Putins Lüge, die Raketenabwehr in Polen bedrohe Russland

Putin wird nicht müde zu betonen, die Raketenabwehr bedrohe Russland. Aus diesem Grund ordnete er die Verlegung von Iskander-Raketen in die Exklave um Königsberg an, die bislang aber noch nicht erfolgt sein könnte. Die Iskander wären dazu in der Lage, die Anlagen des Raketenschirms in Polen zu bekämpfen. Das Problem ist nur: Putin lügt! Das russische strategische Raketenarsenal ist nicht, ich wiederhole: nicht, von der Raketenabwehr betroffen und bedroht.

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Russland holt sich die Krim

Nachdem Truppen unbekannter Herkunft zunächst zwei Flughäfen auf der Krim besetzt hatten, sind nun russische Verstärkungen gelandet. In zunehmendem Maße wird klar, dass eine russische Krim, ob direkt, militärisch besetzt oder über ein Marionettenregime, das Resultat sein wird.

Crimea in Ukraine
By TUBS [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Nach dem Umsturz in Kiev haben Truppen ohne Hoheitszeichen den Flughafen bei Sevastopol und den Flughafen von Simferopol besetzt. Zuvor hatten Berkut-Einheiten von der Krim zum Isthmus der Halbinsel verlegt um diesen blockieren zu können. Auch wenn Berkut an sich aufgelöst wurde, scheinen sich die Einheiten auf der Krim herzlich wenig darum zu scheren.

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