Selbsthass ist keine Lösung für islamischen Extremismus

In der Mainpost schreibt der Islamwissenschaftler Dr. Martin Rainer einen längeren Gastbeitrag, bei dem er, unter Verklausulierung, die Aufgabe unserer Meinungsfreiheit fordert.

 

Keine Solidarität für Zeichner

Wenn Dr. Rainer schreibt, die Trauer um verlorenes Leben und der Respekt vor treffender satirischer Kritik erlaube es ihm nicht, sich nach „Je suis Charlie“ mit Charlie Hebdo zu identifizieren. Viel besser würde ihnen stattdessen eine „kritischere, differenzierte Würdigung ihres Werkes“ zur Ehre gereichen. Wie er sich das vorstellt, sagt er im nächsten Absatz: Mit Widerspruch. Statt sich mit einem „Je suis Charlie“ mit dem Blatt, den Toten und seinen Überlebenden zu solidarisieren, ist „Je ne suis pas Charlie“ seine Antwort. Dabei dient das „Ich bin Charlie“ keineswegs einer kritischen künstlerischen Betrachtung der Qualität ihrer Karikaturen, sondern einer Demonstration der Solidarität gegenüber den Ermordeten und gegenüber des Angriffs auf die Meinungsfreiheit.

Letztendlich ist es nichts anders als „Ich bin ein Berliner“ auf die Gegenwart übertragen. So wenig wie damals John F. Kennedy sagen wollte: „Ich bin wirklich ein Berliner, spreche also Euren Dialekt und habe ebenfalls schlechtes Benehmen als >Berliner Schnauze< kultiviert“, so wenig bedeutet „Je suis Charlie“, dass man jede Karikatur des Blattes gut heißt. Es war und ist nichts anderes als eine Solidaritätserklärung mit bedrohten Menschen. Diese will ihnen Dr. Rainer jedoch verweigern.

 

Selbsthass statt Verteidigung der Freiheit

Anschließend erklärt Dr. Rainer, „wir“ hätten Schuld an dem tragischen Attentat, weil wir es versäumt hätten, die „satirische Provokation angemessen zu würdigen, nämlich durch unseren Widerspruch„. Nun, Die Brüder Kouachi haben es angemessen gewürdigt, mit dem Feuer aus ihren Kalaschnikows.

Als die Grenzen der Freiheit überschritten wurden, in dem Moment, als die Würde einer Weltreligion in ihrem heiligen Kern angegriffen wurde, da wäre unser Widerspruch die richtige Antwort gewesen. Aber stattdessen haben wir durch unser Schweigen die Antwort anderen überlassen, denen, die keine andere Sprache haben als die der Gewalt.„, schreibt Dr. Rainer in bester Tradition des westlichen Selbsthasses der Intellektuellen. Es erinnert an die Titelseiten „Wie konnten wir sie soweit treiben?“ nach dem 11. September 2001, als man die Schuld am Massenmord nicht bei den Mördern suchte, sondern bei den Opfern.

Dabei ist diese Betrachtungsweise inhärent rassistisch, nichts anderes. Sie besagt nämlich, dass der arme radikale Muslim am Ende eben nichts anderes kann als Köpfe abzuschneiden und Redaktionsräume im Blut der Redakteure zu tränken. Die Schuld wird vom Täter auf das Opfer transferiert. Warum trug die Frau auch nachts einen Minirock? Sie hat die Vergewaltigung doch provoziert.

 

Islamwissenschaftler blendet islamische Geschichte aus

Absurder wird es noch, wenn Dr. Rainer, den die Mainpost als „Islamexperten“ bezeichnet, schreibt: „Damit haben wir Mitschuld daran, dass in der muslimischen Welt Frustration und Empörung einen Nährboden für Wut und Hass gebildet haben.

Nicht nur, dass die Muslimbrüder, die Keimzelle von fast allem sunnitischen Terrorismus heute, schon 1928 von Hassan al-Banna gegründet wurden, Wut und Hass sind im extremistischen Islam seit jeher fest verwurzelt. Mohammed selbst ließ Fatuna und Qariba, zwei Sklavinnen von Abdullah ibn Sad ibn Abi Sarh, wegen Spottliedern töten. Abu Afak wurde im angeblich biblischen Alter von 120 Jahren auf Befehls Mohammed durch Salem ibn Omayr getötet, weil er Anekdoten und Gedichte über Mohammed verfasst hatte. Mohammed selbst hatte gefragt: „Wer wird für mich mit diesem Schurken fertig?“ Weil Asma bint Marwan den Mordbefehl respektlos kommentierte, wurde auch sie getötet.

Schon Mohammed machte mit Spöttern kurzen Prozess, ungeachtet ihres Geschlechts oder Alters, was nach Sure 33:21 „Wahrlich, im Gesandten Allahs ist für euch ein schönes Vorbild“ nachahmenswert für Muslime ist, die dieser Interpretation des Islams folgen.

Der radikale Islam hat seit seinem Entstehen wenig Erbarmen mit seinen Kritikern und mit den Kritikern seines Propheten gekannt. Dies fehlender Selbstkritik auf unserer Seite und fehlendem Widerspruch gegenüber Karikaturen zuzuschreiben, ist untragbar und erneut ein Beispiel der inhärenten Überzeugung von den Muslimen als „Edlen Wilden“, eine zutiefst rassistische Einstellung.

 

Gott soll man nicht lästern

Dr. Rainer schreibt, wir hätten die abendländische Aufklärung nicht verstanden. „Haben wir unsere abendländische Kultur bereits verloren, dass wir vergessen haben, dass man Gott nicht lästert, und Propheten nicht verunglimpft?“ Dabei ignoriert er, dass gerade durch die Aufklärung eine zunehmende Trennung von Staat und Kirche stattfand, auch wenn sie bei uns nach wie vor nicht vollendet ist.

Seine Aussage ist somit geradezu eine groteske Verkehrung der Aufklärung. Gerade die Aufklärung war es, die Kritik an Göttern und Propheten überhaupt erst ermöglicht hat. Wieso auch sollte ich Gott nicht lästern dürfen? Welchem Gott übrigens? Ich bin ungläubig und glaube daher weder an den dreifaltigen Gott, noch an JHWH, noch an Allah. Auch glaube ich nicht an die tausenden Hindu-Götter – und sollen Indianer nicht Gott in allem sehen? Ist nicht jeder unnötig gefällte Baum letztendlich ein Angriff auf die Religion der amerikanischen Ureinwohner?

Damit zeigt Dr. Rainer nichts anderes als die Forderung, einer potentiell gewalttätigen Religion gegenüber Vorsicht walten zu lassen. Vermutlich während er ein Steak auf dem Teller hat, das aus einer für viele Inder heiligen Kuh gemacht wurde.

Haben wir das demokratische Grundprinzip vergessen, dass die Freiheit des Einzelnen spätestens dort aufhört, wo er die Rechte der anderen verletzt?„, schreibt Dr. Rainer weiter, wobei er beflissentlich ignoriert, dass eine Kritik an Allah und an Mohammed eine Kritik an etwas Unpersönlichem, an einer Überzeugung ist. Keine Kritik und kein Angriff auf Menschen, zumindest nicht, solange diese ihn nicht auf sich beziehen wollen. So wie man selbstverständlich jede deutsche Partei zum Antichristen des politischen Spektrums erklären kann, ohne deswegen gleich die „Rechte der anderen“, sprich ihrer Mitglieder, zu verletzen, so muss auch eine Kritik an Ideologien und Religionen als Fundament der Freiheit verstanden werden.

Nie hat, zumindest wäre es mir nicht bekannt, Charlie Hebdo in Karikaturen oder Texten erklärt, „Die Muslime sind alle…“. Entsprechend ist es eine zutiefst kollektivistische Denkweise, Kritik an einer Ideologie und Religion auf die Individuen zu transferieren. Wird einzelnen unter diesen Individuen gar Verständnis ob begangener Bluttaten zugestanden, und nicht anders ist sein Text zu interpretieren, ist der Gipfel der Selbstverleugnung und Selbstaufgabe unserer Freiheiten erreicht.

 

Eigenwillige Betrachtung der Geschichte

Noch interessanter werden Dr. Rainers Ausführungen jedoch, wenn er den obligatorischen Bezug auf das NS-System herstellt, der auf die absurde Gleichsetzung „Die Muslime sind die Juden von heute“ abzielt.

So schreibt er: „Satirische Provokationen hat es auch unter den Nationalsozialisten gegeben. Karikaturen von Juden bereiteten damals den Pogromen den geistigen Boden. Haben wir daraus nichts gelernt?“ Nun, Herr Dr. Rainer, wir könnten daraus lernen, dass im NS-System unter Vorschieben verschiedener Gründe, satirische Darstellung in weiten Teilen verboten war. Während im NS-System „satirische Provokationen“ (welch herrlicher Euphemismus) gegenüber Juden publiziert wurden, wäre der Versuch Satire über das Dritte Reich, seinen Rassenkrieg und seine Vernichtung menschlichen Lebens mit einem Aufenthalt im KZ, möglicherweise ohne Rückkehr, entlohnt worden. Dazu zielten die genannten antisemitischen Karikaturen der NS-Zeit keineswegs auf radikale Vertreter, die Religion an sich oder Mose ab. Sie richteten sich ausdrücklich pauschal gegen „die Juden“ und dämonisierten diese bar jeden Bezugs zur Realität.

Auch eine Bezugnahme auf das angeblich so tolerante Kalifat von Cordoba darf natürlich nicht fehlen. Dies ignoriert nicht nur, dass alle nicht muslimischen Untertanen dort im Rahmen der Dhimma auch nur euphemistisch als „Bürger zweiter Klasse“ bezeichnet werden können, es ignoriert auch, dass dieser Mythos eines toleranten Zusammenlebens ein Produkt antiklerikaler Propaganda der Aufklärung ist und beispielsweise der Orientalist Bernard Lewis schrieb, dass der „Mythos spanisch-islamischer Toleranz besonders von jüdischen Gelehrten gefördert wurde, denen er als Stock diente, um ihre christlichen Nachbarn zu schlagen„.

Dass die islamischen Bewohner des Kalifats immer wieder Raubzüge ins christliche Hinterland führten und ganz Südfrankreich terrorisierten, wird genauso ausgeblendet, wie die Verwüstung von Zamora 981, von wo 4.000 christliche Gefangene als Sklaven ins Kalifat gebracht wurden oder die Zerstörung von Barcelona 985, der alle Bewohner durch Mord oder Versklavung zum Opfer fielen. Der dafür verantwortliche Abu Aamir Muhammad ibn Abdullah ibn Abi Aamir, al-Hajib al-Mansur war nicht nur für 50 Feldzüge gegen Christen während seiner Herrschaft bekannt, sondern auch dafür, alle philosophischen Bücher zu verbrennen, derer er habhaft wurde. Er machte 997 auch Santiago de Compostela dem Erdboden gleich und zeigte seine Toleranz gegenüber der christlichen Pilgerstadt, indem er die christlichen Überlebenden in die Sklaverei führte und zwang, die Glocken von Compostala tausende Kilometer weit nach Cordoba zu tragen, wo sie in Lampen für die Moschee umgescholzen wurden.

Die Historikerin Bat Ye’or weißt darauf hin, dass die Maßlosigkeit, die Regelmäßigkeit und der systematische Charakter der Verwüstungen die der griechischen, slawischen und lateinischen Heeren der Zeit weit übertraf.

Dass in al-Andaluz im Rahmen der Dhimma Toleranz herrschte, ist eine blanke Ignoranz der Fakten. Weil die islamischen Eroberer die einheimischen Verwaltungskräfte und Fachleute brauchten und die Dhimma zudem eine hervorragende Art der Beschaffung von Reichtum für die Eroberer (Stichwort Dschizya und Kharaj) war, wurden die „Buchgläubigen“ geschützt, aber nicht aus einem Wunsch tolerant zu sein. Das gleiche Prinzip wendet heute übrigens der „Islamische Staat“ an, der sogar die Jeziden unangetastet lässt, die in Erdölraffinerien unabkömmliche Aufgaben erfüllen.

Die nach Bernard Lewis herrschende „rituelle Demütigung“ der nichtmuslimischen Bewohner der iberischen Halbinsel zeigte sich auch in dem Rechtsgutachten von Ibn Abdun, dem Vertreter der in al-Andaluz vorherrschenden maliktischen Rechtsschule, das 1100 verfasst wurde.

«Ein Muslim darf einen Juden nicht massieren, auch nicht einen Christen. Er darf nicht ihren Abfall beseitigen und nicht ihre Latrine reinigen; es ist angemessener, dass Juden und Christen dieses Gewerbe ausüben, denn es ist das Gewerbe der am meisten Verachteten» (Nr. 153).

«Man darf nicht zulassen, dass ein Steuereintreiber, Polizist, Jude oder Christ, sich wie ein Notabler, ein Jurist oder ein Reicher kleidet, sondern man muss sie hassen, den Verkehr mit ihnen meiden und darf sie nicht mit ‹Der Friede sei mit dir› grüssen, denn ‹der Satan hat von ihnen Besitz ergriffen und sie das Gedenken Allahs vergessen lassen. Sie gehören zur Partei des Satans. Wahrlich, die zur Partei Satans gehören, werden ja (letzten Endes) den Schaden haben› (Sure 58:19). Sie müssen ein Abzeichen tragen, an dem man sie erkennt, das ihnen zur Schande gereicht» (Nr. 169).

«Man darf dem Juden und auch dem Christen kein wissenschaftliches Buch verkaufen, es sei denn, der Verfasser bekenne sich zu ihrer Religion, denn sie übersetzen wissenschaftliche Bücher und schreiben sie ihren Anhängern und Bischöfen zu, während ihre Verfasser Bischöfe sind» (Nr. 206).

Phasen tatsächlicher Toleranz mit einer Aufweichung der harten Regeln gegenüber den Dhimmis wechselten sich jedoch mit Phasen blutiger Unterdrückung ab, die beispielsweise 1066 zum Massaker von Granada führten, bei dem 4.000 Juden erschlagen wurden.

 

Forderung der Aufgabe der Freiheit

Dr. Rainer führt seine Ausführungen fort, indem er schreibt: „Eine multiethnische Demokratie von der Größe Europas kann nur mit klaren Regeln funktionieren; Regeln die auch der individuellen Freiheit dort Grenzen setzen, wo das allgemeine Interesse eines friedlichen Zusammenlebens gefährdet wird. Die Freude an der provokativen Überschreitung aller Grenzen, ohne Rücksicht auf Verluste, das ist ein 68er-Relikt aus dem letzten Jahrhundert, das sich unsere moderne Gesellschaft nicht mehr leisten kann.

Damit fordert er nichts anderes als die Aufgabe der Freiheit. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit definieren sich nämlich nicht dadurch, sich verschiedene Varianten einer Aussage aussuchen zu dürfen. Ob man nun sagen oder schreiben darf: „Der Diktator ist gut“, „Der Diktator ist großartig“ oder „Der Diktator ist wunderbar“ ist keine Meinungs- und Pressefreiheit mehr. Die herrscht nur, wenn man auch „Der Diktator gehört aufs Schafott“ schreiben darf.

Meinungsfreiheit herrscht konsequenterweise nicht, wenn man 90% sagen darf. Auch nicht, wenn man 95 oder 99% sagen darf, sondern ausschließlich, wenn man 100% sagen darf.

 

Die Forderung nach Beschränkung ist das Einknicken vor der Gewalt

Die ausgedrückte Forderung die eigenen Aussagen zu beschränken ist somit nichts anderes, als die Aufgabe der Meinungsfreiheit. Dies ist umso dramatischer, als sie selbstverständlich vor allem selektiv zu erfolgen hat. Auch wenn Dr. Rainer das Christentum und das Judentum mit einbezieht, so gibt es natürlich noch unzählige andere Ideologien und Religionen, die ihren Anhängern wichtig sind. Diese zeichnen sich zumeist jedoch dadurch aus, dass eine Fundamentalkritik an ihnen nicht in einem Blutbad enden kann.

Dr. Rainer bestätigt dies sogar expressis verbis: „Eine multiethnische Demokratie von der Größe Europas kann nur mit klaren Regeln funktionieren; Regeln die auch der individuellen Freiheit dort Grenzen setzen, wo das allgemeine Interesse eines friedlichen Zusammenlebens gefährdet wird.

Köpfe werden aktuell aber nur von Vertretern einer Religion abgeschnitten, was das „friedliche Zusammenleben“ ein klein wenig einschränkt. Die Reaktion darauf sollte nicht ein Hinterfragen sein, also ein „Warum leitet Ihr aus Eurer Religion das Recht ab, Köpfe abzuschneiden“, sondern eine Verkehrung von Ursache und Wirkung, indem er „Nicht mehr mit Meinungsfreiheit provozieren, dann schneiden sie keine Köpfe mehr ab.“ sagt.

Dabei ist dies nicht nur ein Selbstmord aus der Angst vor dem Tod, es ist zugleich ein Verrat an all den moderaten Muslimen, die nun hören, dass Kritik an der radikalen Auslegung des Islams verboten gehöre. Es öffnet dazu weiteren Forderungen von Extremisten Tür und Tor. Wieso sollten sie auch mit ihren Forderungen aufhören, wenn wir so bereitwillig einknicken, wie es sich Dr. Rainer wünscht?

 

Individualismus und Kollektivismus

Die Karikaturen von Charlie Hebdo sind niemals ein Angriff auf die Muslime, als Menschen und Individuen, gewesen, sondern ausschließlich auf den Islam und auf extremistische Vertreter von ihm. Dies muss eine freie Gesellschaft aushalten, sonst ist sie nicht mehr frei.

Statt in kollektivistischer Manier dazu überzugehen, die Kritik an einer Überzeugung allen Individuen zuzuschreiben, ob diese es sich nun ausgesucht haben, der Überzeugung anzuhängen oder nicht, sollten die Freiheit mit Überzeugung umarmt werden. Wenn überhaupt Grenzen gezogen werden müssen, dann ausschließlich dort, wo man Personen angreift.

Wer also „der Islam ist…“ schreibt, muss um jeden Preis in seiner Meinungsäußerung geschützt werden, egal wie weit er geht. Grenzen dürfen erst dort gezogen werden, wo er „Die Muslime sind…“ schreibt.

Islamkritik als Wegbereiter für die Freiheit

Europa und die westliche Welt befindet sich in einer fatalen Version der Wiederholung der Geschichte. Auch wenn manche Medien es schönreden wollen, wir haben ein Problem. Millionen unserer Mitbürger sind muslimischen Glaubens. Wie viele von ihnen wirklich radikal sind, ist unklar. Klar ist jedoch, dass praktisch alle von ihnen friedlich sind. In der Frage der radikalislamischen Bedrohung wäre es jedoch an der Zeit nicht nur in Solidarität zu Charlie Hebdo #JesuisCharlie zu twittern, sondern voller Selbstkritik #NoussommesIndiraGandhi.

 

Indira Gandhi war Europa heute

Indira Gandhi, war Premierministerin von Indien, als sie 1984 die Eroberung des von bewaffneten Sikhs verteidigten Harmandir Sahib, dem Goldenen Tempel, befahl. Die Sikh waren unter der Führung von Jarnail Singh Bhindranwale und strebten nach der Errichtung von Khalistan, einer Sikh-Theokratie.

Indira Gandhi wusste, dass nicht wenige Sikh diese Bewegung unterstützten, als Premierministerin Indiens stand die staatliche Einheit für sie jedoch nicht zur Debatte. Während sie ihr Militär auf die bewaffneten Sikh-Separatisten schießen ließ, stellten Angehörige der gleichen Glaubensgemeinschaft ihre Leibwache. Doch Indira Gandhi vertrat die Ideale eines säkularen Staates und lehnte es ab, die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft aus ihrer Leibwache abzuziehen, während ihr Militär gerade die Glaubensbrüder ihrer Leibwächter in dreistelliger Zahl töteten und den heiligen Tempel mit schweren Waffen beschossen.

Am Vormittag des 31. Oktober 1984 sollte sie Peter Ustinov ein Interview geben. Während er auf sie wartete, wurde sie von ihren beiden Sikh-Leibwächtern Satwant Singh und Beant Singh erschossen. Von 30 Kugeln getroffen wurde Indira Gandhis Tod kurz darauf in einem Krankenhaus in Neu-Delhi festgestellt.

 

Der „Volkszorn“ entlud sich

Nach der Ermordung der Premierministerin wurden in den folgenden Tagen 3.000 Sikhs ermordet und 100.000 mussten fliehen. Vertreter einer kleinen Minderheit hatten zur Durchsetzung ihrer auf der Interpretation ihrer Religion basierenden politischen Ambitionen Blut vergossen, woraufhin die Angehörigen der Religion von gewalttätigen Teilen der Mehrheitsbevölkerung kollektiv zur Verantwortung gezogen wurden.

Dabei interessierte den mordenden Mob nicht, dass die beiden Mörder von Sikh-Wachen festgenommen wurden, Beant Singh durch Sikh-Wachen wegen eines (angeblichen) Versuchs nach einer Waffe zu greifen erschossen wurde und dass Soldaten des Einsatzes gegen die Sikh-Aufständischen durch Zail Singh, den Präsidenten Indiens und Sikh, mit Orden ausgezeichnet wurden. Gemordet wurde dennoch.

 

Deutschland ist Indira Gandhi

Deutschland ist in einer Situation, die der der indischen Premierministerin nicht unähnlich ist. Wie der Rest Europas haben wir mit dem radikalen Islam zu kämpfen, dessen Anhänger hierzulande rasant zahlreicher werden. Gleichzeitig haben wir einen an sich liberalen Rechtsstaat, der keine Kollektivstrafen und keine drastischen Zwangsmaßnahmen ohne rechtskräftige Verurteilung erlaubt.

Damit sind wir wie Indira Gandhi an einem Punkt, wo wir wissen, dass unter unseren Leibwächtern ein paar lauern, die nichts lieber tun würden, als uns mit einer Garbe aus ihrer Maschinenpistole ins Jenseits zu schicken. Da sie dies jedoch nicht offen bekanntgeben, müssten wir zu kollektiven Maßnahmen greifen, die die ganze Grundidee unseres Gemeinwesens pervertieren würde. Vielleicht bleibt uns daher nicht viel anderes, als schlicht auf das Aufbellen der Waffen zu warten?

Drastisch zeigte sich dies in Frankreich, wo alle drei Terroristen bereits vorher den Behörden bekannt waren. Sie hatten radikale Islamisten besucht und hatten in Syrien gekämpft. All dies wussten die französischen Behörden, ohne jedoch etwas zu tun. Wo Diktaturen zu Internierungen oder anderen Zwangsmaßnahmen gegriffen hätten, zeigte sich der liberale Rechtsstaat Frankreich verwundbar, weil er die Unschuldsvermutung richtigerweise nicht aufgeben wollte.

 

Islamkritik ist essentiell

Ein anderer Ansatz wäre vielleicht, auf unsere muslimischen Mitbürger zuzugehen. Nicht in der Art, wie es uns die Medien und die Linken vermitteln, die nichts besseres zu tun haben, als unmgehend mit einem Whitewashing des Islams zu beginnen, wann immer ein Terroranschlag erfolgt. Sondern vielmehr in der Art, dass wir die Muslime damit konfrontieren, dass es eben kein Zufall ist, dass die überwältigende Mehrzahl aller Terroristen in den letzten 15 Jahren „Allahu Akbar“ brüllte, bevor sie mit dem Morden begann.

Das große Problem des Islams ist die weitgehend fehlende Selbstkritik. Wer „Das sind keine Muslime“ sagt, der muss nichts mehr am eigenen Glauben hinterfragen. Der muss sich nicht fragen, ob er und sein Glauben doch etwas damit zu tun haben könnten, worauf Konsequenzen folgen müssten. Indem dann sogar noch „Das ist ein Angriff auf den Islam“ gesagt wird, wird man sogar zum Opfer und fremdes Hinterfragen kann empört zurückgewiesen werden.

Richtig wäre zu fragen: „Was haben die mit uns zu tun und wieso wurden sie so? Wie hat unser Glaube da mitgespielt?“ Würde man dies machen, dann könnten die so dringenden Innerislamischen Konsequenzen folgen. Konsequenzen, die wir Deutsche aus dem NS-Regime genauso gezogen haben wie aus brennenden Asylantenheimen. Dort kam auch keiner auf die Idee zu sagen: das sind keine Deutsche. Die handeln antideutsch.

Dann hätten wir unsere Geschichte nie aufgearbeitet. Einfach wäre es allerdings gewesen. Und bequem.

 

Ein Sieg über den radikalen Islam geht nur mit den Muslimen

Denn egal, wie wir es drehen wollen, ein Sieg über den radikalen Islam geht nur in Zusammenarbeit mit den Muslimen. Wir haben Millionen deutsche Staatsbürger, die muslimischen Glaubens sind. Sie sind hier und sie werden hier bleiben. Der Islam nach meinem Verständnis mag kein Teil dieses Landes sein und wird es hoffentlich auch nie, die Muslime sind es dagegen schon längst. Das ist ein Fakt.

Um aber den radikalen Islam zu besiegen, werden wir ihre Mithilfe brauchen. Sie müssen es sein, die an vorderster Front gegen den Islamismus stehen, weil er in ihrer Mitte verwurzelt ist. Sie sind es, die die Veränderungen von Freunden bemerken, die deren Flüche hören und ihren zunehmenden Hass auf den Westen, Amerikaner und die Juden als erste erfahren. Sie sind es auch, die die Sprache sprechen, in der Hassprediger möglicherweise zur Ermordung von Juden aufrufen, wie es erst vor wenigen Monaten in Berlin geschah.

Dabei geht es nicht um linke Multi-Kulti-Träumereien. Die Muslime sind hier und ein Fakt, und eine gemeinsame Zukunft wird nur miteinander gehen, nicht gegeneinander. Dazu müssen Sie aber anerkennen, dass der Terror aus ihrer Mitte entsteht, während wir uns immer wieder klar machen müssen, dass trotz des gleichen Gebets ein Unterschied zwischen Muslim und Islamisten besteht. Oder, um es aus liberalem Standpunkt zu sagen, wir müssen schlicht und ergreifend zwischen Individuum und Ideologie unterscheiden. Nur dann haben wir eine Chance, dass ein Muslim, der von Anschlagsplänen eines Glaubensgenossen hört, einen feuchten Kehricht auf Al-Walā‘ wa-l-barā‘ und die Umma gibt und lieber zu dem „ungläubigen Polizisten“ geht, wie es beispielsweise in Großbritannien passiert ist, wo sogar eine Mutter die Behörden über ihren radikalen Sohn informierte.

Denn, und dessen sollten sich alle Seiten klar sein, die ersten und zahlreichsten Opfer des radikalen Islams sind die Muslime. Sie sind es, die die Unterdrückung der Individualität am meisten verspüren und sie sind auch die hauptsächlichen Opfer ihrer radikalen Glaubensgenossen. Wie auch immer wir ihren Glauben interpretieren, selbst wenn wir als fundamentale Islamkritiker ihn wie der IS verstehen, wir dürfen sie nicht über einen Kamm scheren und persönlich angehen. Wenn wir Muslime pauschal attackieren, weil wir ihre Religion so wie die Fundamentalisten verstehen, dann werden wir effektiv zu deren Sekundanten und fallen allen moderaten Muslimen in den Rücken. Statt die Muslime, die unsere Freiheit und Pluralität schätzen, fest zu umarmen und ihre Freiheit zu schützen, würden wir uns in solch einem Fall an die Seite der „Islamisten“ stellen und jeden moderaten Muslim de facto vor die Wahl „abschwören oder Islamist werden“ stellen. Dies kann einfach nicht in unseren Interesse sein.

Schließlich wäre eine solche Handlung nicht nur moralisch falsch und illiberal, sie ginge auch an der Realität vorbei. Lassana Bathily versteht sich als gläubiger Muslim. Der Angestellte des koscheren Supermarkts in Paris versteckte sechs höchstwahrscheinlich jüdische Kunden vor dem muslimischen Terroristen, statt diesem gemäß Sure 5,51 zur Hilfe zu kommen. Der Muslim Achmet Merabet war es, der als erster Polizist zum Gebäude des Charlie Hebdo Büros kam und dort vor laufenden Kameras von den Terroristen ermordet wurde. Auch wenn er es nicht bewusst gemacht haben mag, so hat dieser Muslim doch sein Leben bei dem Versuch gegeben Menschen zu verteidigen, die seinen Glauben angriffen.

Sollten wir diesen Menschen in den Rücken fallen und ihnen erklären, sie seien in Wahrheit nur verkappte Islamisten und würden Taqiya betreiben, wie es nicht wenige radikale Islamkritiker tun? Sicher nicht. Aber vielleicht sollten sich ihre Glaubensbrüder an ihnen ein Beispiel nehmen und den radikalen Islam aus ihrer Mitte tilgen, so wie es in Deutschland seit fast 15 Jahren mit dem Rechtsextremismus geschieht? Ganz besiegen lässt sich beides nicht. Die Gefahr wegen ein paar harmloser Karikaturen ermordet zu werden, würde aber doch merklich sinken. Das fände ich nicht gerade schlecht. Die Meinungsfreiheit braucht solche Karikaturen nämlich.

 

Solange aber die islamischen Verbände mit „Das sind keine Muslime“ den islamischen Kern des radikalislamischen Terrorismus verleugnen, und solange sie mit „Die Meinungsfreiheit ist gut, aber…“ gegen die Meinungsfreiheit antreten, solange muss die islamische Lehre wohl auch von außen weiter konfrontiert werden. Dazu brauchen wir die Muslime, während sie selbst die islamischen Wurzeln des „islamistischen Terrorismus“ nicht verleugnen dürfen.

Islamverbände gegen Meinungsfreiheit

Auf Facebook habe ich gestern noch Hoffnung bezüglich der Positionierung der deutschen Islamverbände gezeigt. Leider wurde sie wieder einmal bitter enttäuscht!

 

Die Meinungsfreiheit hat vor Mohammed zurückzustehen

Bekir Alboğa sagte:

Alle, die an diesem Tisch sitzen, verteidigen die Presse- und die Meinungsfreiheit. Wir wollen aber auch respektiert werden. Auf Provokationen müsste man verzichten. Wir lieben unseren Propheten.“

Irgendwo habe ich einmal einen schlauen Satz gelesen, der es auf den Punkt trifft. „Alles, was vor einem aber steht, ist nichts wert!“ Wer sagt, er vertrete die Meinungsfreiheit, aber… der ist gegen die Meinungsfreiheit.

Denn Meinungsfreiheit ist gerade das, was hinter dem aber kommt. Meinungsfreiheit gibt es sofort nicht mehr, wenn Einschränkungen kommen, egal welcher Art. Meinungsfreiheit ist nicht 90% und nicht 95%. Auch 99% ist nicht Meinungsfreiheit, sondern nur 100%.

Meinungsfreiheit definiert sich nicht durch die Erlaubnis das Gleiche auf verschiedene Arten ausdrücken zu dürfen, sondern durch die Extreme, die weit von allem anderen abweichen. Wer auswählen darf zwischen „Mein Diktator ist toll„, „Mein Diktator ist großartig“ und „Mein Diktator ist der Beste!“ der hat keine Meinungsfreiheit. Die hat er erst, wenn er auch „Mein Diktator gehört aufs Schafott!“ sagen darf. Ausschließlich die Extreme definieren die Meinungsfreiheit!

 

Freiheit muss auch für Muslime vor Mohammed gehen!

Die richtige Formulierung wäre gewesen: „Wir lieben unseren Propheten und finden seine Beleidigung furchtbar, aber die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, dass es zu verteidigen gilt.“ Würden die Islamverbände für Meinungsfreiheit einstehen, würden sie uns sagen wie sehr sie von den Karikaturen beleidigt werden, dass aber die Meinungsfreiheit darüber stehen muss. Was jeder in Deutschland verstehen sollte ist, dass Einschränkungen der Freiheit, gleich welcher Art, bei Kleinigkeiten und bei Anderen anfangen – aber nie dort enden! Es muss also im Interesse der Islamverbände selbst sein, die Meinungsfreiheit kompromisslos zu verteidgen!