737-Absturz/Abschuss: Der Iran zeigt, wie Krisen-PR nicht geht

Seit heute, 09.01.2020, kursieren Bilder, die Wrackteile mit Perforierungen zeigen, die auf Schrapnelle hindeuten. Fotos, die von der Absturzstelle stammen sollen, zeigen Teile einer Luftabwehrrakete, die von einer iranischen Tor-M1-Batterie verschossen worden sein soll.

Schon in meinem Beitrag gestern zum iranischen Angriff auf durch die US-Streitkräfte genutzte Basen im Irak hatte ich darüber spekuliert, dass ein versehentlicher Abschuss durch die iranische Luftabwehr die wahrscheinlichste Absturzursache sei.

Dass die Iraner auf die Tötung Suleimanis antworten würden, war abzusehen.Da die USA den Angriff rechtzeitig erkannt…

Posted by Torsten Heinrich on Wednesday, January 8, 2020

Was ich nicht verstehen kann, ist, wie ein Staat wie der Iran glauben kann, er könnte den Abschuss einer Verkehrsmaschine voller ausländischer Bürger vertuschen.

Das ganze Verhalten war von Anfang an ein Schuldeingeständnis. Der Versuch, sich aus der Affaire zu lügen, die Blackboxen nicht zu übergeben, dann sie als fehlerhaft zu erklären, dann das Wrack mit Bulldozern zu bearbeiten…

Wie konnten die ernsthaft glauben, sie könnten damit davonkommen? Alles, was sie damit erreichen, ist das internationale Ansehen des Landes noch mehr zu beschädigen und die Länder mit Opfern an Bord gegen sich aufzubringen.

In militärischen Konflikten passieren Fehler. Der für den Abschuss verantwortliche Offizier hat garantiert nicht auf Befehl der Regierung eine Zivilmaschine abgeschossen, sondern ist entweder falschen Einsatzvorschriften gefolgt oder hat eigenständig gehandelt. In beiden Fällen hätte man Verantwortliche, die man bestrafen kann und die ein zivilisiertes Land bestrafen würde.

Ein offenes Eingeständnis, nachdem die Ursache klar wurde, also wohl Minuten nach dem Abschuss, wäre im Sinne einer Schadensbegrenzung das einzig Richtige gewesen. Ein Regierungssprecher, der vor Gram zerfressen vor die Kameras tritt, eine volle Aufklärung, ein zur Rechenschaft ziehen der Verantwortlichen und eine Entschädigung der Opferfamilien ankündigt, hätte im Endeffekt ein verantwortungsvolles Land präsentiert, das einen Fehler gemacht hat.

Das ist die Kernessenz der Krisen-PR. Zu erkennen, wann man sich nicht mehr herausreden kann, sondern Verantwortung übernehmen und sich entschuldigen muss. Wieso der Iran dazu zu dumm ist, ist mir ein Rätsel.

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