737-Absturz/Abschuss: Der Iran zeigt, wie Krisen-PR nicht geht

Seit heute, 09.01.2020, kursieren Bilder, die Wrackteile mit Perforierungen zeigen, die auf Schrapnelle hindeuten. Fotos, die von der Absturzstelle stammen sollen, zeigen Teile einer Luftabwehrrakete, die von einer iranischen Tor-M1-Batterie verschossen worden sein soll.

Schon in meinem Beitrag gestern zum iranischen Angriff auf durch die US-Streitkräfte genutzte Basen im Irak hatte ich darüber spekuliert, dass ein versehentlicher Abschuss durch die iranische Luftabwehr die wahrscheinlichste Absturzursache sei.

Was ich nicht verstehen kann, ist, wie ein Staat wie der Iran glauben kann, er könnte den Abschuss einer Verkehrsmaschine voller ausländischer Bürger vertuschen.

Das ganze Verhalten war von Anfang an ein Schuldeingeständnis. Der Versuch, sich aus der Affaire zu lügen, die Blackboxen nicht zu übergeben, dann sie als fehlerhaft zu erklären, dann das Wrack mit Bulldozern zu bearbeiten…

Wie konnten die ernsthaft glauben, sie könnten damit davonkommen? Alles, was sie damit erreichen, ist das internationale Ansehen des Landes noch mehr zu beschädigen und die Länder mit Opfern an Bord gegen sich aufzubringen.

In militärischen Konflikten passieren Fehler. Der für den Abschuss verantwortliche Offizier hat garantiert nicht auf Befehl der Regierung eine Zivilmaschine abgeschossen, sondern ist entweder falschen Einsatzvorschriften gefolgt oder hat eigenständig gehandelt. In beiden Fällen hätte man Verantwortliche, die man bestrafen kann und die ein zivilisiertes Land bestrafen würde.

Ein offenes Eingeständnis, nachdem die Ursache klar wurde, also wohl Minuten nach dem Abschuss, wäre im Sinne einer Schadensbegrenzung das einzig Richtige gewesen. Ein Regierungssprecher, der vor Gram zerfressen vor die Kameras tritt, eine volle Aufklärung, ein zur Rechenschaft ziehen der Verantwortlichen und eine Entschädigung der Opferfamilien ankündigt, hätte im Endeffekt ein verantwortungsvolles Land präsentiert, das einen Fehler gemacht hat.

Das ist die Kernessenz der Krisen-PR. Zu erkennen, wann man sich nicht mehr herausreden kann, sondern Verantwortung übernehmen und sich entschuldigen muss. Wieso der Iran dazu zu dumm ist, ist mir ein Rätsel.

Supermani ist tot

Qasem Soleimani ist tot.

Der Kommandeur der Quds-Force war einer der profiliertesten Staatsterroristen des Nahen Ostens. Seine Truppen sind für Terroranschläge rund um den Globus verantwortlich und es gibt keine radikale schiitische Gruppe, die nicht Unterstützung durch ihn erhalten hätte.

Er gehörte zu den Unterzeichnern des Briefes an Präsident Khatami 1999, in dem eine gewaltsame Niederschlagung der Studentenproteste gefordert und alternativ ein Militärputsch angedroht wurde.

Es kann also nicht verwundern, dass nicht nur im Irak, in Syrien und in Libanon Menschen über seinen Tod jubeln, sondern auch aus dem Iran Freude zu vernehmen ist.

Der Mann war ein Schlächter und Staatsterrorist – aber auch ein Genie. Es soll auf seinen Plan und seine Initiative zurückzuführen sein, dass die Regierung Assad nun wieder fest im Sattel sitzt, die massiv gestiegene militärische Schlagkraft der Hisbollah wird seiner Beratung zugerechnet, er war nicht nur bei zahlreichen Gefechten als Beobachter und Berater anwesend, sondern übernahm immer wieder auch das Kommando schiitischer Milizen im Kampf gegen den Islamischen Staat.

Wegen seiner Rolle und weil er praktisch überall zu sein und überall entscheidenden Einfluss zu haben schien, wurde er auch scherzhaft, aber anerkennend „Supermani“ genannt.

Die Hellfire (vermutlich), die sein Leben beendete, hatte er seit langem verdient und auch wenn man seinen unzweifelhaften militärischen Fähigkeiten Anerkennung zollen muss, so ist seine Tötung gerechtfertigt und überfällig gewesen. Sie ist, wie andere vor mir bereits kommentiert haben, größer, bzw. wichtiger, als die Tötung von Osama bin Laden und al-Baghdadi zusammen.

Wenn das deutsche Feuilleton nun mit seinen Phrasen um sich wirft; „Eskalation“, „Spirale der Gewalt“, „Flächenbrand“, so mag das im Kern durchaus eine berechtigte Angst sein. Der Iran wird sich nun überlegen, wie er auf die Tötung dieser wichtigen Person antworten wird. Aber der Schaden, den sein Fehlen anrichtet, wurde von der US-Führung ganz offensichtlich als größer angesehen, als eventuelle Racheakte des Irans.

Für die Menschen der Region scheint es heute ein guter Tag zu sein. Eine der gefährlichsten Menschen des Nahen Ostens ist tot.

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