Petrys Pyrrhussieg

Frauke Petry hat sich also gegen Bernd Lucke mit deutlichen 60 zu 38,3% durchgesetzt. Was ihre Anhänger als großen Sieg feiern, wird sich als Pyrrhussieg erweisen.

 

Die Rechten gewinnen

Bernd Lucke hatte über Frauke Petry gesagt, sie sei politisch gar nicht so weit von ihm entfernt. Damit würde ein Sieg von ihr nicht automatisch einen Sieg des rechtsaussen-Lagers bedeuten.

Entscheidend ist jedoch, dass Frauke Petry eine Abgrenzung zu massiven Rechtsauslegern nicht wünscht, ja fest auf sie zu ihrer Wahl gesetzt hat. Sie ist gestern nur wegen der Rechtausleger Sprecherin geworden. Damit wird sie zu einer der ihren.

Gerade die zugespitzte Konfrontation hat dazu geführt, dass Petry zur „rechten Kandidatin“ gegen Lucke als „bürgerlichen Kandidaten“ wurde. Indem Petry nicht auf eine Kandidatur zugunsten der Partei verzichten wollte, sondern lieber ihre eigenen Machtambitionen leben wollte, hat sie der Partei ins Knie geschossen.

Die drastische Niederlage Luckes wird von vielen, auch vielen Mitgliedern, als Niederlage der Bürgerlichen gesehen. Entsprechend hagelt es bereits Austritte von all jenen, die mit einer Rechtaußenpartei nichts zu tun haben wollen.

Damit wird das bürgerliche Lager noch weiter geschwächt, womit der Durchmasch der Rechtsausleger garantiert ist.

 

Ein klassischer Pyrrhussieg

Dies macht Petrys Sieg zu einem klassischen Pyrrhussieg. Sie mag den Vorsitz gewonnen haben. Den (wirklich) liberalen Flügel verliert sie jedoch, und zwar wohl dauerhaft. Dazu wird auch ein Großteil der Bürgerlichen, die keine Lust auf Putinismus, auf Fundamentalopposition, auf ein Hinterfragen von allem und jedem haben, gehen.

Durch diese Austritte fehlt das Gegengewicht, das den reaktionären, nationalistischen und natioinalchauvinistischen Teil der Partei ausbalanciert. Die Partei rückt somit allein aus sich heraus nach rechts, während ein weiterer Zustrom aus diesem Lager und von weiter rechts zu erwarten sein wird.

Damit wird die Partei unweigerlich in eine Fundamentalopposition abrutschen. Was in anderen Ländern nicht per se ein Problem wäre, wird in Deutschland auf Dauer eine Beobachtung des Verfassungsschutzes mit sich bringen können und wahrscheinlich machen.

Petry, die laut Lucke ja selbst gar kein „Rechtsdreher“ sei, hat sich mit ihrem aus Machtgier erlangten Wahlsieg die eigene Partei zerstört. Das bürgerliche Element der AfD erodiert gerade im Sekundentakt. Petry selbst wird somit nur noch die Wahl haben, mit dem Strom der Partei zu schwimmen und (weiter) Rechtsaussenpositionen zu vertreten oder aber selbst durch jemanden wie Höcke ersetzt werden. [Ergänzung 05.07.2015 20:50:] Die Wahl von André Poggenburg, der laut eigenem Bekunden mit NPD-Mitgliedern zusammenarbeitet, bestätigt das. Wenn jemand wie er Teil des Bundesvorstandes wird, hat Petry sehr bald keine andere Wahl mehr, als mit den rechtsradikalen Wölfen zu heulen oder von ihnen zerrissen zu werden. [Ergänzung Ende]

Bernd Lucke hatte angeboten nicht zu kandidieren, wenn auch Frauke Petry nicht kandidieren würde. Dies hätte die AfD retten können und Frauke Petry hätte bei der nächsten Wahl nach der Macht greifen können. Sie wollte es aber nicht und hat so in der Stunde ihres größten Triumphs zugleich der AfD die größte Niederlage beschert. [Update:] Mit den Austritten von Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Starbatty, Prof. Dr. h.c. Hans-Olaf Henkel und dem sehr wahrscheinlich bald erfolgenden Austritt von Prof. Dr. Bernd Lucke verliert die AfD drei ihrer seriösesten Gesichter, die die Partei für bürgerliche Wähler wählbar machten. Diese drei MdEP folgen einer großen Zahl weiterer Mitglieder der AfD, die in den letzten Stunden ihren Austritt erklärt haben oder ihn in Kürze erklären werden.

 

5 Antworten auf „Petrys Pyrrhussieg“

    1. Bei meinem Austritt im März 2014 habe ich gesagt, die AfD werde sich zur Mischung aus REP und PBC mit Außenpolitik der Linkspartei entwickeln.
      Inzwischen scheint es möglich, dass ich das nicht weit genug gefasst habe.

  1. Ausgezeichnete Analyse! Ich bin froh, nicht der einzige zu sein, der Petry, ihre Ambitionen, ihr Verhältnis zum rechten Flügel und die zu erwartende zukünftige Entwicklung nicht alleine so einschätzt.

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