Die staatlichen Räuber von Kiel

In Kiel hat in den letzten Tagen unter großer medialer Begleitung ein ziemlich einzigartiger Raubzug stattgefunden. Einzigartig, weil auch die Bundeswehr dabei half.

Unter Waffengewalt wurde einem Sammler sein Eigentum entwendet. Teil der Sammlung: Ein demilitarisierter PzKpfw V „Panther“ und eine 8,8cm Flak.

Die Bundeswehr schickte zwei Bergepanzer, die nach Stunden das Gerät aus einer unterirdischen Garage gezogen hatten. Doch das Ganze ist pikant:

Der Rechtsanwalt des Mannes bezeichnete den Einsatz als unverhältnismäßig. „Der Panzer ist demilitarisiert“, sagte Anwalt Peter Gramsch. Er will nun rechtliche Schritte gegen die Beschlagnahmung einleiten und auch Schadensersatz für seinen Mandanten fordern. „Ich gehe davon aus, dass der Panzer bei der Aktion beschädigt worden ist.“ Gleiches gelte für den Privatweg vor der Villa.Es gebe eine Bescheinigung des Kreises Plön vom 31. Oktober 2005, wonach der Panzer seine Kriegswaffeneigenschaft verloren habe.
In der Nacht stellten die Einsatzkräfte schließlich auch noch ein 8,8-Zentimeter Flakgeschütz sicher. Laut Rechtsanwalt Gramsch war auch dieses demilitarisiert.

Der 78-Jährige sagte bereits im Mai dem SPIEGEL, er habe eine große Sammlung („aber keine Kunst“) in einem unterirdischen Bunker auf seinem Grundstück. Dort stehe der Wehrmachtspanzer („aber kein kompletter“), den er irgendwann einmal als Schrott in England gekauft habe. Alle Waffen habe er ordnungsgemäß angemeldet.

Ordnungsgemäß angemeldete Sammelgüter werden mit Staatsgewalt geraubt. Dass es absurd ist, Großgerät zu demilitarisieren, ist eine ganz andere Sache. Dabei kommt es zu erheblichen Zerstörungen am Gerät, das selbst in der Regel ohnehin nicht einsatzbereit ist.

In den USA und in Großbritannien ist dergleichen nicht nötig, in London kann man sogar mit einem privaten Kampfpanzer vor dem Buckingham Palace herumfahren. Passiert ist nie etwas.

 

Was hätte getan werden sollen?

Doch ich will nicht nur meckern, sondern auch sagen, was man hätte tun sollen. Die Bilder zeigen, dass der Panther nicht fahrbereit war. Eine Gefahr ging von ihm also nicht aus. In welchem Zustand die Flak war, kann ich nicht herausfinden. An sich wäre es einfach gewesen. Ein Fachmann mit Kenntnis der Materie, ich hätte mich als Militärhistoriker gerne angeboten, hätte das Gerät untersuchen können, ob es in seinem jetzigen Zustand eine Gefahr darstellt. Kann dies ausgeschlossen werden, hätte man es versiegeln können, bis die Ermittlungen, die ja noch laufen, abgeschlossen sind. Anschließend hätte man das Gerät immer noch beschlagnahmen können. Unterdessen hätte eben eine Streife alle paar Tage unangemeldet den Zustand der Siegel überprüfen können.

Wenn der Besitz legal war, und darauf deuten die Aussagen des Eigentümers und seines Anwalts hin, dann muss das Gerät zurückerstattet werden. Damit fallen nicht nur die Unsummen für die Beschlagnahmung an, sondern weitere Kosten für die Rückgabe (und hoffentlich auch die Rückgabe an Ort und Stelle, also eine Rückführung in den Keller. Dazu kommen Reparaturkosten für das Anwesen und eventuelle Beschädigungen an dem Gerät.

Nicht mobiles Gerät, das überhaupt keinen Schaden anrichten kann, hätte man auch nach Abschluss der Ermittlungen entfernen können. So aber haben sich ein paar Beamten wieder einmal als Herren über den Pöbel aufgespielt und damit Steuergelder verbraten, während sie einem Bürger dieses Landes sein Eigentum gestohlen haben.

10 Antworten auf „Die staatlichen Räuber von Kiel“

  1. Sanke für diese Worte, ich befürchte allerdings der Mann wir seine Eigentum nicht mehr wieder sehen, höchsten in dem Museum, dass auf diese Teile scharf war, aus der ferne betrachten können. Anders kann ich mir diese Aktion nämlich nicht erklären.

  2. Diese Aktion sollte allen deutlichst signalisieren, dass selbst legale Sammelobjekte nicht vor den Greifern des Staates sicher sind.
    Hier wird völlig hysterisch blinder Aktionismus bar jeden Verhältnisses vollzogen und die Kosten trägt später der Steuerzahler.
    Was ich an dieser Stelle noch erschreckender finde, ist die evidente Leichtigkeit, mit der heutzutage wieder die Bundeswehr im Landesinneren eingesetzt werden darf – ist ein Rentner mit einem Faible für exotische Sammelobjekte wirkich ein legitimer Grund, das Militär zu rufen? Ich würde das angesichts der Tatsache, dass Schriftstücke, welche die Demilitarisierung bestätigen, existieren, kategorisch verneinen.

    1. Der Einsatz der BW für sich dürfte in Ordnung gehen. Es ist eben Amtshilfe, wie auch Hubschrauber der BW Verletzte ins Krankenhaus fliegen oder Soldaten Sandsäcke tragen. Sie kamen ja nicht mit Waffen.

      Aber dass es überhaupt stattfand, das ist das Problem. Wäre ich noch in Uniform, ich hätte den Befehl verweigert.

  3. Wenn man in Deutschland nichtmal ohne große Hürden eine Handfeuerwaffe besitzen darf, wieso sollte jemand dann nen Panzer (!) und ne Flak (!) im Keller stehen haben dürfen? Etwas de-militarisiertes lässt sich auch wieder militarisieren.

    Ich persönlich bin froh, dass jemand, in dessen Kopf ich nicht gucken kann und dessen Fähigkeiten ich nicht kenne, kein schweres Kriegsgerät besitzt.

    Es gibt wirklich größere Bedrohungen für unsere freiheitliche Grundordnung, als diesen Vorfall!

    1. Eine Demilitarisierung ist eben nicht einfach rückgängig zu machen. Das Recht erlaubt privaten Besitz demilitarisierten Geräts, das damit eben kein „schweres Kriegsgerät“ mehr ist.

      1. Und bei dem „einfach“ ist der Haken.

        „Niemals“ oder „unter keinen Umständen“ wäre ok, aber „einfch“?! Das reicht mir nicht, und es reicht mir auch nicht für so nen Aufreger (inkl. polemischer Hülsen wie „staatliche Räuber“ oder „Raubzug“)

        1. Das Bekommen von 8,8 cm und 7,5 cm Granaten praktisch unmöglich. Ohne Munition sind beide Geräte weitgehend nutzlos.

          Es ist leichter ein gepanzertes Fahrzeug auf einem bereits fahrenden Unterbau zu konstruieren, als einen demilitarisierten Panzer aus 1944/5 wiederherzustellen.
          Entsprechend sollten Sie alle Bagger und Planierraupen enteignen. Da LKW sich hervorragend in fahrende Bomben umbauen lassen, sollten auch diese enteignet werden.

          1. Ganz offensichtlich ist jemand anderes zu einer anderen Gefahreneinschätzung gekommen. Entweder weil er/sie es besser oder schlechter weiß. Das kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist es m.E. schlechtestenfalls behördliche Übervorsicht und kein „Raub“.

          2. Auch Behörden können Unrecht haben. Gesetze können falsch sein.

            Wer mit Waffengewalt fremdes Eigentum an sich nimmt, der begeht einen Raub. Genau das ist erfolgt.

  4. Das ist Macht demonstration.
    Und das sagen in Deutschland haben die Siegermachte.
    Ich sage dazu Artikel 25 Grundgesetz.
    Und damit durfte er es besitzen.
    Da Völkerrecht zählt.
    Und Bundeswehr sowie Polizei keine Angehörigen der Besatzungsmächte sind.
    Nur Verwalter.
    Gegründet von den Besatzer.
    Deutsche Geschichte vergessen.
    Siehe Bundesbereinigungsgesetze.
    Aufhebung von StPO, Zpo und so weiter.
    Aber es sind leider zuviele Intelligenzallergiker unterwegs die das Bundesdeutsche Recht und die Worte nicht verstehen und andere dann diffamieren, Denunzieren.
    Und damit gegen Bundesdeutsche Recht sprechen.

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