Freiheit ist nicht gratis

Auf der Homepage von Heise ist ein Artikel über den Kommentatoren-Mob, der die Seiten von Zeitungen heimsucht, im Besonderen wenn sie über die Ukraine berichten. Eine aktive Armee aus Kommentar-Kriegern handelt getreu nach Christian Morgenstein „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“ und überschwemmt jeden, der nicht Putin hochlobt und seine Invasion der Ukraine goutiert mit Hass-Mails. Besonders erschreckend ist, dass eine Journalistin der Zeit lieber wieder in die Ostukraine an die Front für die Berichterstattung will, als sich dem Hass dieses Mobs auszusetzen.

 

Hunderte Hate-Mails und Morddrohungen für kritischen Artikel

Nachdem ich eine emotionale Wutschrift über Volker Pispers zum Himmel schreienden Unsinn geschrieben habe, die auch auf Huffington Post veröffentlicht wurde,  habe auch ich mein Scherflein abbekommen. Die Zahl von 300 Hassmails ist bereits längst überschritten  und es gab, je nach Interpretation, zwei bis fünf Morddrohungen oder Mordaufrufe. Dabei ist der Inhalt des Artikels korrekt, wie mir seriöse Kollegen bestätigen. Ich würde ihn so wieder schreiben, wenn auch vielleicht nicht mehr mit dieser Wortwahl.

In dem Artikel selbst ist eine Vielzahl von Kommentaren zu lesen, etwa 30 weitere habe ich gar nicht mehr veröffentlicht. Auch auf Huffington Post, auf Twitter, per Email und auf Facebook gab es eine so hohe Zahl an Beleidigungen, Unterstellungen und Drohungen, dass ich dazu übergehen musste, nur noch die Perlen davon zu sichern. Alles nur wegen eines harmlosen kleinen Artikels. Wie muss es da erst den Autoren großer Publikationen gehen?

Morddrohung

Für mich persönlich hatte es mehr einen Unterhaltungswert. Ich muss ehrlich sagen, ich kann die Kommentatoren und Shitstormer beim besten Willen einfach nicht ernst nehmen. Ich komme mir vor wie ein Kind mit einem Brennglas in der Hand, das Ameisen versengt, während diese verzweifelt ihre Säure in meine Richtung schleudern und doch nur meiner Hand einen komischen Geruch verschaffen. Es ist einfach kein Kampf auf Augenhöhe.

Drohung
Ein Liebesbrief per Twitter

Wer heute noch schreibt, Russland habe mit dem Krieg in der Ostukraine nicht zu tun, den kann ich einfach nicht mehr ernst nehmen. Entweder konsumiert er aus Angst vor der westlichen „Lügenpresse“ nur noch obskure Blogs von paranoiden Verschwörungstheoretikern und russische Staatsmedien – und glaubt ernsthaft, dies sei eine bessere und ehrlichere Informationsquelle, oder aber diese Person ist ein überzeugter oder bezahlter Kreml-Troll, ein Kremlin.

Wenn also hilflose kleine Narren mich mit Hass überschütten, dann sitze ich teils lachend vor den Emails und freue mich diebisch, wenn auf meine sarkastischen Antworten weitere Mails kommen. Selten hatte ich in meinem Leben so viel Spaß wie die letzten Tage. Denn Angst brauche ich vor solchen Maulhelden nicht zu haben. Zum einen sind es paranoide Idioten, die sich aus Angst vor „Chemtrails“ vermutlich ohnehin kaum aus ihren eigenen vier Wänden wagen, zum anderen kann ich als Legalwaffenbesitzer der Krav Maga beherrscht einer Begegnung gelassen entgegen sehen, sollte sich einer dieser Hanswursten tatsächlich trauen, mich persönlich treffen zu wollen. In der Masse wird es sich jedoch um verpickelte Jungmännlein handeln, deren liebstes Hobby das Wickeln eines Aluhutes ist.

Da hilft es auch nichts, wenn der Blog des Schweizer Pleitiers und berufsparanoiden Verschwörungsspinners mein Bild (natürlich unter Missachtung des Urheberrechts) auf seine Seite packt, wohl um „dem Feind“ ein Gesicht zu geben. Dass er seinen Versuch mich zu widerlegen – was fachlich natürlich nicht möglich ist – mit Strohmann-Argumenten am Fließband bemühte, ist da nur eine Randnotiz. Da hilft es auch nichts, wenn zu Shitstorms gegen mich aufgerufen wird.

Shitstorm
Aufforderung zum Shitstorm

Das Ganze wird natürlich auch leichter, wenn die Kommentatoren elementare Dinge leugnen. Wenn dann noch in kaum verständlichen Deutsch erklärt wird, ich habe keine Ahnung oder wenn ich Nachrichten erhalte, man habe zwar „nur Hauptschulabschluss, aber dennoch mehr Ahnung als Du!“, hält sich der erzeugte Eindruck in Grenzen. Doch nicht jeder Journalist kann solch eine Distanz und entspannte Herangehensweise haben.

 

Zeigen Sie Solidarität

An meine Leser kann ich daher nur appellieren, Autoren von Artikeln die ihnen Zusagen ihre Unterstützung auszudrücken. Vergessen Sie nicht, dass die Gegenseite organisierte Kampagnen zur Beeinflussung und Einschüchterung fährt. In ihrer Erregung und in ihrem Hass produzieren sie Hassmails am Fließband, während ein zustimmender Leser nur in Ausnahmefällen zur (virtuellen) Feder greift. Daher: Wenn Sie merken dass jemand unter Beschuss liegt, nehmen Sie sich die 20 Sekunden Zeit und schreiben Sie der Person nur einen Einzeiler, dass Sie gut finden was er schreibt. Denn wenn Autoren aufhören zu schreiben was sie denken, weil sie Angst vor den Reaktionen organisierter Trollhorden haben, dann ist die Meinungsfreiheit ernsthaft in Gefahr!

2 Antworten auf „Freiheit ist nicht gratis“

  1. also jetzt reichts! sie kommen nicht einmal auf den gedanken das sie vielleicht im unrecht sein könnten und der grossteil der deutschen nicht russland die schuld an diesem bürgerkrieg gibt,sondern der usa und ihrer vassallen (EU). sie nennen all ihre leser „kremel-treue-bezahlte trolle“usw, und dann wundern sie sich noch das sie hass mails bekommen??? zitat“ Ich komme mir vor wie ein Kind mit einem Brennglas in der Hand, das Ameisen versengt, während diese verzweifelt ihre Säure in meine Richtung schleudern und doch nur meiner Hand einen komischen Geruch verschaffen“ so so sie sie sehen sich also als ein kind mit einem brennglass und wir ( die leser ) sind alles kleine unbedeutende ameisen, die sie verbrennen….. so etwas arrogantes wie sie habe ich noch nicht erlebt! sie beleidigen jeden der sich seine eigene meinung bildet und nicht auf unsere ach so unabhängige presse reinfällt! sie sollten sich was schämen! und ihr appel zur solidarität mit ihresgleichen ist nur noch erbärmlich.
    p.s. ich werde für meine meinungsäuserung von niemandem bezahlt!

    1. Na klar, blicke ich auf meine Liebesbriefschreiber herab.
      Wer jetzt noch leugnet, dass Russland an dem Töten in der Ukraine Schuld ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Gerade ganz neu: http://www.sueddeutsche.de/politik/separatisten-in-der-ostukraine-gefangen-in-der-befehlskette-1.2406228
      Dazu auch das: http://www.themoscowtimes.com/news/article/russias-igor-strelkov-i-am-responsible-for-war-in-eastern-ukraine/511584.html

      Schon wie Sie argumentieren… „Der Großteil der Detuschen“ als ob Meinungsumfragen von Relevanz für etwas anderes wären, als für eine Feststellung der Meinung. Meinungen sind aber keine Fakten! Siehe auch hier, die „Mehrzahl der Deutschen“ http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-04/deutsche-russland-allensbach-umfrage
      Was soll das schon aussagen?

      sie beleidigen jeden der sich seine eigene meinung bildet und nicht auf unsere ach so unabhängige presse reinfällt! sie sollten sich was schämen!

      Wer den westlichen Medien alles glaubt, der hat eine mangelhafte Medienkompetenz. Wer sich daher über russische Staatsmedien, von Russland gekaufte Medien und aus obskuren Internetblogs informiert, der hat gar keine.

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