Buchrezension zu „Gott Bewahre“ von John Niven

John Niven ist Bestsellerautor. Einer der ganz erfolgreichen und ganz großen. Entsprechend gespannt war ich auf das Buch, von dem ein sehr geschätzter Bekannter meinte: „Das ist lustig.“ Nach Lachen war mir allerdings sehr schnell nicht mehr zumute.

 

Logikfehler über Logikfehler

Im Himmel vergeht die Zeit langsamer. Ein Tag dort entspricht 56 Jahren auf der Erde. So erklärt Niven, dass Gott eine Woche Angeln war und sich die Welt seither aus der Renaissance bis 2011 entwickelt hat. Dumm nur, dass Jesus mit Jimi Hendrix befreundet ist, mit dem er öfter eine Jam-Session abhält und Gras raucht. Wie soll das gehen, wenn der erst wenige Stunden da ist?

Nachdem die Welt sich richtig mies entwickelt hat, entscheidet Gott sich nach seiner Rückkehr dazu, seinen Sohn Jesus erneut auf die Erde zu schicken. Er teilt es ihm am nächsten morgen mit, doch überraschenderweise kommt der Junge keineswegs im Jahr 2067 auf der Erde an, sondern in der Gegenwart. Wie geht das?

Kindersprache mit Fäkalien beschmiert

Nivens Buch zeichnet sich durch vieles aus, das ich persönlich nicht gerade als Prädikat sehen würde. Über seine politischen Ansichten kann ich noch ein Stück hinweg sehen. Dass er Guantanamo in einem Satz mit Auschwitz nennt, obwohl dort kein einziger Mensch ermordet wurde, geschenkt. Dass er Guantanamo im Satz noch vor Kambodscha nennt, das ist eben künstlerische Freiheit. Was mich aber unheimlich nervt ist, dass seine Sätze sich anhören, als ob ein Zwölfjähriger sie formuliert hat. Vielleicht ist das schlicht das Geheimnis seines Erfolgs, immerhin gibt es weit mehr Menschen die einen Text für Zwölfjährige verstehen, als solche die einen mit aufwendigen Formulierungen gespickten und mit Fremdwörtern angereicherten Text verarbeiten können. Für mich persönlich ist es allerdings, wie auch schon „Illuminati“ des geradezu pervers erfolgreichen Dan Brown, eine intellektuelle Beleidigung.

In dem von mir geschriebenen verwende ich durchaus auch einmal einen Fäkalausdruck. Im Schützengraben und unter Beschuss unterhält man sich eher selten so, wie man es beim Sonntagsfrühstück tun würde. Charaktere aus der Gosse oder voller Empotionen nutzen mitunter genauso Kraftausdrücke wie jemand der bewusst provozieren will. Niven hingegen scheint eine geheime Wette gehabt zu haben, wie oft er in einem Buch „Fuck“ und Konsorten unterbringen kann, während es noch abgedruckt wird. Das zumindest lässt sich anhand der Häufigkeit von Fäkalausdrücken in der deutschen Übersetzung erahnen.

Natürlich muss eine solche Geschichte dann auch durch Genitalhumor angereichert werden. Der Gründer des KKK wird durch Schwarze mit riesigen Penissen vergewaltigt, die von Satan nach der Größe ihres Gemächts befragt werden. Gott fragt einen Angestellten im himmlischen Büro wie es steht, woraufhin dieser zwischen seine Beine greift und „alles steif“ oder etwas Ähnliches sagt.

 

Das wird zu einem Bestseller weltweit?

Ich vermute, mir wird die typisch deutsche Arroganz des „Bildungsbürgertums“inne. Vielleicht ist es so zu verstehen, dass ich angesichts solcher Zeilen angewidert bin. Intellektuell, sprachlich, stilistisch… Aber wie zum Teufel kann ein Buch mit solch einer Qualität ein Bestseller weltweit werden?

Ausschnitt aus John Niven: Gott Bewahre.
Ausschnitt aus John Niven: Gott Bewahre.

Ich will gar nicht behaupten, dass ich solch eine Story schreiben könnte. Würde ich es können und wie Dan Brown mit zwei Büchern 300 Millionen Dollar verdienen können, würde ich es wohl doch ziemlich sicher machen. Dennoch möchte ich aber sagen: Selbst wenn ich es könnte, würde ich gar nicht so schreiben wollen!

 

Schwerer Anfang mit erträglichem Ende

Die bisherige Kritik konzentriert sich auf den ersten Teil, wenn das Buch im Himmel spielt. Im zweiten Teil wechselt die Geschichte zu dem 31 jährigen Jesus, der in New York City lebt. Ab diesem Zeitpunkt gewinnt die Geschichte auch für mich an Geschwindigkeit, sodass ich durchaus zufrieden bin, durchgehalten zu haben. Ab jetzt wird das sprachliche Niveau zwar auch nicht höher, die Geschichte ist jedoch zunehmend spannend und auch lustig. So ist es wohl kein Zufall, dass ich den Rest des Buches in weniger als zwei Tagen durchgelesen hatte.

 

Lockere Geschichte ohne großen Anspruch, die eine politische Mission hat

Im Ganzen kann ich nun durchaus verstehen, wieso das Buch ein Bestseller geworden ist. Das Buch hat eine vernünftige Geschichte, winzige Kapitel konzentrieren sich wunderbar auf das Prinzip des Konflikts und kommen meist in zwei bis drei Seiten auf den Punkt. Das Ganze ist in einfacher Sprache geschrieben, sodass das Buch wirklich durch jeden gelesen werden kann. Es ist etwas Neues und etwas Lustiges, was ein großes Publikum nicht zuletzt durch die geringe sprachliche Zugangsbeschränkung erreichen kann.

Mich persönlich, aber das ist eben persönlich, hat neben der einfachen Sprache auch die offensichtliche politische Mission von Niven gestört. Offensichtlich hält er die US-Republikaner für die Ausgeburt der Hölle, sodass er massiv gegen sie schießt, woimmer er kann. In diesem Licht wirkt der erste Teil des Buches, der im Himmel spielt, auch mehr wie eine wirklich große Provokation gegenüber konservativen Christen. Ein in Worte gefasster ausgestreckter Mittelfinger, sozusagen. Dies stört aber nicht jeden. Genauso, wie die Sprache nicht jeden stört, schließlich mag auch nicht jeder Shakespeare oder Opern, wie ich.

Wer also nichts gegen einfache Sprache, gegen Fäkal- und Genitalhumor und nichts gegen Bashing der US-Republikaner hat, der wird in „Gott Bewahre“ ein flüssig zu lesendes kurzweiliges Buch finden.

 

Fazit: Eingeschränkt empfehlenswert

Buchrezension zu „Worm: Der erste digitale Weltkrieg“ das Buch zu „Conficker“ von Mark Bowden

Im Jahr 2015 will ich endlich mal meinen großen Haufen an nicht gelesenen Büchern abarbeiten, wobei ich dem Stapel auch einige Sachbücher und Klassiker hinzugefügt habe. Teil der Leseliste für 2015 ist auch „Worm: Der erste digitale Weltkrieg“ von Mark Bowden. Er behandelt den Kampf von Sicherheitsexperten gegen den Wurm Conficker.

 

Spannend und informativ

Das Buch ist kein Roman, sondern eigentlich nur einer Erzählung der Geschichte des Kampfes einer ganzen Reihe von Experten gegen einen Wurm, dessen Urheber bis heute nicht identifiziert wurde. Auf einem Sicherheitsleck bei Windows aufbauend schufen wohl mehrere absolute Experten einen Wurm, der in seiner Finesse und in seinen Fähigkeiten überragend war – und ist. Zwei Updates des Wurms erschienen binnen weniger Monate und gehen noch heute um!

Auch wenn das Buch nicht als Roman geschrieben ist, liest es sich doch ähnlich fesselnd. Auch ohne selbst wirkliche Kenntnisse über Computersicherheit zu haben, kann der Leser der Handlung und den Ereignissen folgen, was Bowdens Fähigkeiten zu erzählen geschuldet sein dürfte. Dabei wird nicht nur der monatelange Kampf gegen einen Wurm mit unglaublichem Zerstörungspotential erzählt, gleichzeitig lernt der Leser auch eine Menge über die Verletzlichkeit des eigenen Rechners und die Verletzlichkeit der heutigen Infrastruktur.

Wer hätte beispielsweise geahnt, dass 2009 tatsächlich jemand (er wurde wohl nie gefasst!) hunderte USB-Sticks auf dem Parkplatz des Pentagon verstreute und sich ein dummer Mitarbeiter fand, der einen der USB-Sticks aufsammelte und im Pentagon in einen Computer steckte? Der Speicherstick erhielt übrigens einen Wurm, der daraufhin das geschlossene Netzwerk des Pentagons infizierte.

Von uns weitgehend unbemerkt findet bereits ein weltweiter Konflikt statt, der nur selten solche Wellen schlägt wie der Hacking-Angriff von Nordkorea auf Sony. Und das beeindruckende ist: Conficker ist noch heute aktiv, wenngleich die Zahl der von ihm infizierten Rechner inzwischen auf nur noch 6 Millionen aktive Computer zurückgegangen ist. Das ist aber immer noch genug um mit einer DDoS-Attacke dramatischen Schaden anzurichten.

Fazit: Lesenswert!

Sony hat die Zukunft des Kinos erfunden

Vielleicht, oder eher ziemlich sicher, wird Weihnachten 2014 in die Geschichte der Unterhaltungsindustrie eingehen, mit dem Film „The Interview“. Nicht nur, weil eine Diktatur versucht hat die Veröffentlichung des Films zu verhindern und dazu auch vor Cyberangriffen, laut Definition „kriegerische Akte“, nicht zurückschreckte. Nicht nur, weil es damit Erfolg zu haben schien und die ganze Welt über einen Film sprach den kaum jemand gesehen hatte, was für sich natürlich sofort Verschwörungstheorien befeuerte. Sondern, weil Sony damit eher versehentlich die Zukunft des Kinos erfunden haben könnte.

 

Ein Film über die Ermordung eines Diktators führt zum Cyberkrieg

The Interview ist eine Komödie über zwei zweitklassige Journalisten, die mit Hilfe einer Boulevard-Fernsehsendung nach Nordkorea reisen. Die CIA kontaktiert beide und bittet darum, dass sie den Diktator des Landes, Kim Jong-Un, töten. Sie nehmen an. Wie zu erwarten entwickelt sich das Ganze weitaus anders als geplant. Soviel zur groben Handlung, die für sich genommen keinen außergewöhnlichen Film geschaffen hat. Der Film selbst ist unterhaltsam, aber sicher kein Meisterwerk. Man würde ohne das Drumherum vermutlich schon bald nicht mehr über ihn sprechen. Das hat sich jedoch geändert, als Hacker die Sony-Computer gehackt haben und Interna veröffentlicht haben.

Der Schaden bei Sony selbst dürfte wohl beschränkt sein. Es wurden unschöne Interna bekannt, gleichzeitig erhielt der Konzern jedoch eine weltweite Berichterstattung, ohne dafür bezahlen zu müssen. Inzwischen reagierten wohl die USA ihrerseits mit einer Cyberattacke und schalteten das Nordkoreanische Internet über viele Stunden de facto ab.

 

Die Revolution liegt in der Veröffentlichung

Die wirkliche Revolution liegt jedoch in der Veröffentlichung des Films. Nachdem die Premieren in den Kinos zunächst abgesagt wurden und manch einer vermutete, der Film könnte vielleicht nie veröffentlicht werden, entschied sich Sony kurzfristig, den Film über Streaming-Portale wie Google Play zu verkaufen und zu verleihen.

Entscheidend hierbei ist, dass der Film in ganzer Länge und in bester 1080p Qualität vom Hersteller selbst einen Tag vor der Premiere in Kinos selbst veröffentlicht wurde. Das ist für einen der großen Spieler nichts anderes als eine ausgemachte Revolution. Eine Revolution, welche die ganze Kinowelt umkrempeln könnte.

Natürlich hat es wohl keine zwei Stunden gedauert, bis der Film auch „gratis“ auf illegalen Downloadportalen auftauchte, doch dank der Gratis-Werbung in praktisch allen Medien dürfte der Verkauf und Verleih des Films wohl bestens funktionieren. Fehlende Zwischenhändler wie auch fehlende Kopier- und Logistikkosten lassen die „Herstellungskosten“ je Kopie in den Keller sacken, was die Marge für Sony auch trotz Raubkopien lukrativ machen könnte. Sieht man sich an, was der Konzern auf dem Weg zum Kunden nun an Kosten spart, bleibt ein gewaltiger Batzen Geld bei Sony liegen. Geld, welches der Konzern sonst nie gesehen hätte.

Sony ermöglicht die Filmpremiere im Heimkino noch vor der im richtigen Kino! Screenshot Google Play.
Sony ermöglicht die Filmpremiere im Heimkino noch vor der im richtigen Kino! Screenshot Google Play.

 

Ist das Heimkino das neue Kino?

Noch ist es viel zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Wenn man aber davon ausgeht, dass Sony nicht völlig schwerfällig ist, sondern seine Finanzabteilung die Ergebnisse dieser Veröffentlichung genau im Auge behält, könnte sich eine direkte Veröffentlichung von großen Hollywoodfilmen direkt auf Streaminganbietern zur Zukunft des Kinos entwickeln.

Persönlich gehe ich praktisch nicht mehr ins Kino, da man für zwei Personen bei einem Film mit Überlänge und in 3D (häufig ist das keine Wahl, sondern die einzige Option) inzwischen mehr für die beiden Karten bezahlt (12 Euro und mehr pro Stück), als die Blue-Ray des Films ein paar Monate später im Laden kostet. Warum also sollte ich mehr Geld dafür ausgeben, einen Film einmal zu sehen, wenn ich alternativ eine Kopie bekomme, die ich bei Nichtgefallen weiterverkaufen kann?

Indem Sony nun direkt ermöglicht den Film zu kaufen, fällt diese Hürde weg. Dazu kommt, dass heute Kinos zwar noch mit einer großen Leinwand punkten können, ansonsten die Technik in nicht wenigen Wohnungen kaum noch auf einem schlechteren Stand ist. Dazu kann man in Wohnungen den Film pausieren, während man das Bad aufsucht, kann eigene Getränke zu einem Bruchteil der Kosten konsumieren und bei Bedarf auch im „Kino“ rauchen. Dazu kommt, dass hinter einem sitzende Kinder die die ganze Zeit reden und mit ihren Füßen auf die Rückenlehne stampfen schlicht nicht vorkommen können.

Kurzum: Alles zusammengefasst, haben nicht wenige Filmfreunde das bessere Kino zu Hause. Indem Sony nun ermöglicht einen aktuellen Film auch dort zu sehen, könnte eine neue Ära für Kinofilme anbrechen. Sony macht mehr Gewinn. Der Film ist billiger, da das Leihen des Films billiger ist als nur eine Kinokarte, geschweige denn, wenn man die Kosten auf mehrere Freunde umlegt. Zu Hause braucht man nicht anzustehen und schlechte Manieren anderer Kinobesucher zu ertragen, während man genau die Snacks bekommt die man will, zu einem Bruchteil der Kosten. Somit gewinnen mit dieser Variante sowohl Sony, als auch der Filmfreund.

Setzt sich diese Variante um, weil Sony von ihr profitiert (und das sollte der Konzern eigentlich), dann könnte die Kinolandschaft schon sehr bald sehr anders aussehen. Vielleicht hat gestern die Revolution für Kinofilme begonnen. Wir werden es sehen.

Leseliste 2015

Zu den guten Vorsätzen an Neujahr gehört bei vielen, doch mehr zu lesen. Ich glaube nicht, dass ich diesen Vorsatz bislang je hatte, lese ich doch so schon eine Menge. In den letzten Jahren lese ich jedoch fast nur noch in digitaler Form, vor allem Aufsätze und Ähnliches. Das Verschlingen gedruckter Bücher ist auf eine Handvoll pro Jahr abgesackt, während ich durchaus zugleich Buch auf Buch gekauft oder zumindest vorgemerkt habe.

Dieses Jahr möchte ich es anders machen. Um die Bücher auch tatsächlich zu lesen, habe ich extra ein Fach in meinen Bücherregalen freigeräumt, in das alle Bücher für 2015 gepackt wurden. Darin findet sich eine wilde Mischung aus Fachbüchern, Anleitungen, Romanen und Klassikern.

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Meine Bücher für 2015 von links nach rechts:

 

Das sind 30 Bücher, womit ich mehr als eines alle zwei Wochen lesen muss, um durchzukommen. Das sollte an sich machbar sein, auch wenn trockener Stoff dabei ist. Dazu möchte ich jedes Buch auch rezensieren und besprechen, wenn ich es durch habe.

Und was lesen Sie 2015 – abgesehen von diesem Blog hier? 😉

Lügenpresse bei Pegida

„Lügenpresse“ ist ein immer wieder bei den Pegida-Demonstrationen gerufenes Wort, das viele Journalisten und Politiker empört. Tatsächlich tun die Medien gerade viel, damit es auch wirklich gerechtfertigt ist. Nicht nur, dass die „Tagesschau“ de facto eine Propagandasendung ausgestrahlt hat, die Bild-Zeitung hat nun scheinbar versucht, die Proteste heute Abend möglichst stark anzustacheln.

 

Der RTL-Reporter bei Pegida

Über den RTL-Reporter muss man nicht mehr viel schreiben. Es wurde bereits überall thematisiert. Dass aber ein Fernsehsender seine Reporter inkognito in die Demonstrationen schickt und so etwas dabei rauskommt, das kann nur das Lügenpresse-Argument verstärken. Persönlich sehe ich es allerdings weniger dramatisch. Wenn der Reporter inkognito mit Teilnehmern spricht, diese dabei nicht aufnimmt und nicht als Agent Provocateur die Teilnehmer zu fremdenfeindlichen Aussagen anstachelt, dann kann ich damit leben. Wenn also der Reporter tatsächlich nur Informationen sammelt und nicht beeinflusst. Irgendwie wollen die Medien ja an Informationen kommen, was bei weitgehend Interviews verweigernden Teilnehmern schwer ist.

Im Prinzip wäre das übrigens sogar eine gute Idee. Aktuell geben wohl nur geltungsbedürftige- und, ähm, wie soll ich es sagen, weniger geistig fähige, Teilnehmer Interviews. Einen tatsächlichen Querschnitt würde da ein Medium wohl tatsächlich nur erhalten, wenn es sich unerkannt unter die Teilnehmer mischt.

Was den Reporter da allerdings geritten hat, ist unklar. Vielleicht ist er wirklicher Fremdenfeind, vielleicht war er nur so sehr in seiner Rolle als Pegida-Teilnehmer. Dass er diese Rolle aber dann auch vor einer Fernsehkamera spielt kann nur noch mit geistiger Umnachtung erklärt werden. Direkt nach dem Vorfall habe ich geschrieben, „mal sehen ob er in drei Monaten noch bei RTIL arbeitet.“ nun ist er bereits gefeuert.

Doch auch das sehe ich, für sich isoliert, als weniger dramatisch an. Woher sollte der Außenreporter des NDR wissen, dass es ein Kollege war? Nach Bekanntwerden hat man hier nach meinem Dafürhalten übrigens seriös reagiert. RTL selbst wäre ebenfalls etwas vorzuwerfen, wenn sie ihren Reporter in ihren eigenen Nachrichten als Teilnehmer ausgegeben hätten. Aber auch dies ist vermutlich nicht passiert. Wenn also einer ihrer Reporter durchdreht, ist das RTL nicht wirklich vorzuwerfen.

 

Omid Nouripour und muslimische Lieder in der Kirche

Omid Nouripour ist ein Schauspieler, der den „Experten für Sicherheitspolitik“ mimt, ohne auch nur einen Hauch Ahnung von der Materie zu haben. Dennoch ist er als MdB mit einem nichtdeutschen ethnischen Hintergrund natürlich geradezu prädestiniert, um mit provokanten Aussagen die Pegida-Proteste zu befeuern. Das dachte sich nun wohl auch die Bild. Sie rief ihn an und fragte ihn, ob er es nicht für eine gute Idee halte, muslimische Lieder in Kirchen zu singen. Er sagte wohl, dass es keine gute Idee sei. Allenfalls sei es denkbar, wenn in Moscheen seinerseits christliche Lieder gesungen würden. Die Bild nahm daraus ein paar Satzteile und schneiderte sich daraus eine Schlagzeile, die es zu einer Forderung Nouripours macht, an Weihnachtsgottesdiensten islamische Lieder zu singen.  Lügenpresse? Check!

 

Gesinnungstests unter Freunden mit dem Stern

Das Magazin Der Stern gibt auf seiner Homepage eine Anleitung, wie man seine Freundesliste auf Facebook von Pegida-Anhängern säubert.

Pegida geht Ihnen auf die Nerven? Und sie wollen keine Freunde, denen Pegida gefällt? Mithilfe eines Links können Sie nun sehen, ob einer Ihrer Freunde bei Facebook mit der Bewegung sympathisiert.

 

"Ingsoc" Die Partei aus "1984" von George Orwell.
„Ingsoc“ Die Partei aus „1984“ von George Orwell.

 

Ein Freund und politischer Feind

Zu meiner Schulzeit am Ende des letzten Jahrtausend hatte ich einen guten Freund. Wir haben uns oft gesehen und jahrelang zusammen Computer gespielt. Fast jedes Wochenende wurden die PCs in Autos gepackt und in seinen Keller gebracht, wo wir beide und zwei weitere Freunde Platz hatten, um unzählige Partien Counterstrike zu spielen. Was sich nach einer stinknormalen Jugend eines heute etwa 30jährigen anhörte, hatte eine besondere Komponente.

Mein Freund war Kommunist. Nicht nur irgend etwas halbgares, sondern 110 % Kommunist. Ich war 110% Antikommunist, schon damals. Doch während wir beiden Teenager gelegentlich mal eine kleinere Diskussion um Politik hatten, die vermutlich auch vehement geführt worden sein dürfte (ich erinnere mich nicht mehr), stand unsere Freundschaft nie zur Debatte. Wir beide wussten, dass es schlicht irrelevant war, was der andere politisch dachte. Wir waren Freunde, wollten zusammen Bier trinken und Computer spielen und vielleicht auch mal an unseren Mopeds herumschrauben. Warum also hätten wir uns unsere Freundschaft wegen gegenteiliger politischer Ansichten stören lassen?

 

Mit Gesinnungstests für eine eindimensionale Welt

Der Stern verweist auf einen Blogartikel, der erklärt wie man mittels Graph Search bei Facebook nach Freunden sucht, die bestimmte Seiten mögen. Neben einem fertigen Link für Freunde die die Pegida-Seite geliked haben, werden gleich auch noch Links für die NPD und die AfD angeboten. Dies soll einem helfen, Freunde mit der falschen Gesinnung einfacher zu finden und sie so aus der eigenen Freundesliste zu entfernen.

Schon in meinem letzten Blogartikel habe ich Norbert Bolz zitiert, der eine in Deutschland unbekannte Selbstverständlich genannt hat. Zur Meinungsfreiheit gehört es nicht nur, dass Andere ihre Meinung sagen dürfen ohne hinter Gittern zu landen. Es gehört auch dazu, dass man Respekt vor ihrer Meinung zeigt.

Ein Freundeskreis entwickelt sich normalerweise selbständig. Man wird mit den meisten Freunden Gemeinsamkeiten teilen und ein politischer Mensch wie ich dürfte vor allem auf Facebook „Freunde“ haben, die wie er selbst ticken. Dennoch habe ich nie einen Gesinnungstest gemacht um herauszufinden, wie jemand tickt, da es schlicht die Privatsache der Personen ist. Wenn ich mit jemandem Rennradfahren gebe, dann wird doch das Rennradfahren nicht schlecht, nur weil er die „falsche“ Partei wählt.

Selbstverständlich habe ich auch Leute entfreundet, auch wegen politischer Sachen. Dies aber normalerweise nur, weil sie entweder schlicht dumm waren, kein Benehmen hatten oder aber langweilig waren. Viele andere hingegen habe ich stumm gestellt, weil ich zwar nichts von ihnen hören will (aus politischen oder anderen Gründen), aber eben die Freundschaft nicht beenden möchte.

Damit mir jedoch etwas davon auffällt, mussten sie sich offen zu politischen Themen äußern. Welche Seiten sie geliked haben, ist schlicht irrelevant für mich.  Würde ich nach dem Vorbild des Stern vorgehen, würde ich in einer schrecklich eindimensionalen Welt leben.

 

Nur Konfrontation bringt Fortschritt

Wenn ich an meine eigene Vergangenheit zurückdenke, so habe ich einige Dinge geglaubt und auch vertreten, die schlicht Unsinn waren. Während ich einen Teil durch mein Studium und damit durch Bildung ablegen konnte, wurden die anderen Überzeugungen zum Wanken gebracht, indem man mich konfrontiert hat.

Tage- und nächtelang habe ich beispielsweise Diskussionen um Israel geführt, weil von mir respektierte Freunde sich die Zeit genommen haben, den anders denkenden, mich, damit zu konfrontieren und mit ihm zu diskutieren, statt schlicht den Kontakt abzubrechen. Mich persönlich hat das enorm bereichert und mir dabei geholfen, viele Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und vieles Gewohnte und kritiklos Gelernte einer Überprüfung zu unterziehen.

Dass im „Land der Dichter und Denker“ inzwischen ein Geist herrscht, der die intellektuelle Isolation für einen angestrebten Zustand erachtet, ist erschütternd. Wie, wenn nicht durch Reibung, kann man seine Ansichten spitz feilen und damit präzisieren?

Wie soll man kritisches Denken je lernen, wenn man sich nicht mehr mit fremden Ansichten auseinandersetzt? Wie soll man sich geistig weiterentwickeln?

 

Beim Stern hält man all das offensichtlich für falsch. Dort hält man eine konfrontationslose Welt für einen erstrebenswerten Zustand. Wie bedauerlich.

Öffentlich-Rechtliche Propagandaschau

Am 15.12.2014 berichtete Deutschlands wohl meistgesehene Nachrichtensendung, die „Tagesschau“, über die „Pegida“-Demonstration in Dresden. Während man von einem öffentlich-rechtlichen Medium vielleicht Neutralität erwarten könnte, zeigte sich eine Propagandaschau von erstklassiger Güte.

Screenshot tagesschau.de, abgerufen am 16.12.2014
Ob „Information“ hier die richtige Bezeichnung ist? Screenshot tagesschau.de, abgerufen am 16.12.2014

 

Der erste Satz: Verkleinerung der Teilnehmerzahl, Wertung des Anliegens.

Schon im ersten Satz beginnt Judith Rakers mit dem, was folgen wird.

In Dresden haben sich erneut mehrere Tausend Menschen versammelt, um gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes zu demonstrieren.

Schon die Zahlenangabe ist klar falsch. „Mehrere Tausend“ sind wie viele? Drei- bis Fünftausend? Tatsächlich waren es 15.000 Demonstranten. Warum wird hier dem Zuschauer gegenüber vermittelt, dass die Zahl deutlich kleiner war?  Wenn man keine genauen Zahlen nennen möchte, warum wurde dann nicht „Weit über Zehntausend“ gesagt?

Doch auch um einem den Blutdruck jedoch gleich in die Höhe zu treiben, dient der erste Satz. So lässt sich die Tagesschau-Sprecherin darüber aus, dass die Islamisierung des Abendlandes „angeblich“ sei. Nun ist bekannt, dass man wohl in Dresden Probleme haben dürfte, überhaupt Muslime zu finden. Als was genau man eine „Islamisierung“ bezeichnen will, darüber kann man sicherlich debattieren. Ist es das Stellen einer Mehrheit der Bevölkerung oder die Einführung von islamischem Unterricht?

Doch hierum geht es schlicht nicht. Eine Kommentierung ob das, wogegen demonstriert wird berechtigt ist oder nicht, hat in einer Nachricht schlicht nichts zu suchen. Erst Recht nicht ohne Belege.  Man stelle sich nur einmal vor, die Tagesschau würde berichten: „Hat Verdi zu Warnstreiks aufgerufen, weil Amazon-Angestellte angeblich zu wenig verdienen.“ Oder vielleicht: „“Gab es bundesweite Demonstrationen für ein Verbot von Waffenexporten, weil diese angeblich die Welt unsicherer machen.“ Oder wie wäre es mit: „Erklärten die Demonstrationsteilnehmer unter Beteiligung von fünf MdB, dass angeblich ein Mindestlohn in Deutschland nötig wäre.“

Verstehen Sie worauf ich hinaus will? Es ist eine unerträgliche und unpassende Wertung, die in angeblichen Nachrichten und angeblich neutraler Berichterstattung nichts zu suchen hat. Sie kann Teil eines Essays sein. Sie kann in einem Kommentar vorkommen. In Nachrichten hat es jedoch nichts zu suchen. Hätte man in Nachrichten werten wollen, wäre eine Nennung von Fakten möglich gewesen. Ein wunderbarer Seitenhieb wäre gewesen, wenn die Sprecherin einfach wahrheitsgemäß gesagt hätte: „In Dresden, in dem es einen Bevölkerungsanteil von 0,1% Muslimen gibt, haben heute 15.000 Menschen gegen die Islamisierung des Abendlandes demonstriert.“ Das hätte die Demonstration in einen vielsagenden Kontext gesetzt, ohne Propaganda zu fabrizieren.

 

Der zweite Satz: Schüren von Empörung

„Die sogenannte Pegida-Bewegung will sich dabei die Tradition der Montagsdemonstrationen aneignen.“

Montagsdemonstrationen finden zu allen möglichen Themen an. Ob gegen S-21, jeden (ersten?) Montag in Stuttgart, oder die „Montagsspaziergänge“ in Würzburg. Ob die „Wahnmachen“, bei denen Aluhüte von Weltverschwörungen, Chemtrails und NATO-Verschwörungen fabulieren. Auch die LINKE demonstriert gerne Montags für oder gegen alles Mögliche, obwohl die Montagsdemonstration gegen genau diese Partei gerichtet waren und ihre Diktatur letztendlich mit erledigen geholfen haben.

Dies bei „Pegida“ zu nennen, dient im Kontext des Tenors der restlichen Meinung dem Schaffen von Empörung, zumal eine Definition von „aneignen“ nicht zuletzt „etwas widerrechtlich an sich nehmen“ lautet.

Was hat dieser Vorwurf in den Nachrichten zu tun, wenn er nicht gegenüber jeder Demonstration am Montag erhoben wird?

 

Der dritte Satz: Verzerren der Teilnehmerzahlen

Gleichzeitig findet auch eine Gegendemonstration mit mehreren tausend Teilnehmern statt.

Tatsächlich war die Beschreibung „mehrere Tausend“ hier zutreffend. Es waren 6.500 Teilnehmer. Angesichts der fast dreimal so vielen Teilnehmer bei Pegida, hätte eine seriöse Berichterstattung unterschiedliche Worte benutzt, wie oben vorgeschlagen. So aber wird insinuiert, dass beide Demonstrationen gleich stark besucht waren. Dies war nicht einmal im Ansatz der Fall!

 

Der fünfte Satz: Eine blanke Lüge

Die Pegida-Bewegung bekommt Verstärkung. Zwar sind heute einige Tausend weniger gekommen, dafür […]

Tatsache ist, die Teilnehmerzahl war von 10.000 auf 15.000 gewachsen! Hier wird der Zuseher dreist und offen belogen!

 

Schon mal von Reaktanz gehört?

Ich habe hier und an anderen Orten immer wieder die „etablierten Medien“ verteidigt, wenn es um Russland ging. ich weiß nicht, ob die Tagesschau inzwischen eine Korrektur gesendet hat, schon alleine weil ich keinerlei öffentlich-rechtliche Medien konsumiere. Was man sich dort aber geleistet hat, ist untragbar!

Angesichts solcher Sendungen werden die Demonstranten abfällig gesehen, wenn sie „Lügenpresse“ skandieren? Was, wenn nicht astreine „Lügenpresse“, war denn dieses Machwerk am 15.12.2014 um 20:00 Uhr?

Wenn Menschen ein Anliegen haben, wird pauschal von Hetze gesprochen, obwohl ich bislang keinen Beleg für tatsächliche Hetze gefunden habe – noch nicht einmal in der Tagesschau. Warum hat sie keine Bilder gezeigt, auf denen rechtsradikale oder gar rechtsextreme Parolen zu sehen waren? Wo sind die Bilder von Glatzen? Bei dem ersten Parteitag der AfD in Berlin war ein Mann mit Deutschland-Schärpe, der daraufhin in allen Medien zu sehen war. Wo sind hier diese auffälligen Demonstranten? 15.000 Menschen werden vom Innenminister zu einer „Schande für Deutschland“ erklärt. Pauschal.

Haben die Medienmacher und die Politik schon einmal von Reaktanz gehört? Drückt Menschen lange genug in eine Richtung und ein Teil von ihnen wird beginnen sich aus Prinzip dagegen zu stemmen, weil sie keine Lust haben sich zwingen zu lassen!

Was ist das für ein Land, in dem die selbsternannten Eliten derart mit vielen Tausend ihrer Bürger umgehen? Was erwarten sie, was diese dann machen? Ich habe bis heute nicht an einer Pegida-Demo teilgenommen und habe es auch weiterhin nicht vor. Mir sind einige der Personen in diesem Umfeld suspekt. Ich will mich als Liberaler nicht mit Menschen gemein machen, die politisch mit Sicherheit woanders stehen. Mit solcher Berichterstattung stellt man jedoch sicher, dass – dank Reaktanz – eine Menge Verständnis erzeugt wird!

 

Öffentlich-Rechtliche Propaganda

Alles was oben geschildert wird, ist nicht illegal, vermute ich zumindest. Es dürfte jedem denkbaren Maßstab für einen seriösen Journalismus widersprechen, aber Nachrichten mit Beeinflussung zu vertauschen ist nicht strafbar.

Dramatisch wird das Ganze jedoch dadurch, dass es in den öffentlich-rechtlichen Medien passiert ist. Die Medien, die mit über 8 Milliarden jährlich gemästet werden, um für die Bevölkerung eine neutrale Berichterstattung zu garantieren. Neutrale Berichterstattung, die, wie aufgezeigt, nicht einmal im Ansatz vorhanden war.

Während man eine Propagandashow bei einem privaten Fernsehsender nicht ansehen möchtet, stellt man den Fernseher ab oder schaltet um. Diese Sendung würde entsprechend von den Werbekunden wegen geringer Reichweite gemieden werden, doch die Tagesschau jedoch durch erpresstes Geld finanziert. Das Beste dabei ist, auch durch das von den Teilnehmern von Pegida abgepresste Geld. Sie dürfen also ihre eigene Diffamierung mitfinanzieren. Das ist schlicht untragbar!

 

Politische Korrektheit und fehlende Meinungsfreiheit

Wir leben weit entfernt von Meinungsfreiheit und ich halte es für den größten Witz der letzten Diskussion, dass man immer wieder sagt:, wer hätte denn mehr Meinungsfreiheit als Sarrazin gehabt. Das ist lächerlich. Zur Meinungsfreiheit gehört fundamental der Respekt vor Andersdenkenden und ich sehe nirgendwo auch nur den Ansatzpunkt eines Respekts vor dem, was andere, die nicht politisch korrekt denken, sagen und veröffentlichen. Und das fehlt unserer Diskussion dringend. Die Leute draußen merken das und ich kann es Ihnen voraussagen. Es werden immer mehr. Ich bin fest davon überzeugt, dass es eine Art Geschichtszeichen ist, dieses Buch von Sarrazin [Deutschland schafft sich ab]. Nicht weil es eine hohe Qualität hat, sondern weil es eine Auslöserfunktion hat. Die Leute lassen sich nicht länger für dumm verkaufen und sie lassen sich nicht länger zum Schweigen bringen. […] Das entscheidende ist, dass die Leute nicht mehr bereit sind, sich von der politischen Klasse und von besonders arroganten Jakobinern auch in den Feuilletons  den Mund verbieten zu lassen

Prof. Dr. Norbert Bolz bei Anne Will vor einigen Jahren.

Das ist jedoch das entscheidende Konzept der Politischen Korrektheit. Sie erzeugt Redeverbote, die Sie unter Androhung der gesellschaftlichen Ächtung durchzusetzen versucht. Das sehen wir gerade live in den Medien und durch die Politiker im Bezug auf Pegida.

Dabei ist dieses Dogma nicht nur eine Schande für eine aufgeklärte Demokratie und eine tatsächliche und effektive Einschränkung der Meinungsfreiheit. Wer schon einmal in den USA mit Menschen diskutiert hat weiß, wie Meinungsfreiheit tatsächlich funktionieren kann.

Nein, diese Politische Korrektheit und die davon ausgehende Einschränkung der Meinungsfreiheit hat zwei gravierende Auswirkungen.

  1. Tatsächliche Probleme werden nicht benannt. Statt dass sie debattiert würden und im Rahmen einer Debatte nach einer Lösung gesucht würde, wird ein Mantel des Schweigens über Themen gelegt, der den Menschen am Herzen liegt. Nur vergessen viele der Menschen dieses Thema nicht, nur weil nicht offen abseits der „Stammtische“ darüber debattiert wird.
  2. Noch gravierender ist jedoch, dass vermeintliche Probleme nie erörtert werden und eben als solche enttarnt werden können – als nicht existent.

So aber züchtet man sich eine Schicht heran, die den eigenen Staat, die eigene Politik und die eigenen Medien als Feind ansieht, weil sie sich unmittelbar unterdrückt fühlen und die Meinungsfreiheit unmittelbar beschnitten sehen. So züchtet man sich Pegida heran. So züchtet man sich auch Menschen heran, die von diesem ganzen Staatssystem nichts mehr halten. Während bei Muslimen immer wieder richtigerweise betont wird, man dürfe nicht pauschal verurteilen und müsse auf sie zugehen, ist es bei Rebellen gegen die Politische Korrektheit scheinbar heilige Vorschrift, von jeder Differenzierung und von jedem Zuhören abzusehen.

Ist das der freiheitliche und pluralistische Staat, in dem wir leben wollen?

USA: Die größte Bedrohung für den Weltfrieden

Putins Propaganda-Sender RT Deutsch hat in einer Sendung die USA als größte Bedrohung des Weltfriedens bezeichnet und war überrascht, auf der Straße in Berlin weitaus mehr zu finden, die Russland als Bedrohung ansahen. In Erwartung dass in der Umfrage von 2014 Russland prominenter genannt werden wird, sagen die Journalistendarsteller, dass die „Medien der Atlantikbrücke“ wohl ganze Arbeit geleistet haben wird, um Russland als Gefahr darzustellen. Dass Russland wieder einmal ein Nachbarland überfallen hat,  hat damit natürlich nichts zu tun. Auch nicht, dass dank Russland die Friedensordnung der Nachkriegszeit passe ist. Nein, die Medien werden Schuld haben!

 

Die USA sind tatsächlich die größte Bedrohung für den Weltfrieden

Allerdings hat Russlands Propagandasender tatsächlich Recht, wenngleich auch unfreiwillig. Die USA sind aktuell tatsächlich die größte Bedrohung für den Weltfrieden, allerdings in anderer Art und Weise als durch RT Deutsch insinuiert wird.

Der Grund liegt vielmehr darin, dass der schlechteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten all das leichtfertig zerstört hat, was die Welt seit dem Ende des Kalten Krieges merklich sicherer gemacht hat.

Reden gut ablesen zu können, macht keinen guten guten Präsidenten. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license. Foto: Jacopo Werther
Reden gut ablesen zu können, macht keinen guten guten Präsidenten.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license. Foto: Jacopo Werther

Der viel gescholtene Weltpolizist USA hat in der Tat mit der entschlossenen militärischen Reaktion auf Saddam Husseins Versuch sich Kuwait 1990/1991 anzueignen der Weltgemeinschaft eine deutliche Nachricht geschickt. „Wer glaubt Nachbarländer erobern zu können, muss damit rechnen, dass die amerikanische Militärmacht seine Streitkräfte zerschlägt.“

Das entschlossene Auftreten des republikanischen Präsidenten George H. W. Bush legte das Fundament. Die rasche und fast ohne eigene Verluste ablaufende Zerschlagung der irakischen Armee war ein Schock für das selbstbewusste chinesische Militär, das in seinem Aufbau wie die irakischen Streitkräfte vor allem auf Masse gesetzt hatte.

So konnte der Nachfolger des 41. Präsidenten, der Demokrat Bill Clinton, mit gerade einmal zwei amerikanischen Flugzeugträgern die Taiwankrise 1995/96 entscheiden und den militärischen Druck Rotchinas auf Nationalchina (Republik China oder Taiwan) abfangen und die Volksrepublik zur Aufgabe zwingen.

Die 1991 als extrem überlegen bewiesene militärische Macht der USA verhinderte so nicht nur 1995/96 einen Krieg zwischen den beiden chinesischen Staaten und sicherte so die Freiheit von 23 Millionen Chinesen auf der früher einmal Formosa genannten Insel Taiwan, sie verhinderte auch viele weitere militärische Konflikte, die nie in den Medien auftauchten. Sie tauchten nie auf, weil das Demonstrieren der Entschlossenheit der USA dafür sorgte, dass die entsprechenden Machthaber eventuell angedachte militärische Abenteuer nie auch nur versuchten. Die wahrscheinlich scheinende oder vielleicht sogar sicherer militärische Antwort der USA auf eine Aggression wirkte zuverlässig abschreckend.

Ohne hier ein neues Fass aufnachen zu wollen – dass der libysche Diktator Gaddafi sein Programm zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen ausgerechnet 2003 freiwillig offen legte und aufgab, ist kein Zufall. Dass das Regime, das jahrzehntelang staatlichen Terrorismus betrieb, nicht an Massenvernichtungswaffen kam, lag unzweifelhaft an der im gleichen Jahr erfolgten Invasion des Iraks, die mit einem Entwicklungsprogramm für Massenvernichtungswaffen der dortigen Diktatur begründet wurde.

Inzwischen ist jedoch ein Präsident im Amt, der glaubt eine Außenpolitik der USA funktioniere völlig ohne militärischen Druck. Ein Präsident, der große Angst hat seine Streitkräfte zu verwenden, weshalb sogar die Kommandoaktion zur Ergreifung oder Tötung von Osama bin Laden monatelang nicht durchgeführt wurde.

Ein Präsident, der Rote Linien zieht, dem dann aber der Mumm fehlt sie durchzusetzen. Diese Angst vor der eigenen Macht hat sich inzwischen viele Male bewiesen. Dass beispielsweise die gegenüber Assad geäußerte Rote Linie eines Einsatzes von Chemiewaffen folgenlos überschritten wurde, hatte unmittelbare Folgen.

Erschreckend deutlich wurde die Glaubwürdigkeit roter Linien durch Obama bei der Krim-Krise. Am 28. Februar 2014 warnte Obama “There will be costs for any military intervention in Ukraine“, also “Für eine militärische Intervention in der Ukraine wird ein [schmerzhafter] Preis zu zahlen sein.” Am nächsten morgen hatten russische Truppen interveniert.

Indem die einzige Macht, die in der Lage ist Diktatoren und Aggressoren weltweit in den Arm zu fallen, sich offensichtlich weigert dies zu tun, wird die Welt ein unsicherer Ort. Weltweit werden sich nun die Potentaten ermutigt sehen, die unzähligen existierenden territorialen Konflikte militärisch zu lösen. Wenn die USA ihnen nicht in den Arm fällt, ist niemand sonst dazu willens oder in der Lage.

Damit wird die USA zur größten Bedrohung für den Weltfrieden.

 

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